Siemensbahn in Siemensstadt (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)
Video: Abendschau | 23.08.2019 | Florian Eckardt | Bild: imago/Jürgen Heinrich

Boom im Berliner Nordwesten - Siemensbahn soll unterirdisch durch Spandau verlängert werden

Die Siemensbahn ist der verkehrstechnische Schlüssel für Spandaus neue Stadtquartiere. Zehntausende sollen hier bald wohnen, ohne S-Bahn droht der Kollaps. Doch für die Verlängerung der alten Trasse gibt es nur eine Option. Eine teure. Von Sebastian Schöbel

Spandaus Bürgermeister war schon jüngst ganz aus dem Häuschen. "Auf einen Schlag ist die Siemensbahn im Fokus des Interesses", erklärte Helmut Kleebank im rbb-Interview. Jahrelang war die 1980 stillgelegte Strecke nicht mehr als eine gestrichelte Linie im ÖPNV-Langzeitplan. Dann kam Siemens mit seinem 600 Millionen Euro teuren Innovationscampus, der Kleebanks Bezirk immens aufwertet und die alte Siemensbahn wieder auf die Agenda hob. "Auf einmal ist es nicht nur eine Chance, dass sie kommt, sondern es ist gesetzt, dass diese Trasse wiederbelebt wird."

Doch nun bekommt die Strecke überraschend noch eine ganz andere Dimension. Die Siemensbahn soll nicht nur wiederbelebt, sondern verlängert werden bis in die Spandauer Wasserstadt an der Havel – und zwar unterirdisch.

Siemensbahn soll unterirdisch durch Spandau verlängert werden (Quelle: mappa.pro/rbb)
Der genaue Streckenverlauf der Verlängerung (gestrichelt) nach Hakenfelde steht noch nicht fest | Bild: mappa.pro/rbb

Nur unter der Erde ist noch Platz

Denn oberirdisch gibt es für die S-Bahn-Trasse eigentlich keinen Platz mehr: Für die Insel Gartenfeld, die die Verlängerung kreuzen müsste, und die Wasserstadt liegen längst Bebauungspläne vor. Zum Teil rollen dort sogar schon die Bagger für neue Wohnquartiere. "Die Pläne würden alle zerschossen werden, wenn man jetzt eine oberirdische Trassenführung planen würde", sagt Spandaus Bezirksstadtrat Frank Bewig.

Also wird es die Siemensbahn-Verlängerung nur als Tunnel geben. Darauf habe man sich zwischen Senat und Bezirk auch bereits geeinigt, bestätigt Bewig dem rbb. Die drei zusätzlichen S-Bahnhöfe, die angedacht sind - möglicherweise Insel Gartenfeld, Daumstraße und Hakenfelde - wären dann natürlich auch unter der Erde. Die nötigen Ein- und Ausgänge will der Bezirk jetzt schnellstmöglich in die Bebauungspläne aufnehmen.

Mehr als 10.000 neue Wohnungen geplant

Der Bedarf nach einer weiteren S-Bahn-Anbindung im Berliner Nordwesten wird in den kommenden Jahren regelrecht explodieren. "Da werden locker 25.000 bis 30.000 Menschen neu hinziehen", sagt Bewig.

Aktuell geplant sind 3.000 neue Wohnungen auf dem Siemenscampus, 3.000 bis 4.000 Wohnungen auf der Insel Gartenfeld, 2.500 Wohnungen in der Wasserstadt, 1.000 Wohnungen im Hakenfelder Carossa-Quartier. Ohne verlängerte Siemensbahn droht der Verkehrskollaps.

"Ein echtes Versäumnis"

Natürlich wird das alles teurer, räumt der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz ein. "Die Bahn hat sehr überschlägig gesagt, dass eine unterirdische Verlängerung 30 bis 40 Prozent teurer wird. Ich würde sagen: Mindestens." Das sei der Preis, den man nun zahlen müsse, so Buchholz.

Und er übt Kritik: "Sowohl auf der Landes- als auch der Bezirksseite ist das viele Jahre nicht ernst genommen worden." Nun würden wieder tausende Wohnungen entstehen, bevor die Verkehrsinfrastruktur verbessert wurde, so Buchholz. "Ein echtes Versäumnis."

Denn die S-Bahn sei längst nicht das einzige Verkehrsmittel, das für Spandaus boomende Stadtviertel ausgebaut werden müsste, so der SPD-Politiker. "Wir brauchen eine U-Bahn-Verlängerung und wir brauchen neue Straßenbahnen. Klingt viel, ist für so einen großen Bezirk aber mehr als notwendig."

Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt soll erst einmal die alte Siemensbahn wieder aufgebaut werden, zwischen den Bahnhöfen Jungfernheide und Gartenfeld. Am besten noch bevor die vielen neuen Wohnungen drumherum bezogen worden sind.

Bahn sieht alle Optionen offen

Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Berlin, geht von "30 bis 40 Millionen Euro" Mehrkosten für einen Tunnel aus. Aus seiner Sicht sind die Messen für eine oberirdische Trasse allerdings noch nicht gesungen. "Theoretisch ist noch alles möglich", sagte Kaczmarek der rbb-Abendschau. Auf der Insel Gartenfeld werde ja noch nicht gebaut, die entsprechenden Pläne seien noch nicht final. Am Ende aber "muss der Senat entscheiden", wie und ob die Siemensbahn verlängert wird.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

73 Kommentare

  1. 73.

    Ich denke auch: Die Kombination der Siemensbahn mit einer Tram wäre überfällig und wir haben heute alle Möglichkeiten, das auch zu bewerkstelligen. Das könnte zugleich der Startpunkt sein für ein Tramnetz für die Viertelmillionenstadt Spandau, seit 1920 eingemeindet nach Berlin: Jeder Mensch, der auch nur eine halbe Stunde am U-, S- und Busbahnhof Spandau steht, kann nur den Kopf schütteln, was für ein Chaos und für ein gegenseitiges Blockieren von Bussen dort herrscht. Das auf drei Tramlinien gebracht, wären schon mal gut die Hälfte der Buslinien weg.

  2. 72.

    Über DIE Wasserstraßenbrücke fahren gleich viel Busse wie durch die Gloltzstraße - je Richtung einer alle 10 Minuten. Dir Brücke ist in der Tat mit Reserven gebaut worden. Die paar LKW - die nebenbei dort oft kurz ohne Kennzeichen stehen - könnten auch woanders abgestellt werden. Neben der Rauchstraße steht ein Grundstück zum Verkauf.

  3. 71.

    Es existieren zwei Wasserstadtbrücken. In der Rauchstraße fuhr vormals die Industriebahn, sodass jeweils nur eine Autofahrspur für eine Richtung bestand. Nach Abbau der Gleise, der Verlegung von Versorgungs- bzw. Abwasserleitungen sowie komplett neuer Asphaltierung, besitzt die Rauchstraße seitdem zur nördlichen Wasserstadtbrücke jeweils zwei Fahrspuren. In Anbetracht des Bus- und LKW-Verkehrs, kann man diesen Zustand als optimal bezeichnen, zudem auf der nördl. Wasserstadtbrücke auch LKWs bzw. Anhänger vorübergehen abgestellt werden.

  4. 69.

    Berlin hat es in der gesamten Geschichte des Flughafen Tegel nicht geschafft, dort ein Gleis hinzubringen. Jetzt wollen sie plötzlich wegen ein paar Wohnungen genau dort das Gleis verlängern. Für mich sitzen entweder nur Versager und Vollpfosten an den entscheidenden Stellen oder ich bin einfach nur doof.

  5. 68.

    Was die gedankliche U-Bahnverlängerung anbelangt, möchte ich die folgende Webseite als Information vorschlagen. http://www.gleisplanweb.eu/Berlin-blind-index.php

  6. 67.

    Für die Spandauer Wasserstadt gibt es m. W. eine Vorbehaltstrasse für die Tram, für die verlängerte Daumstraße aus Richtung Haselhorst auch. Letztere könnte mitgenutzt werden und erstere sowieso. Dass eine Straßenbahn auch auf Brücken fahren kann, wissen die West-Berliner, als zwischen Nollendorfplatz und Bülowstraße auf der stillgelegten Hochbahnbrücke eine Tram fuhr.

    Das wird heute natürlich hochmodern sein. Keinesfalls unter dem Niveau der Züge von Flexity Berlin. Auch die Einbindung in östliche Richtung, in Richtung Jungfernheide ließe sich so leichter bewerkstelligen, als weit oberhalb der Spree eine Brücke bauen zu müssen, die die Vorgänger-Brücke ja noch übertrumpfen müsste.

    Das Zeitalter, wo Stadtoberhäupter und Verwaltungszuständige eine stolz geschwellte Brust bekamen, wo möglichst viel Geld in der Erde versenkt wurde, dürften eigentlich vorbei sein. Das waren die 1960er und mehr noch die 1970er..

  7. 66.

    Das wird der nächste BER, das ist schwieriger Baugrund. Das wird ein Milliardengrab. Also müssen die Hakenfelder entscheiden, eine realistische Anbindung oder ein Milliardengrab für die Betonlobby in 40 Jahren.

    Die Straßenbahn ist schneller und billiger zu haben.

    Das fängt schon mit dem Baugrund an und damit meine ich nicht den extrem schwierigen Baugrund an sich (man denke an die U7 zwischen Rathaus und Haselhorst), sondern an die Altlasten, die da noch im Boden schlummern.

    Aus Haselhorster Seite die Tanklager und auf der anderen Seite ehemaliges Industriegelände.

  8. 65.

    Wer im Berufsverkehr mit der BVG unterwegs ist, merkt schnell, dass er nicht alleine eine Alternative zum PKW sucht. Schaut man sich morgens zudem die Kennzeichen an, fallen viele Drei-Buchstaben-Kombinationen ins Auge. Die müssen eigentlich bereits an der Stadtgrenze abgeholt werden.

    Nur auf einem kleinen Stück der Neuendorfer springt einem nicht sofort der Platz für Schienen ins Auge. Die Straßenbahngleise kann man zudem als Busspur nutzen. Auf dem Rest der Strecke mindestens bis Eschenweg brauchen die Autofahrer sich also keine Sorgen machen. Die könnten sich sogar doppelt freuen, da dann weniger Busse mit Ihnen unterwegs wären und auch weniger PKW.

    Wie ich erwähnte, wären mir unterirdische Bahnen auch lieber. Das wäre dann aber nur fernste Zukunftsmusik, gerade unter diesem Senat mit der ausgeprägten Verweigerungshaltung der Grünen und Linken. Also bleibt als absehbare Lösung nur die Tram. Günther nutzt jedoch den ÖPNV kaum.

  9. 64.

    Ich habe noch die letzte Fahrt der 55 aus Hakenfelde ins Depot erlebt. So auch die Industriebahn Hakenfelde, die zwischen dem damaligen Kraftwerk Oberhavel, BAT und Bergmann Kabelwerke AG fuhr. Die oberirdischen Zeiten haben sich in Hakenfelde derart unwiederbringlich entwickelt, sodass kein Raum für Schienenverkehr von Spandau Rathaus nach Hennigsdorf besteht.

  10. 63.

    Wer unter den Flugzeugen wohnt und die BVG nutzt, wäre froh, wenn die 5min-Takt-Busse schnell ersetzt werden und nicht irgendwann frühestens in der übernächsten Dekade Entlastung kommt.

    Den Mittelstreifen der Streitstrasse hatten wir schon. Von Süden kommend sieht man sogar noch kurz vor der Mertensstraße Spuren der Bahn. Und mit den richtigen Rauchwaren lachen einem die zwei ungenutzten Bahnsteigkanten der U-Bahn an. Es findet am Rathaus eh ein fast vollständiger Fahrgastwechsel statt.

  11. 62.

    Sicherlich kann man der Politik des RRG-Senats kritisch gegenüber, muss aber auch fair abwägen, wie man vom Staat gerechtes Denken und Handeln erwarten sollte. Wer z.B. in Hakenfelde auf den Bus wartet und unter dem Verkehrslärm leidet (auch wegen der Flugzeuge), unpünktliche Busse aufgrund von Wetter sowie Verkehrsbeeinträchtigungen erlebt, der wird einer unterirdischen Verkehrsverbindung sicherlich aufgeschlossener gegenüber stehen.

  12. 61.

    i2030 oder es ist etwas komplizierter
    https://www.i2030.de/

    Bei meiner Tram-Idee habe ich i2030 nicht berücksichtigt. Neben der Verlängerung der Siemensbahn steht auch noch eine Verlängerung Richtung Nauen und/oder Richtung Falkenhagener Feld zur Diskussion. Die Diskussion ist aber schon älter als die Tram-Verschiebung durch den Verkehrssenat. Es müsste dort schon längst Bewegung geben.

    Müsste ich priorisieren, würde ich ASAP dem X49 entlang der Heerstraße durch die Straßenbahn mehr Kapazität geben. Es soll entlang der hypothetischen Strecke eh gebaut werden. Man könnte damit viele Einpendler aus Brandenburg mitnehmen. Danach eine Nord-Süd-Verbindung von Hakenfelde bis Gatow und je nach dringend erforderlicher Entscheidung zur S-Bahn Falkenhagen und Hakenfeld-Wasserstadt-Haselhorst.

    So viel zu meinen Träumen am Morgen.

  13. 60.

    RRG vergeigt derzeit vieles, egal ob Schule, Wohnungsbau oder hier Verkehr.

    Genau deshalb ist es wichtig, dass man schnell Alternativen zu Auto vorweisen kann anstelle nur mit viel Elan alle ÖPNV-Pläne weit nach hinten zu schieben und Berater nur für die Radwegeplanung zu engagieren. Das Geld hätte man besser in die Interessen der "Randberliner" stecken können, musste aber die AL befriedigen.

    Ich habe fünf Minuten mit einer Online-Karte auf der Suche nach breiten Straßen mit Mittelstreifen gespielt und bis zu einem ähnlichen Ergebnis wie Iprost gekommen. Deren Idee endet aber auf der Heerstraße im Nirgendwo. Wenn man *jetzt* mit dem Planen beginnen würde, könnte man inkl. Klagen in zehn Jahren durch sein. Klimapolitik steht gerade hoch im Kurs. Der größte Knackpunkt ist der Bereich Rathaus/Bahnhof Spandau. Eine U-Bahn wäre mir aber lieber, kommt aber nie.

    Ebenfalls jetzt muss man auch über die Verlängerung der S-Bahn bis Hakenfelde entscheiden.

  14. 59.

    Nein! Die Arbeitskarte fasst die beschlossenen FNP samt hier unterirdischer Bahnhöfe zusammen. Am Entwurf des FNP für Insel hat sich unter Führung von Lompscher (die ist bekanntlich nicht in der CDU) nicht grundsätzliches geändert. Bereits bei der ersten Bürgebeteiligung in 2017 war die S-Bahn unterirdisch geplant. Sie sind mit Ihrer Idee viel zu spät. Aber keine Sorge. Bis die mit dem Bauen anfangen, vergehen bei dem Ergeiz der grünen Verkehrssenatorin eher Dekaden als Jahre. Bis dahin wird man beamen lassen können oder zumindest Ersatz für die BR 483/484 bestellt haben.

  15. 58.

    Zukünftige Generationen wären bei aktuellen Tempo des Senates froh, wenn bis zu deren Rente überhaupt etwas passiert. Sie werden uns hassen, weil alles auf die lange Bank geschoben wird.

  16. 57.

    Da sind wir uns mal einig, nur haben wir zwei verschiedene Lösungsansätze. Was passiert wenn Günther die Wende zu radikal (aus Sicht der Autolobby und ihrer Jünger) angeht? Richtig, RRG ist weg vom Fenster und cDU und FDP im Bunde mit der AfD wetzen schon die Messer um die (m.E. zu) zaghaften Ansätze wieder zunichte zu machen.

    Was halten sie von den Plänen wie von Iprost vorgestellt? Schnell umsetzbar.

  17. 56.

    Die zukünftigen Generationen werden es uns vor allen danken wenn wir endlich die autogerechte Stadt der Ewiggestrigen hinter uns lassen und es nicht ihnen überlassen unsere schwerwiegenden Fehler zu korrigieren. Schon heute ist das Auto kein Statussymbol wie in meiner Generation. Führerschein war mit 18 "Pflicht", darüber dachte man gar nicht nach.

    RRG fängt viel zu zaghaft an endlich die Zukunft zu gestalten. Für Menschen, nicht für die Autolobby.

  18. 55.

    Sie sagen es: Arbeitskarte! Also ein Entwurf. Unterirdisch im verseuchten Gebiet und schwierigen Untergrund. Das Ding wird ein neuer BER, ganz ohne Entrauchungsanlage. Sehr zur Freude der Betonlobby.

  19. 54.

    Dass auch ich das absurd finde, hatte ich schon in #1 angedeutet.

    Es muss dringend (nicht nur) für West-Spandau eine Konzept geben, mit man die Verkehrswende verstetig. Die Verlängerung der Siemensbahn gehört dazu. Das Buschaos schreit nach PKW, Günther will die bis 2030 weg haben, spielt aber Beamten-Mikado.

    Warum nicht sofort eine Straßenbahn von Hakenfelde am Rathaus vorbei über Wilhelmstadt nach Gatow planfeststellen? Falkenhagen darf auch nicht vergessen werden. Warum keine X-Tram entlang der Heerstraße von Staaken bis zum ICC, wenn man dort eh bald bauen will? 75m-Bahnen müssen möglich sein. Das kostet Geld, aber dann kann sie gerne wieder mit der City-Maut um die Ecke kommen. Paris plant 40 Mrd. für den Ausbau der Metro.

    Das AK Funkturm soll umgebaut werden. Könnte man dort dann Platz finden, um in fernerer Zukunft am Westkreuz vorbei bis zum Ku'Damm und über die Busspuren weiter bis Wittenbergplatz zu kommen?

Das könnte Sie auch interessieren