Geplanter Ausbau der S-Bahn (Quelle: rbb|24)
Bild: rbb|24

Wiederbelebung der Kremmener Bahn - Kosten für geplante S25-Verlängerung bis Velten explodieren

Von Velten mit der S-Bahn in die Berliner Innenstadt – das ist eine der Ideen des Verkehrsprojekts i2030. Die Verlängerung der S25 sollte ursprünglich 14 Millionen Euro kosten. Doch nun gibt es eine neue Planungs- und Verkehrskalkulation.

Die Kosten für die Wiederertüchtigung der Kremmener Bahn als S-Bahn-Strecke explodieren. Das ist das Ergebnis von Plankorrekturen durch die zuständige Arbeitsgruppe von Bund, Ländern, Bahn und Verkehrsverbund, die nun vorgelegt wurden.

Bis in die 60er Jahre gab es diese S-Bahn-Strecke im Norden: Von Velten (heute Landkreis Oberhavel) ging es bis in die Berliner Innenstadt. Doch nach dem Mauerbau 1961 war Schluss. Die Strecke – ein Abschnitt der sogenannten "Kremmener Bahn", die in den 1890er-Jahren von Reinickendorf nach Kremmen angelegt worden war und seit 1927 von S-Bahn-Zügen befahren wurde –  wurde an der Stadtgrenze gekappt, weil die Gleise teilweise über West-Berliner Territorium führten.

Mehr Wirtschaft, mehr Bevölkerung und auch mehr Verkehr

Nach der Wende dann wurde lediglich die Strecke bis Hennigsdorf als S-Bahn-Abschnitt wieder hergestellt. Statt der S-Bahn bedient seitdem nördlich von Hennigsdorf die Regionalbahn die Strecke, hält dabei allerdings nur an wenigen Berliner Bahnhöfen und lässt auch mehrere Halte der alten Kremmener Bahn aus.

Weil die einstige Industrieregion am Nordrand der Hauptstadt in den vergangenen Jahren eine Art wirtschaftliche Renaissance erlebt und nun auch wieder verstärkten Zuzug verzeichnet, wird seit rund 15 Jahren die Wiederertüchtigung dieser Kremmener Bahn für den S-Bahnverkehr diskutiert und geplant. 14 Millionen Euro sollte das Projekt ursprünglich kosten.

Doch nun wurde bekannt, dass die Ausbaupläne nicht umfassend genug waren und dass die nun notwendigen Kapazitätserweiterungen die Kosten auf 115 Mio. Euro hochschnellen lassen, wie die Projektarbeitsgruppe i2030 der Länder Berlin und Brandenburg, von DB Netze und VBB mitteilte. Die Projektarbeitsgruppe i2030 plant eine bessere Schieneninfrastruktur für die Metropolregion, die Wiederinbetriebnahme eines Teils der Kremmener Bahn als S-Bahn-Strecke ist ein Teil davon.

S-Bahn-Erweiterung soll zweigleisig werden

Ein wesentlicher Faktor dieser Kostensteigerung sei dabei, dass die ursprüngliche Planung einer eingleisigen S-Bahn-Strecke aufgegeben wurde und der Abschnitt nun zweigleisig ausgebaut werden soll, hieß es weiter. Hinzu kämen größere Umbauarbeiten an den Bahnhöfen Hennigsdorf und Velten. Auch sei bei den ursprünglichen Planungen noch von einem lediglich stündlichen Regionalbahn-Takt nach Neuruppin ausgegangen worden.

Vier Haltepunkt umfasst der als S-Bahn-Strecke wiederherzustellende Abschnitt: Hennigsdorf, Hennigsdorf-Nord, Hohenschöpping und Velten. Einen genauen Zeitplan für die Wiederherstellung dieses S-Bahn-Abschnitts gibt es bislang noch nicht.

Kommentar

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36 Kommentare

  1. 36.

    Ich wohne in Velten und arbeite in Tegel. Das Umsteigen in Hennigsdorf ist in der Regel eine Katastrophe weil weder die S Bahn S 25 auf die Regionalbahn (RB55), (RE6)nicht wartet oder umgekehrt. Eine Verlängerung der S25 nach Velten ist nicht nur wünschenswert sondern beim Thema Verkehrswende geradezu geboten. Ich gehe sogar noch weiter, man sollte bis Velten den Ausbau viergleisig gestalten, zwei S Bahn und zwei Fernbahngleise. Ferner die Strecke bis Wittstock/Dosse zweigleisig ausbauen und elektrifizieren. Es sollten grundsätzlich alle Strecken die aus Berlin ins Umland gehen zweigleisig sein und elektrifiziert.

  2. 35.

    In paar ergänzende Infos:

    - Die Strecke ist seit der Demontage durch die Sowjets 1945 eingleisig. Das betrifft die gesamte Strecke in beiden Bundesländern. Weder zu DDR-Reichsbahnzeiten, noch zu Zeiten der BVG-S-Bahn ab 1984, noch zur Wiederinbetriebnahme des S-Bahnbetriebs 1995/98 hat irgendjemand daran gedacht, das zweite Gleis wieder aufzubauen. Da fehlen nicht nur Gleise, sondern auch Brücken. Eingleisig verursacht derzeit ständig Verspätungen.

    - Zwischen 1961 und 1984 bestand S-Bahn Inselbetrieb Hennigsdorf - Velten, die Verbindung nach (Ost-)Berlin ging mit einer Regionalbahn über den Außenring. Umsteigeknoten ar der heute aufgelassene Bahnhof Hennigsdorf-Nord.

    - Um S-Bahn und Regionalbahn nebeneinander in die Berliner Innenstadt zu führen, ist nur ein Mischbetrieb auf den gleichen Gleisen denkbar. Dann müsste die Regionalbahn Dieseltriebwagen einsetzen. Oberleitung würde 4 Gleise voraussetzen, dafür ist auf der Trasse kein Platz.


  3. 34.

    Es ist doch ein Trauerspiel, dass selbst ein Viertel Jahrhundert nach der Wiedervereingung immer noch Lücken im Schienen-Netz bestehen, die dem Krieg und der Teilung geschuldet sind. Während bei den Straßen alles ziemlich schnell ging. Da sieht man mal wieder, was die Landes- und Bundesregierung seit 1990 von einer nachhaltigen Verkehrspolitik hält: Nämlich nicht viel. Man streut den Leuten Sand in die Augen mit leeren Versprechungen wie: "Wir wollen mehr Verkehr auf die Bahn verlagern, um die Straßen zu entlasten". Aber genau das Gegenteil passiert. Man investiert in den Asphalt und vernachlässigt die Schiene. Auf manchen Strecken hat man ja noch nicht einmal das Vorkriegs-Niveau erreicht. Siehe z.B. den fehlenden Lückenschluss auf der Dresdner Bahn im Süden von Berlin. Oder hier die S-Bahn nach Kremmen.

  4. 33.

    Der Zuzugswille ins Westberliner Umland, ist doch eindeutig gegeben. Da wird auch die Notwendige Infrastruktur benötigt. Ohne Wenn und Aber !!!

  5. 32.

    Und dann gibt es mal eine Verspätung bei der S-Bahn und schon steht man sich im Weg und überträgt die Verspätung auf den entgegen kommenden Zug und der dann wieder auf die anderen Nord-Süd-Strecken. Auch hat die S25 noch andere eingleisige Abschnitte, wo schon Zwangspunkte im Taktfahrplan sind. Solange keine durchgängige Zweigleisigkeit Zwischen Hennigsdorf und Schönholz existiert und Lankwitz auch nur ein Gleis hat, macht jeder weitere Abschnitt mit einem Gleis kein Sinn. Zudem kann es ja durchaus sein, dass der Takt auch mal zum 10 min Takt verdichtet wird, wenn die Region weiter so wächst. Dann müsste man nochmal ran.

  6. 31.

    Habe gerade eine Verbindung bei der Bahn gesucht, da fährt doch ca alle halbe Stunde schon ein Zug, wieso muss man da noch ne S-Bahn bauen? Gibt's da nicht andere Orte, die es nötiger hätten. Zum Beispiel Magdeburg. (war ein Scherz)

  7. 30.

    Viele Leute würden S-Bahn fahren, wenn S-Bahn fahren nicht so unzuverlässig wäre! Und voll! Und selten getaktet...
    Und wo bitte sind am "Bahnhof in der Nähe" die Park & Ride Parkplätze? Wer nicht um 4:30 Uhr zur Arbeit fährt hat keine Chance mehr sein Auto los zu werden - egal wie willig er eigentlich ist. Bleibt nur durchfahren, anstellen,...
    Das gilt im Nordwesten wie im Südosten. A113 morgens ist der Albtraum, auch ohne BER. Hat sich aber mal jemand die "riesigen" Parkplätze dort in Ticket-Zone B angesehen? Wenn ich in C parken muss rentiert sich keine S-Bahn mehr. Da gibt es aber auch keine Parkplätze, also eigentlich egal.

  8. 29.

    Komischer Einwand bzw. merkwürdige Vorstellung, der Ausbau des ÖPNV führe zu Fahrverboten für den motorisierten, individuellen Straßen(Personen)Verkehr (oft als MIV abgekürzt). ---
    Eine Verbesserung des ÖPNV-Angebots verbessert aufgrund der sog. Verlagerungseffekte auch für diejenigen etwas, die keine Wahlfreiheit bezüglich des Verkehrsträgers haben (oder zu haben glauben). --- Prognosen über die Verlagerungseffekte sind Bestandteil der Kosten-Nutzen-Analysen bzw. Wirtschaftlichkeitsprüfungen, die öffentlich geförderten Infrastrukturmaßnahmen vorangehen. Insbesondere die hohen (individuellen, aber auch öffentlichen) Kosten des MIV "belohnen" Infrastrukturmaßnahmen, die große Verlagerungseffekten vom MIV zum ÖPNV erwarten lassen, da die künftigen Ersparnisse den Investitionskosten als Nutzen (neben anderen geldlich bewerteten Nutzen wie geringere Umweltbelastung) gegenübergestellt werden. Siehe u.a. www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/oepnv/nahverkehrsplan

  9. 28.

    Na, wie kurz kann die Taktrate zwischen Henningsdorf und Velten wohl werden? Wirklich so dass man mit einem Gleis plus Ausweichstelle nicht auskommt? Finde ich jetzt eher unwahrscheinlich.

  10. 26.

    Wie wäre es damit mal endlich nach SÜDEN die SBahn auszubauen?
    Da geht´s meist keine bzw nur 2 Stationen nach Brandenburg rein ...

  11. 25.

    Man kann zumindest zu einem nahegelegenen Bahnhof mit Auto fahren und dann Bahn fahren. Dann steht man auch nicht im Stau. Allenfalls in einer vollen Bahn. Was Schichtarbeit angeht, nachts gibt es auch keine Staus!----

    ja genau. Der Handwerker oder Außendienstmitarbeiter räumt dann am Bahnhof sein Auto aus und lädt alles in die Bahn und fährt damit weiter *daumen hoch*

    Und wer nachts auf der Arbeit sitzt, hat meistens morgens dann Feierabend und kommt direkt in den Berufsverkehr rein. Oder soll der gleich bis zur nächsten Schicht auf Arbeit bleiben??

    Warum wollt Ihr eigentlich jedem Autofahrer in die Züge zwingen? Sind euch die Züge heute schon nicht voll genug? Die Autofahrer wollen euch doch auch nicht aus die Züge und in die Autos treiben!
    Warum seit ihr eigentlich so verdammt intolerant? In Deutschland hat jeder Mensch das Recht, selbst darüber zu entscheiden, wie er mit welchen Mitteln zum Ziel kommt! Wir leben doch nicht in einer Diktatur!

  12. 24.

    Eingleisige Strecken sind Mist. Mit denen sind weder hohe Taktraten noch einigermaßen Ausfallsicherheit zu erreichen. Nicht umsonst wird wo es geht, auf zweigleisige (Teil-)strecken ausgebaut.

  13. 23.

    "Die Leute fahren nicht 24/7 sinnlos durch Berlin und stehen so gerne in Staus!" Na anscheinend schon! Man kann zumindest zu einem nahegelegenen Bahnhof mit Auto fahren und dann Bahn fahren. Dann steht man auch nicht im Stau. Allenfalls in einer vollen Bahn. Was Schichtarbeit angeht, nachts gibt es auch keine Staus!

  14. 22.

    Spaß beiseite - macht den Ausbau doch eingleisig. rund 100 Mio. Euro Ersparnis rechtfertigen eine einfachere Strecke, oder nicht? Wird doch nur wieder auf die Ticketpreise aufgeschlagen. Man könnte sogar die Strecke Henningsdorf - Velten mit einer Pendelbahn anfahren - Ein Umstieg in Henningsdorf ist ja wohl zumutbar.

  15. 21.

    Nachtrag:
    "Bis zum Mauerbau 1961 führte eine Linie der Berliner S-Bahn direkt in das Berliner Stadtzentrum und weiter nach Rangsdorf. Nach dem Mauerbau gab es bis 1983 zwischen Velten und Hennigsdorf nur noch einen Inselbetrieb der S-Bahn. Derzeit wird wieder über die Verlängerung der S-Bahn-Linie von Hennigsdorf bis nach Velten diskutiert." (Wikipedia: Velten)

  16. 20.

    Ja, ich kann mich noch an Ost-Berliner und DDR-Kursbücher der DR bis Mitte der 80er erinnern, in denen das Stummelstück Velten-Hennigsdorf als S-Bahn ausgewiesen war, ohne irgendeine Verbindung zur Ostberliner S-Bahn zu haben. Der Transfer fand dann wohl über Westberlin statt.

  17. 19.

    So wird das nie was mit der Alternative zum Auto---

    es wird nicht für jeden eine Alternative zum Auto geben! Es gibt viele Bürger, die aufgrund Schichtarbeit auf ein Auto angewiesen sind. Außendienstler, Dienstleister, Handwerker...
    Mit ÖPNV kannste das in die Haare schmieren.
    Ich habe z.B. eine gute Alternative zum Auto. Hätte noch Lieferwagen bzw. LKW zur Auswahl! Leider sind meine alle 40 bis 70 Jahre alte Diesel... aber dank H-Kennzeichen kommt man damit in jede Dieselfahrverbotszone ohne jegliche Einschränkungen.

    Warum rafft ihr das nicht? Die Leute, die mit dem Auto durch Berlin fahren, machen das nicht aus Spaß an der Freude, wie es sich manche vorstellen. Die Leute fahren nicht 24/7 sinnlos durch Berlin und stehen so gerne in Staus!

    Jetzt mal ehrlich!!! Glaubt ihr das wirklich allen ernstes?

    --"dat is Berlin, Rechnen 6, egal wo
    und nun ????"--
    na nu wirds extremst links/grün in Berlin.
    Autofeindlichste Stadt in Deuschland, Europa und auf der Welt ;-)

  18. 17.

    Immerhin scheint man ausnahmsweise einmal realistisch zu planen und nicht erst kurz nach dem ersten Spatenstich von einen (angeblich überraschenden) Kostenlawine übereilt zu werden. Aber dennoch schnell anfangen, bevor sich die Preise ändern.

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