Archivbild: Das Internationale Congress Centrum ICC in Berlin mit dem Funkturm und den Messehallen an der Masurenallee (r), aufgenommen am 15.5.2003. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Video: Abendschau | 03.09.2019 | Dorit Knieling | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Kongresszentrum in Charlottenburg - Berlin stellt ICC unter Denkmalschutz

Seit gut 40 Jahren thront das ICC am Dreieck Funkturm in Charlottenburg, allerdings seit fünf Jahren als leere Hülle. Nun wurde der gigantische Kongress-Bau offiziell unter Denkmalschutz gestellt - kurz vor Beginn der Sanierung. Von Sebastian Schöbel

Vier Jahrzehnte nach seiner Eröffnung ist das Internationale Congress Centrum in Berlin offiziell unter Denkmalschutz gestellt worden. Das gab die Senatsverwaltung für Kultur am Dienstag bekannt. Der vom Architektenpaar Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte konzipierte Kongressbau habe "aus künstlerischen, geschichtlichen und städtebaulichen Gründen" Denkmalwert, heißt es in einer Mitteilung.

Landeskonservator Christoph Rauhut, Berlins oberster Denkmalschützer, nannte es einen "Glücksfall", dass das ICC "mit seinen Farben, Materialien, Kunstwerken und Ausstattungsgegenständen noch so komplett erhalten" ist. Mit der Unterschutzstellung gebe es nun Rechtssicherheit für die anstehende Sanierung. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass das ICC als Gesamtkunstwerk erhalten bleibt", so Rauhut.

13 Investoren buhlen um das ICC

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will das ICC mit Hilfe von Investoren sanieren, modernisieren und erneut als Kongresszentrum nutzen. "Das ICC zu ertüchtigen ist eine Notwendigkeit", so Pop. Schließlich brauche Berlin noch dringend Flächen für Veranstaltungen ab 8.000 Teilnehmer. Insgesamt 13 Investoren hatten zuletzt konkretes Interesse am ICC angemeldet, acht von ihnen legten auch schon architektonische Entwürfe vor.

Einen der ambitioniertesten Vorschläge hatte das Berliner Planungsbüro Neuner & Boeving GbR eingereicht. Demnach soll das ICC zu einer Biosphäre mit gleichzeitigem Kongressbetrieb werden, unter einer gigantischen, transparenten Membranfolie. Ein hochmodernes Lift-System, das sowohl vertikal als auch horizontal funktioniert, würde Besucher zu einem neuen Kongressanbau bringen, für den das alte ICC-Parkhaus abgerissen werden müsste.

Der Entwurf des Berliner Architekten Florian Krochmann vom Planungsbüro IGP wiederum sieht neben der Sanierung des Gebäudes auch den Bau eines neuen Hotelturms direkt hinter dem ICC vor - für den ebenfalls das alte Parkhaus weichen müsste.

Archivbild: Das Internationale Congress Centrum ICC in Berlin mit dem Funkturm und den Messehallen an der Masurenallee (r), aufgenommen am 15.5.2003. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Ob und wie diese Pläne mit dem nun verkündeten Denkmalschutz vereinbar sind, wird sich zeigen müssen. Architekt Jan-Peter Frahm, der am IGP-Entwurf mitgearbeitet hat, hatte dem rbb sogar gesagt, der Status als Denkmal sei für die ICC-Sanierung hilfreich, weil dadurch ein "verlässlicher Rahmen für den Umgang mit dem Gebäude" geschaffen würde.

In allen bisher vorgelegten Entwürfen für die Sanierung wird auf umfassende Eingriffe in das Gebäude und Veränderungen der Fassade auch weitgehend verzichtet. Die Idee, das ICC mit einer Folie zu überspannen, ist der mit Abstand radikalste. Allerdings beinhalten fast alle Pläne den Bau von Hotels oder Bürotürmen direkt am ICC.  Ein solches Hotel war ursprünglich schon 1979 geplant, es sollte allerdings etwas weiter entfernt stehen, am Kaiserdamm. Es wurde jedoch nie gebaut, heute steht dort ein Autohaus. Experten gehen aber davon aus, dass das ICC nicht ohne einen Hotelneubau und weitere Kongressfläche wirtschaftlich betrieben werden kann.

Sollte dafür der Abriss des alten Parkhauses nötig sein, wäre das wohl kein Problem: Berlins Denkmalschützer haben schon angedeutet, dass sie auf diesen maroden Bau durchaus verzichten könnten. Deutlich weniger Entgegenkommen dürfte es hingegen bei Veränderungen an der Fassade und dem Innenleben des ICC geben: Vor allem letzteres gilt als Gesamtkunstwerk.

Internationales Congress-Centrum, ICC, Charlottenburg, Berlin (Quelle: dpa/Thomas Robbin)
Bild: dpa/Thomas Robbin

Kongresszentrum, Filmkulisse, Bauzombie

Das 1979 eröffnete ICC war jahrelang das größte Kongresszentrum Europas und bot mit seinen zwei großen und rund 80 kleineren Sälen und Räumen Platz für mehr als 9.000 Besucher. Allerdings gilt es auch als unwirtschaftlich, weil große Teile der 200.000 Quadratmeter Fläche nicht für Veranstaltungen nutzbar sind. 2014 wurde es geschlossen und steht seitdem leer. Es wurde seitdem lediglich kurzzeitig als Anlaufstelle für Flüchtlinge genutzt. Zudem wurden hier 2015 Szenen für den Hollywood-Blockbuster "Captain America - Civil War" gedreht.

Denkmalschutz schon lange in der Diskussion

Der Denkmalschutz für das ICC, das wahlweise als "Raumschiff", "UFO", "Panzerkreuzer" oder "Kongressmaschine" bezeichnet wird, ist schon lange in der Diskussion.

Das Landesdenkmalamt misst dem 320 Meter langen Gebäude schon lange eine "herausragende geschichtliche, städtebauliche und künstlerische Bedeutung" zu. Im April 2018 erklärte der damalige Landeskonservator Jörg Haspel gegenüber rbb|24: "De jure ist das ICC ein Denkmal, es erfüllt die Kriterien des Denkmalschutzgesetzes." Allerdings stand des ICC bislang nicht in der Berliner Denkmalliste, sondern war lediglich in den einschlägigen Handbüchern der Denkmalschützer verzeichnet. Architektin Ursulina Schüler-Witte hält bis heute laut Senat ein weitreichendes Urheberrecht am ICC.  

"Auch ohne formale Unterschutzstellung war der Denkmalwert des ICC seit langem in der Diskussion und wurde auch im jüngsten Interessensbekundungsverfahren berücksichtigt", sagte nun Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. "Der Berliner Senat ist sich einig, dass nun die Sanierung des ICC auf den Weg gebracht wird."

"Das ICC ist ein Wahrzeichen von Berlin, eine einzigartige Großstadtskulptur und monumentale Landmarke, die Berlin als Stadt der Zukunft kennzeichnet", sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Die Bedeutung des gigantischen Gebäudes am Autobahndreieck Funkturm reiche weit über Berlin hinaus, so Lederer, das ICC sei "einer der wichtigsten deutschen Bauten der Nachkriegszeit".

Sendung: Inforadio, 03.09.2019, 16.00 Uhr

Vor 40 Jahren landete das "Raumschiff"

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37 Kommentare

  1. 37.

    In der Gegend stand nie ein Schloss. Und das Schloss Charlottenburg (ursprüngl. Schloss Lietzenburg) hat nach dem Krieg eine einzelne Abgeordnete gerettet, als alle anderen es wegen der sichtbaren Kriegsschäden abreißen wollen. Aus jener Geisteshaltung, die Sie hier vortragen.

  2. 36.

    Warum nicht abreißen? Da steckt doch Asbest drin. Und außerdem brauchen wir in Berlin noch dringend ein Preußenschloss.

  3. 34.

    was soll der RIESENSTEIN da, mitten auf der Stadtautobahn? wo auch ein einfaches Autobahndreieck mit 2 Brücken und 5 Kurven stehen könnte

  4. 33.

    Ich dachte Wohnungen, Wohnungen über alles. Wenn der Palast weg musste, dann auch das ICC. Gleiches Recht für alle. Diese Siegerjustiz ist auch ein Grund, dass die Politik so abstürzt.

  5. 32.

    Nur Denkmalschutz reicht nicht. Es sind viel zu viele Jahre vergangen und kein zeitliches Fertigstellungskonzept liegt vor. Das ICC ist dringend notwendig. Die überflüssigen Leerflächen im Umkreis sollten mitgeplant werden.

  6. 31.

    Beste Moderne Architektur. Ihr Kommentar ist mit Abstand der vernünftigste und zutreffendste. Danke.

  7. 30.

    Die ganze Geschichte um Erichs Lampenladen war eine politische. Das ICC steht dagegen auf neutralem Boden.

  8. 29.

    Der Palast der Republik war eines der Wahrzeichen von Ost- Berlin, musste für so ein unsinniges Schloss weichen. Das war schon traurig genug. Das ICC ist eines der Wahrzeichen West-Berlins und sollte es auch bleiben. Hier hat, bevor die falsche Entscheidung getroffen wurde, der Verstand eingesetzt.

  9. 28.

    Hätte der Palast der Republik die Kreuzung Rhinstraße / Landsberger Allee flankiert, kein Mensch wäre auf die Idee gekommen ihn abzureißen. Stünde das ICC an den Autobahn- und Schnellstraßenkurven nahe von Großbeeren, passte es vom Bau her dort wunderbar hin.

    Nie geht es nur um den Bau an und für sich, immer geht es auch mit um den Bezug im Stadtraum. Brachial hineingesetzt und Stadtbrachen noch vergrößert, wie beim ICC, wo Urbanität kilometerweit entrückt ist? Ein Gebäude, das der Straße Unter den Linden nie und nimmer "Auftakt" sein kann, weil es in seiner Formensprache meilenweit dahinter zurückbleibt, wie beim Palast der Republik?

  10. 27.

    Abreißen das Ding und Wohnungen bauen !!! Es Heulen doch alle rum „wir brauchen Wohnraum“ ! Aber Hauptsache die vom Senat können sich wieder feiern !!!

  11. 26.

    Also ich würde es gut finden, wenn das ICC wieder genutzt werden könnte, mit oder ohne Denkmalschitz.
    Im Gespräch ist das nun ja schon ewig.
    Ich war letztmalig im März 2000 dort und zwar bei Brian Ferry und es war super.
    Das Rumgenöle hier war vorauszusehen. Aks ich die Nachricht zum Denkmalschutz des ICC im Radio hörte,
    dachte ich mir schon, dass sowas hier kommt.
    Leute , das Wort Denkmalschutz beinhaltet auch die Aufforderung :" denk mal !" , vor Allem ehe man wütende Kommentare absetzt.

  12. 25.

    Für mich ist das ICC kein DENKmal, für mich ist das - mit Verlaub - ein MAHNmal.
    Ein Mahnmal deswegen, weil kein Bau wie dieser inclusive seines Umfeldes das Sinnbild der autogerechten Stadt verkörpert und zugleich das Sinnbild, dass zu Fuß Gehende und Radfahrende im Umfeld "leider nichts verloren haben."

    Wer DIESEN Denkmalschutzgedanken zu Ende treiben will, müsste sich konsequenterweise dafür einsetzen, die später einsetzende "Variation" in der Straßenverkehrsführung der Kreuzung Messedamm / Neue Kantstraße wieder rückgängig zu machen. Die sah nämlich ursprünglich keine Radverkehrsführung vor, weil Radfahrende ihr Gefährt treppab, treppauf durch den Tunnel tragen mussten. Seid ehrlich, seid authentisch vom baulichen Zeugnis her und gestaltet das Mahnmal in dieser Richtung um!

    Zynismus ist eine meiner weniger ausgeprägten Fähigkeiten. Hier will ich ihn dennoch anwenden.

  13. 23.

    Die Deutschlandhalle wurde, wohl politisch gewollt, abgerissen. Also heule nicht wegen Erichs Lampenladen rum.
    Der kann da einfach nicht mithalten.
    <https://www.morgenpost.de/berlin/article105344894/Diese-Stars-spielten-in-der-Deutschlandhalle.html>
    Ich habe dort meine Holde bei einem Konzert von Supertramp kennengelernt. Wir sind immernoch am Start - werter "Erscheckter".

  14. 22.

    Nur weil man "Erichs Lampenladen" leider abgerissen hat (auch das war zeitgenössische erhaltenswerte Architektur) muß man denselben Fehler ja nicht ein zweitesmal machen. Das hat mit "zweierlei Maß messen" nichts zu tun. Vielleicht eher mit Lernfähigkeit.

  15. 21.

    Was für ein "Glücksfall", dass das ICC nach 40 Jahren "noch so komplett erhalten ist" ... keine Kabeldiebe, kein Brandanschlag, keine Mauerspechte, nicht von Hausbesetzern eingenommen, nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen, nicht von selbst eingestürzt, und das nach nur 4 Jahren Bauzeit (West) ... Berliner Rekord!

  16. 20.

    Manchmal sind geschaffene Fakten praktischer als eine jahrelange Hängepartie. Vielleicht ist das auch neulich beim Rivera in Grünau so passiert: Mit viel Wasser und tatkräftiger Unterstützung der Feuerwehr.

    Das ICC ist ein unbezahlbar unpraktischer Bau. Den zu unterhalten ist wirtschaftlich völlig unsinnig und energetisch eine Umweltsauerei. Und schön im eigentlichen Sinne ist das Gebäude auch nicht. Wieso nun ausgerechnet eine dunkelrot-grüne Landesregierung das Ding unter Denkmalschutz stellt, wo deren Herzensbau (Palast der Republik) unter Vorwänden abgerissen wurde, versteht wohl niemand. Dieser Senat irritiert mich jede Woche aufs Neue.

  17. 19.

    Vielleicht spielten beim Thema Denkmalschutz auch die steuerliche Vorteile des künftigen Investors eine Rolle? :-)
    Unabhängig davon, ob man das ICC nun häßlich oder toll findet: Ich würde mir den Mut und den Weitblick der damaligen Architekten gerne zurückwünschen. Der CityCube und der neue HUB27 mögen irre effizient sein, aber eine Seele wird man diesen Zweckbauten kaum andichten. Das ICC-Raumschiff war hingegen seiner Zeit weit voraus, ein Symbol des herrlich dekadenten West-Berlins, das nur dank den Milliarden aus der BRD überleben konnte.

  18. 18.

    "13 Investoren buhlen um das ICC" - jetzt, wo es unter Denkmalschutz steht, werden wohl einige abspringen.
    Dann bleibt das ICC das, was es schon lange ist, eine Ruine.

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