Windraeder sind an einem nebligen Herbstmorgen bei Sonnenaufgang auf Feldern bei Welzow in der Lausitz zu sehen. (Quelle: dpa/Andreas Franke)
Bild: dpa/Andreas Franke

Aktuelle Jahreszahlen - Windkraftanlagen liefern so viel Strom wie nie

Das Jahr geht mit einem neuen Rekord zu Ende: Noch nie produzierten die Windräder in Deutschland so viel Energie wie 2019. Das geht aus den Berechnungen eines großen Energiekonzerns hervor. Gleichzeitig wurden noch nie so wenige Anlagen neu gebaut.

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland stockt, die Stromerzeugung mit Wind erreicht dagegen Rekordwerte. Bis zum Wochenende hatten die Windräder an Land und auf See nach Berechnungen des Energiekonzerns Eon fast 108.000 Gigawattstunden Strom erzeugt. Das seien etwa 15 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres und fast genauso viel wie im gesamten vergangenen Jahr.

Genug Strom für alle Privathaushalte in Deutschland

Mit der in diesem Jahr bereits erzeugten Menge an Windenergie ließe sich Eon zufolge der Stromverbrauch aller deutschen Haushalte für ein komplettes Jahr decken.

Grund für den Rekord sei das bisher ungewöhnlich windreiche Jahr 2019. Intensive Tiefdruckgebiete hätten im Frühjahr und im Herbst für überdurchschnittlich viel Windstrom gesorgt. Ende November hätten zudem Ausläufer des ehemaligen Tropensturms "Sebastien" die Windräder besonders kräftig angetrieben. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lieferten Windkraftanlagen am Donnerstag rund 48 Prozent der an diesem Tag in Deutschland erzeugten Strommenge.

Der starke Wind in diesem Jahr wirkt sich auch auf die gesamte in Deutschland erzeugte Ökostrommenge aus: Bis Ende November 2019 wurden den Eon-Zahlen zufolge mit 202.000 Gigawattstunden knapp zehn Prozent mehr Ökostrom produziert und in die Netze eingespeist als im Vorjahreszeitraum. Rund die Hälfte des bisher erzeugten Ökostroms stammte dabei von Windrädern an Land und auf See.

Trotz der Erfolge kaum noch neue Windräder

Der Ausbau der Windkraft ist dagegen in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gab es den schwächsten Zubau an Windrädern in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Zwischen Januar und September 2019 gingen nur 150 neue Anlagen ans Netz. An den Auktionen der Bundesnetzagentur für neue Windkraftanlagen beteiligen sich nur noch wenige Bieter.

Hauptgründe für den weitgehenden Stillstand sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und Klagen gegen neue Anlagen. Die Energiebranche sowie Umweltverbände befürchten, dass die Ausbaukrise sich weiter verschärft.

Die Ministerpräsidenten der fünf Nord-Bundesländer hatten am Freitag einen Elf-Punkte-Plan zur Belebung der Windenergie vorgelegt. Sie fordern unter anderem einen starken Ausbau der Windenergienutzung auf See, das Ausschöpfen aller möglichen Flächen für Anlagen, die Optimierung des Netzausbaus und die Beschleunigung vonGenehmigungsverfahren.

Sendung: Inforadio, 30.11.2019, 11:20

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18 Kommentare

  1. 18.

    Die Zahlen sagen auch nichts darüber aus wieviel Strom nicht erzeugt werden konnte und nutzlos verloren ging, weil Anlagen wegen Überangebot abgeschaltet oder gedrosselt werden mussten.
    Ich bin für einen Solardachzwang.

  2. 16.

    Volksverdummung. Die Zahl sagt nichts darüber wie viel davon sinnvoll verwendet werden konnte.

    Zitat: Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lieferten Windkraftanlagen am Donnerstag rund 48 Prozent der an diesem Tag in Deutschland erzeugten Strommenge.

  3. 14.

    Wenn sie die Energiepolitik von CDU und AfD unterstützen, dann werden sie wahrscheinlich noch lange Geisterstrom besitzen.
    Und warum fragt das Lobby-Kohle-Institut EIKE einen Politker? Ingeneure und andere Wissenschaftler sind dafür die Ansprechpersonen. Wir können ja ganz simpel Anfangen mit der Umwandlung von CO2 in Methan oder Wasser zu Wasserstoff per Elektrolyse.
    Ich wüsste nicht, was gegen solch eine Subvention sprechen würde, außer natürlich Wirtschaftsinteressen von EIKE.

  4. 13.

    "Der Geisterstrom interessiert nicht."

    Mich schon. Denn ich möchte nicht die höchsten Weltmarktpreis an Energiekosten, u.A. verursacht durch Geisterstrom, bezahlen, der nirgends genutzt wird.

    Die Einspeisevergütungen sind marktwirtschaftlich ein Witz. Sie zwingen Verbraucher, Windparkbetreiber zu alimentieren, ohne dass der Geisterstrom irgendwo verwendet wird.

    P.S.
    Wenn Sie zur "Speichertechnologie" mehr wissen, als das, was so landläufig bekannt ist, sollten sie Ihr Wissen der Grünen Spezialistin Baerbock mitteilen. Denn die Wissenschaftler von EIKE haben auch schon bei Baerbock deswegen angefragt, wo sie denn die "Speicher im Netz" finden können, aber, soweit ersichtlich, von Baerbock keine Antwort bekommen.

  5. 12.

    Zum Glück ist gerade der Bau von Batterien so umweltfreundlich frage mal die Menschen wo Silizium gewaschen wird und die Region für Jahrzehnte chemisch verseucht wird! Ein hoch auf diese tollen sinnlosen Vorschläge aber Batterien gibt es ja bei Aldi für 0,XX Cent.

  6. 11.

    Sie bleiben weiterhin schön im Ungefähren. Das Stromnetz ist deshalb halbwegs stabil, weil es noch viele konventionelle und Kernkraftwerke gibt.

    PtX ist die weitesten fortgeschrittene Möglichkeit, Wind- oder Solarstrom zu speichern. Großtechnische Anlagen sind jedoch ferne Zukunftsmusik. Es konkurrieren mehr Verbraucher als nur die Stromkunden um das X.

    Andere Lösungen sind vielfach Forschungsprojekte im Frühstadium. Batterieparks sind vor allem als Lösung für schnell verfügbare Regelleistung interessant. Bis 1994 gab es ein solche Anlage in Steglitz, Tesla ist an mindestens einer mit 129 MWh in Australien beteiligt und will auch andernorts seine Batterien verkaufen. Die WKA- und Solarparkbetreiber gehören mit ins Boot geholt, Geisterströme müssen ein Auslaufmodell sein.

    Vergleichen Sie mal die Werte nur von den letzen Novembertagen. Hier gibt es die Daten auf Stundenbasis:
    https://www.windjournal.de/erneuerbare-energie/aktuelle_einspeiseleistung_wind_und_solar_energie

  7. 10.

    Und der private Stromkunde zahlt die ganze Zeche. Ist doch klar, wer hier angeschmiert ist. Die höheren Kosten für 2020 wurden uns bereits präsentiert.

  8. 9.

    Blabla Sie wiederholen sich in jedem Kommentar. Natürlich werden noch keine Speicher gebaut, weil unser Stromnetz noch eine ganze Menge mehr schwankende Produktion verkraftet bevor es problematisch wird. Das bedeutet nicht, dass die entsprechende Technik nicht existiert. Versuchsanlagen für Power-to-Gas zum Beispiel gibt es bereits und Batterien kann man auch bauen wenn man mag.

  9. 7.

    Die Haushalte sind versorgt, fehlt noch der Verkehr. Mit Individualverkehr ist das aber nicht möglich, eher mit ÖPNV. Und die Hauptstromfresser: Stahl-und Betonindustrie? Einfach weniger produzieren, durch weniger konsumieren: keine Autos und keine Häuser aus Beton und Stahl.

  10. 5.

    Schöne Zahlen. Vielleicht denkt man mal drüber nach auch in unseren Großstädten Windparks aufzustellen. Dort ist doch der größte Energiehunger! Nicht nur immer die Dörfer verschandeln!
    Dann könnten wir dann doch auch gleich die über Land-Leitungen Rückbauen! Soviel Umweltschutz wäre doch super!

  11. 3.

    WKA liefern nicht kontinuierlich Strom. Man schaue sich nur einmal die Zahlen auf https://www.windbranche.de/wind/windstrom/windenergie-deutschland an. Gestern war es die vierfache Strommenge wie bisher heute. Auch im Monatsgang erkennt man leicht erhebliche Schwankungen.

    NIcht nur deren Ausbau ist quasi zum Stillstand gekommen, auch nebulös als "geeignete Speichertechnologie" bezeichnete Lösungen stehen noch nicht zur Verfügung. Wie zum "Ende Gelände"-Protest bereits erwähnt, scheitert selbst der Ausbau von Pumpspeicherwerken oft. Dabei können die nur kurze Spitzen ausgleichen. die Energie muss aber nicht nur für Stunden, sondern ggf. Monate gespeichert werden. Der erforderliche Umbau des Stromnetzes stockt ebenso.

  12. 2.

    Präziser formuliert, für Windkraftanlagen wird an die Betreiber so viel wie nie gezahlt. Was an Strom verbraucht wurde kann man nur wissen, wenn die Höhe des Geisterstroms bekannt wäre.

  13. 1.

    Schöner Rekord, aber ohne massiven weiteren Ausbau wird das nichts mit der Energiewende.

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