Symbolbild: Eine Mitarbeiterin überprüft die Produktion von Kapseln. (Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst)
Audio: Inforadio | 23.10.2019 | Dominik Lenz | Bild: dpa-Symbolbild/Frank Rumpenhorst

Vorwurf: Handel mit gefälschter Arznei - Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Lunapharm-Chefin

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die Geschäftsführerin des Brandenburger Unternehmens Lunapharm erhoben. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Handel mit gefälschten Arzneimitteln. Zudem sind zwei weitere Beschuldigte angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat gegen die Geschäftsführerin des Brandenburger Pharma-Unternehmens Lunapharm Anklage wegen des gewerbsmäßigen Handels mit gefälschten Arzneimitteln erhoben. Mitangeklagt sind ein deutscher Betreiber einer Apotheke in Griechenland und ein weiterer Beschuldigter wegen Beihilfe, wie aus einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Potsdam vom Mittwoch hervorgeht [sta-potsdam.brandenburg.de].

Der Geschäftsführerin und dem Apothekenbetreiber werden demnach gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Handel mit gefälschten Arzneimitteln in 23 Fällen zur Last gelegt. Beim dritten Beschuldigten besteht der Vorwurf der selbständigen Beihilfehandlungen. Ihnen drohen im Fall einer Verurteilung nach dem Arzneimittelgesetz Freiheitsstrafen zwischen einem und zehn Jahren.

Vorwurf: Lieferwege über Zypern verschleiert

Der Skandal um illegalen Handel mit Krebsmedikamenten war nach einem Bericht des ARD-Magazins "Kontraste" im Juli 2018 hochgekocht. Die damalige Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Linke) war im August 2018 zurückgetreten, weil das Landesgesundheitsamt angeblich trotz frühzeitiger Hinweise auf einen illegalen Handel nicht eingeschritten sein soll.

Die Apotheke soll laut Anklage zwischen Mai und Juli 2017 Medikamente an Lunapharm geliefert haben, obwohl sie über keine Großhandelserlaubnis verfügte. Die Geschäftsführerin von Lunapharm habe aber dem Brandenburger Landesgesundheitsamt vorher mitgeteilt, dass sie wegen der fehlenden Erlaubnis keine weiteren Medikamente von der Apotheke beziehen werde. Stattdessen sei die Lieferbeziehung aber nicht beendet und der Vertriebsweg durch Rechnungen und Lieferscheine eines nicht eingebundenen zyprischen Arzneimittelgroßhändlers verschleiert worden, heißt es von der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Den überwiegenden Teil der auf diese Weise erhaltenen Ware soll Lunapharm dann mit Gewinn an Kunden weiterveräußert haben.

Vermögenswerte vorläufig gesichert

Der Gesamtwert der von Mai 2017 bis Juli 2018 gelieferten Medikamente soll sich laut Mitteilung  auf 1,1 Millionen Euro belaufen. Bei Lunapharm und weiteren Beteiligten seien Vermögenswerte in Höhe von rund 890.000 Euro vorläufig gesichert worden, das entspricht der Staatsanwaltschaft zufolge den erwirtschafteten Erlösen. Die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der gewerbsmäßigen Hehlerei mit in Griechenland gestohlenen Arzneimitteln sind demnach noch nicht abgeschlossen.

Lunapharm war im vergangenen Jahr auch in den Verdacht geraten, mit angeblich gestohlenen Krebsmedikamenten aus Griechenland gehandelt zu haben. Über die Zulassung der Anklage und Eröffnung einer Hauptverhandlung muss nun das Landgericht Potsdam entscheiden.

Lunapharm-Sprecher Klaus Kocks erklärte am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presseagentur, das Landgericht Potsdam habe die Firma um Stellungnahme gebeten, ob von einem Großhändler in Zypern Ware bezogen wurde. "Es ist unstrittig, dass Originalmedikamente in Originalverpackung bezogen wurden und dass keine Patientengefährdung vorgelegen hat", erklärte Kocks. "Strittig ist, ob Lunapharm arzneimittelrechtlich in Zypern hätte beziehen dürfen." Vorwürfe der Kriminalität wie etwa Hehlerei würden nicht erhoben.

Sendung: Inforadio, 23.10.2019, 13 Uhr

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