Reisende von Thomas Cook in London
Audio: Inforadio, 23.09.2019, Imke Köhler | Bild: PA Wire/dpa/Rick Findler

Tausende Urlauber gestrandet - Reiseanbieter Thomas Cook meldet Insolvenz an

Die Rettungsversuche sind gescheitert: Der britische Reiseanbieter Thomas Cook hat nun doch Insolvenz angemeldet. Tausende Urlauber sind davon betroffen, auch in Deutschland. Reisen, die am Montag und Dienstag stattfinden sollen, können nicht gewährleistet werden.

Die Bemühungen um Rettung des angeschlagenen britischen Touristikkonzerns Thomas Cook sind gescheitert. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte der Konzern am Montagmorgen auf seiner Website mit. Der Betrieb wurde in Großbritannien mit sofortiger Wirkung eingestellt. Konzernchef Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem "tief traurigen Tag" für den Konzern.

Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt worden. Das Traditionsunternehmen benötigte das Geld, um in die Zukunft seines Geschäfts zu investieren.

Betroffene Veranstalter: Thomas Cook, Neckermann, Öger, Bucher und Air Marin

Zum Unternehmen gehören Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature. Derzeit sind mit dem deutschen Anbieter 140.000 Gäste unterwegs. Am Montag und Dienstag sollten 21.000 Menschen abreisen. Ingsesamt sollen etwa 600.000 Touristen betroffen sein, die meisten von Ihnen Briten.

In Berlin unterhält Thomas Cook laut Homepage rund 40 Reisebüros, in Brandenburg sind es rund 30. Condor hat sich bereits im April 2018 aus Berlin zurückgezogen.

Mehrere Cook-Sparten in Deutschland betroffen

Die deutsche Cook-Tochter stellte nach eigenen Angaben auf Notgeschäftsführung um. Reisen am 23. und 24. September könnten nicht gewährleistet werden, der Verkauf von Reisen sei gestoppt worden. "Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus. Sollten diese scheitern, sieht sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften Insolvenzantrag zu stellen", heißt es in der Mitteilung [ext. Link Thomas Cook].

Condor fliegt weiter - aber nicht für die Cook-Veranstalter

Der Ferienflieger Condor, der ebenfalls zur Thomas Cook Gruppe gehört, hatte nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne versichert, dass seine Flüge planmäßig stattfinden würden. "Condor Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc Insolvenz eingereicht hat", heißt es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen. "Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft", heißt es. Noch bis Montagvormittag warb Condor für Neubuchungen.

Allerdings darf Condor aus rechtlichen Gründen Urlauber, die mit anderen Thomas-Cook- Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen, teilte die Airline am Montag mit. "Wir dürfen Sie daher für Ihren Flug nicht annehmen, was uns außerordentlich leid tut", so die Airline. 

Weil Condor weiter fliegt, sieht der Luftfahrtverband BDL derzeit keine Notwendigkeit, gestrandete Urlauber nach Deutschland zurückzuholen. "Condor führt den Flugbetrieb regulär fort, daher gibt es keinen Bedarf, eine Rückholaktion vergleichbar mit Germania zu organisieren", sagte ein Sprecher des BDL am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach der Germania-Pleite hatten deutsche Airlines im Februar mitgeholfen, Passagiere aus dem Ausland zurückzuholen.

Webseite von Air Marin am 23.09.2019
Bild: Air Marin

Air Marin bot am Morgen noch weiter Reisen an

Alle zur Thomas Cook GmbH gehörenden Veranstalter leiten seit Montagmorgen ihre Webseiten auf eine Mitteilung zur Insolvenz des Mutterkonzerns um. Lediglich der Veranstalter Air Marin bot am Morgen noch Reisen an, die Seite funktionierte ohne Einschränkung - allerdings fehlte auch ein Hinweis auf die Insolvenz von Thomas Cook. Die Pressestelle von Thomas Cook bestätigte allerdings auf Nachfrage von rbb|24, dass auch Air Marin von der Insolvenz und dem Verkaufsstopp betroffen sei. Inzwischen leitet auch Air Marin auf die Insolvenz-Mitteilung um.

Reisende, die mit Air Marin gebucht haben, haben nach rbb-Informationen bereits am Sonntagabend per Email die Mitteilung über massive Probleme bei Thomas Cook bekommen. Es sei "nicht abschätzbar, welche Konsequenzen diese Situation für die angebunden Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben kann". Man verfolge die Situation "mit höchster Aufmerksamkeit", bittet aber auch darum, "derzeit von Anrufen mit Rückfragen zum Status Ihrer Buchung bei uns abzusehen".

Von der Insolvenz nicht betroffen sind laut Thomas Cook folgende Veranstalter:

  • Dertouristik Gruppe (Dertour/Meiers/ITS/JAHN)
  • FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
  • Schauinsland Reisen
  • TUI-Gruppe
  • LMX Reisen
  • VTOURS
  • AMEROPA
  • Alltours (inkl Byebye)
  • ETI Reisen
  • LTUR
  • TROPO
  • OLIMAR
  • HLX

Rückholaktion mit dem Codenamen "Matterhorn"

Der britische Außenminister Dominic Raab hatte bereits am Sonntag besorgten Urlaubern die Unterstützung der Regierung in London zugesagt. Die Regierung sei bereit, Urlauber nach Hause zu holen.

Nach Angaben des Senders BBC hatten die zivile Luftfahrtbehörde CAA für den Notfall bereits am Sonntag zahlreiche Flugzeuge bereitgestellt. Damit laufe die "größte zivile Rückholaktion überhaupt" an, um rund 150.000 biritsche Urlauber aus verschiedenen Ländern nach Hause zu holen. Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um Urlauber nach Hause zu holen. Die Aktion wird allerdings nur für britische Urlauber durchgeführt: Cook-Kunden aus anderen Ländern müssen sich an Stellen in ihren Heimatländern wenden.

Probleme seit 2012

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast.

Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso wie die anhaltende Unsicherheit um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft.

Weltweit hat Thomas Cook weltweit mehr als 20.000 Mitarbeiter. Davon sind fast ein Viertel in Deutschland bei Condor beschäftigt.

Sendung: Inforadio, 23.09.2019, 6.00 Uhr

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Mit Verlaub, wie naiv muß man eigenlich sein?

    Glauben sie wirklich Billigtouristen kurbeln dort die einheimische Wirtschaft an? Oder sollen die Billiglöhner noch froh sein dass die Touristen für billige Arbeitsplätze sorgen aber Ressourcen verbrauchen und ihren Müll im Land lassen?

    Das Geld fließt doch sofort aus dem Land wieder ab oder meinen sie Billigairlines oder -urlaubanbieter investieren dort großartig in nachhaltigen Tourismus und Infrastruktur?

    Was meinen sie warum noch relativ reiche Länder den Billigtourismus einschränken, wie z.B. Mallorca?

    https://www.globalnature.org/docs/resindex.aspx?id=34564&newsid=31732&newsrefid=34550&row=0&newsrefaddcoid=&nafrom=&nato=&basehrefrequ=true

  2. 20.

    Ich kann nicht begreifen, dass sich einige über die Insolvenz freuen. Die Fliegerei wird Gott sei Dank weitergehen. Wenn die Gäste in den Ländern, die nur mit dem Flugzeug erreichbar sind ausbleiben, werden dort einige tausend Menschen arbeitslos. Viele Länder leben vom Tourismus. Das sollte einigen Umweltpropheten klar sein.

  3. 19.

    Aus den TS Kommentarseiten von @Magfrad

    "Das Unternehmen würde nicht in die Pleite fallen, wenn die Gefahr des No-Deal Brexits nicht existent wäre und die britischen Urlauber nicht auf den Brexit reagieren würden und auf Urlaube verzichten. Dies ist der Anfang des englischen Wirtschaftschaos. Es werden noch viele andere britische Unternehmen Pleite gehen".

    https://meta.tagesschau.de/id/143518/thomas-cook-stellt-geschaeft-ein#comment-3949877

  4. 18.

    Mir tun eher die Angestellten und deren Familien leid. Die Urlauber wollten billig und haben billig bekommen, mein Mitleid hält sich in Grenzen.

  5. 17.

    .. früher hieß Urlaub nicht arbeiten zugehen , heute heißt Urlaub Umweltzerstörung..

  6. 16.

    Wenn ein Reiseveranstalter im Voraus den Leuten ihr Geld aus der Tasche zieht und dann die Leistung nicht bietet, nennt man es Insolvenz! Wenn Leute eine Leistung erhalten haben und nicht zahlen, nennt man es Betrug!

  7. 13.

    ............... und was sagen Sie zur Arbeitslosigkeit der vielen Angestellten???? KLimaschutz, ich kann das nicht mehr hören, und Sie haben Ihren Komentar sicherlich per Morserzeichen abgegeben, einfach mal still sein

  8. 12.

    Dieser Kommentar ist absolut geschmacklos, die Klimarettung funktioniert nicht indem man Unternehmen in die Pleite führt sondern indem man die Flüge stärker besteuert und auf andere Antriebs und Kraftstoff Konzepte setzt.

  9. 11.

    Solange Reisen zu Dumpingpreisen angeboten werden, was auch auf Kosten der der Vertragspartner (Niedriglöhne usw) geht, solange werden die dummen Leute buchen bis die Schwarte kracht, bzw das Klima endgültig kippt. Das betrifft auch die unsäglichen Kreuzfahrtanbieter.
    Gut, dass ein Billigheimer mehr in Konkurs gegangen ist und die Kundschaft mit so einem gar nicht mehr leid tut; nur die Angestellten, die zu prekären Einkünften arbeiten mussten.
    Fliegen und Urlaub muss bedeutend teurer werden, damit auch der letzte Depp spürt, dass nur bewusstes Reisen zu Preisen, von denen auch die Partner leben können, machbar ist.

  10. 10.

    Wann bemerken die Leute, dass ihre Flugreisen ihre eigene Umwelt zerstören? Aw: Wenn es keine Menschen mehr gibt. Es soll sogar welche geben, die nach ihrer Fasson leben. Was für ein unverantwortlicher Wahnsinn. Wir brauchen solch wie "Berliner" die Normen für Alle festlegen.

  11. 9.

    So funktioniert Marktwirtschaft, gut dass kein Staat eingesprungen ist.

  12. 8.

    Offensichtlich irren Sie. Die Fluggesellschaften sollen profitabel sein. Deshalb gab es dafür neulich auch mehrere Kaufinteressenten.

    Probleme bereiten die geringen Margen an anderer Stelle. TC stand schon lange Jahre auf der Kippe. Die Unsicherheit der Briten bzgl. des Brexit gaben der britischen Firma den Rest. Weder Eigentümer noch Banken wollten ein höheres Risiko eingehen, Johnson auch nicht.

  13. 7.

    Mir tun die Arbeitnehmer und deren Familien leid, deren Existenz gefährdet ist. Dies nur wegen der ruinösen Geiz ist Geil Menthalität und der immensen Gier vieler Menschen z.L. des Allgemeinwohls. Hoffentlich gibt es in der Flugbranche bald ein Umdenken zu nachhaltig ökologischem Handeln.

  14. 6.

    Schön. Ein Umweltzerstörer weniger. Wenn wir unser Klima retten wollen, muß dieser Reisewahnsinn endlich aufhören. Ich hoffe, es werden bald weitere folgen.

  15. 5.

    Danke, dass Sie dieses Thema nochmal mit eigenen Worten zusammengefasst haben. Das war dringend notwendig. Dann ist ja nun alles gesagt, nur noch nicht von jedem...

  16. 4.

    Mir tun in erster Linie die Menschen leid, die ihren wohlverdienten Urlaub jetzt nicht antreten können.

  17. 3.

    Das Reiseunternehmen hat unter anderem offensichtlich über Jahre viele Flugtickets zu billig verkauft. Vielleicht wird jetzt in der Flugbranche endlich ein Ticketpreis durchgesetzt bei dem alle Mitarbeiter in der Luft und am Boden ordentliche (Tarif-)Gehälter erhalten. Die direkten und indirekten Flugsubventionen sollten beendet werden. Die Wettbewerberverdrängungspreise sollten aufhören.

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