Archivbild: Daniel Flohr, Stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Ufo, steht mit einer Warnweste mit der Aufschrift «Streik» an Tor 20 des Frankfurter Flughafens. (Quelle: dpa/Silas Stein)
Audio: Inforadio | 04.11.2019 | Daniel Flohr, Vize-Vorsitzender Flugbegleitergewerkschaft Ufo | Bild: dpa/Silas Stein

Gewerkschaft Ufo - Lufthansa-Flugbegleiter zu zweitägigem Streik aufgerufen

Fluggäste der Lufthansa müssen in dieser Woche wieder mit Störungen rechnen: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat dazu aufgerufen, am Donnerstag und Freitag die Arbeit niederzulegen. Der Ausstand wird voraussichtlich auch in Berlin zu spüren sein.

Passagiere der Lufthansa müssen in dieser Woche wieder mit Flugproblemen rechnen: Die Gewerkschaft "Unabhängige Flugbegleiter Organisation" (Ufo) hat die Flugbegleiter zu einem 48-Stunden-Ausstand bei der Lufthansa-Kerngesellschaft aufgerufen. Der Streik soll von Donnerstag 0 Uhr bis Freitag 24 Uhr dauern. Es seien alle Lufthansa-Flüge betroffen, "die in dieser Zeit in und aus Deutschland starten", teilte Ufo mit. Wieviele Flüge tatsächlich ausfallen werden, konnte Lufthansa am Montag noch nicht sagen. Es werde ein Sonderflugplan vorbereitet.

Ufo-Vizechef Daniel Flohr kündigte zugleich an, der Arbeitskampf könne auf andere
Airlines des Konzerns ausgeweitet werden. Grundsätzlich sind Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft ebenso möglich wie bei vier weiteren Flugbetrieben mit deutschem Tarifrecht. Zum Konzern gehören neben der Kernmarke Lufthansa die Airlines Sun-Express Deutschland, Lufthansa Cityline, Eurowings und Germanwings.

Alle fünf Lufthansa-Marken starten und landen in Berlin-Tegel. Sun-Express wird auch in Berlin-Schönefeld bedient. Unter dem Lufthansa-Logo fliegt der Konzern von Tegel aus lediglich
nach Frankfurt und München. Allein für Donnerstag stehen 38 LH-Flüge auf dem Tegeler Flugplan.

Lufthansa lehnt Verhandlungen mit Ufo ab

Für alle fünf Flugbetriebe hat die Ufo jeweils separate Tarifforderungen aufgestellt und sich in Urabstimmungen die Zustimmung der Mitglieder zu Streiks geholt. Die Zustimmung lag nach gewerkschaftlichen Angaben vom Freitag zwischen 77,5 und 96,2 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Vorab kündigte Ufo an, dass weitere Streiks möglich seien. "Wie schon bei den letzten Warnstreiks wird der gesamte Konzern von dieser erneuten Arbeitskampfwelle betroffen sein. Wir weisen sowohl unsere Kollegen als auch die Kunden darauf hin, dass jederzeit weitere Ankündigungen möglich sind", erklärte die Gewerkschaft.

Lufthansa bezweifelt, dass die Gewerkschaft berechtigt ist, verbindliche Tarifverträge abzuschließen. Sie erkennt den Ufo-Vorstand nach erheblichen Führungsquerelen nicht mehr als vertretungsberechtigt an und lehnt Verhandlungen mit der Gewerkschaft seit Monaten ab. Die DGB-Gewerkschaft Verdi stünde als Alternative zu Verfügung, hatte aber in der Vergangenheit nicht die Mehrheit der Beschäftigten hinter sich.

Konzern kündigt juristische Schritte an

Die Ufo-Forderungen erfüllt der Lufthansa-Konzern nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA bereits teilweise freiwillig. So zahlt die Lufthansa-Kerngesellschaft bereits 2,0 Prozent mehr Gehalt, Ufo forderte im aktuellen Arbeitskampf 1,8 Prozent.

Am Montag kündigte die Lufthansa an, sie wolle den Streik der Flugbegleiter mit juristischen Mitteln stoppen. Man verurteile den "massiven" Aufruf der Gewerkschaft Ufo auf das Schärfste und prüfe rechtliche Schritte dagegen, erklärte ein Unternehmenssprecher. Gleichzeitig werde an einem Ersatzflugplan gearbeitet.

In der Auseinandersetzung hatte Ufo bereits am 20. Oktober einen 19-stündigen Warnstreik bei vier Lufthansa-Tochtergesellschaften veranstaltet und dabei mehr als 100 Flüge ausfallen lassen. In Berlin-Tegel mussten deshalb mehr als 20 Verbindungen gestrichen werden.

Früherer Ufo-Chef Baublies von Lufthansa fristlos gekündigt

Ufo hat erhebliche innergewerkschaftliche Auseinandersetzungen hinter sich und wird von der Lufthansa nicht als Verhandlungspartner akzeptiert. Nach gegenseitigen Untreue-Vorwürfen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind aus dem einst siebenköpfigen Vorstand nur noch die Vorsitzende Sylvia de la Cruz und ihr Stellvertreter Daniel Flohr übrig. Die Neuwahl der Gewerkschaftsspitze soll zum 14. Februar stattfinden.

Der langjährige Ufo-Chef Nicoley Baublies fungiert nach seiner Entlassung aus Lufthansa-Diensten als Pressesprecher der Gewerkschaft. Er hatte kürzlich eine fristlose Kündigung erhalten. Kündigungsgrund sei eine ungenehmigte Nebentätigkeit als Ufo-Berater gewesen. Wie der Hessische Rundfunk [hessenschau.de] Ende September berichtete, sei der frühere Kabinenchef deshalb früher schon einmal abgemahnt worden. Baublies kündigte an, umgehend eine Kündigungsschutzklage einzureichen. Die Gewerkschaft sagte ihm jedwede Unterstützung zu.

Baublies hatte 2015 den bisher längsten Streik in der Lufthansa-Geschichte angeführt. Damals streikte das Kabinenpersonal über acht Tage. Es war, abgesehen von Warnstreiks, der letzte offizielle Streik bei Lufthansa.

Sendung: Abendschau, 04.11.2019, 19:30 Uhr

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Antwort auf [TG] vom 04.11.2019 um 14:25
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8 Kommentare

  1. 8.

    Der Streik ist sinnlos. Flugbegleiter haben nur Crashkurs-Ausbildung, kann jeder.
    Der Basislohn ist daher gering, da Trinkgeld winkt. Was will man erreichen? Tarifverträge als Hilfskräfte ohne 1, 3 oder 3,5 Jähriger Ausbildung?

  2. 7.

    Streik hin oder her. Worum geht es eigentlich? Wie hoch sind die Bezüge der Mitarbeiter und wie soll die Erhöhung am Schluss ausfallen?? Egal wie es ausgeht, der Streik kostet viel Geld und wenn am Ende Personal abgebaut wird sind es wieder die Gewerkschaften die mit dem Finger auf die Unternehmen zeigen. 2% Gehaltserhöhungen sind ja angeboten worden.

  3. 6.

    Nur gut, dass wir Sie hier haben...
    Ich werd am Donnerstag vom SXF aus fliegen und vertraue streckenbedingt auf die ausländischen Anbieter ;-)

  4. 4.

    Da haben Sie vollkommen recht. Es gibt viele Flüge die vermieden werden können, aber genug die nicht brauchen oder können.

  5. 3.

    Super. Bitte weiter so! Jeder Flug, der nicht stattfindet, ist eine kleine Hoffnung für unser Klima! Auch wenn die meisten Leser hier das vermutlich wieder nicht verstehen werden.

  6. 2.

    Woran machen Sie das fest, dass Ufo keine Gewerkschaft ist? Eine Gewerkschaft ist ja per Definition auch eine "Organisation von Arbeitnehmern".

  7. 1.

    Wie der Name schon sagt ; das ist keine Gewekschaft sondern eine Organisation.!!

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