Neubau "Edge East Side Berlin" an der Warschauer Brücke. (Quelle: EDGE)
Bild: EDGE

Streit um Großprojekt in Friedrichshain - Investor will beim Amazon-Turm nachbessern

Im Streit um das geplante Hochhaus "Edge East Side" fordert Baustadtrat Florian Schmidt einen neuen Wettbewerb um die Gestaltung des 140-Meter-Büroturms. Der Investor will am ausgewählten Architekturbüro festhalten - und kündigt Änderungen im Entwurf an. 

Im Streit um das geplante Hochhaus "Edge East Side" an der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain hat der Investor Edge Technologies angekündigt, in seinem Entwurf für den Büroturm Änderungen vorzunehmen. In den "offenen Detailfragen" strebe man mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und mit dem Bezirk noch eine gemeinsame Lösung an, sagte der Edge-Gründer Coen van Oostrom am Dienstag rbb|24.

"Sehr überrascht" von Schmidts Aussagen

Gleichzeitig wies van Oostrom die Kritik von Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) zurück. Schmidt hatte Edge Technologies vorgeworfen, mit dem vorliegenden Bauantrag gegen den städtebaulichen Vertrag zu verstoßen. Das Papier, das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Bezirk und der Investor unterschrieben haben, sieht laut Schmidt einen Wettbewerb für die Gestaltung des Hochhauses vor. Der nun vorliegende Entwurf sei aber nicht nur ohne Wettbewerb zustande gekommen - er weiche auch stark von den Plänen ab, auf die sich die Beteiligten schon verständigt hätten. Schmidt zufolge zieht der Bezirk in Erwägung, die Vertragserfüllung "konsequent bis hin zu einer Klage durchzusetzen", wie er rbb|24 sagte.

Van Oostrom erklärte rbb|24 am Dienstag, im Unternehmen habe man "sehr überrascht" auf die Aussagen Schmidts reagiert. "Wir haben eng mit dem Bezirk und der Senatsverwaltung zusammengearbeitet und Baurecht für das Projekt bekommen." Auf seiner Website teilt das Unternehmen mit, bisher von keiner städtischen Behörde über einen möglichen Vertragsbruch informiert worden zu sein. "Daher können wir aktuell nur auf Zitate in Zeitungsberichten reagieren."

Edge-Turm soll offen zugängliches Aussichtsdach bekommen

Laut van Oostrom hatte sich das für die Planungen zuständige Baukollegium in gemeinsamen Sitzungen mit einem Architekten der Bjark Igels Group und der Edge Technologies bereits auf etliche Details für den Büroturm verständigt. Im Erdgeschoss etwa seien Geschäfte und eine Bar geplant. Einige Bereiche des Büroturms sollten für NGOs reserviert bleiben. Der Onlinehändler Amazon wolle 28 der 35 Etagen mieten und 3.200 Arbeitsplätze schaffen. Auf dem Dach des 140 Meter hohen Towers solle eine große Aussichtsterrasse entstehen, die öffentlich zugänglich sein soll. 

Baustadtrat Schmidt zufolge stört sich das Baukollegium aber an der Optik des Turms: Das Gremium habe den Entwurf am 23. September dann "wegen fehlender Detailqualität" abgelehnt und sich ausdrücklich von dem Projekt distanziert. Nach seiner Kenntnis habe es einen solchen Vorgang in Berlin noch nie gegeben, erklärte Schmidt rbb|24 schriftlich. "Der Sockelbereich und die Umgebungsgestaltung sowie das ganze Konstruktionsraster wurden als unzureichend bewertet." Fassaden wie jene aus dem Bauantrag seien bereits in Bangkok und Singapur gebaut worden. "Für Berlin wird sie als unpassend und banal bewertet", sagte Schmidt. 

Neuer Wettbewerb laut Investor "unökonomisch"

Nach den ursprünglichen Plänen sollte bis zum Jahr 2023 am südlichen Ende der Warschauer Brücke zwischen Tamara-Danz-Straße, East Side Mall, Warschauer Straße und Helen-Ernst-Straße ein Hochhaus mit würfelartiger Außenfassade entstehen. Der Entwurf für "Edge Technologies" habe geändert werden müssen, weil die Eigentümer der East Side Mall laut von Oostrom im Sommer 2017 beklagt hatten, dass Teile des 140 Meter hohen Turms den Eingang zum Shoppingcenter verdecken würden. 

Grafik East Side Tower Karte (Quelle: rbb)

Van Oostrom sagte rbb|24, er wünsche sich, die Zusammenarbeit mit den Architekten der Bjark Igels Group fortzusetzen und anstelle eines neuen Wettbewerbs doch noch zu einer Einigung für die Gestaltung des Amazon-Towers zu kommen. "Wir wollen noch viele Projekte in Berlin auf die Beine stellen und sind bereit, konstruktiv nach der besten Lösung zu suchen", sagte Firmenchef van Oostrom. Wie der Investor auf eine Forderung des Bezirks nach einem neuen Wettbewerb reagieren werde, ließ er offen. Nur soviel: "Für uns wäre ein neuer Wettbewerb unökonomisch und nicht gut."

Nach den Plänen der Architekten würde Edge East Side zu den höchsten Gebäuden Berlins zählen - mit gut 140 Metern Höhe. Insgesamt sollen gut 63.000 Quadratmeter Bürofläche entstehen. Obwohl Amazon fast alle Stockwerke beziehen wird, hat der Senat einen öffentlichen Zugang und Veranstaltungsräume für Bürger zur Bedingung des Gebäudebaus gemacht. Nach rbb-Informationen war zuletzt von Baukosten von gut 400 Millionen Euro die Rede. 

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Bin kein Freund von Amazon. Soviel vorweg. Aber der Service an gebrauchte Bücher ist schon sehr beachtlich. Hin und wieder sind Bücher dabei für nur 1 Cent. Da ist der Versand teurer als das Buch. Im übrigen verschickt Amazon die gebrauchten Bücher nicht selbst. Das machen die Händler.

  2. 16.

    Als ob das Gebäude mit einem anderen Mieter als Amazon anders aussehen würde ...

    Als das Projekt gestartet wurde war Amazon nur ein aggressiver Bücherversender. Damals bekamen gerade erst die ersten Buchhändler den Druck zu spüren.

  3. 15.

    Der Krake konnte nur so groß werden, weil viele Leute bei ihr kaufen. Das Problem sind weder Bau noch Investor, sondern wie fast immer der Verbraucher selbst. Der Bau ist zwar, wie üblich in Berlin, nicht der Knaller, aber ok. Um die miserablen Arbeitsbedingungen muss sich die Politik kümmern.

  4. 14.

    Sie halten also das alles für erstrebenswert:
    - Paketfahrer zu Dumping-Löhnen
    - mieseste Arbeitsbedingungen
    - asoziale Steuervermeidung
    - 1400 Brutto ohne ein Jobticket für einen Vollzeit-Job
    - illegale Behinderung des Wettbewerbs
    - Verkäufer Drangsalierung
    - Vernichtung neuwertiger Produkte
    - Umweltverschmutzung durch die Paketdienste
    ?

  5. 13.

    Amazon ist doch keine Krake, Amazon ist das was der deutsche Handel versäumt hat. Die letzten beißen die Hunde.

  6. 12.

    Aus dem Architektur Desaster wie am Zoo nichts gelernt. Der Amazon-Klotz ist noch schlimmer. Amazon ist eine Krake. Macht den Einzelhandel mit Dumping-Löhnen kaputt. Sowas sollte keine Aushängeschild bekommen. Steuern zahlen die bestimmt auch kaum. Wir mir ein Bekannter vom Arbeitsamt sagt vor dem Mindestlohn 1400 Brutto ohne ein Jobticket. Dann die Paketfahrer auch nur Dumping-Löhne. Die Transporter verpesten dann noch die Straßen. So günstig ist Amazon auch nicht mehr. Da fehlt eben die Konkurrenz.

  7. 11.

    Wie zu lesen ist, hat die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher den umtriebigen Schmidt in die Schranken gewiesen, der Senat wird nicht klagen und der Investor kann bauen.
    Eine der wenigen guten Nachrichten vom Berliner Politikbetrieb.

  8. 10.

    Sie können sicher eine rechtlich bindende Erklärung vorlegen das es keine Billig-Jobs sind?

  9. 9.

    Mir gefällt der Entwurf. Und bei den Bürojobs handelt es sich nicht um Billigjobs, im Gegensatz zu den Jobs in den Logistikzentren...

  10. 8.

    Hat Herr Schmidt mal wieder zugeschlagen, war da nicht der Übergang zur East Side Mall höchstpersönlich von ihm vor einem Jahr ohne wirkliche inhaltliche Substanz verboten worden und soll nun in den nächsten Tagen doch eröffnet werden.
    Vielleicht möchte er ja jetzt lieber ein Windrad zur Stromerzeugung bauen. Passt aber eben alles ins Bild - erst genehmigen - dann Schlupflöcher suchen um etwas in Frage stellen - und alles nochmal von vorn. Dann werden schnell aus 3 Jahren Bauzeit 4-6 Jahre.

  11. 7.

    So ein Klotz brauch Berlin nicht. Mit den Billig-Jobs kann Amazon nicht punkten. Das Haus der Sowjets in Königsberg ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. Schön naja, damals zeitgemäß.

  12. 6.

    Sieht mal wieder stockhässlich aus; wie fast alle Neubauten in Berlin...

  13. 5.

    Der Investor sollte ein paar Findlinge, Diagonalsprerren und grüne Punke mit verbauen. Schätze dann gefällts allen besser.

  14. 4.

    Oh Gott, wie häßlich ist das denn? Das stellt je selbst das Haus der Sowjets in Königsberg in den Schatten. Die Herren Architekten sollten sich ihr Lehrgeld zurückgeben lassen.

  15. 2.

    "Fassaden wie jene aus dem Bauantrag seien bereits in Bangkok und Singapur gebaut worden. "Für Berlin wird sie als unpassend und banal bewertet", sagte Schmidt." Wie genau hat er denn dies ermittelt? Wer bestimmt in Berlin was passend ist und was nicht? Sicher nicht der Geschmack eines Baustadtrates mit welcher Qualifikation und Eignung genau?
    Baustadtrat mit gnadenloser Selbstüberschätzung trifft auf Eigentümer mit gültiger Baugenehmigung und wagt es, diese anzuwenden. Veraltete links/grüne Bevormundervorstellung will Gesetze "aushebeln" und gibt Geld des Eigentümers aus: rechtsunsicherer (weil Nötigung) Architektenwettbewerb u.a. Vor der Erteilung ist die Behörde oft gängelnd im Vorteil, nach der Erteilung der Eigentümer.

  16. 1.

    Schwierig, wenn der politisch Verantwortliche sich scheinbar plötzlich gegen etwas stellt, was die Fachverantwortlichen des eigenen Hauses befürwortet haben.

    In dem Fall würde Herr Schmidt seiner eigenen Behörde in den Rücken fallen - und Planungssicherheit in Diktatur wandeln.

    Das inhatliche Feedback kann ich in diesem Fall nicht wirklich nachvollziehen. Wieso kommt das Feedback mit dem fehlenden Wettbewerb nicht früher?

    Was das Optische angeht, würde ich den Ball mal zurückspielen wollen an die Behörde. Wo ist denn hier eine Bevölkerungsbefragung der umliegenden Anwohner? Die müssen das ja ansehen und nicht die Damen und Herren des Amts.

    "wegen fehlender Detailqualität": Was genau fehlt, um dieses Feedback zu rechtfertigen?

    Wirkt alles in diesem Fall wie Pseudo-Kritik, weil einem das Bild nicht gefällt. Bei allem Wunsch, es einfach zu halten, aber die Grenze zur Banalität sollten wir - wie hier anscheinend geschehen - nicht überschreiten.

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