S-Bahnhof Hackescher Markt: Menschen laufen neben einem Zug den Bahnsteig entlang. (Quelle: imago-images/Rüdiger Wölk)
Video: Abendschau | 28.08.2019 | Tom Garus | Bild: imago-images/Rüdiger Wölk

Italienische Studie - Ist der ÖPNV in Berlin doch besser als sein Ruf?

In Italien haben Wissenschaftler den öffentlichen Personennahverkehr in verschiedenen Großstädten miteinander verglichen und Erstaunliches herausgefunden: Offenbar kommt man in Berlin am schnellsten voran. Von Markus Streim

Keine andere Weltstadt kann Berlin das Wasser reichen - zumindest wenn es darum geht, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Das geht aus einer Studie der Technischen Universität Turin hervor, die den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in 32 namhaften Großstädten untersucht hat, in Europa, Nordamerika und Australien.

Verglichen wurde aus der Ferne

Demnach benötigen die Menschen in fast allen Metropolen mindestens 20 Prozent mehr Zeit, um ihre Ziele zu erreichen. Allein Paris auf Platz zwei kann gerade so noch mithalten. Abgeschlagen auf Platz drei liegt Kopenhagen vor Helsinki und Athen. Ganz vorn im Ranking aber steht Berlin.

Sind die Berliner "Öffis" also besser ihr Ruf? Im Wettbewerb waren keine weiteren deutschen Städte vertreten - auch keine asiatischen, afrikanischen oder südamerikanischen, denn nur Städte mit online verfügbaren Fahrplänen wurden berücksichtigt. Das italienische Forscherteam hat also aus der Ferne verglichen und nicht mit Stoppuhr an den Haltestellen gestanden. Dann wären vielleicht auch zu früh abgefahrene Busse, überfüllte S-Bahnabteile oder ausgefallene U-Bahnen registriert worden.

Fahrplanmäßig ist Berlin top

Es ging stattdessen um die Soll-Zeiten. Zur Berechnung wurden die Städte in kleine, sechseckige Felder eingeteilt, in denen man maximal 15 Fußminuten zur nächsten Haltestelle benötigt. Gemessen wurden Verbindungen zwischen 6 und 22 Uhr. Und die Gesamtzeiten aus Fußweg und Fahrten wurden dann mit komplizierten Formeln ermittelt. Zumindest fahrplanmäßig ist Berlin also top.

Ziel der Studie aber war es auch herauszufinden, wie viele Menschen man innerhalb einer dreiviertel Stunde mit dem ÖPNV treffen kann. Dabei hat Paris am besten abgeschnitten - wegen der höheren Bevölkerungsdichte vor New York und Madrid. Wird die Bevölkerungszahl mit berücksichtigt, belegt Berlin immerhin noch den zweiten Platz hinter Athen.

Insgesamt also keine schlechten Noten für den Öffentlichen Personennahverkehr in Berlin.
Etwas aussagekräftiger wären aber die tatsächlichen Fahrzeiten - unter Berücksichtigung aller Verspätungen und Ausfälle.

Interview mit Mobilitätsforscher Andreas Knie

  • Wie aussagekräftig ist die Studie?

  • Was macht Berlin beim öffentlichen Nahverkehr besser als andere Städte?

  • Welche Schlüsse kann Berlin aus der Studie ziehen?

Sendung: Inforadio, 28.08.2019, 8.00 Uhr

Beitrag von Markus Streim

Kommentar

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31 Kommentare

  1. 31.

    "... Etwas aussagekräftiger wären aber die tatsächlichen Fahrzeiten - unter Berücksichtigung aller Verspätungen und Ausfälle."

    Auch die Anzahl der Personen morgens im Berufsverkehr in den U-Bahnen wären da zu nennen, und die Zugausfälle führen zumindest bei mir zu regelmäßigen Wartezeiten von 5-10 Minuten im Berufsverkehr. So wird das nichts mit der Mobilitätswende und dem Klimaschutz, so kann man die Autofahrer nicht überzeugen, dass BVG-Fahren eine Alternative ist. Aktuell ist die BVG das Hartz-4 unter den Berliner Verkehrsmitteln im Berufsverkehr

    Nachtrag: in meiner Kindheit in Berlin fuhren die U-Bahnen im Berufsverkehr alle 2-3 Minuten (man nannte das dann später auch "dichter Zugtakt"), nur so als Tipp. Und zu Zeiten von Walter Momper 1988 gab es eine Umweltkarte für 35,- Mark im Monat

  2. 30.

    Schwund ist bei jeder Sache. - Mit Sozialticket stimmt das Preis-Leistungsverhältnis.

  3. 29.

    "Ziel der Studie aber war es auch herauszufinden, wie viele Menschen man innerhalb einer dreiviertel Stunde mit dem ÖPNV treffen kann. Dabei hat Paris am besten abgeschnitten - wegen der höheren Bevölkerungsdichte vor New York und Madrid. Wird die Bevölkerungszahl mit berücksichtigt, belegt Berlin immerhin noch den zweiten Platz hinter Athen."

    Also um so voller, desto besser? Welcher Logik folgt diese Aussage der Studie?

  4. 28.

    Wer eine Studie macht, sollte sich wenigstens mal die Realität anschauen,
    Ständig fallen Züge oder Busse aus oder werden nicht mit der geforderten Kapazität zur Verfügung gestellt.
    Dann ständig der alte Schrott den die Bahn einsetzt.
    Mit dem jetzigen Nahverkehr wird man keine Verkehrswende hinbekommen, ebenso bräuchten wir Politiker die Ahnung haben und nicht der Grün-Rote Senat.

  5. 27.

    Mir ging es um die Schwierigkeit des Umsteigens, auch bei bereits geringen Verspätungen. Von einer engeren Taktung war nicht die Rede. Die fünf Minuten waren hier nur ein Beispiel. Am U-Bahnhof Ruhleben muss man auf die nächste U-Bahn auch gern mal knappe 10 Minuten warten.
    Früheres Losfahren bei wichtigen Terminen erklärt sich von selbst und ist in einer Großstadt obligatorisch. Etwas mehr Gelassenheit und sachliches Argumentieren würden auch hier in der Kommentarspalte sinnhaft sein.

  6. 26.

    Doch ich habe die Studie gelesen und mir deshalb auch erlaubt eine Meinung zu bilden . Ein Link von rbb24 währe natürlich hilfreich gewesen aber man kann den Artikel auch im Netz finden .

  7. 25.

    Nachdem ich den ÖPNV in einigen deutschen Städten (zB München) kennen lernen durfte muss ich sagen, dass der ÖPNV in Berlin zu den besten in Deutschland gehört. Oft sehe ich nicht mal auf den Fahrplan, irgendwas fährt schon in Kürze in die richtige Richtung. Das liegt aber auch sicher daran, dass ich verkehrsgünstig wohne mit U- und S-Bahn in 5 Minuten Fußweg und Straßenbahn fast vor der Tür. Und wenn doch mal ein Verkehrsmittel ausfällt gibt es Alternativen (die dann natürlich meist überfüllt sind).
    Natürlich gibt es Luft nach oben, vor allem wohl bei der Sauberkeit und Zuverlässigkeit. Aber das haben andere Städte in ähnlichem Ausmaß.
    Ein Beispiel: fällt in München eine S-Bahn auf der Stammstrecke aus liegt fast der gesamte S-Bahn-Verkehr lahm. Auch wird ein Großteil des Verkehrs über den Hauptbahnhof geleitet. Eine Ringbahn, die den Verkehr entzerrt, gibt es nicht.

  8. 24.

    Was wollen Sie Sekunden-Takt? Na dann sollten die Fahrpreise drastisch angehoben werden!
    5 Minuten warten, wo leben Sie eigentlich? Bei wichtigen Terminen fährt man einen halbe Stunde eher los.
    Ab 3 Minuten gelten tatsächlich erst Verspätungen. Das ist im RBL-Datenfunk so festgelegt. Vielleicht sollten Sie mal die Fahrer fragen, welch weite Wege sie teilweise zum Klo laufen müssen, die Frage können Sie gleich an den BVG-Stab richten.

  9. 23.

    Ich komme ursprünglich vom Land. Da ging (meistens) nur Auto. Von Tür zu Tür- war schon bequem. Aber ich habe wesentlich längere Zeiten im Stau gestanden als ich in Berlin ohne Auto auf Bus und Bahn warten muss.

    Ich ärgere mich wie wohl jeder hier über Unpünktlichkeit (vor allem für zu früh abgefahrene Busse fehlt mich jegliches Verständnis!), Unhöflichkeit, Unsauberkeit etc.. Aber ich sehe eben auch die vielen, vielen Vorteile hier, Mein Auto jedenfalls vermisse ich in 98% der Fälle nicht. Die restlichen 2% kann man gut mit Taxi und Mietauto/Carsharing abdecken.

  10. 22.

    rbb24 versucht für den rot/rot/grünen Senat zu retten, was nicht zu retten ist. Was der nicht schafft, schafft Ihr auch nicht. Ups, da ist ja auch noch Brandenburg und seine still gelegten Gleise.

  11. 21.

    @rbb: Mal wieder ein Artikel ohne Nennung der Quelle.

    Ich vermute zudem, dass weder Herr Streim noch einer der Kommentatoren die Studie gelesen hat. Aber eine Meinung hat natürlich jeder ... Was für ein Niveau im Kommentarbereich.

  12. 20.

    Es ist doch überhaupt nicht möglich an verlässliche Daten über die Verspätungen zu kommen. Bei der BVG ist es üblich, dass geringe Verspätungen (ich glaube bis zu drei Minuten) gar nicht als solche anerkannt bzw. gespeichert werden. Daher können solche Untersuchungen niemals wirklich aussagekräftig sein. Man stelle sich vor, die U-Bahn kommt zwei Minuten zu spät und dadurch verpasst man knapp einen Umsteigeanschluss und muss wieder fünf Minuten oder mehr warten. Laut BVG lag hier dann gar keine Verspätung vor, man kommt dann aber trotzdem später an seinem Ziel an. Ich finde die BVG sollte mal alles protokollieren, was nicht pünktlich ist. Erst dann weiß man, woran man ist.

  13. 19.

    Ich will die Studie nach zwei Seiten hin angehen:

    Eine solche Vergleichsstudie, die hier allerdings mehr die Konzeption als die Wirklichkeit trifft, hilft darin, in einer vorgebrachten Kritik nicht maßlos zu werden. Im Extremfall wäre das ein Jammern auf hohem Niveau. Das scheint mir all zu oft der Fall zu sein.

    Das Zweite betrifft die eingetretenen Veränderungen im Ablauf der letzten 20 Jahre. Da hat sowohl die Pünktlichkeit abgenommen und die Bahn- und Busausfälle haben zugenommen. Das liegt sowohl am überalterten Wagenpark bei der U-Bahn und in der vernachlässigten Instandhaltung (Instandhaltung, die ihren Namen verdient) bei allen Verkehrsmitteln. Eine Politik der Nachsorge, dass nur gehandelt wird, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, kann eben nur aus der Nähe betrachtet werden.

  14. 18.

    Da ich nicht nur eine Strecke nutze, weiss ich wohl schon, wovon ich rede. Wenn Ihre Strecke keine Probleme macht, freut mich das natürlich für Sie. Aber die Methodik der sog. Studie hat mit wissenschaftl. Arbeit nichts zu tun. Lediglich Fahrpläne wurden verglichen. Daher meine Skepsis bzgl. der Unabhängigkeit. Die Studie sagt absolut nichts aus.

  15. 17.

    Einen Zusammenhang der Nähe sollte man nicht aus der Ferne rein theoretisch betrachten.

  16. 16.

    Das sehe ich genauso. Seit über 20 Jahren verzichte ich aufs Auto und komme gut klar, trotz Job und Kindern. Mal hakts, mal nervts, aber das geht Autofahrern ja wohl nicht anders. Es gibt bestimmt Strecken die schwierig sind, aber auch ich denke, das ist bei vielen eine Ausrede. Alles auch eine Sache des eigenen Zeitmanagements. Ich komme (außer wenn gestreikt wird^^) soweit gut klar. Aber etwas Positives darf man ja nicht äußern. Bestimmt hagelts gleich Schelte :-)

  17. 15.

    Das sehen wir genauso. Wer möchte, kann das gut bewältigen mit den Öffentlichen (Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel!). Der Berliner an sich ist aber schon ne echte Nörgelbacke. Ein wenig mehr Gelassenheit stünde vielen gut zu Gesicht.^^

  18. 14.

    Nachdem ich jetzt aufgehört habe zu lachen, kann ich auch was schreiben.

    Wurde die Studie von R2G in Auftrag gegeben? Das hat ja schon Trump- Niveau. Da werden die Online Fahrpläne verglichen und die tatsächlich stattfindende Realität einfach mal komplett negiert. Die meisten ausgefallenen Bahnen und Busse werden in den Online Fahrplänen als statt gefunden ausgewiesen. Insofern entspricht die Studie weder wissenschaftlich, noch Ernst zu nehmen.

    Das erinnert mich an den Vorschlag der Grünen, den Radfahrern in Berlin einen zusätzlichen Urlaubstag zu geben, da sie ja lt. einer holländischen Studie so gesund sind. Man hat seinerzeit mal versucht den Nichtrauchern zusätzliche Überstunden/Urlaubstage einzuräumen, da sie effizienter arbeiten (da keine Raucherpausen), weniger AU-Tage haben und gesünder sind. Das wurde juristisch aber sowas von abgeschmettert. Hier wird es nicht anders sein.

  19. 13.

    Ich lach mich schlapp. Was für eine sinnlose Studie.

    Hoffentlich hat sie niemand auf wertvolles Papier gedruckt.

  20. 12.

    " keine andere Weltstadt kann Berlin das Wasser reichen " diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Seit wann gehört Berlin zu einer Weltstadt und dieser Artikel und diese Statistik ist totaler Unsinn.
    Der ÖFNV in Berlin ist einfach nur furchtbar.

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