Heizkraftwerk Moabit (Quelle: imago images/Schöning)
Video: Abendschau | 16.06.2019 | Tobias Schmutzler | Bild: imago images/Schöning

Studie vorgestellt - Berliner Kohleausstieg bringt Mehrkosten für Fernwärme-Kunden

Es ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität: Berlin will bis 2030 keine Kohle mehr in seinen Kraftwerken nutzen. Damit könnte der CO2-Ausstoß in der Stadt um 13 Prozent gesenkt werden. Doch das bringt auch Nachteile, wie eine Studie zeigt.

Der geplante Ausstieg aus der Kohleverstromung in Berlin wird voraussichtlich Mehrkosten für Fernwärmekunden bringen, da die Steinkohle durch teurere Energiequellen ersetzt wird. Das geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor, die der Energiekonzer Vattenfall am Montag gemeinsam mit der Senatsumweltverwaltung vorgestellt hat.

Demnach müssten Mieter einer ungedämmten 65 Quadratmeter großen Wohnung mit jährlichen Mehrkosten von bis zu 147 Euro rechnen. Wärme sei zentral für die Energiewende, sagte Umweltsenatorin Regine Günther (Bündnis90/Die Grünen). "Wir müssen uns mit aller Macht diesem Thema nähern."

Kraftwerke verursachen 13 Prozent des CO2-Ausstoßes

Berlin will bis spätestens 2030 aus der Kohlenutzung aussteigen, ein entsprechendes Gesetz wurde vor zwei Jahren beschlossen. Die beiden Kohlekraftwerke Reuter West und Moabit sind für rund 13 Prozent des CO2-Ausstoßes in der Hauptstadt verantwortlich. Die Vattenfall-Studie schlägt vor, stattdessen etwa mit Erdwärme, Biomasse, Solarstrom und Abwärme aus Kläranlagen und Müllverbrennung zu heizen. Das Fernwärmesystem biete die Möglichkeit, Wärme aus verschiedenen nachhaltigen Quellen aufzunehmen und zu verteieln. 

Zunächst soll Gas einen Großteil der Kohle ersetzen

Zunächst aber sollen 60 Prozent der Kohle durch ein neues Gaskraftwerk ersetzt werden, wie Umweltsenatorin Günther sagte. Doch auch das Erdgas müsse ersetzt werden, dafür stünden noch nicht alle Technologien zur Verfügung. Die Studie geht davon aus, dass pro Jahr mehr als doppelt so viele Häuser saniert werden wie heute. An das Fernwärmenetz sind 1,3 Millionen Wohneinheiten angeschlossen.

Der Kohleausstieg bis 2030 sei für Berlin ein substanzieller Zwischenschritt, so die Senatsumweltverwaltung. Auch die Nutzung von fossilem Gas müsse beendet werden. Berlin will bis 2050 klimaneutral werden und die Treibhausgasemissionen in der Stadt um mindestens 95 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Günther sprach von einem "soliden Konzept", was einerseits auf Abwärme von Industrieanlagen, auf Geothermie und auf Erneuerbare Energien setze. 60 Prozent der Berliner Wärmeenergie würden künftig allerdings mit Hilfe der "hybriden Gas-Kraft-Wärme-Kopplung" gewonnen werden, erläuterte die Senatorin im rbb. Ein solches hochmodernes Gaskraftwerk soll bis 2030 am Standort Reuter West in Siemensstadt entstehen.

FDP fordert Rücksichtnahme auf finanzielle Belastbarkeit

Die FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus mahnte, "die Senkung der CO2-Emissionen in der Fernwärme muss mit Augenmaß und mit Rücksicht auf die finanzielle Belastbarkeit der Berliner Haushalte umgesetzt werden". Es seien die technischen und regulatorischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch Wärme und Windstrom zu vertretbaren Kosten im Fernwärmenetz eingesetzt werden könnten, so der energiepolitische Sprecher, Henner Schmidt. Er räumte gleichzeitig ein, der Ersatz durch ein Gaskraftwerk sei derzeit noch die einzige machbare Lösung, um Steinkohle zu ersetzen.

Sendung: Abendschau, 16.09.2019, 19:30 Uhr

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26 Kommentare

  1. 26.

    Gerade im Teletext gelesen, dass in Spandau eine neue "Power-to-Heat"-Anlage für Fernwärme in Betrieb gegangen ist. Die soll mit überschüssigem Öko-Strom betrieben werden. Der wird derzeit entweder gegen eine negativen Preis ins Ausland verkauft oder die Betreiber von WKA erhalten Geld, obwohl die die Anlage still stehen lassen. Den Strom für den Tauchsieder müsste es damit quasi zum Nulltarif geben. Wie passt das zusammen? Gehört Spandau nicht zu Berlin?

  2. 25.

    ...aber gegen Kreuzfahrten hetzen? Ich werde Kreuzfahrten weiterhin unternehmen. Kreuzfahrten machen einen so geringen Anteil an der gesamten Schifffahrt aus....das ist echt lächerlich. Fahre dafür 12.000 km weniger Auto, dann hab ich es wieder raus.
    und.....Zitat....Erdöl und Erdgas sind die Überreste von kleinen Tieren und Pflanzen, die vor 100 Millionen Jahren im Meer trieben......also auch Co 2 neutral?.......:))

  3. 24.

    Das C in der Kohle wurde vor Jahrmillionen der Luft entzogen, nicht erst vor kurzem. Das macht den Unterschied.

    Es muss mehr in die Speicherung der regenerativen Energie investiert werden. In der Lausitz will man plakativ Pilotanlagen erreichten, andernorts in der Bundesrepublik ist man schon weiter.

    Zu Fliegen eine Beispielrechnung:
    Herr H. fliegt als Umweltlobbyist nach Grönland, um den Gletschern bei Schmelzen zuzuschauen. Er ist mit einem modernen Jet unterwegs, welcher 3l Benzinäquivalent als CO2 in die oberen Luftschichten bläst und zudem mit Kondenstreifen zur Erderwärmung beiträgt. Die einfache Flugstrecke beträgt 3.500km, macht 210l Benzinäquivalent.

    Frau I weiß aus der Schule, dass es auch in den Alpen Gletscher gibt und nimmt den Zug (2,2l äquivalent) und fährt damit nach Zermatt. Die einfache Reisestrecke beträgt ca. 1.000km. Das ergibt einen Energieverbrauch von 44l Benzinäquivalent.
    Wie glaubwürdig kann Herr H sich noch für die Umwelt einsetzen?



  4. 23.

    Es gab vor einer Weile einen Bericht im Info Radio und ich glaube auch im Fernsehen über Schweden, darüber wie sie über Greta denken und ganz wichtig über die Atomkraftwerke in Schweden. War sehr aufschlussreich.

  5. 22.

    Ich finde es erschreckend wie hier die Wirtschaft des Landes durch die eigene Bevölkerung zerstört wird.

    Ohne darüber nachzudenken wo der Strom eigentlich herkommt wird ein sofortiger Ausstieg aus der Kohle gefordert.

    Es wird Tage geben, wo mal keine Sonne scheint, wo vielleicht Schnee auf den Solarzellen liegt, wo es mal nicht windig ist.

    Da kommt dann kein „öko- Strom“ !!!

    Dann muss man richtig schmutzige Energie aus dem Ausland kaufen.
    Und die Nachfrage wird den Preis bestimmen.

    Also wenn hier das Licht ausgeht, wird der verfügbare Strom mal eben richtig teuer!

    Kohle ist über viele Jahre u.a. aus Holz entstanden.
    Und Holz ist bekanntlich Co2 neutral!

    Wer was für die Umwelt tun will, sollte mal in einem Laden einkaufen gehen und sich nicht alles per Versand bis vor die Haustür fahren lassen.
    Kreuzfahrt sollten z.B. Verboten werden (hier werden tonnenweise Schweröl verbrannt, zum bespaßen einiger Leute.

    Weiterhin finde ich die momentane Hetze gegen die Luftfahrt unmöglich.
    Moderne Flugzeuge sind relativ effizient und verbrauchen pro Passagier nur wenige Liter Treibstoff auf 100 km
    Mit den sogenannten „Billig Tickets“ werden oft freie Plätze aufgefüllt um es noch effizienter zu machen!
    Es werden für so einen Flug auch viel teure Tickets verkauft.
    Dazu kommt auch noch die Tatsache, das so ein Flieger auch jede Menge Fracht mit an Bord hat.
    Also nicht nur das Gepäck der Passagiere, sondern Fracht (Pakete Post usw.)

    Mein Aufruf: Wer etwas für das Klima tuen will, sollte Freitag nicht zur Demo gehen und stattdessen Bäume pflanzen!!!

  6. 21.

    Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung. Aber Hauptsache gegen die Grünen austeilen. Technisch ist vieles was die Grünen fordern längst nachbar- und kostet nicht einmal mehr. Und ob Sie es glauben oder nicht: auch die Kohlekraftwerke haben mal Geld gekostet- das zahlen Sie auch über die Stromrechnung.

  7. 20.

    Oder aber dem CO2 das C entziehen und dieses im alten Tagebau einlagern. Oder aber als themporäre Schutzmauer am Meeresrand bis die neue Eiszeit kommt.

  8. 19.

    Die Vermieter bzw. Hauseigentümer sollten gefördert werden, die Energie dezentral selbst zu produzieren, zumindest einen größeren Anteil. (das interessiert eine Vattenfall-Studie aber freilich nicht)

  9. 18.

    Stimmt, bei allem Respekt zum wollen. Bleibt letztendlich immer noch die Frage: wer will und kann das bezahlen?
    Die Tonne CO² kostet über 180€. Anpassungen und Folgeschäden durch die Klimaveränderung nicht eingerechnet.
    Will keiner bezahlen. Also weg mit den CO²-Schleudern!

  10. 17.

    Auch wenn ich in manchen Politikfeldern mit den Grünen fremdele, hinsichtlich des Klimawandels haben die wenigstens zumindest so etwas ähnliches wie einen Plan. Wenn man sich die CDU ansieht mit ihrem Klimakonzept: Halbherzig, inkonsequent und zum Teil sogar kontraproduktiv.

  11. 16.

    Die Grünen sind doch nur ein Haufen der einfach alles nur vierten will und das ohne Sinn und Verstand.
    Man kann wirklich nur hoffen, das immer mehr Leute verstehen, das diese Partei nicht wählbar ist.
    Hoffe das man das auch in Brandenburg erkennt und nicht auf die Grünen reinfällt.

  12. 15.

    Na ja, ob die Grüne Günther und ihre Partei dann noch mitregieren ist zu bezweifeln. So langsam wachen auch die Letzten auf, sprich Ökodiktatur durch die Besserverdienenden, so sieht es nämlich tatsächlich aus. Und in Schweden, ein Vorzeigeland einst der Grünen werden Strom und Wärme mit durch Atomkraftwerke bereitgestellt. Wird aber leider in unseren Medien nicht mitgeteilt. Warum wohl, fragt sich der interessierte Leser und Zuschauer.

  13. 14.


    Bei allem Respekt zum wollen. Bleibt letztendlich immer noch die frage: wer will und kann das bezahlen?
    Wir sparen, koste es was es wolle. Hatten wir schon mal, hat nicht funktioniert.

  14. 13.

    Man kann diese Klima-Hysterie nicht mehr hören: Kohleausstieg-AKW-Ausstieg-Ölheizungsverbot usw.

    Und in Frankreich, Großbritanien, Tschechien wird ein AKW nach dem anderen gebaut. Klima interessiert dort niemanden. Und genau DEN Strom von dort importieren wir dann:

    https://orf.at/stories/3137062/?utm_source=pocket-newtab

  15. 12.

    Gebe dir Recht Richard, auch ich habe Angst, das es irgendwann knallt bei uns. Die Ansichten der Grünen verstehe wer will, ich nicht. Und ja, das ist schon krank und abartig. Im übrigen möchte ich nicht bei 14-19 Grad in meiner Wohnung sitzen, das ist mir dann doch ein bisschen zu kalt. Weiß bloß nicht, wer die Spinner noch wählt!?

  16. 11.

    Man kann sich auch künstlich dumm stellen. Überwiegend sind Solaranlagen technisch und rechtlich möglich. Rechtlich ist zudem eine Willensfrage, da Gesetze GEMACHT werden. Die sind ja nicht einfach da.
    Dass man mit Solar nur am Tage heizen kann zeugt von Unkenntnis. Das hier aufzuschlüsseln ist mir allerdings zu doof. Wer etwas nicht begreifen will, den kann man auch mit Erklärungen nicht beikommen.
    Als kleinerer Tip, die Lausitz ist gerade Wasserstoffregion geworden. In Prenzlau steht seit Jahren eine P2G Anlage und trotzdem werden Windkraftanlagen wegen ICY BOX M.2 Kühlkörperabgeschaltet. Biogas muss man nicht am Tag bei Sonne verbrutzeln, ein Erdgasnetz (H + CO2)mit samt Speichern ist bereits vorhanden... usw. Aber wenn man natürlich nicht will, dann wird das auch nie was.
    Auch Nachtspeicherheizungen sind im Übrigen wieder im Kommen. Dazu modern gedämmte Häuser... wie gesagt, wenn man will...

  17. 10.

    Vielleicht sollten erstmal alle öffentliche Gebäude, Schulen, Diensstellen usw. Energitechnisch saniert werden. Die Vielfliegerei der Abgeordneten unterbunden werden und der öffentliche Nahverkehr adäquat ausgebaut werden. Damit könnten die meisten Themen direkt von den Abgeordneten verabschiedet und angegangen werden. Also erstmal vor der eigenen Haustür kehren bevor man sich Gedanken macht wie die Privathaushalte belastet werden können.

  18. 9.

    Für die "Sonnenanbeter" : bitte nur am Tage heizen.... Nachts isses dunkel. Und nicht vergessen, wie das Chinazeugs hergestellt wird. Hohe Fernwärmekosten: macht doch nix: zahlen wir gerne und all den anderen ÖKO-Blödsinn. Wir zahlen, solange, bis wir nicht mehr zahlen können und die grüne Lobby die Taschen randvoll abgefüllt hat, Dank dieses kranken Klimahypes, der in Deutschland zur Perfektion getrieben wird und inzwischen Auswüchse grüner Anarchie annimmt. Nur irgendwann kracht es, und zwar gewaltig. Und es wird kein von der Natur gegebenes Sommergewitter sein. Alternativ kann man jedoch nach Polen ausweichen. Wo man neue Atomkraftwerke bauen wird und feine neue Kohlekraftwerke bspw. in Turow,, ggf. befeuert mit deutscher Braunkohle. Wir schaffen das.....Deutsch Mirkronesien wird die Welt retten....Jawollllll

  19. 8.

    Wieso teurer ?! ... Man wird doch wohl in der Lage sein, binnen der nächsten 11 Jahre (!) eine kostengleiche oder sogar kostengüstigere Alternative für die Erwärmung des Heiz-Wassers zu realisieren. Das muss sogar vorgeschrieben werden ... Was soll denn dieser voreilige Zahlungswille immer ?!

  20. 7.

    Kann man am Luftbild erkennen, ob die Installation einer Solaranlage technisch und rechtlich möglich ist?

    Im Übrigen könnte man ja auch auf Rasenflächen Mais für die Biogasablagen anbauen. Ich habe da von oben eine große Fläche in Tempelhof gehen und zog andere lachen mich auch an.

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