Vattenfall-Mitarbeiter auf einem Strommast in Berlin-Lichtenberg (Bild: imago images/Bernd Friedel)
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Audio: Inforadio | 15.10.2019 | Thorsten Lenck | Bild: imago images/Bernd Friedel

Höhere Netzentgelte und EEG-Umlage - Berliner müssen bald mehr für Strom zahlen

Privathaushalte und Unternehmen in Berlin müssen sich ab Januar auf steigende Stromkosten einstellen. Nicht nur das Netzentgelt der Stromnetzbetreiber wird teurer - auch die Energiewende sorgt im nächsten Jahr für höhere Stromrechnungen.

Das Wachstum der Stadt macht sich für die Berliner auf der Stromrechnung bemerkbar. Weil das Leitungsnetz verstärkt und ausgebaut wird, steigt das sogenannte Netzentgelt, das jeder Haushalt für den Transport seines Stroms bezahlt.

Ein Durchschnittshaushalt mit 2.200 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahle dafür nächstes Jahr voraussichtlich 8 Euro mehr als im laufenden Jahr, wie die Gesellschaft Stromnetz Berlin am Dienstag mitteilte. Damit müsse ein solcher Durchschnittshaushalt im nächsten Jahre mit 176,65 Euro für das Netzentgelt rechnen. Die Investitionen seien dringend notwendig, sagte Geschäftsführer Thomas Schäfer.

Auch die EEG-Umlage steigt an

Auch der Strompreis an sich wird sich im kommenden Jahr erhöhen. Die Umlage zur Förderung von Ökostrom in Deutschland steigt 2020 um 5,5 Prozent. Das gaben die Betreiber der großen Stromnetze ebenfalls am Dienstag bekannt. Die sogenannte EEG-Umlage beträgt demnach im kommenden Jahr 6,756 Cent pro Kilowattstunde, für 2019 liegt sie bei 6,405 Cent. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Check24 muss ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden Strom allein aufgrund der höheren EEG-Umlage künftig 18 Euro mehr pro Jahr zahlen.

Insgesamt sind die Strompreise für private Haushalte und die Industrie in den vergangenen Jahren gestiegen. Nach Zahlen des Energieverbandes BDEW lag die durchschnittliche monatliche Stromrechnung für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden 2010 bei 69,09 Euro - 2018 waren es schon 85,94 Euro. BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte, die Steuer- und Abgabenlast auf Strom sei mit 53 Prozent zu hoch und müsse runter. Verbraucher in Deutschland zahlen schon heute europaweit neben den Dänen die höchsten Strompreise.

Infobox: Die EEG-Umlage

Die EEG-Umlage wurde zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne eingeführt. Sie macht ungefähr ein Viertel des Strompreises aus und finanziert die festen Vergütungen, die Ökostrom-Produzenten für die Einspeisung ihres Stroms bislang unabhängig vom Marktpreis bekommen.

Die Umlage steigt auch wegen gesunkener Börsenstrompreise, wodurch sich geringere Erlöse ergeben. Die Vergütungen für die Anlagenbetreiber sind höher als die Verkaufserlöse an der Strombörse, die Ausgaben übersteigen also die Einnahmen. Die EEG-Umlage finanziert die Differenz.

Quelle: dpa

Wer betreibt künftig das Berliner Stromnetz?

Im Ringen darum, wer künftig das Berliner Stromnetz betreibt, könnte derweil an diesem Donnerstag eine wichtige Entscheidung fallen. Vor dem Berliner Landgericht geht es um den Beschluss des Landes, den Betrieb an das Landesunternehmen Berlin Energie zu vergeben.

Die Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin hat dagegen eine einstweilige Verfügung beantragt. Schäfer kritisierte, dass das Land ein Angebot zur Zusammenarbeit ignoriere. "Das hat sich bis jetzt noch niemand angeschaut."

Sendung: Abendschau, 15.10.2019, 19:30 Uhr

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19 Kommentare

  1. 19.

    Der über die EEG-Umlage subventionierte Ausbau von Wind- und Sonnenenergie muss endlich gestoppt werden. Diese Energiequellen stehen nicht permanent zur Verfügung, sind viel zu teuer und Windräder verschandeln zunehmend die Landschaft. Zudem ist es unsozial, den kleinen Mann über die Stromrechnung abzukassieren, während Wohlhabende sich mit ihren Geld-Anlagen in Wind- und Solarparks an den Subventionen eine goldene Nase verdienen.

    Selbst der Bundesrechnungshof hat die Bundesregierung für die aus dem Ruder gelaufene ‚Energiewende‘ scharf kritisiert. Kosten und Nutzen stünden in keinem Verhältnis zueinander.

  2. 18.

    A+++ muss schließlich wieder ausgeglichen werden, kann ja nicht sein dass der Kunde Geld spart. Wenn's so weiter geht rüste ich so viel wie möglich auf 12V um... Räuber.

  3. 17.

    Die „Empfehlung“ war natürlich ironisch gemeint. Sie haben mich falsch verstanden, letztendlich ich war live dabei und „dürfte“ die ganze „Vorbereitung“ zur Insolvenz – Anmeldung miterleben.
    Traurig wäre, wenn kleine GmbHs oder Einzelunternehmen eine Insolvenz anmelden würden bzw. müssen - sie sind die Verlierer. Aber bei so einem Unternehmen wie Ares, mit seiner Vorgeschichte und einigen T....s, das Wort traurig ist auf der falschen Stelle. Und der Weg eine neue Firma zu gründen, war sehr einfach – die 220.000 ehemalige Kunden standen bereits zur Verfügung!

  4. 16.

    Wieso sollen alle NutzerInnen mehr bezahlen? Auch diejenigen, die schon seit Jahren Stromsparen, Geräte kaufen, die energiesparend sind und sowieso schon mehr für Ökostrom bezahlen? Echt ein tolles Modell, dass VerbraucherInnen zum Umdenken in der Energiewende bewegt.

  5. 15.

    Die „Empfehlung“ war natürlich ironisch gemeint. Sie haben mich falsch verstanden, letztendlich ich war live dabei und „dürfte“ miterleben die ganze „Vorbereitung“ zur Insolvenz – Anmeldung.
    Traurig wäre, wenn kleine GmbHs oder Einzelunternehmen eine Insolvenz anmelden würden. Aber bei einem Unternehmen wie Ares mit seiner Vorgeschichte und einigen T...s, das Wort traurig ist auf der falschen Stelle. Und der Weg zu neuen Firma war einfach – die 220.000 ehemalige Kunden standen bereits zur Verfügung.

  6. 14.

    Strom wird teurer, Mieten Steigen aber wie wir sehen steigen auch andauernd die Renten und die Berliner Abgeordnetendiäten haben sich auch verdoppelt. Kitamitarbeiter haben auch (waren es 10% ?) mehr Gehalt bekommen.. Die Tagesschau hat auf Ihrer Seite eine Tabelle.. Einzelhandel, Papier, Textil, Ärzte, Druck Stahl, öffentlicher Dienst, DB, Bank... im Schnitt so um die 3% im ersten Schub, meist folgt ein Jahr später ein zweiter.
    Wenn alle mehr Gehalt bekommen, werden die Dienstleistungen teurer. Oder wie soll das gehen, ihr bekommt alle dauernd mehr Gehalt, die Firma hat aber nicht mehr Einnahmen.
    Über die EEG Umlage habe ich die Meinung, sie ist von Anfang an genau so geplant gewesen, dass sie irgendwann gegen die Wand fährt. Da sitzen zu viele Experten die jedes Szenario zig mal durchspielen, die wussten genau wo das hinläuft. Ich habe 100% Ökostrom und bezahle sie trotzdem. Lenkungswirkung = 0

  7. 13.

    Ist ja sicher traurig, dass ein Stromversorger Insolvenz angemeldet hat. Nur: Wo ist eigentlich der Sinn Ihrer Empfehlung? Was hat der Stromversorger davon gehabt? Dass auch sein Mindest-Eigenkapital weg ist? Seltsame Empfehlung.
    Zudem ist die Insolvenz der Ares durch die Muttergesellschaft und nicht böswillig von Ares verursacht worden.
    Und ja, man darf nach einer Insolvenz erneut eine Selbstständigkeit erlangen. Wäre ja sonst auch ziemlich seltsam.

  8. 12.

    Wie stark werden erst die Netzentgelte steigen, wenn tatsächlich die Batterieautos massenhaft geladen werden müssen?

  9. 11.

    Menschen mit „Initiative“ kann ich nur empfehlen – gründen sie eine Stromversorgung GmbH, kaufen sie Strom teurer als sie verkaufen, locken sie damit Kunden an – und nach einer gewissen Zeit melden sie Insolvenz an.
    Es ist in Berlin alles möglich. Klingt sarkastisch aber das ist meine Erfahrung als Kundin und ehemalige Mitarbeiterin Firma Ares.(ca. 220.000 Stammkunden, Insolvenz angemeldet, dann eine neue Firma
    gegründet).
    Eine gute Vorlage für Grisham`s Krimis: Die Bruderschaft, Die Firma, Der Klient .......Die Schuld, etc. Es ist über 15 Jahre hier, aber es reizt mich immer noch an.

  10. 10.

    Meine Kaltmiete steigt mit der Anpassung der Hausversicherung auf immer häufiger eintretende und größere Wetterschäden deutlich mehr als 1,50€ pro Monat. Darüber schreibt im rbb seltsamerweise niemand...

  11. 9.

    Tja Horst..
    Das Gesetz zur EEG Umlage hat Damals Rot Grün ausgefertigt..der Kanzler hieß Schröder und der Umweltminister War ein Grüner..
    Alles vergessen oder verdrängt?

  12. 8.

    Um fünf Prozent wird die EEG-Umlage im kommenden Jahr ansteigen. Das ist der Anteil am Strompreis, den die Betreiber von Windrädern, Photovoltaik-Anlagen und Biogasanlagen erhalten. Ohne diese Subventionen würde sich in Deutschland kein Windrad rechnen, keine Photovoltaik-Anlage und auch keine Biogas-Produktion.
    Ab 2021 soll – so jedenfalls die Absicht – diese Umlage um 0,25 Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden, nachdem sie um 0,35 Cent erhöht wurde.

  13. 7.

    Der "Musterhaushalt" mit 5000 kWh (man heizt wohl mit Strom) zahlt dann also wegen der EEG-Umlage, von der Unternehmen Dank der Unios-Regierungen teilbefreit sind, 1,50 Euro mehr pro Monat.

    Gleich die gelbe Weste anziehen!

  14. 6.

    Für die Berliner steigen die Strompreise in besonderem Maße an, weil sich hier die Netzentgelte erhöhen - das hat einen deutlich größeren Effekt als die Erhöhung der EEG-Umlage.

  15. 5.

    Adrian. Beispiel: Ein Einpersonenhaushalt mit nur 800 Kwh im Jahr bekommt kaum einen Vertrag. Also Strom hochschrauben auf 1.500 kwh dann gehts wieder. Völlig daneben das Stromsparen. ;-)

  16. 4.

    Der Titel suggeriert, dass dies nur die Berliner und Berlinerinne beträfe. Tut es aber nicht. Gilt für alle Bundesbürger/-innen. Seit wann ist denn der rbb-Journalismus so effektheischend wie die Bild-Zeitung?

  17. 3.

    Strom wird teurer, aber nur für die kleinen Leute. Großabnehmer profitieren von den teils negativen Preisen. 70 Milliarden Euro haben die erneuerbaren eingespart: https://www.klimareporter.de/strom/oekostrom-sparte-70-milliarden-ein-fuer-wen

  18. 2.

    Man zahlt ja gern fürs klima.wie nobel...
    Die eeg umlage ist nicht mehr als eine geldruckmaschine!ja ja die eine kugel eis wird ja wohl jeder über haben...
    Mal sehen bei wievielen in den nächsten jahren das licht ausgeht weil sie nicht mehr zahlen können.
    Was für ein grüner wahsinn und vorallem so sozial gerecht.

  19. 1.

    Ich finde es total gut, dass EEG-Umlage noch einmal kräftig sei, um dann später zu sinken (hier muss ich ein Schmunzeln unterdrücken). Ich sehe das als eine Form des Ablasshandel, weil ich intensiv die Energiewende unterstütze und trotzdem weiterhin mit einem guten Gewissen meinen Diesel-SUV fahren darf.

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