Eine Passagierin steht am Flughafen Palma de Mallorca am Tag der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook an einem Informationsschalter von Condor.
Video: rbb24 | 23.09.2019 | Bild: dpa/Clara Margais

Insolvenz des britischen Reiseanbieters - Condor darf Thomas-Cook-Urlauber nicht ans Reiseziel bringen

Der britische Reiseanbieter Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. Tausende Urlauber sind davon betroffen, auch in Deutschland. Aus rechtlichen Gründen darf die deutsche Tochter Condor Thomas-Cook-Urlauber nicht mehr an ihr Reiseziel bringen.

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook hat auch Auswirkungen auf Touristen aus Deutschland. Aus rechtlichen Gründen darf die deutsche Cook-Tochter Condor Pauschalurlauber der betroffenen Reiseveranstalter nicht mehr an ihr Reiseziel bringen. "Wir dürfen Sie daher für Ihren Flug nicht annehmen, was uns außerordentlich leid tut", so die Airline. Den eigenen Flugbetrieb hält Condor aber aufrecht.

Das Auswärtige Amt hat möglicherweise im Ausland gestrandeten deutschen Urlaubern Unterstützung zugesagt. Ein Sprecher sagte am Montag in Berlin, in diesem Fall stünde das weltweite Netz von deutschen Auslandsvertretungen bereit, Urlauber zu betreuen. Das Ministerium sei auf alle Szenarien vorbereitet.  Eine Rückholaktion, wie sie nun die britische Regierung für britische Thomas-Cook-Kunden plant, werde es aber nicht geben. "In Deutschland haben wir eine spezielle Insolvenzpflichtversicherung für Reiseveranstalter, die es in Großbritannien so nicht gibt", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. "Bei uns stehen die Reiseveranstalter in der Pflicht."

Betroffene Veranstalter: Thomas Cook, Neckermann, Öger, Bucher und Air Marin

Derzeit sind laut Thomas Cook 140.000 deutsche Gäste mit seinem deutschen Tochterunternehmen unterwegs. Am Montag und Dienstag sollten 21.000 Menschen abreisen. Zum Unternehmen gehören in Deutschland die Marken Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature.

In Berlin unterhält Thomas Cook laut Homepage rund 40 Reisebüros, in Brandenburg sind es rund 30. Condor hat sich bereits im April 2018 aus Berlin zurückgezogen.

Insgesamt sollen etwa 600.000 Touristen betroffen sein, die meisten von Ihnen Briten.

Condor fliegt weiter - aber nicht für die Cook-Veranstalter

Der Ferienflieger Condor, der ebenfalls zur Thomas Cook Gruppe gehört, hatte nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne versichert, dass seine Flüge planmäßig stattfinden würden. "Condor Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc Insolvenz eingereicht hat", heißt es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen.

"Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft", heißt es. Noch bis Montagvormittag warb Condor für Neubuchungen. "Ich glaube, dass es richtig ist, gemeinsam zu überlegen, wie wir helfen können", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Montag. Es sei jetzt wichtig, mit den Betroffenen zu reden, "und nicht in der Öffentlichkeit Vermutungen anzustellen", so Altmaier weiter.

Derweil häufen sich Meldungen über deutsche Urlauber, die mit Thomas Cook Reisen gebucht haben und am Montag am Flughafen abgewiesen wurden. "Wir wurden aus der Schlange gezogen. Wir fliegen nicht. Heute und morgen auf keinen Fall. Das war's mit dem Urlaub", berichtete ein Reisegast, der am Morgen aus Düsseldorf nach Fuerteventura fliegen wollte, der dpa.

Bundesregierung sieht keinen Bedarf für Rückholaktion

Weil Condor weiter fliegt, sieht der Luftfahrtverband BDL derzeit keine Notwendigkeit, gestrandete Urlauber nach Deutschland zurückzuholen. "Condor führt den Flugbetrieb regulär fort, daher gibt es keinen Bedarf, eine Rückholaktion vergleichbar mit Germania zu organisieren", sagte ein Sprecher des BDL am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach der Germania-Pleite hatten deutsche Airlines im Februar mitgeholfen, Passagiere aus dem Ausland zurückzuholen.

Auch die Bundesregierung sieht derzeit noch keinen Handlungsdruck. Da Thomas Cook Deutschland und Condor weiter operieren, würde es auch Rückflüge geben. "Reisenden, die eine Reise erst noch antreten, wird empfohlen, sich an ihren Reiseveranstalter zu wenden."

Der Bund und das Land Hessen loten einen Überbrückungskredit für den deutschen Ferienflieger Condor aus. "Die Bundesregierung arbeitet mit Hochruck daran", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag dem rbb. Es solle so schnell wie möglich eine Entscheidung zum Antrag des Unternehmens geben. Zum Umfang der Finanzhilfe äußerte sich der Sprecher nicht. Die hessische Landesregierung erklärte zudem, man sei grundsätzlich offen, "Condor bei der Überbrückung der aktuellen Krise zusammen mit dem Bund behilflich zu sein, etwa durch eine ergänzende Landesbürgschaft." Hessen sei dazu bereits in Gesprächen mit Condor und der Bundesregierung. 

Sendung: Inforadio, 23.09.2019, 6.00 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Dann sind das aber keine rechtlichen, sondern wirtschaftliche Gründe. Niemand verbietet denen, Fluggäste zu befördern. Die haben nur Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Dann sollten die das aber auch so sagen und nicht irgendwelche „rechtlichen Gründe“ vorschieben.

  2. 9.

    Mir fehlt zwar eine genaue Datenbasis, aber was da so in den Nachrichten gebracht wird, halte ich für schlechte Berichterstattung! Da wird von billig Flügen 9,99€ nach Malle und sonst wo hin berichtet, sind doch keine Pauschalreisen! Pauschalreisen sind aus meiner privaten Erfahrung heraus, das teuerste was man an Reisen bekommt! Besonders Familien mit schulpflichtigen Kindern werden auf das übelste, mit staatlicher Unterstützung abgezockt! Ich buche seit Jahren Linienflüge, nimm ein Taxi zum Hotel und buche auch das Hotel selber. Ersparnis im Durchschnitt 2000€. Noch nie habe ich einen Flug (Einfach)unter 300€ dabei gehabt! Ich frage mich, wo bleiben die Gewinne, bei den Margen, auf der Strecke? Bei Cook war es die Zinslast, aber warum kommt bei den Airlines so wenig an? Dem Reisenden kann man das nicht anlasten!

  3. 8.

    Oh, das ist eigentlich sehr simpel und schnell erklärt. Condor bekommt erst dann Geld, wenn die Fluggäste befördert werden. Da aber niemand weiß, ob der Veranstalter die Reise, also meistens, das Hotel, auch bezahlt hat, hätte Condor die Leute nicht nur befördert, ohne je dafür Geld zu sehen, sondern müsste sie auch evtl. noch auf eigene Kosten wieder zurückholen. Daran hat Condor verständlicherweise kein Interesse, es wäre ein reines Verlustgeschäft.

  4. 7.

    Ich drücke der Condor die Daumen, dass sich in der Luftfahrt etwas ändern wird steht außer Frage, aber es ist traurig.
    Ich habe es als Ex- AirBerliner erlebt und es war nicht schön.

    Den Kritiker zum Kredit möchte ich zu bedenken geben, dass die Bundesregierung nur Kredite bei ausreichender Sicherheit vergibt. Verschenkt wird nichts. Die lieben Steuerzahler dürfen sich bei der AirBerlin bedanken, denn die Regierung hat mit den Kredit ein sehr gutes Geschäft gemacht. Gewinnträchtiger hätte man 200 Mio nicht investieren können

  5. 6.

    Man kann es nennen wie man möchte, mit 25.81% Gründungsanteilen durch die LH war sie somit eine Tochter derer.
    Die Historie ist mir somit bekannt.
    Durch Kreditvergabe des Bundes wird der Steuerzahler immer belastet, oder wer trägt sonst das Risiko?

  6. 5.

    Condor war nie eine Lufthansa-Tochter. Die Lufthansa war mit 25 % Gründungsgesellschafter.

    AirBerlin hat den Kredit zu 100 % zurückzahlen können. Da wurde kein einziger Steuerzahler belastet. Hoffen wir mal, dass Condor das bei einer Kreditvergabe auch gelingt.
    Zudem war Condor nie ein Billiganbieter.

  7. 4.

    Ich wüsste ja zu gerne, was das für „rechtliche Gründe“ sein sollen... Schade, dass kein Reporter da genauer nachfragt, sondern sich mit der schwammigen Wortwahl der Firma zufrieden gibt.

  8. 2.

    Condor war mal LH-Tochter und wurde verscherbelt - so kann es gehen.
    Mir tun die Crews leid, die bis zum Letzten alles getan haben und dank globalisierter Geschäftspolitik und einem Herrn Johnson in No. 10 Downingstreet nun vor dem Nichts stehen.
    Aber der Duetsche Steuerzahler hält ebenso den Kopf hin - danke Bundesregierung, danke London.

  9. 1.

    Laut Spiegel, sieht es für Condor auch nicht gut aus. Der Steuerzahler soll mal wieder zahlen, dass bestimmte Leute billig fliegen durften.

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