"Deutsche Wohnen" steht auf einer Hausfassade. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Laut Unternehmen wegen Mietendeckels - Deutsche Wohnen will außerhalb von Berlin bauen

Die Deutsche Wohnen stoppt Neubauprojekte in Berlin - eigenen Angaben zufolge wegen des geplanten Mietendeckels. Stattdessen will der Konzern Tausende Wohnungen verkaufen und unter anderem in Brandenburg investieren.

Die Deutsche Wohnen (DW) will sämtliche geplanten Neubauprojekte in Berlin prüfen und rund 5.000 Wohnungen verkaufen. Investitionen werde das Unternehmen verstärkt in andere Regionen lenken, beispielsweise nach Potsdam, Dresden und Leipzig, sagte der Unternehmenschef Michael Zahn am Mittwoch. Damit reagiert der Immobilienkonzern eigenen Angaben zufolge auf den geplanten Mietendeckel in der Hauptstadt. Für Berlin seien knapp eine Milliarde Euro vorgesehen gewesen, so die Darstellung des Unternehmens. Bereits begonnene Bauprojekte seien davon aber nicht betroffen.

Bereits im vergangenen August hatte Zahn den Verkauf von 3.000 Wohnungen in Berlin angekündigt. Damals hatte der DW-Chef der "Morgenpost" [morgenpost.de] gesagt, der Verkauf habe mit dem geplanten Mietendeckel nichts zu tun. "Wir sehen im Markt eine Menge billiges Geld und eine steigende Nachfrage", sagte Zahn. In den vergangenen fünf Jahren hatte die DW eigenen Angaben zufolge weniger als 100 Wohnungen in der Hauptstadt gebaut.

Deutsche Wohnen verdient weiterhin gut an Mieten

Das Unternehmen verdient trotz der Debatte um mehr Schutz für Mieter noch immer gut an seinen Wohnungen. Die Mieten stiegen in den ersten neun Monaten um 6,4 Prozent, wie es in einer Mitteilung heißt. Gleichzeitig erhöhte sich demnach der Gewinn aus Mietzahlungen im Vergleich zum Vorjahr um fast 13 Prozent auf mehr als 400 Millionen Euro.

Die Deutsche Wohnen vermietet bundesweit rund 167.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten, einen Großteil davon in Berlin. Zum Portfolio gehören auch Pflegeheime. Das Gros der Berliner Immobilien des Unternehmens, nämlich 95.000 Wohnungen, waren ehemals in Landesbesitz. Den größten Bestand gibt es mit 14.875 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf. Dazu gehören Quartiere wie "Hellersdorfer Promenade“ im Nordosten des Bezirks. Es folgt Spandau mit 13.761 Wohnungen, viele davon in der Großsiedlung Falkenhagener Feld. Auf Platz drei ist Neukölln mit 12.516 Wohnungen. Seit 2010 hat die Deutsche Wohnen in Berlin stetig Wohnungen zugekauft. Damit stieg auch die Summe der Mieteinnahmen. 

Deutsche Wohnen hält Mietendeckel für verfassungswidrig

Nach kräftigen Mietsteigerungen über Jahre hinweg spüren Immobilienkonzerne besonders in Berlin starken Gegenwind. Der Berliner Senat will die Mieten für 1,5 Millionen Wohnungen, die vor dem Jahr 2014 gebaut wurden, für fünf Jahre einfrieren. Demnach sollen maximal 9,80 Euro Kaltmiete je Quadratmeter erlaubt sein. Auch Rückzahlungen bei überhöhten Mieten wären dabei möglich.

Den geplanten Mietendeckel hält die Deutsche Wohnen nach eigener Aussage für verfassungswidrig und verweist dabei auf Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages sowie des Berliner Abgeordnetenhauses. Die sich daraus ergebende Rechtsunsicherheit werde die Deutsche Wohnen bei der Gestaltung der Mietverträge berücksichtigen, so das  Unternehmen. Geplante, aber noch nicht bei Mietern angekündigte  Sanierungsmaßnahmen sowie Neubauinvestitionen in Berlin in Höhe von knapp einer Milliarde Euro würden auf den Prüfstand gestellt.

Sendung: rbb24, 13.10.2019, 17:00 Uhr

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35 Kommentare

  1. 35.

    "...hätte die Politik endlich Chancen öffentliche Wohnungen zu vernünftigen Preisen zu bauen und nicht zu den derzeitig vorherrschenden horrenden Baukosten."
    Diese Kausalität verstehe ich, da würde mich doch tatsächlich die Herleitung interessieren.
    Die vorherrschenden, wie Sie richtig sagen, hohen Baukosten werden weder ganz sicher nicht durch den Mietendeckel sinken. Eher im Gegenteil. Und was noch wahrscheinlicher ist, wie ich von unserem Handwerker auch schon gehört habe: die kleinen Handwerkerbetriebe, die auch mal für nen kaputten Wasserhahn kommen etc. können sich nicht halten, da die Auftragslage rückläufig sein wird (für Bestandserhaltung). Genau die Leute, die von den billigen Wohnraum profitieren sollten sind die gelackmeierten.

  2. 34.

    Die Presseberichterstattung wegen des Mietendeckels in der ganzen deutschen Presse nervt mich wirklich zusehends. Die relativ kleine Anzahl an Kleinvermietern sowie die großen Wohnungskonzerne werden überall als einhellige Opfer dargestellt. Wie lange sich diese die Taschen vollgemacht werden und wie viele Mieter im Gegenzug zukünfig vom Mietendeckel profitieren werden ist kaum zu lesen...

    Stattdessen werden Horrorszenarios von Baustopps an die Wand gemalt, obwohl der Mietendeckel bei Neubauten gar nicht greift. Und selbst wenn dem so wäre, hätte die Politik endlich Chancen öffentliche Wohnungen zu vernünftigen Preisen zu bauen und nicht zu den derzeitig vorherrschenden horrenden Baukosten.

  3. 33.


    Gerade gelesen das die Stadt ein Wohnungsbauprojekt (geplant mit zig 1000 Wohnungen) in Pankow auf Eis (Projekt Elisabeth-Aue)gelegt hat.

    Ich dachte Regierung wollte Wohnungen bauen?

    Dann kommt die Mietpreisbremse, Mietendeckel und Enteignungswünsche.
    In 2025 dann noch die Grundsteuererhöhung um fast 70%. Schon heute ist zu befürchten, das der Vermieter diese Kosten auch noch tragen soll.

    Nun bauen private Investoren und Wohnungsbaugesellschaften auch weniger!

    Ich hätte gern eine Wohnung und nicht noch mehr Knappheit.


    Gern Stadtzentrum, 4 Zimmer, mit Küche, Balkon oder Terrasse, gern Neubau oder voll sanierter Altbau. Für ca. 6 Euro.
    Kleines Wohnobjekt mit Garten bevorzugt. Privater Spielplatz und Stellplatz wäre toll.


  4. 32.

    @Alfred Neumann. In der Anfangsphase wird ein Shuttlebus zum Erkner ganz sicher eingerichtet werden, da stimme ich Ihnen zu. Elon Musk ist aber für seine extravaganten Vorstellungen bekannt und er wird, bevor er investiert, das Maximum an Vorteilen für sein Unternehmen und Angestellten aushandeln. Nicht jeder möchte in der Pampas in Grünheide wohnen und ist auf eine zügige Anbindung nach Berlin angewiesen. Ob dieses Bauvorhaben von Tesla wirklich umgesetzt wird, sehe ich noch nicht. Es melden sich schon jetzt Umweltaktivisten, weil ein Naturschutzgebiet von 300 Hektar Land benötigt und 70 Hektar Kiefernwald abgeholzt wird. Produziert werden nur Luxus SUV, das braucht die Umwelt auch nicht.

  5. 31.

    OT: Was spricht dagegen, dass der Arbeitgeber eine Busshuttle für seine Arbeitnehmer zum Bahnhof einrichtet? Nicht nur bei BMW in Dingolfing gibt es einen Werksbusverkehr. Nach Grünheide fährt der RE1 und Erkner ist auch nicht weit weg.

    Die BVG ist nicht für die Bestellung des Nahverkehrs zuständig, sondern die Aufgabenträger. Das sind für Grünheide das Land Brandenburg, der Kreis Oder-Spree und eben Grünheide. RRG ist ist zunächst außen vor. Die BVG kann außerhalb Berlins auch nur sehr eingeschränkt für den ÖPNV bieten, da innerhalb Berlins eine In-House-Vergabe erfolgt.


  6. 30.

    Aufteilung der Lohn- und Einkommensteuer
    42,5 % Bund
    42,5 % Länder
    15 % Gemeinden
    Land und Gemeinde sind abhängig vom Wohnort des Arbeitnehmers.

  7. 29.

    Nur wenns ums Geld gehts gehts auch um den Menschen. Nämlich und den der sich entscheidet sein Geld hier und nicht woanders auszugeben. Gehts nicht mehr ums Geld, gehts auch nicht um den Menschen. Die schönsten Viertel und Wohungen hat die Gründerzeit hervorgebracht. Nicht die maßstabsfreien Bauten der DDR.

  8. 28.

    Anrwort: Nein! Da wir nicht in der Flugschneise wohnen höre ich Flugzeuge nur sehr selten wenn der Wind ungünstig steht. Das ist vielleicht 10x im Jahr! Ansonsten Ruhe, viel grün, nette Menschen, super Radwege und gute Straßen. Und ein Landkreis dem es finanziell gut geht. Ich bin zufrieden.

  9. 27.

    Wie kommen Sie darauf, dass die Lohnsteuer an das Finanzamt des Wohnsitzes des Arbeitnehmers abgeführt wird? Das ist Unsinn;
    Die Lohnsteuer muss bei dem für das eigene Unternehmen zuständige Finanzamt angemeldet und abgeführt werden, nicht beim Finanzamt des Arbeitnehmers, den man eingestellt hat.

    Kann man nachlesen.

  10. 26.

    Die Grundstückskosten sind nicht so entscheidend, wichtiger ist, dass jemand Geld in die Hand nimmt und damit wirklich (!) auch BAUT. Der Senat wäre damit schon mal raus... Alle anderen Grundstückskäufer wollen doch nur spekulieren!

  11. 25.

    @Kati. Auf 'ntv' erschien gestern online ein Artikel : Tesla wird den Wohnungsmarkt anheizen. Darin geht Herr Wild, Vorsitzender des Berliner Mietervereins, davon aus, dass viele Beschäftigte von Tesla in Berlin wohnen werden. Natürlich werden sich auch viele in Grünheide ansiedeln, aber mal ehrlich, möchten Sie dort wohnen, wo Ihre Kollegen und Vorgesetzten Ihnen ständig begegnen? Berlin ist viel interessanter als das Brandenburger Landleben. Die BVG wird den Nahverkehr hoffentlich schnellstmöglich nach Grünheide ausbauen, damit man gut pendeln kann. Schauen wir mal, ob RRG auch mal was gebacken bekommen. Ich bin skeptisch.

  12. 24.

    Wie kommen Sie darauf, dass die Mitarbeiter von Tesla alle in Berlin wohnen wollen? Wer noch alle Sinne beieinander hat, wird die tägliche Pendelei zwischen Berlin und Brandenburg vermeiden. Insbesondere deshalb, weil die Berliner Politik gerade alles dafür tut, Pendlern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Dazu kommt, dass Sie davon ausgehen können, dass Brandenburg sich ebenfalls für entsprechende Wohnsitze stark machen wird. Am Wohnsitz eines Arbeitnehmers landet nämlich auch im Zuge des Länderfinanzausgleichs dessen Lohnsteuer. Da die Tesla-Beschäftigten hoffentlich deutlich mehr als Mindestlohn verdienen werden, dürfte das sehr im Interesse Brandenburgs liegen.

  13. 22.

    Ich finde das gut, dass sich die Deutsche Wohnen von RRG nicht auf der Nase herumtanzen lässt und Konsequenzen aus dem Mietendeckel zieht, hoffentlich folgen noch mehr! Die Mietpreise der DW sind moderat, auch wenn sich hier viele darüber aufregen und am liebsten zum Nulltarif wohnen möchten. Tausende Berliner hätten vor Jahren und Jahrzehnten selbst kaufen können, warum haben sie das nicht gemacht? So richtig lustig wird die Wohnungsknappheit erst, wenn Elon Musk in Grünheide vor den Toren Berlins baut und ab 2021 geschätzte 8000 -10000 Arbeitnehmer in Berlin wohnen wollen. Da bin ich heute schon neugierig, welchen Plan Frau Lompscher und Pop auf den Tisch legen können. Würde mich auch nicht wundern wenn die Gigafabrik scheitert, weil Tesla's Fachkräfte keine Wohnung finden. Am besten baut Tesla eigene Werkswohnungen, sonst wird das nix mit 2021.

  14. 21.

    ... und genau deswegen finde ich den durchschnittlichen Gewinn pro Vermieteinheit und Jahr von nicht mal 2400 € für einen Vermieter recht dürftig für die Verantwortung und das Risiko (von z.B. politischen Entscheidungen), welches der Vermieter trägt...

  15. 20.

    Immer spannend zu sehen wie Leute ihren eigenen Vorteil überall rausziehen wollen aber bei anderen dann die Moralkeule schwingen. DW nimmt die Mieten die gehen und das ist auch ihr gutes Recht, genauso wie jeder das Gehalt nimmt was geht und bei eBay nur das zahlt was nötig ist oder verlangt was max geht. Da ist doch keiner besser als die DW.
    Wenn die DW ihre Wohnungen verkauft, dann hat niemand was davon außer die DW und die, die die Wohnung kaufen. Gemäß dem Motto lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, werden sich einige noch umsehen, wenn plötzlich Eigenbedarf ins Haus flattert. Dann zahlt ihr die billigste Miete für die Wohnung die geht. Null Euro.
    Ich sehe das in meinem Objekt, das geht Schlag auf Schlag. Jeder wird eine Wohnung kaufen, wann immer es geht. Nur allein um aus diesem Kreis raus zu kommen.

  16. 19.

    Cool, immer weg mit dem Bauzeug aus Berlin, dann werden endlich Handwerker billiger und ich kann endlich meine Wohnung für günstiges Geld sanieren. Momentan ist das ja der Horror, was Preise und Verfügbarkeit angeht.

  17. 18.

    Sie haben ja eine Logik. Wenn die Alteingesessenen ihre Wohnung haben, dann müssen sie ja nicht in die neu gebauten einziehen. Aber da sieht man mal wieder wieviel Egoismus die Schreihälse selbst an den Tag legen.
    Jede neue Wohnung, egal wie teuer auch immer, entlastet den Markt. Denn wer dort wohnt, der beansprucht nix aus dem Bestand und verdrängt niemanden. So wie es fast 50% Zugezogene in Berlin getan haben.

  18. 17.

    2400 Gewinn ist ja schon weg, wenn Sie nur 1 einziges Fenster (max 2 billige) erneuern müssen. 1x Wohnung komplett sind schon 4 bis 8 Jahre nix mit Gewinn. Dach, Fassade, Strangsanierung, Hausflur, Heizung usw. is auch alle paar Jahre mal fällig. Kredit und Abgaben haben sie schon hinter sich ?
    Ich muss das alles von 1600 Gewinn im Jahr bezahlen. Daher finde ich, die Mieter sollten für ALLE Kosten direkt selbst aufkommen. Schließlich entstehen sie durch ihre Nutzung oder ermöglichen erst die Nutzung. Da würden die aber dumm aus der Wäsche gucken, wenn plötzlich 2000, 10.000 oder 20.000 Euro fällig würden.

  19. 16.

    Super. Sinkende Nachfrage bringt ja angeblich sinkende Preise. In diesem Falle für Bauland. Das ist doch was die Stadt braucht und eine Bestätigung der Wohnungspolitik von Linke und Grüne. Die Sozen stehen ja leider nicht dafür.

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