Ein Dachdecker klettert über die neu verlegten Dachlatten eines großen Hauses. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 05.09.2019 | Ronald Schleif | Bild: dpa/Patrick Pleul

Kriminalitätsbarometer der IHK - Zwei Drittel aller Betriebe wurden 2018 Opfer von Straftaten

Ob Diebstahl oder Hackerangriffe: Unternehmer in Berlin und Brandenburg leiden unter Verbrechen - so eine Befragung der IHK. Obwohl zwei Drittel aller Unternehmen 2018 von Kriminalität betroffen waren, zeigt der Großteil die Straftaten nicht an.

Zwei Drittel aller Unternehmen in Berlin und Brandenburg sind im vergangenen Jahr Opfer von Straftaten geworden. Davon sind mehr als die Hälfte nicht angezeigt worden, hat eine repräsentative Umfrage der Industrie- und Handelskammer [ihk-berlin.de] ergeben. Von den über 1.600 befragten Betrieben gab demnach je ein Drittel an, Opfer von Diebstählen (34 Prozent) und Vandalismus (30,5 Prozent) geworden zu sein.

Die Anzeigebereitschaft der Unternehmer sinkt demnach seit Jahren. Im Umkehrschluss bedeute das, dass immer mehr Straftaten den Behörden weder bekannt werden, noch geahndet werden könnten.

Nur knapp die Hälfte aller Einbruchsdiebstähle, ein Drittel der Sachbeschädigungen und knapp ein Fünftel der Betrugshandlungen würden angezeigt. Die IHK vermutet als Grund für die sinkende Bereitschaft der Betriebe gesunkenes Vertrauen zwischen Wirtschaft und Staat an.

Stark steigende IT-Angriffe

Bei fast allen Delikten ist die Anzahl der bei der IHK-Befragung angegeben Straftaten gleich geblieben. Einzig die "Hackerangriffe" sind rasant gestiegen. So hätten 60 Prozent aller Unternehmer bei dem Kriminalitätsbarometer angegeben, im vergangenen Jahr Opfer von IT-Angriffen geworden zu sein. 2010 wurden diese Delikte mit nur zwölf Prozent an die IHK gemeldet.

Auch bei der Cyberkriminalität bemängelt die IHK die Anzeigebereitschaft der Unternehmer. "Auf Unternehmensseite braucht es deshalb neben mehr Bewusstsein für die Gefahren in der digitalen Welt nicht nur eigene Schutzmaßnahmen, sondern auch ein beherzteres Anzeigeverhalten und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK in Berlin, Christoph Irrgang.

Seit 2005 befragen die Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg ihre Mitgliedsbetriebe zum Thema Sicherheit und Kriminalität. Die sogenannten repräsentativen Dunkelfeldbefragung ist 2018 zum siebten Mal durchgeführt wurden und beinhaltet die Ergebnisse von insgesamt 1.624 Unternehmen aus den IHK-Bezirken Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam.  

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.09.2019, 11 Uhr

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Antwort auf [Berliner] vom 05.09.2019 um 12:19
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5 Kommentare

  1. 5.

    "gesunkenes Vertrauen zwischen Wirtschaft und Staat": wohl eher "gesunkenes Vertrauen der Wirtschaft in den Staat".
    Woher das nur kommen mag?
    Zu bemerken bleibt, dass "Wirtschaft" in diesem Fall sicher nicht Großkonzerne bezeichnet, sondern kleine und mittelgroße Unternehmen, die vom Staat regelmäßig im Stich gelassen, zum Ausgleich aber mit Vorschriften und Regularien überhäuft werden. Und dann wundert man sich über Wahlergebnisse...

  2. 4.

    Stimmt. Was brächte es denn, jugendliche Ladendiebe anzuzeigen?
    Damit die Polizei kommt und ihre Namen aufschreibt?
    Und wozu Cyberkriminelle anzeigen, die kaum aufzustöbern sind, dann meist irgendwo in der Taiga (oder einem hinterindischen Gebirgsdorf) sitzen und sich am liebsten in Bitcoins bezahlen lassen?
    Die deutsche Justiz ist ein praktisch zahnloser Papiertiger, der in engen Fesseln liegt und von Schonkost eine Magenverstimmung bekommt.

  3. 3.

    Hacker- und IT-Angriffe sind nicht ganz dasselbe:
    Zu letztgenannten kann auch das Programmieren und Verbreiten von Schadsoftware gehören.
    Und mich würde mal interessieren, bei wievielen Unternehmen solche auf den Festplatten gefunden wurde.
    Meiner Meinung nach sollte es eine Art Führerschein für berufliche Computerbenutzung geben:
    Nur wer anhand eines überall gültigen Zertifikates nachgewiesen hat, dass er weiß, worauf er diesbezüglich zu achten hat, sollte innerhalb eines Netzwerkes Computerzugriff haben.

  4. 2.

    Wenn die Bürger wissen, dass Kleinkriminalität weder verfolgt, noch geahndet wird, machen sie sich auch nicht die Mühe, diese Straftaten anzuzeigen. Wozu auch? Für den Brief nach drei Wochen, der die „Einstellung des Verfahrens“ mitteilt? Wenn, dann zeigt man sowas nur noch wegen einer Versicherung an.

    Statt einer sinkenden Kriminalitätsrate, wie die Politiker gerne behaupten, haben wir nur sinkendes Vertrauen in den Rechtsstaat. Keine Anzeige = keine Kriminalität stimmt daher nicht.

  5. 1.

    Der Staat hat weder das Personal noch die Kompetenz noch die Lust Hackerangriffe zu verfolgen.

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