Grafik: Der geplante East Side Tower <<Edge East Side>> an der Warschauer Straße in Berlin Friedrichshain. (Quelle: rbb/Abendschau)
Bild: rbb/Abendschau

Streit um "Edge East Side" - Bezirk fordert Neugestaltung des Amazon-Turms in Friedrichshain

Im September gab der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dem Unternehmen Edge Technologies noch grünes Licht für den 140 Meter hohen Büroturm an der Warschauer Straße. Doch jetzt steht der Bau auf der Kippe: Laut Bezirk verstoßen die neuen Pläne gegen geltende Verträge.

Der geplante Bau des 140 Meter hohen Amazon-Turms an der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain steht auf der Kippe. Wie Baustadtrat Florian Schmidt rbb|24 am Montag schriftlich auf Anfrage mitteilte, wirft der Bezirk dem Bauherrn Edge Technologies vor, mit neuen Plänen für das 35-stöckige Gebäude gegen den städtebaulichen Vertrag zu verstoßen. Der Bezirk ziehe deshalb in Erwägung, die Vertragserfüllung "konsequent, immer in Abstimmung mit dem Senat, - bis hin zu einer Klage - durchzusetzen". Über den Streit um den geplanten Turm hatte zuerst der "Tagesspiegel" [tagesspiegel.de] berichtet.

Eigentlich hatten das niederländische Unternehmen Edge Technologies und der Bezirk sich längst auf einen Entwurf von Architekten der Bjark Igels Group geeinigt. Bis 2023 sollte am südlichen Ende der Warschauer Brücke zwischen Tamara-Danz-Straße, East Side Mall, Warschauer Straße und Helen-Ernst-Straße ein Hochhaus mit würfelartiger Außenfassade entstehen. Der Onlinehändler Amazon hatte bereits erklärt, 28 der 35 Etagen mieten zu wollen

"Wegen fehlender Detailqualität" abgelehnt

Mit dem Bauantrag habe Edge Technologies bei der Bezirksverwaltung allerdings einen "vollkommen anderen Entwurf" eingereicht, sagte Baustadtrat Florian Schmidt. Dieser Entwurf unterscheide sich wesentlich von den vorigen Bauplänen und habe die Mitglieder des für die Planungen zuständigen Baukollegiums vor allem optisch enttäuscht. Deshalb habe das Gremium den Entwurf am 23. September "wegen fehlender Detailqualität" abgelehnt und sich ausdrücklich von dem Projekt distanziert. Nach seiner Kenntnis habe es einen solchen Vorgang in Berlin noch nie gegeben, so Schmidt.

"Der Sockelbereich und die Umgebungsgestaltung sowie das ganze Konstruktionsraster wurden als unzureichend bewertet." Fassaden wie die aus dem Bauantrag seien bereits in Bangkok und Singapur gebaut worden. "Für Berlin wird sie als unpassend und banal bewertet", sagte Schmidt. Versuche, den Bauherren zu Änderungen zu bewegen, seien bislang fehlgeschlagen.

Bezirk will neuen Wettbewerb

Der Hauptgrund für den nun vorliegenden Entwurf ist laut Schmidt die Verkleinerung der Grundfläche: 40 Prozent des Areals habe Edge Technologies an die benachbarte East Side Mall verloren. "Damit war der ursprüngliche Entwurf faktisch obsolet und es wurde ein ganz anderes Hochhaus entworfen", so der Baustadtrat.

Das Unternehmen Edge Technologies äußerte sich am Montag zunächst nicht auf eine Nachfrage von rbb|24. 

Geht es nach dem Bezirk, dann soll ein neuer Wettbewerb über die Gestaltung des Amazon-Turms entscheiden. So sehe es auch der Vertrag vor, auf den sich der Bezirk die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Eigentümer des Grundstücks verständigt haben. Demnach sei der Eigentümer verpflichtet, "zur Gestaltung des (…) vorgesehenen Hochhauses einen Architektenwettbewerb durchzuführen, wenn dies von der Stadt schriftlich gefordert wird. Dieser Wettbewerb wird vor Errichtung des Hochhauses in eigener Verantwortung und auf eigene Kosten durchgeführt", so Schmidt.

Friedrichshain soll 36-stöckigen Turm bekommen (Quelle: rbb)

Bezirk hat bereits Baurecht vergeben

Für einen ersten Entwurf habe der Bauherr anstelle eines Wettbewerbs ein Gutachterverfahren mit drei geladenen Teilnehmern durchgeführt, so Schmidt. Sowohl die Senatsverwaltung, als auch der Bezirk saßen in der Jury. Mit dem zunächst beschlossenen Wettbewerbsergebnis seien alle Beteiligten auch durchaus zufrieden gewesen. Nach eigenen Angaben hatte der Bezirk am 2. September sogar Baurecht für den Turm erlassen. 

Da dem Vorhaben keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften entgegengestanden hätten und weil "der städtebauliche Vertrag keine Rechtsgrundlage bietet, um die Baugenehmigung zu versagen", habe die Verwaltung grünes Licht gegeben. Nun erwägt der Bezirk, das bereits erteilte Baurecht wieder zu entziehen. 

Was bedeutet der Streit für die Ansiedlung von Amazon?

Offen ist, wie Edge Technologies auf die Forderungen nach einem neuen Wettbewerb reagieren wird - und was der Streit um das Hochhaus für die geplante Ansiedlung von Amazon bedeutet. Der Onlinehändler wollte in Friedrichshain nach eigenen Angaben etwa 3.200 Arbeitsplätze auf insgesamt rund 55.000 Quadratmetern schaffen. 

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Berliner CDU, Christian Gräff, übte scharfe Kritik an der Ablehnung des Entwurfs. "Erst Google, jetzt Amazon. Mit seinem Kulturkampf gegen jeden Investor von Weltruf verhindert der selbstherrliche Grünen-Stadtrat Schmidt von Friedrichshain-Kreuzberg großartige Zukunftschancen für den Bezirk und unsere Stadt", sagte Gräff laut einer Mitteilung. Der Ruf des Wirtschaftsstandorts erleide dadurch erneut schweren Schaden. 

Nach den Plänen der Architekten werde Edge East Side zu den höchsten Gebäuden Berlins zählen - mit gut 140 Metern Höhe. Insgesamt sollen gut 63.000 Quadratmeter Bürofläche entstehen. Obwohl Amazon fast alle Stockwerke beziehen wird, habe der Senat einen öffentlichen Zugang und Veranstaltungsräume für Bürger zur Bedingung des Gebäudebaus gestellt. Laut Staatssekretärin Regula Lüscher wird das Dachgeschoss öffentlich zugänglich sein, dort solle es Dachterassen und ein öffentliches Restaurant geben. Nach rbb-Informationen war zuletzt von Baukosten von gut 400 Millionen Euro die Rede. 

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Wieder liegen Sie falsch. Ich liebe eben nicht Zalando. Warum stellen Sie nur Fragen, beatworten selber keine Frage.
    Den Lagerarbeitern geht es eben keinesfalls blendend wie sie meinen. Sie können natürlich versuchen diesen Fakt zu widerlegen. Das Zalando an seiner Co2 Bilanz arbeitet, war hier zu lesen. Aber nicht einmal diesen Fakt kennen sie.
    Warum schweigen sie zu diesen Fakten?
    - Paketfahrer zu Dumping-Löhnen
    - mieseste Arbeitsbedingungen
    - asoziale Steuervermeidung
    - 1400 Brutto ohne ein Jobticket für einen Vollzeit-Job
    - illegale Behinderung des Wettbewerbs
    - Verkäufer Drangsalierung
    - Vernichtung neuwertiger Produkte
    - Umweltverschmutzung durch die Paketdienste
    - erheblich schlechtere Co2 Bilanz als Zalando

  2. 36.

    Fassen wir kurz zusammen: Sie sagen sie kämmen aus der Ukraine, wissen aber nichts von dort. Stellen anderen Fragen wo diese ihre Informationen her haben, sagen aber nichts wenn sie gefragt werden wo sie ihre her haben. Verfälschen Tatschen in dem sie immer vom Lohn in der Amazon Logistik reden, der eben höher ist, aber obwohl mehrfach drauf verwiesen dass der Turm kein Lager ist, davon nicht abkommen. Sie geben somit absichtlich den faschen Lohn an. Die PR - Abteilung von der Krake Amazon würde sicher auch so arbeiten. 3.200 Menschen in einen solche Turm einzufrechen hat schon was von einer Legebatterie. Die Fakten finden sie in dem Artikel und können einfach nachgerechnet werden.

  3. 35.

    "Die armen Mitarbeiter eingepfercht in einer solchen Legebatterie."Was Sie so alles wissen.Gut so,dann kann ich mich ja jetzt wieder meinem Job widmen.

  4. 34.

    Ihre Informationen über Amazon haben Sie von wem? Aber im Grunde auch egal...Ich liebe Amazon und Sie lieben Zalando.
    Ist ja auch ein deutsches Unternehmen.
    Und Zalando hat keine Paketdienste die die Umwelt belasten?
    Den Lagerarbeitern geht es blendend....na eben typisch deutsch.

  5. 33.

    Sie arbeiten nicht für die PR - Abteilung von Amazon (kennen aber das Gehalt dort) sagen Sie, wissen aber nichts aus der Ukraine. Ist es nicht doch andersrum? Muss den alles in deutschen Medien stehen? Mit etwas russisch kommen sie vielleicht auch dahinter. Warum keine Antwort hierzu? Wer sagt ihnen in der Ukraine dass es 1400 Euro Netto plus Ticket im Lager sind? Schreiben dann selber. dass wird kein Lager. Die armen Mitarbeiter eingepfercht in einer solchen Legebatterie.

  6. 32.

    Dissident hat schon recht, Ihre Antworten könnte auch die PR-Abteilung von Amazon schreiben. Plump und durchschaubar. Wissen über die Ukraine = 0. Wo sie die Informationen aus dem Logistik-Bereich her haben, verraten Sie uns auch nicht. Sie meinen der Bunker wird kein Lager. Warum reden Sie aber dann immer nur vom Lagerlohn?
    Was sagen Sie diesen Fakten?
    - Paketfahrer zu Dumping-Löhnen
    - mieseste Arbeitsbedingungen
    - asoziale Steuervermeidung
    - 1400 Brutto ohne ein Jobticket für einen Vollzeit-Job
    - illegale Behinderung des Wettbewerbs
    - Verkäufer Drangsalierung
    - Vernichtung neuwertiger Produkte
    - Umweltverschmutzung durch die Paketdienste
    - erheblich schlechtere Co2 Bilanz als Zalando

  7. 31.

    Der Bunker wird auch kein Lager, wer hat das gesagt? Die unterste Gehaltsstufe bei Amazon liegt bei ca 1400 Euro netto im Lager....ich hoffe Sie verstehen jetzt. Ich wüßte nicht, was in dem Bunker für Billig - Jobs enstehen sollen, wenn der Lagerjob schon kein Billig- Job ist.
    Wie viele andere Menschen aus der Ukraine die in Deutschland oder in der Ukraine leben, ist es mir vollkommen egal warum Amazon in der Kritik steht. Wichtig ist das ich meine Ware schnell bekomme und das zu einem guten Preis.
    Aber Sie werden mir bestimmt verraten, was die deutschen Medien über diese Kritik geschrieben haben oder?
    Schade nur, das ich nicht in der PR- Abteilung von Amazon arbeite...ist ein gut bezahlter Job.

  8. 30.

    Ihre Antwort hört sich stark nach der PR-Abteilung von Amazon an. Wenn sie wirklich auch der Ukraine sind dann können sie uns doch siecher sagen warum Amazon dort in der Kritik steht? Wer sagt ihnen in der Ukraine dass es 1400 Euro Netto plus Ticket im Lager sind? Mir war zudem nicht bekannt dass der Bunker in Friedrichshain ein Lager wird.

  9. 29.

    Nicht alle sind gegen Amazon...ich zähle dazu. Ich finde es klasse. Heute bestellt und same Day oder morgen geliefert. Was will man mehr. Die Preise sind Top und die Bücherauswahl gigantisch. Als Prime Mitglied habe ich noch mehr Spaß.
    Und 1400 Euro Netto plus Ticket im Lager ist doch okay.
    Jeder hat seine Meinung jedoch am schlimmsten sind die, die immer Wettern und dann doch dort bestellen. Und davon gibt es Tausende.....

  10. 27.

    Ich finde es müssig allseits bekannte Fakten zu erklären. Sie können sich aber gerne auf Seiten wie Glasdoor informieren. Noch besser wäre es wenn sie ihre Fakten präsentieren können. Was natürlich nicht möglich sein wird. Was mich verwundert ist ihr Einsatz für Amazon, wo doch Ukrainer gegen die Krake demonstrieren. Bitte um eine Erklärung.

  11. 26.

    Wir mir ein Bekannter vom Arbeitsamt sagt vor dem Mindestlohn 1400 Brutto ohne ein Jobticket. Heute kaum besser. Sie sind schlecht informiert. Wenn man keinen Ahnung von Berlin hat sollten sie sich besser erst informieren.

  12. 25.

    Werter Herr Forster, wenn Sie sich den ursprünglichen Entwurf mal etwas genauer ansehen werden Sie erkennen, dass der Turm im Brückenbereich ein großes Stück über den gesamten Flachteil der East Side Mall hinaus ragt und damit die zur Verfügung gestellte Fläche um ca, 40 % größer ist, als beim neuen Entwurf. Außerdem ist die ehemals geplante verschobene Würfelformfassade doch wohl um ein Vielfaches interessanter als die langweilige 'Lochfassade' von denen es nun wirklich in Berlin genug gibt.
    Mit frdl, Gruß D. Otto

  13. 22.

    Ich finde es klasse wenn Amazon in diesen, in meinen Augen sehr gelungenen Turm ziehen darf und 3200 Arbeitsplätze schafft. Wer sagt das es Billig- Jobs sind?

  14. 21.

    Der Amazon-Klotz passt nicht zu Berlin. Die Billig-Jobs bei Amazon sind kein Argument.

  15. 20.

    Die Tatsache, dass das nicht jedesmal thematisiert wird, heißt nicht, dass ein Einverständnis damit herrscht. In der Vergangenheit ist die "Mall" schon mehrfach Thema gewesen.

    In 20 Jahren werden die Verkleidungen ausgetauscht und spätestens in 40 Jahren kommt die Abrissbirne und die Planierraupe. Verkürzung des Zeithorizonts jederzeit möglich. Mit qualitätsvollem, soliden Bauen hat das jedenfalls nichts zu tun, dafür mehr mit "baulichen Hüllen", wie es sich als Architektenjargon offenbar eingebürgert hat.

    Marke "überall und nirgends" hat es mal jemand m. E. recht zutreffend beschrieben. - Kunst ist es, unverwechselbar zu sein, ohne elitär zu werden.

  16. 19.

    Ich hatte schon Angst, es findet sich kein Provinzpolitiker mehr, der versucht einen Investor zu vergraulen. Berlin kann sich das leisten. Fragt mal die Geberländer. Der Entwurf ist nicht besonders schön aber verglichen mit den anderen geplanten Tetrapacs fast schon interressant. Berlin kann und will einfach nicht moderne und schöne Hochhäüser bauen. In Bangkok und Singapur gibt es die übrigens Herr Schmidt.

  17. 18.

    Baustadtrat mit gnadenloser Selbstüberschätzung trifft auf Eigentümer mit gültiger Baugenehmigung und wagt es, diese anzuwenden. Veraltete links/grüne Bevormundervorstellung will Gesetze "aushebeln" und gibt Geld des Eigentümers aus: rechtsunsicherer (weil Nötigung) Architektenwettbewerb u.a. Vor der Erteilung ist die Behörde oft gängelnd im Vorteil, nach der Erteilung der Eigentümer.

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