Ein junger Landwirt läuft zu einem Traktor. (Quelle: imago images/Florian Gaertner)
Bild: imago images/Florian Gaertner

Landwirtschaft - Brandenburger Bauern suchen dringend Azubis

Bauer sucht Azubi: Jedes Jahr aufs Neue meldet die Brandenburger Landwirtschaft offene Lehrstellen, die nicht besetzt werden konnten. Dabei sind die Chancen gut, die Aussicht auf Führungspositionen real - und der Fuhrpark ohnehin kaum zu toppen.

Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft sind zunehmend schwerer zu besetzen, obwohl der Brandenburger Landesbauernverband immense Zukunftschancen sieht. "Man muss sich einiges einfallen lassen, um Nachwuchs zu finden", sagte Heiko Terno, Vorsitzender des Bildungsvereins beim Brandenburger Landesbauernverband, der Deutschen Presse-Agentur.

Die nächste Generation Führungskräfte

Im Agrarbereich würden in den den kommenden Jahren zahlreiche Führungskräfte in allen Ebenen in den Ruhestand gehen. "Die Plätze müssen besetzt werden, damit die Unternehmen reibungslos weiter geführt werden können", sagte Terno.

In Brandenburg haben im Vorjahr 387 Lehrlinge ihre Ausbildung in einem der sogenannten grünen Berufe aufgenommen: sie wollen Land- oder Tierwirt, Fachkraft für Agrarservice, Gärtner, Milchtechnologe oder Hauswirtschafter werden. Es waren 20 mehr als 2017. Aber der Bedarf werde dadurch nicht gedeckt und sei größer, sagte Terno. Um die Auszubildenden konkurrierten die Agrarbetriebe mit der Wirtschaft, wo mit höheren Lehrlingsgehältern geworben werde.

"Porsche-SUV wirkt wie ein Elefantenrollschuh"

Einen Traktor könnten notfalls zwar auch Quereinsteiger fahren, sagte Terno. "Aber einen Betrieb führen, ist schon eine andere Klasse." Der Spruch, dass bei schlechten Zensuren im Zeugnis nur eine Lehre in der Landwirtschaft bleibe, stimme schon lange nicht mehr. Guten Auszubildenden stünden aber alle Wege offen. Eine solide Berufsausbildung sei wichtig, sagte Terno. "Womit wir begeistern können, ist unsere eindrucksvolle Technik. Neben unseren Schleppern wirkt ein Porsche-SUV wie ein Elefantenrollschuh", sagte er. Außerdem sei die Arbeit sehr abwechslungsreich, Langeweile ausgeschlossen.

Schwieriger sei es, künftige Tierwirte zu finden. "Hier bedarf es eines besonderen Einfühlungsvermögens und der Bereitschaft zur Schichtarbeit, auch an Sonn- und Feiertagen", sagte er.

Um jeden Azubi muss gekämpft werden

Für grüne Berufe werde unter anderem auf Ausbildungsmessen geworben, sagte Terno. Manchmal finde sich auch Nachwuchs aus den Familien der Beschäftigten. "Uns rennt aber niemand die Türen ein. Wir müssen um jeden einzelnen Lehrling kämpfen", so er. "Und wenn der Lehrling am Ende nicht in der Branche bleibt, ist alles vergebliche Liebesmühe", sagte Terno.

Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sei binnen Jahresfrist um 9 auf 511 im Jahr 2018 zurückgegangen.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Egal wie interessiert ich an einem Beruf bin, wenn ich in einem andren Beruf mehr Geld für weniger anstrengende Arbeit bekomme mache ich den. Wenn ich Landwirtschaft so toll finde engagiere ich mich dann halt in meiner Freizeit in einer landwirtschaftlichen Kooperative.

  2. 6.

    "Manchmal finde sich auch Nachwuchs aus den Familien der Beschäftigten. "
    Soso, der Beruf der Eltern ist also nicht attraktiv genug, um ihn selbst anzustreben? Vielleicht möchten die landwirtschaftlichen Arbeitgeber mal hier ansetzen und schauen, was sie denn ihren Angestellten da Unattraktives anbieten? Aber dann müssten sie ja zugeben, dass sie selbst was nicht richtig machen. Dann doch lieber "die Wirtschaft" als Schuldigen festmachen.

  3. 5.

    Geld ist zwar eine Motivation, aber nicht alles. Niemand wird seinen Beruf richtig und fürs Leben ausfüllend machen, wenn nicht auch das Interesse für diese Fertigkeiten da ist. Und jetzt schauen wir uns mal um im Alltag in der Jugend... Interessen? Hm... irgendwas mit Medien.... youtube Blogger oder sowas... Für mehr Interessen-Vorbilder reicht es allermeist im Umfeld (Familien, Schule, Freunde / Klicke usw.) der aufwachsenden Jugend nicht.

  4. 4.

    Die Ausbildung sollte alle Bereiche beinhalten. Außer vielleicht das Pflügen mit dem Pferd. Mit einer soliden Ausbildung kann man später auch im Ökobetrieb arbeiten.

  5. 3.

    > Um die Auszubildenden konkurrierten die Agrarbetriebe mit der Wirtschaft, wo mit höheren Lehrlingsgehältern geworben werde.

    Problem gefunden. Einfach mehr zahlen, dann kommen auch mehr Leute.

  6. 2.

    Ich würde es mit finanziellen Anreizen versuchen.

  7. 1.

    In der konventionellen Landwirtschaft würde ich nicht anfangen, die hat keine Zukunft mehr. Azubistelle beim Ökobauern sollte man machen.

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