Ende 2017 protestierten rund 2.500 Menschen vor dem Café Filou (Quelle: imago images/Christian Mang).
Bild: imago images/Christian Mang

Glogauer und Reichenberger Straße - Bezirk nutzt Vorkaufsrecht in Friedrichshain-Kreuzberg

Der Wohnkomplex im Reichenberger Kiez, in dem das Café Filou beheimatet ist, geht laut Baustadtrat Schmidt in die Hand des Bezirks über. Ursprünglich wollte ein Luxemburger Investor das Haus kaufen, nun hat Friedrichshain-Kreuzberg sein Vorkaufsrecht genutzt.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat sein Vorkaufsrecht geltend gemacht und einen Wohnhauskomplex mit drei Einheiten nahe dem Görlitzer Park gekauft. Das gab Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis '90/Die Grünen) am Freitag auf Twitter bekannt. Demnach habe man das Vorkaufsrecht für den "Verkehrswert" für die drei Einheiten in der Glogauer Straße 9 an der Ecke Reichenberger Straße 86 zugunsten der landeseigenen Gewobag genutzt.

Wie Schmidt am Sonntag auf Anfrage von rbb|24 mitteilte, liegt der Verkehrswert bei acht Millionen Euro. Dieser Preis gibt den - beispielsweise durch einen Gutachter - ermittelten Immobilienwert an. Der vom Eigentümer angesetzte Kaufpreis der Immobilie liegt laut Schmidt dagegen bei elf Millionen Euro, also 37,5 Prozent über dem Verkehrswert.

Noch ist der Kauf durch den Bezirk nicht endgültig abgewickelt. Der Eigentümer mit Sitz in Großbritannien bekommt den entsprechenden Bescheid erst am Montag zugestellt, erklärte Schmidt gegenüber rbb|24, und kann dann eine Fristverlängerung beantragen. Bisherige Eigentümer des Hauses sind laut einer Anwohnerinitiative die Londoner Immobilieninvestoren David Evans und Charles Skinner. Nun wollte das luxemburgische Unternehmen "Project X-Berg S.a.r.l." den Komplex übernehmen, der Bezirk kam ihm aber zuvor.

Eckgrundstück könnte in Investorhand bleiben

Dem Kauf vorangegangen war ein jahrelanger Streit mit wechselnden Eigentümern. Diese hatten unter anderem dem dort ansässigen Café Filou Ende 2016 das Mietverhältnis gekündigt. Der britische Investor installierte Ferienappartements in einem Teil des Wohnkomplexes. Es regte sich Protest, die Café-Betreiber bekamen einen neuen langfristigen Mietvertrag - ein Novum für Berlin.

Das Eckgrundstück mit den Ferienwohnungen könnte allerdings laut Schmidt in der Hand des Käufers aus Luxemburg bleiben. Da es sich um einen Neubau handelt, greift der Milieuschutz nicht wie bei den anderen beiden Wohnhäusern.

Anwohner hatten Anfang 2017 die Initiativen "Gloreiche" und "DieGloreichen3" gegründet - sprachliche Zusammensetzungen aus Glogauer und Reichenberger Straße. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Zwischenzeitlich war gar ein Campus des Technologiekonzerns Google in dem Wohnkomplex geplant. Auch dagegen war der Anwohnerprotest erfolgreich.

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16 Kommentare

  1. 16.

    Nennt man auch Wählerkauf.

  2. 15.

    "Aber immerhin, Klatschen klappt schon ganz gut."

    Na bitte, dann kommt für sie als nächste Übung Singen. Das wird schon! Kopf hoch.

    Irgendwann schaffen sie es dann auch zu rechnen. Und zwar nicht wie Fans des Turbokapitalismus und allen anderen die das neoliberale Gewäsch glauben oder von sich geben, sondern wie ein Land, ein Staat, der dem Wohlergehen ALLER Bürger verpflichtet ist.

  3. 14.

    Na, dann macht der Senat hier doch ein tolles Geschäft mit einem Kauf zum Verkehrswert.

    Das gilt dann auch für die kommende Enteignung großer Wohnungsunternehmen.

    Ist ja kein Wunder, wenn Spekulationspreise gezahlt werden, dass die Mieten entsprechend das ebenfalls tun müssen- nimmt man den Verkehrswert, können sie auch in einem vernünftigen Rahmen bleiben.
    Gleichzeitig demaskiert das auch das oft vorgeschobene Argument, bei nicht steigenden Mieten (Mietendeckel) könnte man sich eine Sanierung nicht mehr leisten. Nein, bei vernünftigen Mieten und normalen Sanierungen kann man nicht mehr so viel Spekulationsgewinn machen. So rum wird ein Schuh draus.

    Weiter so, RRG!

  4. 13.

    SPD und PDS verkauften alle öffentliche Wohnungen. Es gibt keine Ausreden, sie sollten für das bezahlen, was sie getan haben. Es gibt keine Ausreden.

  5. 12.

    Die Preisbindung wurde in der Bundesrepublik zu einer Zeit aufgehoben, als Schmidt noch ein kleines Kind war. Preisschilder sind deshalb nur ein Angebot, dass man nicht annehmen muss, egal ob an Häusern, beim Autokauf oder sogar im Supermarkt.

    Leider hat niemand nachgefragt, wie viele Wohnungen gekauft werden sollen und wie groß die sind. Aber immerhin, Klatschen klappt schon ganz gut.

  6. 11.

    Klatschen und Singen hatte man wohl auch in der Schule, wenn man keine Ahnung hat, was WERT bedeutet. Wert ist nicht etwas was irgendeiner bestimmt sondern das, was der Markt bereit ist zu geben.
    Verkehrswert ist eine Wunschzahl wie es die Vergleichsmieten auch sind. Die haben beide mit der Realität nichts zu tun.

  7. 10.

    So lange die Massen ungehemmt nach Berlin ziehen, wie eine Heuschreckenplage, wird sich am Mietenmarkt gar nichts ändern. Die Heuschrecken sind nicht die Vermieter sondern die Zuziehenden Mieter. Wer im Szeneviertel wohnen will, der muss auch den Preis bezahlen. Nicht nur in Form von Miete sondern auch Partylärm und Tourichaos.
    Der Senat sollte lieber neue Wohnungen bauen als das Geld für alte zu verschleudern, die bald saniert werden müssen.

  8. 9.

    Ja, zu teuer. Aber derzeit eine Möglichkeit die Auswirkungen der Immobilien-Misswirtschaft von CDU und SPD mit dem daraus resultierenden Bankenskandal aufzufangen. Enteignung der Preistreiber zum Schutz der Bestandsmieter wäre besser.

  9. 8.

    Man muss eben Risiko und Nutzen abwägen. Dass nicht jede Einzelentscheidung jedem gefallen wird ist auch so ein Risiko. Andererseits finden andere das gut.

  10. 6.

    Hier mal ein Haus kaufen, da mal ein paar Steinchen versetzen, noch ein paar grüne Punkte und alles ist schön. Oben drauf kommt noch der Mietendeckel, die Werte der Immobilien sinken und der Kredit wird in 50 Jahren noch bestehen. Wer trägt das Risiko?

  11. 5.

    Hier mal ein Haus kaufen, da mal ein paar Steinchen versetzen, noch ein paar grüne Punkte und alles ist schön. Oben drauf kommt noch der Mietendeckel, die Werte der Immobilien sinken und der Kredit wird in 50 Jahren noch bestehen. Wer trägt das Risiko?

  12. 4.

    Für die, die in der Schule nur Klatschen und Singen hatten statt Rechnen und Lesen:

    Wie Schmidt am Sonntag auf Anfrage von rbb|24 mitteilte, liegt der Verkehrswert bei acht Millionen Euro. Dieser Preis gibt den - beispielsweise durch einen Gutachter - ermittelten Immobilienwert an. Der vom Eigentümer angesetzte Kaufpreis der Immobilie liegt laut Schmidt dagegen bei elf Millionen Euro, also 37,5 Prozent über dem Verkehrswert.

  13. 3.

    Durch den Kauf dieses (und jedes anderen) Hauses, erhöht sich das Vermögen des Land Berlin. Gleichzeitig kann es Wohnen nach sozialen Gesichtspunkten vermieten. Deswegen ist es doppelt gut, wenn einem Spekulanten das Geschäft versaut wird.

  14. 1.

    All die Strohfirmen aus Luxemburg und Zypern, die Häuser in Berlin kaufen. Dahinter stecken vermutlich immer die selben paar wenigen Großinvestoren.

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