Ein Mann läuft in einem U-Bahnhof an einem Fahrscheinentwerter vorbei. (Quelle: dpa/Arne Immanuel Bänsch)
Video: Brandenburg Aktuell | 25.09.2019 | Mona Ruzicka | Bild: dpa/Arne Immanuel Bänsch

Voraussichtlich ab 1. Januar - VBB plant Erhöhung der Ticketpreise

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg will nach Informationen des rbb die Preise für seine Tickets erhöhen: für Monatskarten, aber auch für Einzelfahrscheine. Die Opposition in Berlin zeigt grundsätzlich Verständnis - für sie steckt der Teufel im Detail.

Die Fahrpreise im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) könnten in Kürze angehoben werden. Nach rbb-Informationen soll der Preis beispielsweise für ein AB-Ticket um zehn Cent auf 2,90 Euro steigen, für ein ABC-Ticket müssten 20 Cent mehr bezahlt werden (dann 3,60 Euro).

Beschlossen werden könnte die Erhöhung bereits am Donnerstag vom VBB-Aufsichtsrat. Nach rbb-Informationen würden die neuen Tarife dann wie üblich ab 1. Januar gelten. Der VBB wollte die bisher bekannt gewordenen Zahlen nicht kommentieren. "Der VBB-Aufsichtsrat entscheidet morgen über mögliche Tarifanpassungen", erklärte eine VBB-Sprecherin gegenüber dem rbb.

Zuerst hatte die Zeitung "B.Z." über die geplanten Preissteigerungen berichtet. Als Grund für die Erhöhung würden steigende Personalkosten angeführt, hieß es.

Gleicher Preis für Vier-Fahren-Karte AB

Nach rbb-Informationen könnte die AB-Monatskarte durch die Anhebung drei Euro teurer werden (auf 84 Euro), die ABC-Monatskarte 3,50 Euro (auf 104 Euro). Während die Abos mit monatlicher Abbuchung in Berlin unverändert bleiben sollen, könnten sie nach bisherigen Informationen in Brandenburg aufs Jahr gerechnet um mindestens 16 Euro angehoben werden.

Im Bereich AB soll die Vier-Fahren-Karten unangetastet bleiben. Damit würden Stamm- und sogar Gelegenheitskunden im Stadtgebiet Berlin von den höheren Tarifen unberührt bleiben. Von der Erhöhung der Einzelfahrscheine und Tagestickets wären vor allem Touristen betroffen.

Erhöhung zuletzt 2017

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Tino Schopf, zeigte Verständnis für die geplanten Tariferhöhungen. Die Preise seien seit 2017 nicht erhöht worden, die Ausgaben der Verkehrsbetriebe in Berlin und Brandenburg aber gestiegen. Darauf müsse reagiert werden. Schopf betonte, dass die rot-rot-grüne Koalition viele Nutzerinnen und Nutzer aber entlastet habe: "Wir haben das kostenlose Schülerticket, das 365-Euro-Ticket für Azubis und das Firmenticket für weniger als 50 Euro im Monat eingeführt."

Kein Anreiz für Wechsel auf den öffentlichen Nahverkehr

Auch Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP, nannte eine "moderate Erhöhung" verständlich, da sich die Personalkosten des öffentlichen Nahverkehrs erhöht hätten. Trotzdem würden mit der Preiserhöhung Wenigfahrer überproportional belastet werden, teilte er mit. "Wenn man Menschen zum Umsteigen auf den ÖPNV bewegen will, darf die Hürde zum Ausprobieren nicht zu hoch sein."

Auch der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, hatte keine grundsätzlichen Einwände gegen höhere Fahrpreise. Er kritisierte aber, dass die Monats- und Jahreskarten im ABC-Bereichen teurer werden sollen. "Auffällig ist, dass die klassischen Pendler deutlich mehr zahlen müssen", sagte er dem rbb. "Das geht ja eigentlich gegen den kompletten Trend. Gerade die müssen in den öffentlichen Nahverkehr, damit sie nicht mit dem Auto nach Berlin fahren oder im Stadtrand lange nach einem Parkplatz suchen."

Der AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann teilte mit, eine Fahrpreiserhöhung sei derzeit "nicht vermittelbar". Die Mehrkosten für Lohnerhöhung der BVG-Mitarbeiter dürften nicht auf ÖPNV-Nutzer "abgewälzt" werden.

Die Linke im Brandenburger Landtag verlangte vom Aufsichtsrat der VBB, die geplante Entscheidung über die Preiserhöhung zu verschieben, bis die neue Brandenburger Landesregierung im Amt sei. Es müsse verhindert werden, dass Pendler "zur Kasse gebeten" würden. "Preiserhöhungen sind kein Anreiz, damit mehr Menschen das Auto stehen lassen", sagte der Linken-Fraktionsvorsitzende Sebastian Walter. Im Zuge der Klimadebatte wäre es ein falsches Zeichen, wenn das Jahresabo die Grenze von 1.000 Euro übersteigen würde, so Walter. Stattdessen müsse sich der Verkehrsverbund über die Einführung eines Jahrestickets für 365 Euro verständigen.

Hintergrund

Im Verkehrsverbund Berlin Brandenburg gibt es seit einigen Jahren die Verabredung, die Fahrpreise jährlich zu erhöhen, orientiert an einem Index, der unter anderem die Lebenshaltungs-, aber auch die Energie- und Personalkosten der Verkehrsunternehmen berücksichtigt. Die vergangenen zwei Jahre war allerdings auf Drängen Berlins auf Tariferhöhungen verzichtet worden. Zu Gute kam den Berlinern dabei, dass eine Erhöhung gemäß Index ohnehin so gering ausgefallen wäre, dass die Umstellungskosten die zu erwartenden Einnahmen übertroffen hätten. Aber auch grundsätzlich ist das Index-System eines, mit dem letztlich niemand im VBB so recht glücklich ist. Für die Verkehrsunternehmen in Brandenburg fällt der so ermittelte Erhöhungsspielraum regelmäßig zu niedrig aus. Sie haben vor allem damit zu kämpfen, Fahrpersonal zu finden und verzeichnen deshalb steigende Personalkosten. Aber auch bei der BVG in Berlin sind die Personalausgaben zuletzt deutlich gestiegen, einerseits weil immer mehr Fahrerinnen und Fahrer benötigt werden, andererseits weil sie immer besser bezahlt werden.

In der rot-rot-grünen Koalition in Berlin gibt es deshalb seit langem Bestrebungen, sich vom Index-System zu verabschieden und stattdessen neue, zusätzliche Finanzierungsquellen für den Nahverkehr aufzutun. "Wir wollen diesen Index ersetzen, weil sich herausgestellt hat, dass dieser Automatismus weder für die Kunden, noch für die Verkehrsunternehmen wünschenswert ist", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Harald Moritz. Deshalb habe man sich in der koalitionsinternen Arbeitsgruppe "Tarife" darauf verständigt, im nächsten Jahr an einer dritten Finanzierungssäule für den ÖPNV zu arbeiten. Bis dahin soll ein Gutachten vorliegen, das beschreibt, wie diese dritte Säule neben Fahrpreiseinnahmen und Steuergeldern aussehen kann. "Das könnte eine Nahverkehrsabgabe sein, aber auch eine Übernachtungspauschale für Touristen", so Moritz zum rbb.

Sendung: Inforadio, 25.09.2019, 8:20 Uhr

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80 Kommentare

  1. 80.

    Ich fahre berufsbedingt mehrfach von Eberswalde nach Berlin und zurück und nutze den VBB. Wenn dieser jedoch teurer wird, überlege ich in Zukunft mit dem Auto zu fahren. Nebenbei kann ich dann beim Einkaufen zusätzlich Zeit einsparen und mehr transportieren, zum Beispiel werde ich in Berlin Dinge des tägliches Bedarfs wie zum Beispiel Lebensmittel und anderes ins Auto einpacken und diese nach Eberswalde mitbringen. So habe ich mehr private Zeit, wenn ich nach Hause komme und brauche nicht mehr in Eberswalde einzukaufen und mich abzuschleppen.

  2. 79.

    stimmt, ich fahre nur mit der U Bahn / Bus wenn nix mehr geht ( Alkohol ), seit es die 2 Stunden Karte nicht mehr gibt rechnet es sich auch nicht mehr fuer kurze Strecken in der Stadt.

  3. 78.

    Na gut, dann präsentiere ich ihnen mal eine Rechnung, die sogar sie ausrechnen können.

    Das 365 € Ticket wird ab sofort von denen finanziert, die bislang ihre Straßen, Infrastruktur, Ampeln, Autobahnen usw. von allen Steuerzahlern geschenkt bekommen haben.

    Warum soll ich z.B., der kein Auto hat, ihren Parkplatz finanzieren? Das ist öffentlicher Raum, der von ihnen und anderen Autofahrern verschwendet wird. Ab sofort bezahlen sie den und alle anderen Kosten die von ihnen und ihrem Auto verursacht werden.

    Also Citymaut, Parkplatzgebühr und die KfZ Steuer so hoch, dass alle tatsächlichen Kosten abgedeckt sind. Dann brauchen wir kein 365 € Ticket mehr, dann gibt es das Jahresabo kostenlos.

    Na, was sagen ihre Rechenkünste jetzt?

  4. 77.

    "So wird das nix mit der Verkehrswende".

    Stimmt, mit einer solchen Einstellung wird das nix.

    "Klar kommen noch andere Kosten dazu, aber die sind weitgehend fix". Vor allem sind es Kosten, die nicht sie bezahlen, sondern ALLE Steuerzahler. Sogar die, die kein Auto besitzen. Müßten sie diese Kosten nämlich übernehmen wäre das Ticket immer noch billiger, selbst wenn es 10 € kostet. Einzelfahschein, versteht sich.

  5. 76.

    Hurra, die Verkehrswende ist da! Wir stärken den ÖPNV! Endlich machen wir KLIMASCHUTZ! Die GROKO ist so sch..., die heben die Pendlerpauschale an! Wir machen die ersten Schritte zum 365 EUR Ticket!
    Ich bin nur ein einfacher Autofahrer, ehemals SUV Fahrer. Ich versuche schon die ganzen Zeit mit div. Rechenhilfsmitteln aus zurechnen wie man zukünftig auf einen 365 EUR kommt. Oder liegt es garnicht an meine Rechenkünste?
    Oder kann Frau Regine Günther (Mitglied des Aufsichtsrats BVG) nicht rechnen! In der Grundschule hätte es dafür eine 6 gegeben, Frau Günther -> RÜCKTRITT

  6. 75.

    Moin,
    einen schönen Gruß an das Marketing:
    Wenn Sie mehr Kunden, also die SUV und andere Abgasschleudern aus der City haben wollen, dann sollten Sie deren Fahrer bauchpinseln. Bieten Sie ihnen doch ein "Premium-"Ticket an, das vielleicht 50 % teurer, jedoch mit besonderen Extras verbunden ist. Z. B. quartalsweise einmaliges Mitfahren im Führerstand, kostenloses Befördern von Fahrrädern, außenschallschluckende Kopfhörer...
    Sie wissen doch: mit Speck fängt man Mäuse!

  7. 74.

    „Während die Abos mit monatlicher Abbuchung in Berlin unverändert bleiben sollen, ....“ Wenigstens bleibt die Stammkundschaft mal außen vor bei dieser Preiserhöhung.

  8. 73.

    600 Millionen Euro kostet Berlin das neue Museum der Moderne. Dafür ist Geld da. So setzt man Steuergelder nach Prioritäten ein.
    Ich hoffe es bleibt beim "wollen".
    Politik, Medien und einzelne Bürger überschlagen sich beim Thema Klima und Autoverkehr - und dann das.

  9. 72.

    Komisch, alle tun so, als wäre das "365-Euro-Ticket" schon beschlossene Sache, gleichzeitig hat aber niemand ein Problem damit, dass das Jahresticket ABC nun bald das Dreifache dessen kosten soll!?

  10. 71.

    Ich nutze seit zwei Jahren täglich die Bahn und habe ein JahresAbo. Ich verfolge die Klimadebatten und setze aufs Bahnfahren. Die voraussichtliche Erhöhung der Ticketpreise sind nicht der richtige Weg um Klimafreundlichkeit Leben zu können!!! Mondays für Preisdeckel im Pendlerverkehr !!!

  11. 70.

    Pendler sind massig unterwegs. Alle P+R sind besetzt jeden Gag in der Arbeitswoche. Aber diese Plätze reichen nicht, zusätzlich sind die Nebenstraßen und teilweise die Supermarkt Parkplätze in Beschlag genommen. Deshalb neuerdings die Parkplatz Kontrolle gegen dauerparker. Der öffentliche Nahverkehr reicht nicht für alle.

  12. 69.

    Anstatt die Preise günstiger zu machen, damit weniger Leute das Auto benutzen.
    Aber nein ! Das Gegenteil wird der Fall sein ! Klimaschutz hin oder her. Alles nur heuschlerei.

  13. 68.

    Tariffrei ohne Tickets, zumindest für Berlin bleibt die beste Lösung. Steuerfinanziert mit einer ÖPNV-Umlage, etwa 1 Euro pro Tag. Dann muss der Takt auf vielen Linien eben verdichtet werden. Besser als Autostau mit Dreckluft und Hitzekollaps.

  14. 67.

    Was für eine gequirlte Sch.... Wenn ich Ihren Text lese, gehe ich davon aus, dass auch schon bei 2,80€ Sie kein Ticket kauften, sondern mit dem Auto fuhren. Und "könnten 4 Personen mitnehmen" deutet auch auf NICHTMACHEN hin.

  15. 66.

    Stimmt nicht! Wenn Sie mal öfter U-Bahn fahren würden, würden Sie merken, dass sich auch da schon viel geändert hat: So schmuddelig und verwahrlost wie heute war die Berliner U-Bahn (Anlagen wie Züge) vor einigen Jahren noch nicht. Es gibt inzwischen ganze Stationen, die von vorn bis hinten in Uringeruch gehüllt sind (z. B. Schönleinstraße). Eine besondere Spezialität des Hauses Nikutta sind U-Bahnhöfe, an denen die BVG irgendwann mal zu bauen anfängt, und das zieht sich dann über viele, viele Jahre hin - oft ohne dass ein großartiger Fortschritt zu erkennen ist. Lassen Sie sich mal von erfahrenen BVG-Opfern erzählen, wie das mit den Stationen Bismarckstraße, Yorckstraße, Rathaus Steglitz, Walther-Schreiber-Platz und diversen anderen ist. Aber man sollte eben bedenken: "BVG" steht für "Bitte viel Geduld".

  16. 64.

    Warum bin ich wohl vor 3 Tage mit dem Auto von Tegel gefahren ?
    Antwort
    Ich wollte nicht Teil der 24 Stunden PR Aktion der BVG sein.
    Warum fahre ich weiterhin mit dem Auto ?
    Antwort
    weil es schon ueber Jahre nur eine Veränderung bei der BVG gibt, dass sind Preiserhöhungen

  17. 63.

    @ Wolfgang. Doch Leute die glauben das ohne Auto alles Klimaneutral wird fahren Tram u.a. Ich werde meinen Beitrag auch leisten. Zum Beispiel versende ich keine PDFs mehr. Bin auf Postkarte umgestiegen. Das ist auch teurer geworden in den letzten Jahrzehnten. Aber die Politik hat uns Bürger ausführlich informiert. Der Klimaschutz kostet viel Geld.

  18. 62.

    @ Michel. Ich als Autofahrerin möchte die Busfahrt anderer Leute aber nicht über eine Steuer finanzieren. Das führt ja wohl zu weit! Es reicht schon das ich ständig die Kratzer, die andere verursachen, aus den Lack meines Autos rauspolieren muss wenn mein Schatz mal an der Strasse stehen muss.

  19. 61.

    Warte heute den zweiten Tag in Folge in Tempelhof schon 40 min auf den 184er Bus und komme wieder zu spät auf Arbeit. Letzte Woche der Mist mit der Ringbahn... So zieht sich das schon das ganze Jahr...

    Ich kündige mein Abo und fahre wieder Auto...

    Klimaschutz ist ja gut aber wenn ich mit den Öffentlichen in Berlin nicht pünktlich zur Arbeit komme wird das leider nix.

    Aber mehr Geld für immer weniger Leistung verlangen...

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