Mueller in Singapur
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Video: rbb|24 | Material: Sebastian Schöbel | 14.10.2019 | Bild: rbb24/Sebastian Schöbel

Wirtschaftssymposium in Südostasien - Müller fordert engere Kooperation mit Singapur

Berlins Regierender Bürgermeister wirbt in Singapur für eine stärkere Kooperation mit der Wirtschaftsmetropole - besonders beim Thema Gesundheit. Denn in keinem anderen Land werden die Menschen so alt wie im Stadtstaat. Von Sebastian Schöbel

Der warme Empfang in Singapur war Michael Müller garantiert: 30 bis 33 Grad im Schatten zeigen die Thermometer an, als sich der Regierende Bürgermeister von Berlin am Montagmorgen aufmacht, um neue Partner in Südostasiens wichtigster Wirtschaftsmetropole kennenzulernen.

"Für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins ist es wichtig, die internationalen Partnerschaften zu pflegen. Wir haben in den südostasiatischen Raum gute Verbindungen. Insofern freue ich mich, dass wir mit einer Wirtschaftsdelegation hier sein können, um die bestehenden Kontakte zu vertiefen", sagte Müller dem rbb. 

Digitale Angebote für die Gesundheit

Mehr als fünfeinhalb Millionen Einwohner leben in Singapur. Der Stadtstaat ist zwar nur etwa so groß wie Hamburg, wurde aber gerade erst vom Weltwirtschaftsforum zum wettbewerbsfähigsten Land der Welt gekürt. Fast 2.000 deutsche Firmen haben hier bereits Fuß gefasst.

Ein Hochhaus reiht sich ans nächste, die Einkommen sind hoch, der Drang nach Innovation überlebenswichtig: Konkurrenz durch China, Gefährdung durch Klimawandel und eine Gesellschaft, die immer älter wird, all das macht der früheren britischen Kolonie zu schaffen.

Zum demografischen Wandel bekommt Müller auch im Nationalen Uniklinikum von Singapur viel zu hören: Weil nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Japan, werden die Menschen im Schnitt älter. "Singapur hat sehr viel zu bieten, man arbeitet hier sehr aktiv mit den Daten, die man aus den Patientenakten hat, man entwickelt das weiter und kann Gesundheitsversorgung begleitend über digitale Angebote machen", sagte Müller.

Siemens arbeitet an Singapurs wichtigster Zugstrecke

Deutsche Pharmakonzerne wie Bayer wissen das zu schätzen. Etwa wegen der Möglichkeiten für medizinische Tests hat der deutsche Pharmariese seine Präsenz in Singapur stark ausgebaut.

Auch Siemens, Berlins bekanntestes Unternehmen, ist hier aktiv, verkauft von Singapur aus seine in Berlin entwickelte Turbinentechnik nach Asien. Seit 2017 forschen in Singapur zudem Siemens-Experten an der hypervernetzten Stadt von morgen: autonom fahrender ÖPNV, intelligentes Energiemanagement, datengestützte Verwaltung. Für Singapurs wichtigste Zugstrecke soll Siemens ein digitales Testzentrum bauen. Ziel des Zentrums ist es, die Signalanlagen zu verbessern.

Müller will Thema Meinungsfreiheit ansprechen

Erfahrungen, die auch beim geplanten Siemenscampus in Spandau wichtig werden können - doch Details wollen die Siemensianer in Singapur nicht verraten, Journalisten müssen draußen bleiben. Müller, der Berlin in Südostasien als "Stadt der Freiheit" präsentiert, wirbt für Verständnis: "Ich glaube, man muss auch akzeptieren, dass ein Unternehmen sein Know-how schützen will, mit dem man wirtschaftlichen Erfolg haben will. Es ging nicht um Geheimniskrämerei, sondern um eine wirtschaftliche Konkurrenz in der man sich befindet."

Das Thema "Freiheit" auch mit Blick auf die Presse- und Meinungsfreiheit, wolle er dennoch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ansprechen, sagt Müller. Die nächste Chance bietet sich am Dienstag; dann ist ein Treffen mit Singapurs Staatspräsidentin Halima Yacon geplant.

Beitrag von Sebastian Schöbel

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13 Kommentare

  1. 12.

    Müller scheint seinen Abgang vorzubereiten. Er kann sich einen Wechsel in den Bundestag vorstellen, schreibt der Tagesspiegel.
    Allerdings müsste er dann dort auch gewählt werden. Angesichts schrumpfender Werte der SPD auch im Bund ist das Gedrängel auf der SPD Landesliste groß. Der "unbeliebteste Landeschef (Berliner Zeitung) würde nach Umfragen zur Zeit 18 Prozent der Stimmen einfahren - ein historischer Tiefstwert.

  2. 11.

    Danke für ihren Kommentar, sehe ich genauso. Man muss nicht nur nach Asien schauen, selbst in Europa gibt es keine vergleichbaren Zustände im öffentlichen Nahverkehr in Bezug Dreck, Verwahrlosung, Gleichgültigkeit , wie in Berlin. Von den öffentlichen Plätzen in Berlin ganz zu schweigen. Würde gerne jetzt Fotos beifügen vom U Bhf. Neukölln Richtung Jacob Kaiser Platz in Bezug Dreck und Verwahrlosung dieser Stadt. Was ist aus dieser Stadt nur geworden.

  3. 10.

    Währe ja schön wenn es die Gleichgültigkeit der Bewohner sein würde, aber daran habe ich schon etwas Zweifel das dem wirklich so ist.
    Nicht jeder beschmutzt sein eigenes „Revier“. Ich fürchte eher, das die Gleichgültigkeit eher ein Resultat des Tourismus ist.

  4. 9.

    Ich stimme den Kommentar der Vorgänger voll zu. Vielleicht kann Herr Müller auch lernen, man der Wohnungsnot entgegen wirkt, rentenfinanzierte erschwingliche Eigentumswohnungen.

  5. 8.

    Auch ich war schon 2 mal in Singapure und kann Ihre und die Meinung von " Leuchtturm " nur teilen . Von der Sauberkeit , Sicherheit , Wirtschaftlichkeit und einigen mehr sind Städte wie Singapure aber auch viele andere besonders ostasiatische Metropolen uns um einiges voraus und egal wie oft unsere Politiker auf Kosten der Steuerzahler dorthin reisen es wird sich dadurch erfahrungsgemäß bei uns in Deutschland nicht viel ändern was natürlich sehr zu Bedauern ist .

  6. 6.

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Ich war in diesem Jahr in Singapur und bin von der Stadt noch heute begeistert. Tief beeindruckt war ich von Nahverkehrsnetz und der Sauberkeit in der Stadt. Dort darf die Polizei auch noch Polizei sein und muss vor einer Festnahme nicht erst nach dem Wohlbefinden des Betreffenden oder nach einem ärztlichen „Attest „ fragen. Überzeugt bin ich jedoch davon, dass wir in Deutschland niemals auch nur annähernd das technische Niveau dieser Stadt erreichen werden. Dazu sind unsere Behörden und Ämter viel zu träge und in dem von Ihnen geschaffenen Gesetzesdschungel gefangen. Jeder kann und muss sein Senf dazugeben und dann wundern wir uns das Bauvorhaben Jahre dauern.

  7. 5.

    @Leuchtturm "Von oben bis unten beschmierte U-Bahn-Wagen, die tagelang herumfahren und verkommene öffentliche Grünanlagen und Plätze haben nichts mit Freiheit und Weltoffenheit zu tun, sondern zeugen lediglich von der Gleichgültigkeit der"

    .. sondern zeugen lediglich von der Gleichgültigkeit der Bewohner gegenüber ihrer Stadt und Umwelt. (Aber demonstrieren können se, gegen und für allet.)

  8. 4.

    Erst einmal würde ich Ordnung schaffen wie in Singapur.

  9. 3.

    Ganz genau meine Meinung. Offenheit und Freiheit: ja bitte! Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit: nein danke!

  10. 2.

    Möge der Regierende Bürgermeister viele wichtige Eindrücke aus Singapur mitbringen,
    um in der "Stadt der Freiheit", in der sich mittlerweile alle austoben können, wie sie wollen (die letzte Woche machte es einmal mehr deutlich) dringend notwendige Korrekturen herbeizuführen.
    Gezielte Maßnahmen in den Bereichen Organisation und Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes, Sicherheit und SAUBERKEIT könnte man sofort übernehmen, ohne auch nur ein kleines Stück Freiheit opfern zu müssen.
    Von oben bis unten beschmierte U-Bahn-Wagen, die tagelang herumfahren und verkommene öffentliche Grünanlagen und Plätze haben nichts mit Freiheit und Weltoffenheit zu tun, sondern zeugen lediglich von der Gleichgültigkeit der zuständigen Entscheidungsträger,
    das geltende Recht mit genügend Personal und wirkungsvollen Strafen durchzusetzen.

  11. 1.

    Ja, Herr Müller. Da muss man aber wirtschaftsfreundlicher sein. Nur die Wirtschaft produziert das Geld, das für die ganzen tollen Sachen benötigt werden. Eine sozialistische Grundhaltung war noch nie gut für der Wohlstand

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