In dem Gebäude an der Alten Jakobstraße befinden sich die Redaktionsräume des Berliner Verlags, in dem unter anderem die Berliner Zeitung sowie der Berliner Kurier produziert werden. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 17.09.2019 | Interview mit Sebastian Köhler | Bild: dpa/Paul Zinken

Kaufpreis nicht genannt - DuMont verkauft Berliner Verlag an Ehepaar

Die DuMont-Mediengruppe verkauft den Berliner Verlag. Neue Eigentümer von unter anderem "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" sind die Berliner Unternehmer Silke und Holger Friedrich. Sie wollen auf die digitale Entwicklung setzen.

Die Unternehmensgruppe DuMont trennt sich nach zehn Jahren vom Berliner Verlag. Neue Eigentümer sind das Berliner Ehepaar Silke und Holger Friedrich mit einer familieneigenen Holding, teilte DuMont am Dienstag mit. Der Verkauf muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

Über den Kaufpreis wurde Schweigen vereinbart. Branchenkenner gehen jedoch nach rbb-Informationen davon aus, dass er unter dem Preis liegt, den der verstorbene Alfred Neven DuMont vor zehn Jahren für den Verlag bezahlt hat. Dieser soll sich damals im dreistelligen Millionenbereich befunden haben.

Mitarbeiter erfuhren Dienstag vom Verkauf

Zum Berliner Verlag, der 1945 gegründet wurde, gehören die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier" und das "Berliner Abendblatt" sowie Digitalangebote, BerlinOnline, der Corporate Publisher MDSCreative und die Berliner Zeitungsdruckerei. Die "Berliner Zeitung" verkaufte im zweiten Quartal des Jahres rund 84.000 Exemplare täglich, knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Die Mitarbeiter wurden am Dienstag über den Verkauf unterrichtet. Weder das Kölner Verlagshaus DuMont noch die neuen Besitzer äußerten sich bislang dazu, ob der Verkauf Arbeitsplätze in Berlin kosten wird. DuMont hatte den Berliner Verlag 2009 von der Mecom Group übernommen, hinter der der umstrittene britische Finanzinvestor David Montgomery stand.

Neue Eigentümer wollen Digitales vorantreiben

Die neuen Eigentümer Silke und Holger Friedrich wollen nach eigenen Angaben vor allem die digitale Weiterentwicklung der Titel vorantreiben. Holger Friedrich sagte, "mit konsequent digital ausgerichteten Angeboten und einer tiefergehenden Aufarbeitung gesellschaftlich relevanter Themen möchten wir ein breiteres Publikum ansprechen und mit den Lesern stärker in Kontakt treten." Holger Friedrich war früher Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey und Vorstand der Software AG. Seine Frau Silke leitet mit der Berlin Metropolitan School die größte internationale Schule der Hauptstadt.

Sebastian Köhler, Professor für Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin, sagte im rbb, er betrachte den Eigentümerwechsel mit "verhaltenem Optimismus", "auch mit Blick auf die Leserinnen und Leser und die Redaktion." In den vergangenen 15 Jahren hätten Großinvestoren wenig für die Zukunft des Medienhauses getan, dies könne das Berliner Ehepaar Friedrich mit Engagement, Verankerung in der Stadt und mit geschicktem Unternehmertum nun ändern.

Zeitungsverlage würden mit ihrem Geschäftsmodell zwar nicht so viel verdienen wie vor 20 Jahren, allerdings könne das Modell immer noch funktionieren, sagte Köhler. In Skandinavien gebe es Beispiele, in denen Verlage "sehr erfolgreich mit Lokalmedien experimentieren", ähnliches könne auch in Berlin gelingen.

Verkauf von Berliner Verlag "erster Schritt"

Der Grünen-Landesvorsitzende Werner Graf bewertete den Eigentümerwechsel am Dienstag positiv. Graf nannte den Fortbestand der Zeitungsgruppe ein "gutes Zeichen für die Stadt Berlin". "Eine pluralistische Zeitungslandschaft ist essenziell für unsere lebendige Berliner Kultur und Demokratie", erklärte Graf in einer Mitteilung.

DuMont ("Kölner Stadt-Anzeiger", "Express", "Mitteldeutsche Zeitung") bezeichnete den Verkauf als "ersten Schritt der Portfolio-Überprüfung im Geschäftsfeld Regionalmedien". Dieser Prozess dauere noch an und werde voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein. In Zeiten sinkender Auflagen und umkämpfter Werbemärkte versuchen viele Verlage mit einer verstärkten Digitalisierung Geld im Internet zu verdienen.

Sendung: Inforadio, 17.09.2019, 12 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Hey Mensch kannst du bitte aufhören mir was zu unterstellen. Wo sind bitte die Fakten zu den Käufern , richtig die gibt es in Artikeln kaum noch. Kennst du diese Käufer. Gehörst du zu ihrem Umfeld? Bist du neoliberal das du dich angegriffen fühlst?

  2. 6.

    Zumindest der Berliner Kurier hat doch inzwischen das Niveau der "BILD" erreicht, bzw. noch unterboten mit seiner Berichterstattung. Wenn überhaupt noch Printmedien, dann vernünftigen Journalismus und Beschränkung auf einige wenige Medien. Die Zeitungslandschaft ist doch auf Grund der derzeitigen Medienhysterie zur kurz bevorstehenden Klimakatastrophe nicht mehr tragbar. Diese Ressourcen Verschwendung gehört schnellstmöglich gestoppt.

  3. 5.

    Absolut richtig und wichtig: könnten die Autoren bitte kurz das vorteilbeladene Schubladendenken von Jörg bestätigen?

  4. 4.

    Mir fehlt im Artikel die politische Grundausrichtung der Käufer*in. Unternehmensberater , Privatschulleiterin hört sich für mich eher verdächtig nach neoliberalem Grundtenor an?

  5. 3.

    Zunächst zum Bild: Das Bild erweckt den Anschein, dass das Ehepaar das Haus und nicht die Zeitung verkauft hat. Verlag und Redaktion sitzen nicht mehr am Alex, aber das weiß Eure Redaktion sicher.
    Zum Text: Interessant ist zwar, dass Du Mont die Zeitung nun verkauft hat und auch weitere Blätter verkaufen will, aber genauso interessant und für die Leser und die Redaktion wichtig ist ja, wie es um die Inhalte steht, die bislang von gemeinsamen Korrespondenten oder Autoren kommen oder aus Gemeinschaftsredaktionen. Bitte schiebt hier mehr Infos nach, denn es geht um eine wichtige Berliner Zeitung.

  6. 2.

    DuMont will sowieso alle Zeitungen abstoßen. Bei der Neuen Heimat war es zum Schluss ein Bäckermeister, der gekauft hat.

  7. 1.

    "... einer tiefergehenden Aufarbeitung gesellschaftlich relevanter Themen möchten wir ein breiteres Publikum ansprechen und mit den Lesern stärker in Kontakt treten."
    Hoffentlich schmiert das Niveau dieser bis jetzt wohltuend unaufgeregten Zeitung nicht in dem Maße ab, wie es beim Tagesspiegel der Fall war. Essen, Gastro und Fahrradfahren sind auf Dauer zu langweilig und nicht relevant.

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