Ein Flugzeug von Thomas Cook mit abgedecktem Triebwerk der Fluggesellschaft Condor in Parkposition (Bild: imago images/Joachim Sielski)
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Thomas-Cook-Insolvenz - Pauschalreisende bangen um ihre Entschädigungen

Ob Thomas-Cook-Kunden das Geld für ihre stornierten Reisen zurück bekommen, ist noch unklar - denn der Schaden übersteigt die Versicherungssumme. Trotzdem sollten Urlauber aus der Pleite des Reisekonzerns nicht die falschen Konsequenzen ziehen. Von Thomas Förster

Der Traum vom Urlaub ist für viele geplatzt, nachdem der Reiseveranstalter Thomas Cook Insolvenz angemeldet hat. Schätzungen gehen von bis zu 800.000 deutschen Kunden aus, die von der Insolvenz  betroffen sein könnten; Thomas Cook selbst spricht von 660.000 Geschädigten. Nachdem der Urlaub vieler Kunden geplatzt ist, müssen sie nun bangen, ob sie eine Entschädigung erhalten.

Auch Michael Niegut aus Königs Wusterhausen ist betroffen. Er wollte Ende Oktober für zehn Tage nach Mallorca. Vier Personen, Halbpension für 2.500 Euro. Doch die Reise wird nicht stattfinden, sein Geld ist erst einmal weg.

"Man hofft, dass man zumindest einen Großteil des Reisepreises wiederkriegt", sagt Niegut und hofft auf die Versicherung von Thomas Cook.

Der Schaden übersteigt die Versicherungssumme

Reiseveranstalter von Pauschalreisen sind gesetzlich verpflichtet, eine Versicherung abzuschließen, die im Fall einer Pleite Kunden entschädigt. Durch einen Sicherungsschein können Pauschalreisende ihr Geld zurückbekommen. Das Problem ist: Die Versicherungssumme bei Thomas Cook ist mit 110 Millionen Euro zu gering und die Schadenssumme übersteigt den Versicherungsschutz bei weitem.

Experten schätzen den aktuellen Schaden auf 300, manche sogar auf 400 Millionen Euro. Die gesetzlich vorgeschriebene Versicherungssumme für solche Fälle ist allerdings seit rund 30 Jahren nicht erhöht worden.

Von der Versicherungssumme in Höhe von 110 Millionen Euro wurden zunächst die gestrandeten Urlauber zurückgeholt. Unklar ist, wie viel davon noch übrig ist. Vom Rest müssten die Kunden bezahlt werden, deren Reisen storniert wurden. Doch wer zahlt den Schaden, wenn die Versicherungssumme nicht ausreicht?

Rechtsanwalt: "Kein angemessener Kundenschutz"

Der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karim sieht im Gespräch mit dem rbb den Staat in der Haftung, denn der habe die zu niedrige Versicherung per Gesetz festgelegt. Die Bundesrepublik Deutschland habe die Vorgabe der Europäischen Union missachtet und so "nicht für einen angemessenen Kundenschutz gesorgt". "Deswegen kann die Bundesrepublik Deutschland in die Haftung genommen werden und muss für die entstandenen Schäden der Urlauber aufkommen", so Karim.

Der rbb konfrontierte das Bundesministerium für Verbraucherschutz, ob es angesichts der Pleite von Thomas Cook nicht Zeit für eine Änderung der Gesetze wäre. Die Antwort: Es wird beraten.

Die Verbraucher sind verunsichert. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des rbb würden nur 30 Prozent der Befragten wieder eine Pauschalreise machen, die Mehrheit der Befragten "grundsätzlich" oder "aufgrund" der Thomas-Cook-Insolvenz aber nicht.

Trotz Insolvenz sind Pauschalreisen am besten abgesichert

Finanzexperten hingegen raten trotz der Insolvenz nicht von Pauschalreisen ab. Sie seien dennoch die am besten abgesicherte Reiseart, sagte Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip dem rbb. Denn die Alternative würde heißen: Selber buchen. Wenn aber eine Airline pleite gehe, wie Germania, springe keine Versicherung ein. "In den vergangenen Jahren sind einige Fluglinien verschwunden", so Tenhagen.

Wichtig sei in jedem Fall das Zahlungsmittel, egal ob Individual- oder Pauschalreise. Der Finanzexperte mahnt: "Wer das Falsche wählt, verschenkt eine zusätzliche Absicherung".

Der Fehler beim Zahlen

So wie Michael Niegut. Er hat die gesamten 2.500 Euro seiner Pauschalreise per Überweisung bezahlt. "Im Zweifel ist die Überweisung die schwierigste Variante, das Geld zurückholen zu können", so Finanzexperte Tenhagen. Leichter ist es bei einer Zahlung per Lastschrift oder Kreditkarte.

Bei einer Lastschrift kann der Kunde den Betrag ohne Begründung innerhalb eines Zeitraumes von acht Wochen nach der Zahlung zurückbuchen. Ähnlich ist es bei der Kreditkarte, dort ist der Zeitraum manchmal noch länger. Bei PayPal kann man sogar ein halbes Jahr lang den Käuferschutz beantragen.

Reisende sollten in Zukunft bei Pauschalreisen auf den Sicherungsschein bestehen und so spät wie möglich die Buchung zahlen - dann per Lastschrift, Kreditkarte oder Paypal.

Und: Wer bald einen Urlaub plant, kann vielleicht sogar von der Pleite profitieren. Viele Reiseveranstalter wollen neue Kunden gewinnen und bieten gerade Schnäppchen an.

Sendung: Super.Markt, 14.10.2019, 20:15 Uhr

Beitrag von Thomas Förster

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15 Kommentare

  1. 15.

    ich vermute mal wir bleiben auf unserem Verpfuschten Urlaub sitzen-Geld ist weg. NERVEN, STRESS ohne Ende. Zuerst wird sich wohl der Insolvenzverwalter die Taschen vollstopfen und solange an der Condor- Neckermann Pleite dranbleiben bis kein Cent mehr für den dummen Urlauber da ist. Genau wie bei Schlecker auch, unzählige Verkäuferinnen wurden gebeten bis zum letzten Tag durchzuhalten und gingen doch leer aus. Das Insolvenz-verwaltungs -Team von Geivitz blieb so lange an dem Fall, bis nichts mehr übrig blieb.

  2. 14.

    Hallo John, ich finde Ihre Bemerkung schon etwas Mhmmm. Wenn ein Reisender eine Reise Bucht und im Voraus bezahlt, warum sich noch XXXX Mal absichern? Nur damit Lug und Betrug wie bei Condor, Neckermann, weiter agieren können? Condor und Neckermann, wussten es schon Monate im voraus das es Bergab geht und trotzdem lockten sie Tausende Familien in das Chaos.

  3. 13.

    Freiwillige staatliche Unterstützung in Notfällen (den Leuten unter die Arme greifen) ist nicht gleichzusetzen mit der Staatshaftung, weil der Staat EU-Richtlinien nicht in nationales Recht umgesetzt hat. Der Pauschalreisende ist durch den Sicherungsschein bereits abgesichert (bzw. sollte es eigentlich sein), hier noch eine fehlende zusätzliche private Vorsorge vorzuwerfen, ist schlicht Unfug. Die Kosten für diese Versicherung werden auf den Reisepreis umgelegt, der Reisende zahlt somit für diese Versicherung. Und eine Reiserücktrittsversicherung greift bei diesem Thema nicht. Es ist doch sehr eigenartig, wenn nur in Deutschland nicht klappt, was in anderen Ländern funktioniert, denn Österreich und die Niederlanden signalisieren keine Probleme mit der Auszahlung der Versicherungsleistung ...

  4. 12.

    Sie haben ja den totalen Durchblick! Danke für diesen fachlich sehr kompetenten Kommentar.

  5. 11.

    Doch, das kann man. Beide Banken haften in dem Fall für den zurückgebuchten Betrag.

  6. 10.

    Ich halte die Politik für mitschuldig.
    Erstens wurden europäische Vorgaben nicht umgesetzt.
    Zweitens wurde dem Verbraucher suggeriert, du bist abgesichert, du hast ja einen Sicherungsschein. Wer wusste denn, dass dieser gedeckelt war?
    Aber wie viele Beschlüsse in der Politik sind diese oft unverbindlich und auf freiwilliger Basis.

  7. 9.

    Nicht der Staat, sondern eine Versicherung springt im Fall einer Insolvenz ein. Eine Versicherung ist auch dann zu bezahlen, wenn gar kein Versicherungsfall eintritt. So wie das auch im Fall von vielen tausenden Reisen geschieht.

    Wo haben Sie das denn her, man könne sich als Reisender selbst gegen eine Insolvenz versichern? *kopfschüttel*

  8. 8.

    Bei aller Anteilnahme für ihre Position als Betroffener...Wenn der Staat immer einspringen soll, wenn ein Vertragspartner in die Insolvenz geht, wäre er selbst schnell in dieser.
    Es gibt Möglichkeiten selbstständig ergänzend zu versichern, dies machen Reisende aber aus dem gleichen Grund wie die Reiseunternehmer (vorbehaltlich der ges. Mindestpflicht) nicht. Kohle sparen...

  9. 7.

    Auch wir sind betroffen von der Pleite und unser Geld( 1614,00 € ) ist futsch . Ich bin auch der Meinung das die Bundesregierung dafür gerade stehen muss und hinter den Kunden stehen sollte .
    Wenn alle Betroffenen die Petition unterschreiben , haben wir vielleicht eine Chance unser Geld zurück zu bekommen .

  10. 6.

    antwort auf versuchtes chargeback bei mastercard
    " wird nicht gewährleitet, denn es gibt ja einen reisesicherungsschein"
    danke für den hinweis, dass habe ich schon versucht !!!!!!!!!!!!

  11. 5.

    Man bekommt, auch wenn man mit Kreditkarte bezahlt hat, sein Geld nicht zurück. Das Kreditinstitut weigert sich, das Chargeback-Verfahren anzuwenden.

  12. 4.

    Anmerkung zur letzten Zeile: Von wegen Schnäppchen
    Mein seit Langem für einen Aufenthalt im Dezmber via Bucher-Reisen reserviertes Hotel (nur Hotel Buchung) kostete nach Abzug des damaligen großzügigen Frühbucherrabattes 750,- €, die Anzahlung von 25% ist futsch.
    '5 vor Flug' (FTI) verlangt für 'mein Zimmer' aktuell nun 994 € und will die sofortige Zahlung des Gesamtbetrages.
    Ich habe das Hotel direkt angeschrieben, dieses bieten mir die gleiche Leistung nun für 937 € an; bezahlen muss ich erst vor Ort und ein Zimmer Update gibt's obendrauf. Ich buche künftig wieder wie früher, beim Anbieter vor Ort.


  13. 3.

    Ich bin der Meinung, als Kunde bekommt man gar nichts zurück. Erst werden alle Konten gesperrt, dann alles in einen Topf. Wenn alle Geschäftspartner und Mitarbeiter bezahlt wurden, dann kommt der Kunde dran. Versicherung hin oder her - so traurig wie es ist.

  14. 2.

    Auch eine Zahlung per Lastschrift oder Kreditkarte bringt keinen zusätzlichen Schutz. Von einem ungedeckten Konto kann man auch keine Lastschrift zurückholen. Somit ist dieser Tipp auch nichts wert.

  15. 1.

    Petition für Insolvenz-Geschädigte

    Allen Geschädigten der Insolvenz möchte ich das Unterschreiben der Petition über OPENPETITION "Kostenübernahme und Haftung der Bundesregierung für Thomas Cook GmbH und Tochterges-Geschädigte" empfehlen.

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