Ein Geruestbauer auf einer Baustelle. Quelle: www.imago-images.de
Audio: Antenne Brandenburg | 30.09.2019 | Arne Sprung | Bild: www.imago-images.de

IG Metall beendet Gespräche - Verhandlungen zur 35-Stunden-Woche im Osten geplatzt

Die IG Metall hat die Verhandlungen über eine 35-Stunden Woche in der Metall- und Elektroindustrie für Brandenburg, Berlin und Sachsen für beendet erklärt. Es gibt also erneut keine Angleichung zwischen Ost und West. Die Arbeitgeber zeigen sich weiter gesprächsbereit.

Die 35-Stunden-Woche im Osten bleibt vorerst weiter ein Traum der Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie: Am späten Montagabend erklärte die IG Metall die Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitnehmer für Brandenburg, Berlin und Sachsen als beendet, wie eine Gewerkschaftssprecherin mitteilte.

"Die Arbeitgeber zerstören nach einem Gesprächsmarathon über eineinhalb Jahre mutwillig den Flächentarifvertrag in Ostdeutschland und blockieren weiterhin die soziale Einheit", teilte IG-Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel, mit.

Damit konnte sich die Gewerkschaft mehr als 15 Jahre nach ihrem bis dahin letzten Versuch erneut nicht mit ihrem Ziel durchsetzen, die Arbeitszeiten in Ost und West anzugleichen und die 35-Stunden-Woche auch im Osten im Flächentarifvertrag zu regeln.

Streiks wird es trotz der beendeten Gespräche aufgrund der Friedenspflicht diesmal nicht geben, doch kämpferisch gibt sich die Gewerkschaft weiterhin: "Die Belegschaften werden sich das nicht gefallen lassen. Jetzt werden wir Betrieb für Betrieb die Arbeitszeitverkürzung angehen", so Höbel.

Arbeitgeberverbände: "Waren einer Lösung sehr nah"

Die Gegenseite äußerte sich am Dienstag überrascht: "Wir waren einer Lösung sehr nah, die den Einstieg in die 35-Stunden-Woche bedeutet und die den Betriebsparteien dabei mehr Spielraum für Betriebe und Beschäftigte gegeben hätte, Arbeitszeiten betriebsindividuell zu gestalten", teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit.

Vorgesehen war demnach eine schrittweise Senkung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden "bei gleichzeitigen Regelungen zum vorübergehenden Ausgleich der Mehrkosten und zur Sicherung des wegfallenden Arbeitszeit-Volumens". Die Arbeitgeber setzten dafür auf freiwillige Vereinbarungen in den jeweiligen Betrieben.

Wie es nun weitergeht, war am Dienstag zunächst offen. Die Arbeitgeber betonten, weiterhin gesprächsbereit zu sein. "Die ostdeutschen Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie sind weiterhin an einer Lösung im Flächentarif interessiert", teilte deren Verhandlungsführer Stefan Moschko mit.

Arbeitgeber sollen erzielte Fortschritte zurückgenommen haben

Die IG Metall stellt das ganz anders dar. In der zehnstündigen Sitzung am Montag sei "keine Einigung möglich" gewesen. Bereits erzielte Fortschritte seien von den Arbeitgebern wieder zurückgenommen worden. Es sei deutlich geworden, "dass die Arbeitgeber die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland nicht wollen", hieß es. "Auf der Ebene der bisherigen Gespräche sehen wir keine Chance, zu einem belastbaren Ergebnis für eine Flächenlösung zu kommen", sagte Höbel. Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten sich bereits in der vergangenen Woche zu Verhandlungen an einen Tisch gesetzt. Nach rund 15-stündigen Gesprächen waren diese aber unterbrochen und vertagt worden.  

Insgesamt streiten Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Branche seit mehr als 20 Jahren über die 35-Stunden-Woche, die im Westen schon seit 1996 überall gültig ist. Zuletzt scheiterte die IG Metall mit einem Versuch der Angleichung im Jahr 2003. Auch im aktuell gültigen Manteltarif von Anfang 2018 sind weiter 38 Stunden festgeschrieben. Allerdings hatten sich beide Seiten in dem Vertrag auf erneute Gespräche über eine Angleichung geeinigt.

Nur 80.000 von 500.000 Metallarbeiter im Osten nach Tarif beschäftigt

Diese Gespräch wurden zunächst nur für einige Gewerkschaftsbezirke geführt, wurden im März dann auf alle Tarifgebiete im Osten ausgeweitet. Weil die Verhandlungen nach der sechsten Gesprächsrunde im Juni weiter kein Ergebnis brachten, hatten sich beide Seiten für die aktuelle siebte Runde wieder auf drei Gebiete - Berlin, Brandenburg und Sachsen - beschränkt, erneut ohne Erfolg.

Dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall zufolge arbeiteten im Dezember vergangenen Jahres knapp 500.000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie in den ostdeutschen Ländern. Tariflich beschäftigt waren davon ein Jahr zuvor 80.000.

In Berlin haben Ende Juni rund 50.000 Menschen an einer Kundgebung der IG Metall am Brandenburger Tor teilgenommen. Unter dem Motto "Fairwandel" forderte die IG Metall von Politik und Arbeitgebern angesichts des Strukturwandels in der Branche massive Investitionen in Zukunftsprodukte und in die Qualifizierung von Mitarbeitern. Ein Demonstrationszug der IG Metall-Jugend war vom Roten Rathaus in Richtung Brandenburger Tor gezogen. Am Boulevard Unter den Linden wurde eine symbolische Mauer eingerissen, für den Wunsch nach einem Durchbruch bei der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.10.2019, 0 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

4 Kommentare

  1. 3.

    Allen Arbeitnehmern sollten niedrige Löhne nicht gleichgültig sein. Besonders in den neuen Bundesländern erhalten immer weniger Arbeitnehmer Tariflöhne sowie geringere Gehälter und Löhne als in den alten Bundesländern. Das schwächt nicht nur ihre Kaufkraft sondern fördert auch die Altersarmut durch geringere Einzahlungen in die Rentenkassen. Die millionenfachen niedrigen Löhne schwächen auch die Sozialkassen bzw. Rentenkassen in der ganzen Bundesrepublik. Die millionenfachen niedrigen Löhne in Ostdeutschland fördern so die Altersarmut aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und zukünftigen Rentner in ganz Deutschland.

  2. 2.

    Man sollte vielleicht mal bereits in der Schule auf sowas aufmerksam machen, habe jedenfalls keinen Blassen von den ganzen Gewerkschaften. Kriege dann immer nen Hals wenn ich die Leute auf der Straße sehe und für welchen Luxus die demonstrieren wenn igm oder verdi ihre Leute dazu auffordern. Wie soll man den in nem kleinen Unternehmen demonstrieren ohne dem Chef an die Karre zu....

  3. 1.

    ..na dann legt bitte eure Arbeit nieder!
    Die machen Plus ohne Ende an der Börse und ihr sollt gerade mal satt werden?
    Legt eure Arbeit nieder - für mehr als 14 Tage!!!

Das könnte Sie auch interessieren