Am Tag vor dem Streik: Drei Männer stehen am Lufthansa-Check-in auf dem Flughafen in Berlin-Tegel. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 06.11.2019 | M. Küper | Bild: dpa/Paul Zinken

Auch in zweiter Instanz gescheitert - Lufthansa streicht wegen Flugbegleiter-Streiks 1.300 Flüge

Wegen des Flugbegleiter-Streiks am Donnerstag und Freitag streicht Lufthansa insgesamt 1.300 Flüge. Der Eilantrag gegen den Streik scheiterte am Mittwochabend auch in zweiter Instanz. In Berlin-Tegel werden hauptsächlich Geschäftsreisende betroffen sein.

Die Lufthansa ist auch im zweiten Anlauf gescheitert, den für Donnerstag angesetzten Streik ihrer Flugbegleiter mit juristischen Mitteln noch aufzuhalten. In Frankfurt (Main) lehnte es am Mittwochabend auch das Hessische Landesarbeitsgericht ab, den Arbeitskampf der Gewerkschaft "Unabhängige Flugbegleiter Gewerkschaft" (Ufo) mit einer Einstweiligen Verfügung noch zu stoppen. Am Vormittag war Lufthansa bereits in erster Instanz vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gescheitert.

Am Berliner Flughaften Tegel wird der Streik vor allem Geschäftsreisende treffen. Sowohl nach Frankfurt als auch nach München waren für den Donnerstag sämtliche Lufthansa-Verbindungen gestrichen, wie aus dem Sonderflugplan hervorgeht, den die Lufthansa am Mittwoch online gestellt hat.

Rund 180.000 Fluggäste betroffen

Insgesamt bietet die Lufthansa von Tegel aus 38 Flüge pro Tag in beide Städte. Andere Ziele werden unter dem Lufthansa-Logo von Tegel aus nicht angeflogen.

Insgesamt muss die Lufthansa wegen des für Donnerstag und Freitag geplanten Streiks der Flugbegleiter voraussichtlich 1.300 von rund 6.000 Flügen streichen. Am Donnerstag könnten nur etwa 2.300 von rund 3.000 Verbindungen bedient werden, teilte Lufthansa am Mittwoch mit. Am Freitag würden voraussichtlich 600 von rund 3.000 Flügen am Boden bleiben.

Von den Flugstreichungen seien an beiden Tagen etwa 180.000 Fluggäste betroffen.

Streik bei Lufthansa-Töchtern ist derzeit noch offen

Abgesehen davon, behält sich die Gewerkschaft "Unabhängige Flugbegleiter Organisation" (Ufo) nach eigenen Angaben vor, auch die Lufthansa-Tochtergesellschaften Eurowings, Germanwings, Cityline und SunExpress zu bestreiken. Ob und wann es dazu kommt, ist derzeit aber noch offen.

Die Lufthansa will einen Sonderflugplan für die Streiktage veröffentlichen. Den Kunden bietet das Unternehmen Umbuchungsmöglichkeiten an, zum Beispiel auf Züge der Deutschen Bahn. In welchem Ausmaß dieses Angebot regional genutzt wird, war am Mittwochabend noch nicht bekannt. Laut Flugplan gibt es auch die Möglichkeit, auf Maschinen von Eurowings nach München umzubuchen - sofern diese nicht auch bestreikt werden sollten.

Entscheidung liegt beim Hessischen Landesarbeitsgericht

Unterdessen streiten Lufthansa und Ufo vor Gericht weiter darüber, ob der 48-Stunden-Streik rechtmäßig ist. In erster Instanz war ein entsprechender Eilantrag des Unternehmens vor dem Arbeitsgericht Frankfurt (Main) gescheitert. Lufthansa ist dagegen aber in Berufung gegangen, so dass das Hessische Landesarbeitsgericht noch am Mittwoch endgültig entschscheiden muss. Die Entscheidung, so hieß es, soll möglichst schnell fallen, da der Ausstand bereits um Mitternacht beginnen soll.  

Zudem bot die Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen an, die aber erst mit dem neu zu wählenden Ufo-Vorstand ab dem 15.2.2020 finalisiert werden könnten. Ufo sieht darin jedoch nach eigenen Angaben keine Gespräche auf Augenhöhe.

Es geht um Geld - und um Ufo an sich

Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. In dem gesamten Tarifkonflikt geht es aber auch um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Für die anderen vier Flugbetriebe der Lufthansa gibt es jeweils separate Forderungen.

Ufo fürchtet insbesondere, dass der Konzern Kabinen-Tarifverträge mit der Konkurrenzgewerkschaft Verdi abschließen könnte. Die DGB-Gewerkschaft hat Lufthansa zu Gesprächen aufgefordert, konnte aber in der Vergangenheit nicht die Mehrheit der Beschäftigten bei der Kerngesellschaft hinter sich versammeln.

Im Durchschnitt bietet die Lufthansa Group nach eigenen Angaben täglich 1.540 Verbindungen an. Davon entfallen 580 Abflüge auf Deutschland und wiederum 380 auf die Kernmarke Lufthansa. Exakte Zahlen für die geplanten Streiktage wurden bislang nicht genannt.

Sendung: Abendschau, 06.11.2019, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 1.

    Find ich gut. Jeder gestrichene Flug reduziert den Schadstoffausstoß.

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