Rufbus der Berliner Verkehrsbetriebe unterwegs in Berlin
Bild: snapshot-photography/ T.Seeliger

Positive Bilanz der BVG - Berlkönig zählt eine Million Fahrgäste im ersten Jahr

Die schwarzen Berlkönig-Kleinbusse sind in der östlichen Berliner Innenstadt kaum noch zu übersehen. Die Betreiber haben nun nach einem Jahr eine erste Zwischenbilanz gezogen - und sind zufrieden. Doch der Taxi-Konkurrent ist nicht unumstritten.

In den Berliner Rufbus Berlkönig sind nach Angaben des Betreibers BVG seit dem Start vor einem Jahr rund eine Million Fahrgäste eingestiegen. "Wir glauben, dass das ein Erfolg ist", sagte Petra Nelken, die Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der Deutschen Presse-Agentur. "Der Berlkönig hat gezeigt: In einer Großstadt funktioniert das."

Gute Auslastung

Der digitale Rufbus-Dienst ist seit dem 7. September 2018 in der östlichen Berliner Innenstadt unterwegs. Fahrgäste buchen die Fahrt per App. Ein Computer berechnet die Route so, dass mit wenigen Umwegen möglichst viele Fahrgäste eingesammelt werden. Das Versuchsprojekt ist für bis zu vier Jahre genehmigt.

Bei vier von fünf Fahrten sitzt nach BVG-Angaben mehr als ein Fahrgast im Wagen. In jedem zweiten Berlkönig sitzen mindestens zwei Fahrgäste, die unabhängig voneinander gebucht haben und deren Anfragen gebündelt wurden. Dieses sogenannte "Ride-Sharing" ist eines der wesentlichen Argumente der Berlkönig-Befürworter: Im Juli - nach BVG-Angaben ein typischer Monat - lag die Quote bei 52 Prozent.

Kritiker befürchten Konkurrenz für Bus und Taxi

Besonders gefragt ist der Berlkönig bei Nachtschwärmern. Am späten Donnerstag, Freitag und Samstag steige die Auslastung auf 75 Prozent. "Das sind die Partyhüpfer", sagte Nelken. Gäbe es den Berlkönig nicht, wären die meisten mit Auto oder Linienbus gefahren, sagte sie mit Verweis auf Befragungen.

"Wir können uns eine Ausweitung vorstellen, das muss aber der Senat entscheiden." Doch in der rot-rot-grünen Koalition hat das Projekt auch Kritiker. Sie betrachten den Berlkönig als Konkurrenten für Linienbusse, Bahnen und Taxis und meinen, dass der Rufbus zusätzlichen motorisierten Verkehr erzeuge. Die Deutsche Bahn hat mit dem Ruftaxi-Dienst CleverShuttle ein ähnliches Ride-Sharing-Angebot in Berlin, aber auch in anderen Großstädten am Start.

Elektronisch bis Ende 2020

Geplant ist, die Berlkönig-Flotte bis Ende 2020 komplett auf Elektrofahrzeuge umzustellen, wie Nelken sagte. Derzeit ist jeder zweite der 156 Berlkönige vollelektrisch unterwegs.

Hinter dem Dienst steht neben der BVG ViaVan, ein Gemeinschaftsunternehmen von Mercedes-Benz und dem US-Unternehmen Via. Es hat ähnliche Dienste schon in Amsterdam und London sowie in den US-Städten Chicago, New York und Washington eingeführt.

Ausweitung ins Berliner Umland geplant

Zu den Geschäftszahlen machte die BVG keine Angaben. ViaVan betreibt den Berlkönig demnach auf eigene Rechnung. Bisher sei der Berlkönig ein Forschungsprojekt, hatte die BVG kürzlich auf eine Anfrage des Abgeordnetenhauses geantwortet: "Wirtschaftlichkeit steht in dieser Lernphase nicht im Vordergrund."

Seit August gibt es einen Berlkönig BC, die Variante für den Stadtrand zwischen Schulzendorf (Dahme-Spreewald) und dem Berlin-Neuköllner Ortsteil Rudow. Verhandelt wird über weitere Verbindungen von Leegebruch (Oberhavel) und Heiligensee zum U-Bahnhof Alt-Tegel und zwischen Altlandsberg (Märkisch-Oderland) und der U-Bahn-Endstation Hönow.

Sendung:  Inforadio, 07.09.2019. 7.00 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Und weil Ihr "man" so gut ohne PKW feieren die Kleinvzsse vom BerlKönig grisse Erfolge in einem Gebiet, in dem "man" nur drei mal einschlagen muss, um an der nächsten U- oder S-Bahn zu sein. Auch Car2go ist dort erfolgreich.

    Nur weil Sie ohne Auto aufgewachsen sind, dürfen Sie das nicht verallgemeinern.

    Ich schreibe mir hier den Mund fusselig, dass der Autofrei-Propaganda der Grünen endlich Taten folgen müssen, weil ich auch ohne Auto auskomme, aber keine Lust habe täglich Stunden auf dem Rad zu verbringen, die Busse und Bahnen aber Mängel sowohl in der Quantität wie in der Qualität aufweisen.

  2. 10.

    Per Definition zählen Shuttle-Busse zum erweiterten ÖPNV, Taxis aber nicht. Konsequenterweise müssten Sie das Verbot von Taxis fordern.
    Persönlich sehe ich Uber und Co. als willkommene Konkurrenz zu den Taxis, deren Geschäftsmodell nur dank etlicher Sonderregelungen noch aufgeht.

  3. 9.

    In Städten, in denen Uber und Co uneingeschränkt agieren dürfen, fahren massenweise Autos davon herum. Das schädigt den ÖPNV. PROJEKT BERLKÖNIG STOPPEN!

  4. 8.

    Wer ist „man“? Ich komme ohne Auto nicht aus. Aber eventuell haben Sie andere Bedürfnisse und Ansprüche. Für mich ist das Auto wichtig.

  5. 7.

    Bitte auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten. Shuttle sind eine gute Alternative zu den Taxis. Ich fahre regelmäßig mit dem eigenen PKW und den Öffis. Taxis nehme ich ungern, weil einige Fahrer einfach unhöflich sind. Es graust mich immer, wenn ich ein Taxis besteigen muss. Mit anderen Shuttlediensten hab ich, auch in andere Städten überwiegend gute Erfahrungen.

  6. 5.

    Der Daimler-Konzern will mit verschiedenen eigentlich illegalen Pseudotaxi-Angeboten abkassieren. Es wird zusätzlicher Verkehr produziert, reguläre Taxis geschädigt und die BVG gibt die Verantwortung für eine gute Infrastruktur ab.

  7. 4.

    Die BVG hat nicht genügend Fahrer. Warum werden Ressourcen für die Partygänger verschwendet? Die können auch normale Taxis nehmen.

  8. 3.

    Baut lieber Bus- und Bahnnetz aus und macht die Öffis attraktiver. Mehr Autos in der Stadt bedeutet schlechtere Luft, mehr Verkehr, mehr Lärm für alle.

  9. 2.

    Nö, der Berlkönig straft niemanden Lügen. Denn in Mitte, Prenzlauerberg und Friedrichshain-Kreuzberg kann man sich sehr wohl und schnell nur mit Fahrrad, ÖPNV und per pedes bewegen. Das mache ich seit Jahren und habe nie das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Im Gegenteil, wenn ich mal in einem Auto mitfahre, dauern viele Strecken zu Stoßzeiten sogar länger. Ein eigener PKW ist wirklich nicht nötig.

    Aber es ist natürlich bequem, ab und an in einen Wagen zu springen und sich um nichts mehr zu kümmern, vor allem Nachts und nach Alkoholgenuss. Dringend nötig ist das nicht, aber eine ganz angenehme Alternative. Und vielleicht auch was für die sonderbaren Menschen, die Fahrräder und ÖPNV aus Prinzip komplett ablehnen.

  10. 1.

    Der Erfolg des Berlkönigs straft diejenigen Lügen, die laut agitieren, dass man in Mitte, Prenzlauerberg, Kreuzberg und Friedrichshain ohne PKW auskomme und deshalb einseitig auf das Fahrrad setzen. Vom Stadtrand nur insofern geschrieben, dass Günther vorlebt, dass es ohne den individuellen PKW nicht funktioniert und sie den ÖPNV nur selten nutzt.

    Der BerlKönig BC ist ein anderer Verkehrsversuch, der nichts mit ViaVan zu tun hat. Partner der BVG ist die Taxiinnung, die die Kleinbusse stellt. Rufbusse und Anrufsammeltaxies sind dabei andernorts schon lange bewährte Verkehrsmittel der Aufgabenträger.

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