ARCHIV - 21.01.2019, Berlin: Ein Van vom Fahrservice Berlkönig der BVG fährt hinter einem Taxi über eine Straße in Kreuzberg. (Quelle: dpa / Jens Kalaene)
Bild: dpa / Jens Kalaene

Sammeldienst der BVG - So arbeiten Taxifahrer mit der Berlkönig-Konkurrenz zusammen

Berliner Taxifahrer haben den Berlkönig-Sammeldienst der BVG in der Vergangenheit oft als Konkurrenten dargestellt. Doch Taxigewerbe und BVG arbeiten beim Berlkönig auch zusammen - und werden es in Zukunft vielleicht noch häufiger tun. Von Vanessa Klüber

Schulzendorf ist eine Gemeinde in Dahme-Spreewald mit mehr oder weniger vier Straßen. Seit August ist sie durch Berlkönige – eine Mischung aus Bus und Taxi – nach Berlin-Neukölln angebunden.

Das Besondere an der neuen Strecke ist, dass die Kleinbusse, die dort verkehren, Taxiunternehmen gehören, aber unter der Flagge der BVG fahren, das heißt mit rot-weiß-schwarz-blauer Beklebung auf der Front. Das Taxi-Gelb ist an einigen Stellen nicht überklebt. Und mehr noch: Die Taxi-Innung, welche die Berufsinteressen ihrer Mitglieder fördert, organisiert jetzt sogar aktiv die Zusammenarbeit zwischen BVG und Taxiunternehmen.

Wie kommt das zustande? Denn BVG und Taxifahrer sind erbitterte Konkurrenten. Berlkönig-Fahrten innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, wo die BVG "powered by Vianvan" fährt - einer Mercedes-Tochter, haben Taxifahrer mehrfach heftig kritisiert.

So funktioniert die Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit funktioniert so: Die BVG mietet über die Taxi-Innung Fahrzeuge der Taxiunternehmen. Laut Leszek Nadolski, dem Vorsitzenden der Taxi-Innung, wird pro Stunde abgerechnet. Nadolski erklärt, dass ein Fahrer im Auftrag der BVG beispielsweise die Buslinie N61 bis 4 Uhr fahre. Danach steige er auf einen Taxi-Kleinbus im BVG-Gewand, also einen Berlkönig, für weitere drei Stunden um. Viavan stellt nach Angaben von Daimler weiterhin die Algorithmen und die App zur Verfügung, jedoch nicht das Fahrzeug. Die Taxi-Innung behält einen Teil erwirtschafteten Geldes ein.

"Ich sage den Taxifahrern: Macht einen Busschein, wenn ihr da mitmachen wollt", so Nadolski – Taxifahrer dürfen mit ihrem Taxischein nämlich nicht mehr als acht Personen befördern.

Er räumt ein, dass längst nicht alle Taxifahrer eine Zusammenarbeit mit der BVG toll fänden. Einige fühlen sich offenbar durch die Beklebung durch die BVG gar "vergewaltigt", so schreibt zumindest "Taxi Times", und kritisieren die Taxi-Innung für den Vorstoß [taxi.times.com]. Aber bleibt ihnen eine Wahl?

Flotte von neun auf zwei Fahrzeuge geschrumpft

Berlkönig und auch CleverShuttle, ein weiterer Ride-Sharing-Anbieter, sind zwar bisher nur vom Senat genehmigte Pilotprojekte, bei denen nicht sicher ist, ob sie fortgeführt werden. Eine Zwischenbilanz hat die BVG aber kürzlich als Erfolg verkauft: Von einer Million Fahrgästen in einem Jahr ist die Rede. Viele Taxifahrer befürchten dagegen, dass die Berlkönige mit dafür verantwortlich sein werden, dass die Taxibranche zugrunde geht. Schon seit Uber erfolgreich unterwegs ist, beklagen Taxifahrer, wie schlecht es ihnen dadurch geht.

Detlev Freutel, Vorsitzender des Taxiverbands Berlin-Brandenburg, macht es konkret: Innerhalb von zwei Jahren habe er seine Flotte von neun auf zwei Taxen reduzieren müssen. Sein und der Umsatz seiner Kollegen zusammengenommen seien über den Daumen gepeilt seit Frühjahr 2018 um 20 Prozent zurückgegangen. Der Mindestlohn könne kaum noch an die Fahrer gezahlt werden.

Zusammarbeit zwischen BVG und Taxigewerbe?

"Wir orientieren uns auf eine Zukunft der Zusammenarbeit mit der BVG", sagt Nadolski ganz offen. Freutel vom Taxiverband ist nach eigener Angabe auch schon lange im Gespräch mit der BVG, was BVG-Sprecherin Petra Nelken bestätigt.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta habe ihm versichert, dass man das "Ride-Sharing" gerne zusammen mit den Taxen machen würde. Die BVG sei ebenfalls offen für eine Zusammenarbeit mit den Taxifahrern, heißt es von Nelken zu rbb|24. "Wir sind in Gesprächen mit den Taxifahrern."

Die BVG kann neben den Fahrzeuge vor allem auch Personal gebrauchen. Die Taxifahrer könnten beides bieten. "Wir haben gemeinsam, dass beide Personen befördern dürfen", betont Nelken. Zumindest für Fahrzeuge mit bis zu acht Personen. Wie genau eine Zusammenarbeit aussehen könnte, ließ sie offen.

Ein weiteres Argument wäre, dass BVG und Taxifahrer laut Nadolski schon seit Jahren zusammenarbeiten, bei den BVG-Nachtlinien, eben nur nicht digital wie beim Berlkönig.

Hürden für eine Zusammenarbeit

Für eine Ausweitung der Zusammenarbeit dürfte es aber auch noch einige Hürden geben.

Fraglich ist, ob Taxifahrer mit Kleinbus-Fahrten Geld in den Außenbezirken verdienen können. Die bisher einzige Strecke, die in den Tarifgebieten B und C fährt, zwischen Schulzendorf und Rudow, zählt im Zeitraum von einem Monat rund 250 Fahrten – zu wenige. Es könnten noch ein wenig mehr werden, wenn das Angebot bekannter wird. Die BVG-Sprecherin sagt jedenfalls, sie sei sich sicher, dass Fahrten in den Außenbezirken vom Staat bezuschusst werden müssen.

Fraglich ist auch, wie viele Außenbezirke am Ende überhaupt mit Ride-Sharing versorgt werden. Verhandelt wird über weitere Verbindungen von Leegebruch (Oberhavel) und Heiligensee zum U-Bahnhof Alt-Tegel und zwischen Altlandsberg (Märkisch-Oderland) und der U-Bahn-Endstation Hönow, aber da hört es auch erst einmal auf. Nadolski selbst, der zum Busführerschein für Taxifahrer rät, zeigt sich skeptisch: "Das wird es nicht überall in Berlin geben."

Freutel vom Taxiverband denkt sowieso in größeren Bezügen, die Zusammenarbeit auf der neuen BC-Linie seien angesichts von Uber und Co. nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mobilität im Nahverkehr müsse deshalb seiner Meinung nach ganz anders gedacht werden – es sei aber Sache des Bundes, das zu entscheiden.

Denkbar wäre zum Beispiel, Taxifahrer als Teil des öffentlichen Nahverkehrs zu subventionieren. Die Taxiunternehmen könnten auf der anderen Seite auch gänzlich mit den Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs zusammengelegt werden. Taxi- und BVG-Gelb sich vermischen.

Beitrag von Vanessa Klüber

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9 Kommentare

  1. 9.

    Zu DDR-Zeiten gehörten übrigens die Taxis zur damaligen BVB. Damals war man froh, wenn man eins bekommen hat. Ich glaube, die halbe DDR fuhr Schwarztaxi...

  2. 8.

    Erstmal müssen die ganzen Pseudo-Taxi-Mietwagen besser kontrolliert oder verboten werden. Die dahinterstehenden Konzerne (auch Daimler) ruinieren die Branche und verursachen zusätzlichen Verkehr.
    Eine Verschmelzung von BVG und Taxis mit einheitlicher App und speziellen subventionierten Tarifen wäre dagegen schon zukunftsweisend.

  3. 7.

    Die Taxibranche bietet ebenfalls Fahrten in's Umland an, günstiger als Uber. Einen Langstreckentarif gibt es nicht. Ich bin seit 25 Jahren Taxifahrer, weiß also Bescheid. Wer NICHT Bescheid weiß, soll einfach die Klappe halten und kann ja gerne weiter durch sein persönliches Nutzerverhalten die Selbstausbeutung Scheinselbständiger bei Uber & Co unterstützen!

  4. 6.

    So treiben Berlkönig-Konkurrenzen Keile zu den BVG-Fahrer: z.B. darf der BVG-Busfahrer kein Trinkgeld annehmen, der Berlkönig-Fahrer aber schon. Finde ich ungerecht!

  5. 5.

    Außen:
    Schulzendorf ist eine Gemeinde in Dahme-Spreewald mit mehr oder weniger vier Straßen. Seit August ist sie durch Berlkönige – eine Mischung aus Bus und Taxi – nach Berlin-Neukölln angebunden. Das Besondere an der neuen Strecke ist, dass die Kleinbusse, die dort verkehren, Taxiunternehmen gehören.
    Innen:
    Denn BVG und Taxifahrer sind erbitterte Konkurrenten. Berlkönig-Fahrten innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings, wo die BVG "powered by Vianvan" fährt - einer Mercedes-Tochter, haben Taxifahrer mehrfach heftig kritisiert.

    „Die Taxiinnung fährt aber auch mit Bussen auf Sprinterbasis Nachtbusse für die BVG und den BerlKönig BC.“
    Auch das schreiben wir weiter in der Mitte:
    Ein weiteres Argument wäre, dass BVG und Taxifahrer laut Nadolski schon seit Jahren zusammenarbeiten, bei den BVG-Nachtlinien, eben nur nicht digital wie beim Berlkönig.
    Und dass die Taxi-Innung für den Berlkönig fährt, darum geht es ja eben in dem Bericht.

    Viele Grüße
    rbb|24

  6. 4.

    Lieber Herr Neumann,
    Sie schreiben:
    „Wird hier über den BerlKönig (Innenstadt, ViaVan) oder den BerlKönig BC (Außenbereich, Taxiinnung) berichtet?“
    In dem Artikel geht es ja eben um den Unterschied zwischen Innenstadt (ViaVan) und Außenbereich (Taxiinnung).
    Siehe hier: ……….

  7. 3.

    Wird hier über den BerlKönig (Innenstadt, ViaVan) oder den BerlKönig BC (Außenbereich, Taxiinnung) berichtet? Die Vitos in der Innenstadt haben max. neun Sitze (acht + Fahrer) und konkurrieren wie der DB Clever Shuttle mit dem klassischen Taxi. Die Taxiinnung fährt aber auch mit Bussen auf Sprinterbasis Nachtbusse für die BVG und den BerlKönig BC. Der Bericht ist nicht sauber ausformuliert.

    Andere Kommunen setzen schon lange Anrufsammeltaxis ein. Die fahren mit klassischen Taxis (Limousine oder Großraum) nach einem Fahrplan zu Zeiten, in den sich ein Bus nicht rechnet und kosten keinen oder nur einen geringen Aufpreis für Fahrkarteninhaber. Es wird nur bei Bedarf gefahren. Der Berlkönig BC tendiert in diese Richtung, setzt aber eine App und spezielle Fahrzeuge voraus. Die App ist eine Zugangshürde, beugt aber auch dem Mißbrauch vor.

  8. 2.

    Das Taxigewerbe hat kein Problem denn Ihre Aussage ist absolut nicht wahr. Warum soll eine Fahrt an der Stadtgrenze enden ? Wenn Sie dem Taxifahrer sagen, Sie wollen nach Potsdam/Teltow, dann kann der Taxifahrer/Fahrgast zwar einen Festpreis verhandeln weil Potsdam ausserhalb des so genannten Pflichtfahrgebietes liegt, man kann aber auch mit Taxameter fahren.
    Berliner Taxen haben nur einen Tarif, der 24h/7 Tage lang gilt. Einen speziellen teueren Langstreckentarif gab es noch nie.
    Im Gegenteil, ab dem 8. gefahrenen Kilometer sinkt der Preis pro Kilometer um 0,50 Euro.
    Hier möchte wohl jemand Werbung für die Konkurrenz machen, die durchaus auch teurer als ein Taxi sein kann, denn hier gilt ein Preis nach Angebot und Nachfrage.

  9. 1.

    Die Taxi Branche hat ein Problem.
    Fahrten enden an der Stadt bzw. Kreisgrenze. Was darüber hinaus geht ist ein Langstreckentarif.
    Für mich als Potsdamer heißt das an der Glienicker Brücke ist Ende oder ich zahle mehr.
    Uber hat da kein Problem. Von Teltow nach Potsdam, na und? Von Berlin nach Potsdam? Uber macht’s!

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