Über einem Reisebüro steht der Schriftzug "Thomas Cook". (Quelle: dpa/Martin Gerten)
Video: zibb | 25.09.2019 | Reinhard Rychlik | Bild: dpa/Martin Gerten

Reiseveranstalter - Deutsche Thomas Cook meldet Insolvenz an

Vier Tage nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns hat am Mittwoch nun auch die deutsche Thomas Cook Insolvenz angemeldet. 140.000 Urlauber sind betroffen. Gleichzeitig werden der Thomas-Cook-Tochter Condor gute Aussichten bescheinigt.

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hat nach eigenen Angaben einen Insolvenzantrag gestellt. Der deutsche Veranstalter mit den Marken Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen sei zu diesem Schritt "gezwungen", um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem insolventen Mutterkonzern lösen zu können, erklärte die Thomas Cook GmbH. Vier Tage zuvor war der britische Mutterkonzern pleite gegangen.

"Erfahrener Restrukturierer soll Geschäft neu ausrichten"

"Wir hätten diesen gerichtlichen Schritt natürlich lieber vermieden, doch leider ließ sich auf dem Verhandlungsweg keine kurzfristige Lösung erreichen", sagte Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH. Ziel sei ein sanierendes gerichtliches Verfahren. Das Gericht werde voraussichtlich noch am Mittwoch einen "erfahrenen Restrukturierer" einsetzen, der die Neuausrichtung des Geschäfts im Rahmen eines Insolvenzverfahrens federführend begleite.

Bisher keine Bürgschaft für deutsche Thomas Cook

Ziel einer Sanierung sei es, "das profitable, aber schon länger durch das schwache Geschäft von Thomas Cook in Großbritannien und den Brexit belastete Geschäft des deutschen Veranstalters selbständig fortzuführen", erklärte die Thomas Cook GmbH. "Das überaus positive Feedback aus unseren Gesprächen der letzten Tage macht uns sehr zuversichtlich, dass die Traditionsmarken Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen die Chance bekommen, bald wieder in gewohnter Weise am Markt aktiv sein zu können."

Anders als die Thomas-Cook-Tochter Condor hat die deutsche Thomas Cook GmbH bisher keine Zusage für einen Überbrückungskredit bekommen. Der Antrag ist zwar gestellt, eine Entscheidung ist bisher aber nicht gefallen. Der Veranstalter hatte den Verkauf von neuen Reisen bereits am Montag gestoppt.

Insolvenzversicherer Zurich kümmert sich um Betroffene

Etwa 140.000 Urlauber sind aktuell mit dem Unternehmen mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen unterwegs. Was die Insolvenz genau für sie bedeutet, ist noch unklar.

Nach Angaben des Reiseverbandes RDV kümmert sich der Insolvenzversicherer Zurich um die betroffenen Pauchalreisenden." Dem DRV wurde bestätigt, dass die Zurich Versicherung die Kosten für die zwischen Thomas Cook Deutschland und Leistungserbringern, wie zum Beispiel Hotels und Fluggesellschaften, vereinbarten Leistungen übernimmt", teilte der Verband am Mittwoch mit. Hotels in den Urlaubsgebieten hätten daher keinen Grund, Urlauber aus Angst vor Zahlungsschwierigkeiten des Reiseveranstalters zur Kasse zu bitten. Der Insolvenzversicherer sei zudem verpflichtet, die Reisenden zurückzubringen.

"Condor hat perfekte Geschäftsaussichten"

Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor Flugdienst GmbH hatte am Dienstagabend die Zusage über eine Bürgschaft in Höhe von 380 Millionen erhalten. Die vom Bund und dem Land Hessen gewährte Bürgschaft soll Condor helfen, die entstandenen Turbulenzen kurzfristig zu überwinden. Mit dem sogenannten Massedarlehen, einem sechsmonatigen Überbrückungskredit, soll der Ferienflieger auch den finanziellen Spielraum erhalten, um sich möglicherweise von der britischen Muttergesellschaft zu lösen. Die EU-Kommission muss der sogenannten Rettungshilfe aber noch zustimmen.

Aus Sicht des digitalen Touristikverbandes Internet Reisevertrieb (VIR) hat Condor vor diesem Hintergrund beste Chancen für einen Neustart. "Condor ist profitabel und hat perfekte Geschäftsaussichten", sagte VIR-Vorstand Michael Buller am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Suche nach einem neuen Eigentümer dürfte kein Problem werden und für genug Interesse sorgen. "Denn jeder Käufer hat die Garantie von diversen Reiseveranstaltern, das er Geschäft mit ihnen haben wird." Buller skizzierte, was es bedeutet hätte, wenn die Condor-Maschinen am Boden geblieben wären: "Das wäre der Super-GAU geworden." Dann hätten andere, kerngesunde Großveranstalter Probleme bekommen. Condor sei "systemrelevant für Freizeitreisen".

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.09.2019, 10.00 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    So so Condor ist systemrelevant und was war mit Germania ?
    Beste Airline weit und breit und wurde einfach den Geiern zum Fraß vorgeworfen :(

  2. 2.

    Weil Die groß genug sind und sich unsere Politiker profilieren möchten. Arbeitsplätze retten usw. Blablabla. Wenn Morgen 5000 kleine Handwerksbetriebe schließen und 50.000 Menschen ihren Job verlieren, dann interessiert das keine Sau! So krank ist das Alles. Wenn aber bei Siemens oder Thomas Cook und weiteren "Bigplayern"Arbeitsplätze wegfallen, stehen unsere Politiker Schlange mit Rettungsvorschlägen. Vielleicht sollten man auch mal die horrenden Managerprovisionen zurück fordern und die Herren und evtl. auch Damen in Haftung nehmen.

  3. 1.

    Warum muß nun der Steuerzahler für den Mist den die machen aufkommen? Unverschämt finde ich das!

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