Audio: Inforadio | 08.10.2019 | Sebastian Schöbel

rbb exklusiv - Das zweite Leben des ICC soll am 2. Januar 2020 beginnen

Messe Berlin und CDU geht es beim ICC nicht schnell genug: Die Zeitpläne des Senats seien zu wenig ambitioniert, die Sanierung verzögere sich. Tatsächlich aber geht es schneller als bisher bekannt: Der nächste Meilenstein steht schon im Kalender. Von Sebastian Schöbel

Das Konzeptverfahren für die Wiedereröffnung des ICC als Kongresszentrum soll am 2. Januar in Auftrag gegeben werden. Wie der rbb aus Senatskreisen erfuhr, soll unmittelbar nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen die entsprechende Senatsvorlage beschlossen werden. Bereits einen Tag nach Neujahr soll dann die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) mit der Durchführung des Konzeptverfahrens beauftragt werden - und damit der Grundstein für die spätere Wiederinbetriebnahme des ICC gelegt werden.

Auftragsvergabe 2021 möglich

Die BIM, die bei dem Verfahren federführend ist, hatte zuletzt mehrere mögliche Abläufe der ICC-Rettung skizziert. Der ambitionierteste Zeitplan sah eine Vergabe des Auftrags Ende 2021 vor - als möglicherweise letzte Entscheidung des Abgeordntenhauses vor der nächsten Wahl. Voraussetzung wäre allerdings die Zusammenarbeit mit einem Investor. Eine Sanierung und Inbetriebnahme durch das Land, so die BIM, würde umfangreiche Ausschreibungen nach sich ziehen. Die Sanierung könne dann frühestens 2023 beginnen.

Nun aber drückt die für das ICC zuständige Senatsverwaltung für Wirtschaft aufs Tempo und versucht es mit dem schnellstmöglichen Verfahren. Sollte es gelingen, würden Experten eine Liste sämtlicher Schadstoffe im ICC aufstellen - und damit auch Klarheit darüber schaffen, wie teuer die Sanierung wird. Gleichzeitig würde die BIM das Konzeptverfahren und einen Wettbewerb für Architekten vorbereiten, der im Herbst 2020 starten könnte. Die Auftragsvergabe wäre dann im Sommer oder Herbst 2021 möglich - vor der nächsten planmäßigen Abgeordnetenhauswahl.

Messe und CDU wollen schnell Klarheit beim ICC

Die Berliner CDU hatte das Konzeptverfahren für das ICC am Montag scharf kritisiert. Die Entscheidung über die Zukunft des ICC werde dadurch "auf die lange Bank geschoben", sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Christian Gräff. "Wir werden darauf drängen", so Gräff, "dass der Senat bereits in den nächsten sechs Monaten seine Pläne und einen Fahrplan für die Umsetzung vorlegt".

Kritik äußerte auch der Chef der Berliner Messe, Christian Göke. Die ICC-"Ruine" sei schlecht fürs Geschäft, so Göke in der "Berliner Morgenpost", weil Berlin die dort vergammelnde Kongressfläche dringend brauche. "Jeder Tag, an dem potenzielle neue Kongressflächen nicht entstehen, geht dieses Geschäft Berlin verloren", sagte Göke. Er forderte den Senat auf, die ICC-Sanierung so schnell wie möglich umzusetzen.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Jörg Stroedter wies das zurück und übte seinerseits Kritik an Göke und der Messe: "Über Jahre hat Herr Göke allen erzählt, er brauche das ICC nicht, und hat alles dafür getan, dass das Gebäude nicht saniert wird", sagte Stroedter der "Berliner Morgenpost". Die Messe erklärte auf rbb-Nachfrage, sie sei nur Mieterin des Gebäudes und zahle bis heute rund zwei Milionen Euro Unterhaltskosten für das ICC. Instandhaltung wäre dagegen Aufgabe des Besitzers gewesen - also des Landes Berlin.

Unklar ist bislang allerdings, wie lange die Bauarbeiten am und im ICC dauern würden. Zudem haben mehrere Investoren, die zuletzt Ideen für das ICC eingereicht haben, umfangreiche Erweiterungen geplant. Unter anderem könnte ein neues Hotel und zusätzlicher Platz für moderne Kongressräume geschaffen werden. Die Wiedereröffnung des ICC liegt damit noch in weiter Ferne.

Sendung: Inforadio, 08.10.2019, 6.00 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Beim Abriss des Palastes der Republik ging es weder gegen die DDR im Allgemeinen noch um den Palast im Besonderen. Das Einzige, was zum Abriss führte, war, dass er am falschen Platz stand. Nicht jeder Platz in der Stadt ist gleich, im Sinne einer Stadtkomposition. Im Vergleich zur Straße Unter den Linden fiel er architektonisch, d. h. von seiner Gestaltung, deutlich ab. Nie und nimmer war er in der Lage, dieser Straße "den Auftakt" zu geben. In Hohenschönhausen wäre sein Bestand kein Problem gewesen.

    Nebenbei bemerkt: Das ICC ist zwar architektonisch außerordentlich, doch sein Platz wäre eher einer Wüste anheimgegeben, wo er sich auf nichts anderes beziehen muss. In jeder Stadt wirkt so ein Bau als Fremdkörper. Für mich ist das ICC so gesehen eher Mahnmal denn Denkmal.

  2. 15.

    Geht's nocht?! Die DDR gibt es nicht mehr - und einen Staat der Grundrechte wie freie Meinungsäußerung unterdruckt gehört nicht gratuliert...... oder erinnern Sie sich auch gerne an Nazideutschland?! Ohne Worte.....

  3. 14.

    Wenn man keine Ahnung hat...
    Wo bittte ist das ICC Asbestversucht?

    Und ja: Der Palazzo Prozi wurde abgerissen. Zu Recht.


    Wenn euch eure DDR so fehlt, dann zieht doch nach Nordkorea. da ist es bestimmt genauso schön wie damals in eurer DDR.
    Ich kann mich noch ziemlich genau an die Wendezeit erinnern und wie runtergekommen es war. Und wie der Ku-Damm und sämtliche Läden grestürmt wurden, um mal was vernünftiges zu bekommen.
    Ich könnte mich so aufregen!
    Weil ja alles so toll in der DDR war, sind die Leute abgehauen. Weil alles so toll war, sind die Leute lieber an der Mauer gestorben (auf graumsamste Weise), als in der DDR zu bleiben!
    Die Mauer hat die Leute in der DDR gefangen gehalten und nicht die DDR vor uns beschützt!

  4. 13.

    Es ist schon irre, was hier manche Kommentatoren von sich geben. Weil vor Ur-Zeiten der Palast der Republik abgerissen worden ist, müsse nun zum Ausgleich auch das ICC abgerissen werden. Und sonst geht's noch gut, oder wie? Einen Millionen-Schaden durch Abriss verursachen, weil man anderen das Baudenkmal nicht gönnt. Der Vorschlag könnte direkt aus der AfD kommen. Emotionen statt Rationalität. Und dann noch das Argument, man finde persönlich das Gebäude hässlich, daher sei es nicht denkmalwürdig. Total neben der Spur. Denn: Der Denkmalschutz hat nichts mit dem Schönheitsempfinden zu tun. Hier steht ein herausragendes Gebäude stellvertretend für die Architektur-Epoche der 70er Jahre unter Denkmalschutz. Ob der eine oder andere es privat schön findet oder nicht, hat absolut keinen Einfluss darauf. Es geht hier nicht um private Schönheits-Ideale, sondern um ein international bekanntes Baudenkmal, das diverse Architekturpreise gewonnen hat.

  5. 12.

    Abriss ist zum Einen gerecht, da ja auch der Palast der Republik aus politischen Gründen abgerissen werden musste, da er ja an die DDR erinnerte. Ach ja. 70 Jahre und nicht vergessen. Herzlichen Glückwunsch DDR.
    Außerdem ist das ICC potthässlich und dem notwendigen Umbau des Autobahn-Kreuzes im Weg. Aber irgendwelche Westalgiker werden leider für den Müll kämpfen.

  6. 11.

    Der war doch auch mit Asbest verseucht wie der Palast der Republik und wieso wird dort nicht abgerissen

  7. 10.

    Abreißen wird nicht so einfach, denn das ICC steht unter Denkmalschutz!
    Egal, welchen Architekturstil Sie bevorzugen oder eben nicht mögen: das Teil ist eine internationale Ikone der Moderne und wurde von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte geschaffen, welche dafür internationale Anerkennung erfuhren für eines der größten Kongreßhäuser der Welt. (Palast der Republik ist ein gaaaanz langes anderes Thema: Mit entsprechendem Nutzungskonzept und ggf. begleitender Ausstellung wäre nach technisch machbarer Asbestsanierung und Totalumbau im Hinblick auf die Anforderungen der Moderne sicherlich eine Nachnutzung im Bereich des Denkbaren gewe-sen, und wäre sodann allen Berlinern zuteil geworden. Tja, Politik eben.)

  8. 9.

    Zweites Leben ab 2020?
    Hier in Berlin?
    Wo alles etwas länger dauert?
    Warum reißt man nicht diesen architektonischen Schandfleck nicht ab?

  9. 8.

    ...und trotzdem hätte man den Palast der Republik sicher umgestalten und weiterhin nutzbar machen können. Dies war auch ein Teil der Kulturgeschichte in Deutschland! Aber nee, war ja ein DDR Bau. Mußte ja unbedingt abgerissen werden...

  10. 7.

    Erich scheint ja auch hier wieder so seine ganz spezielle Sicht auf die (Stadt)geschichte zu haben und diese Sichtweise reicht nach meiner Einschätzung kaum bis an den oberen Rand seiner eigenen Kompottschale bzw. darüber hinaus...
    Mal wat andret: Wenn dann eventuell richtig fein, modern und recht kostspielig umgebaut wird, wird's ja da wieder 'ne Menge toller Jobs für die Versager vom BER geben und mit'm bißchen Glück hamwa nahtlosen Übergang für die nächsten Jahrzehnte ;-)

  11. 6.

    Haben Sie denn überhaupt keinen Architekturverstand? Das ICC ist eine International anerkannte Ikone! Mag ja sein das der Palast der "Republik" im Inneren auch seinen Charme hatte aber aussen war er eine Kiste!

  12. 5.

    Ich kann Sie zwar schlecht einschätzen, jedoch gebe ich Ihnen Recht, man hätte Erich`s Lampenladen auch erhalten können. Ich weiß auch als Wessi, das es dort viele schöne Veranstaltungen gab. Es gab eine Disco, soweit ich weiß eine Bowlingbahn, gastronomische Einrichtungen , Theater und und und.
    Dafür bekommen wir jetzt ein überteuertes Stadtschloss was keiner wollte.

  13. 4.

    es ist zu befürchten.dass die messe sich nicht nur auf das icc als nutzer beschränken wil,sondern sich ebenfalls das gelände auf der anderen seite der stadtautobahn-dort wo jetzt hunderte von kleingärten sind- aneignen wird.

    www.westkreuzpark.de

  14. 2.

    Wenn man all den ganzen Streit um das Gebäude mal außen vor lässt, schön das etwas passiert und das Gebäude erhalten bleibt. Vielleicht erlebt man ja dann doch noch das eine oder andere Konzert dort.

  15. 1.

    Am besten einfach abreißen. Ging doch damals beim Palast der Republik auch! Und dann was tolles neues Bauen...

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