Bauarbeiter auf einem Gerüst (Symbolbild)
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Video: rbb24 | 30.09.2019 | Ronald Schleif | Bild: dpa/Sebastian Kahnert

Arbeitsmarktzahlen im September - Zahl der Arbeitslosen in Berlin und Brandenburg gesunken

Die Zahl der Menschen ohne Job in Berlin und Brandenburg ist erneut gesunken. Vor allem die Hauptstadt boomt. Allerdings warnen Forscher vor einer Konjunkturflaute: Die Arbeitslosigkeit werde wieder zunehmen.

Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin und Brandenburg ist erneut gesunken. Demnach waren in Berlin im September 152.366 Menschen ohne Job, in Brandenburg waren es 72.788. Das gab die Bundesagentur für Arbeit am Montag bekannt.

Die Arbeitslosenquote in Berlin beträgt damit 7,8 Prozent. In Brandenburg liegt sie bei 5,5 Prozent.

Breitenbach warnt vor Armut trotz Job

"Entgegen der bundesweiten Anzeichen für eine Konjunkturschwäche zeigt sich der Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg mit der zu beobachtenden Herbstbelebung alles in allem stabil und robust", teilte der Chef der Regionaldirektion, Bernd Becking, mit. Zudem suchten die Unternehmen weiterhin Personal. 5.217 neue Stellen wurden den Agenturen im September gemeldet und damit 867 mehr als im Vormonat.

Laut Senatsverwaltung für Arbeit wird der positive Trend in Berlin anhalten, für 2020 werde ein Beschäftigungswachstum von 1,9 Prozent erwartet. Gravierend sei jedoch weiterhin das Problem der Erwerbsarmut: Demnach waren 2018 171.000 Menschen in Berlin armutsgefährdet, obwohl sie Arbeit haben. "Das ist und bleibt nicht akzeptabel", sagte Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke). "Deshalb muss der Bund dafür sorgen, dass Gute Arbeit auch überall möglich ist, zum Beispiel durch den Abbau prekärer Beschäftigung und durch die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns."

Forscher warnen vor Anstieg der Arbeitslosigkeit durch Konjunkturkrise

Die guten Arbeitsmarktzahlen in Berlin und Brandenburg seien respüektabel, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände. Trotz Konjunkturflaute würden viele Unternehmen weiterhin Personal suchen, vor allem in Berlin. "Hier wächst die Beschäftigung nach wie vor so stark wie nirgends sonst in Deutschland." In Brandenburg aber würden kaum noch neue Jobs entstehen, warnte Amsinck. "Im neuen Koalitionsvertrag muss der Fokus unbedingt auf mehr Wachstum und auf einer Modernisierung der Infrastruktur liegen, einschließlich der digitalen Verbindungen." Dafür müsse die nächste Regierung die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, so Amsinck.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geht von einem baldigen Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. Grund sei das schwache Wirtschaftswachstum. "Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt verliert deutlich an Fahrt und endet zur Jahreswende", erklärten die IMK-Forscher am Montag.

Sie erwarten, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2020 bei 45,2 Millionen Menschen stagniert. Die Zahl der Arbeitslosen in ganz Deutschland werde 2020 um etwa 70.000 auf 2,35 Millionen steigen. Derzeit sorge vor allem die Nachfrage der privaten Haushalte für Schwung.

"Wenn die Politik nicht entschlossen gegensteuert, greifen die Bremseffekte nach und nach auf Dienstleistungen, Konsumklima und Arbeitsmarkt über, und es droht der Absturz", warnte IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Was bedeutet was?

  • Arbeitslosengeld I - ALG I

  • Arbeitslosengeld II - ALG II

  • Beschäftigungsstatistik vs. Arbeitslosenstatistik

  • Erwerbslosenquote nach ILO-Standard

  • Offene Stellen

  • Saisonbereinigte Zahlen

  • Stille Reserve vs. Verdeckte Arbeitslosigkeit

  • Vermittelbarkeit

Sendung: Inforadio, 30.09.2019, 10.00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    7.8% ist immer noch sehr hoch. Immerhin eine echte 7.8.
    In Brandenburg 5,5%, weil die Jugend weg ist und die Alten in Rente sind. Viel schlimmer.

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