Flughafen Tegel, Archivbild (Quelle: Bildagentur-online/Schöning)
Video: rbb24 | 27.11.2019 | 16 Uhr | Bild: Bildagentur-online

Umfrage von IHK und Visit Berlin - Unternehmen fordern deutlich mehr Langstreckenflüge ab Berlin

Jeder vierte Fernreisende, der nach Deutschland fliegt, will schlussendlich in die Hauptstadt, sagt der Geschäftsführer von Visit Berlin. Direkt fliegen diese Menschen aber so gut wie nie. Nur sieben Fernziele gibt es. Das muss sich ändern, fordern Unternehmer. Von Oliver Noffke

Drei von vier Unternehmen in der Region sind unzufrieden oder sehr unzufrieden mit dem Angebot an direkten Langstreckenflügen ab Berlin. Das zeigt eine Befragung, die eine Initiative aus Wirtschaftsvertretern in Auftrag gegeben hatte und am Mittwoch von IHK und Visit Berlin vorgestellt wurde [ihk-berlin.de]. Bereits vor einem Jahr hatte die Initiative diese Forderung gestellt. Nun liefert sie Zahlen, um ihr Anliegen zu untermauern.

Demnach haben 150 mittelständische und große Unternehmen aus Berlin und Brandenburg zwischen April und Mai an einer Online-Umfrage teilgenommen, hauptsächlich aus der Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe. 29 Prozent davon waren unzufrieden mit dem Angebot an Langstreckenzielen, 43 Prozent sehr unzufrieden. Sechs Prozent waren zufrieden, sehr zufrieden war keines der Unternehmen.

Das Aus von Air Berlin hat Lücken hinterlassen

Insbesondere fehlen den Befragten direkte Verbindungen nach Asien und Nordamerika, aber auch in den Nahen Osten. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Direktflüge von Berlin nach Shanghai. Knapp ein Drittel der Befragten habe angegeben, dass diese fehlen. Tokio, Hong Kong, Seoul und Bangkok gehören zu den am meisten nachgefragten Strecken.

Deutlich wird auch, dass das Aus für Air Berlin Lücken hinterlassen hat. Die Metropolen Los Angeles, Dubai und Boston wurden alle in der Vergangenheit von Air Berlin ab Tegel angeflogen und nun von den Unternehmen vermisst. Die wenigen Fernflüge, die angeboten werden, finden den Unternehmen nach nicht häufig genug statt. Das betrifft insbesondere die Anbindungen nach New York und Peking.

Um den Bedarf zu decken, müsse die Bundesregierung handeln, fordert Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin: "Ausländische Airlines würden gerne Berlin direkt anfliegen, aber es fehlt an den entsprechenden Luftverkehrsrechten. Diese auszuhandeln, ist Aufgabe des Bundes. Leider rührt sich der Bund nicht."

Kaum eine europäische Hauptstadt ist schlechter angeschlossen

Derzeit kann man ab Berlin ganzjährig nach Doha, Newark bei New York, Peking, Singapur und Ulan Bator fliegen sowie saisonal nach Toronto, Philadelphia sowie zum Flughafen JFK in New York. Die Initiative zählt das als sieben Fernziele - deutlich zu wenige in ihren Augen.

Die Veröffentlichung wird auch genutzt, um aufzuzeigen, wie schlecht Berlin im Vergleich mit anderen Hauptstädten dasteht. Im Vergleich von 26 europäischen Hauptstädten landet Berlin auf Rang 20. Budapest, Warschau, Prag, Stockholm oder Reykjavik sind besser an die Welt angeschlossen. Spitzenreiter sind Paris und London mit jeweils 122 Fernzielen.

In Deutschland bieten die Flughäfen Frankfurt am Main (102) und München (34), an denen Lufthansa Drehkreuze betreibt, die mit Abstand meisten Fernziele, aber auch Düsseldorf (17). Alle drei liegen innerhalb wirtschaftlich weitaus stärkerer Regionen im Land. Von den großen deutschen Metropolregionen ist eigentlich nur Hamburg schlechter angeschlossen als Berlin - mit zwei Langstreckenzielen.

Visit Berlin nennt Situation "ineffizient und unökologisch"

Insgesamt muss man sich in Ostdeutschland mit Kurz- und Mittelstrecken begnügen und auf Zubringer zurückgreifen, wenn es in die Ferne gehen soll. Den neun Langstreckenzielen ab den neuen Bundesländern stehen 159 im Westen gegenüber.

Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin, sieht darin ein unsinniges Missverhältnis. "Laut Statistik will jeder vierte internationale Passagier mit Reiseziel Deutschland eigentlich nach Berlin", teilte er mit. "Langstreckenpassagiere werden momentan künstlich gezwungen, auf Drehkreuzflughäfen im In- und Ausland auf ihrem Weg nach Berlin umzusteigen. Das ist ineffizient und unökologisch."

Vom hohen Bedarf profitieren andere

Fraglich bleibt allerdings, ob momentan überhaupt Airlines dazu gebracht werden könnten Fernziele ab Tegel anzubieten. Trotz großzügiger Rabatte, die die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) vor anderthalb Jahren ausgerufen hat, sind kaum neue Strecken hinzugekommen. Tegel gilt als wenig attraktiv: schlecht angeschlossen, veraltet und völlig überlastet. Ursprünglich war der Flughafen mal für 2,5 Millionen Fluggäste pro Jahr gebaut, die derzeitige Kapazität wird immer wieder mit zwölf Millionen angegeben. Im vergangenen Jahr wurden allerdings 22 Millionen Passagiere in Tegel gezählt. Schönefeld soll noch Kapazitäten haben. Beide Airports werden aber regelmäßig zu den unbeliebtesten der Welt gewählt.

Von dem geringen Angebot an Langstreckenzielen ab Berlin profitieren offenbar einige ausländische Airlines. So bietet die polnische Lot seit September täglich vier Flüge von und nach Warschau an, wo das Unternehmen derzeit massiv sein eigenes Angbot an Langstrecken ausbaut.

Sendung: Abendschau, 27.11.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

29 Kommentare

  1. 29.

    Sie können 3x pro Woche non-stop von Berlin-Tegel nach Peking fliegen: mittwochs, freitags und sonntags mit Hainan Airlines.

  2. 28.

    Bangkok, Phuket, Karibik? MUSS jemand nonstop in den Urlaub fliegen? Was fällt mir bei Bangkok und Phuket nur gleich ein? Nein, dass muss nicht, da kann man locker in FFM einmal den Flieger wechseln. Wer dort billig urlauben will muss hier halt unbequem umsteigen.

    Und Deutschland ist bereits nur noch eine unbedeutende Randfigur auf der Welt. Wer sind die Big Player? Trump und Putin, nicht Bojahns oder Lindner, Gauland oder Angie. Wirtschaftlich brauch sich das winzige Deutschland nicht nach der Decke recken, Afrika, Asien und Russland haben viel mehr billiges (!) Potenzial.

    Deutschland hat nur noch eine Chance als "Spezialitäten-Land". Oder in Sachen Know How. Dafür muss ich nicht fliegen. Da mache ich eine bisschen irgendwas, was heute Skype/Videochat/Telko heißt. Es geht schon lange nicht mehr um die Beine, die dort auflaufen, sondern um den Kopf, der denkt - egal wo.

    Mobilität wird mittels digitaler Medien unnötig. Außer in Brandenburg, mangels Glasfaser/Handyempfang..

  3. 25.

    Die Fluggastzahlen steigen weltweit ständig an und werden sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/374860/umfrage/flugverkehr-entwicklung-passagiere-weltweit/
    China ist ein gutes Beispiel für die Zukunft: https://www.derstandard.at/story/2000103037393/chinas-megaprojekte-216-neue-flughaefen-in-15-jahren
    Entweder Dtschl. möchte International dabei sein oder wir werden in 20 Jahren nur noch eine unbedeutende Randfigur auf der Welt sein. Die Menschen in anderen Ländern werden trotzdem fliegen.
    ZZt. von Air Berlin konnte man auch nach Bangkok, Phuket, in die Karibik usw. Non Stop fliegen. Leider ist dies heute nicht mehr möglich. Aber wer weiß was die Zukunft bringt.

  4. 24.

    Dann hoffe ich, dass Sie direkt in der Einflugschneise wohnen.... So etwas ignorantes habe ich selten gelesen...

  5. 23.

    Naja, wer diese Einstellung hat, braucht keine Feinde mehr.
    Eat this:
    https://www.tagesschau.de/ausland/klimakipppunkte-101.html

  6. 21.

    Hallo rbb, Ihr meint sicherlich non-stop-Flüge. Bei Direktflügen sind zischenlandungen erlaubt. Ich komme also von Berlin dirket nach Peking, aber umsteigen. Nur bei Non-Stop ist kein Umstieg...... Ein altes Problem, bei dem schon einige beim Buchen reinfallen. Daher wäre es toll, wenn Ihr das korrekt darstellen würdet.

  7. 20.

    Bahn statt Flugzeug. Diejenigen, die dieses Argument immer wieder überstrapazieren, sollten mal darüber nachdenken, dass das keineswegs eine Alternative ist.

    Es geht damit los, dass ich selbst überhaupt nicht meinen Koffer in die Gepäckablage bekommen würde. Auf die Toilette gehen oder mal schnell einen Kaffee holen? Klar doch, danach ist mein Koffer sicher noch da. Jeder Pöbler, jeder Gestörte kommt unkontrolliert in den Zug ud kann dort andere Reisende angreifen. Mal fällt die Heizung aus, mal die Klimaanlage. Mal fällt ein anderer Zug aus und alle Fahrgäste werden in meinen Zug gestopft. Zack ist meine kostenpflichtige Reservierung ungültig und von der aggressiven Stimmung in einem Zug, wo die Leute fast übereinander gestapelt sind, will ich gar nicht erst anfangen.

    Ich fliege weiter. Punkt. Dafür renne ich nicht mit einem Coffee to go durch die Gegend.

  8. 19.

    Zustimmung
    es gab( gibt ?) auch in Berlin solche Maschinen, die hier nur Zwischen gelandet sind um dann nach Frankfurt weiter zu fliegen, oder umgekehrt .
    Mit BER ( 2035 ) werden wir wohl wieder die alten Varianten bekommen.

  9. 18.

    weil die Firma einen ,, Kontingentvertrag " hat und wie ich schon geschrieben habe, es sind Betriebsausgaben und damit geht jede neue Steuer am Zweck vorbei

  10. 17.

    Wir sollten endlich in Deutschland den Reset-Knopf drücken und zur Alltags-Normalität zurückkehren.
    Berlin muss Drehkreuz Nr. 1 in Deutschland werden! Berlin ist nicht irgendein Kaff. Die Nachtflugruhe gehört abgeschafft, die Fenster sind besser.
    Es kann nicht sein, dass wir in Deutschland einen auf Klimawandel aufgezwungen bekommen und die anderen Länder haben ringsum haben Ruhe vor diesen Öko-Fanatikern.
    Wirtschaft ist wichtig, Arbeitsplätze sind wichtig, Zufriedenheit ist wichtig, und Lösungen werden auch gefunden, aber nicht heute und schon gar nicht mit der Brechstange. Entwicklung braucht Zeit.
    Wir Deutschen wollen unsere Ruhe haben und es kann mir keiner erzählen, dass seit der 90er nichts für die Umwelt getan wurde. Und den Wetteraufzeichnungen kann man sowieso nicht glauben, da man damalige primitive Messungen, an vereinzelten Standorten nicht mit heutigen städtenahen Messungen vergleichen kann. Hier ist klar dass eine "Erwärmung" um Nullkomma-Grad bei heraus kommt.

  11. 16.

    Wenn ich nach China schaue, sehe ich hunderte Mio Menschen die sich jetzt erstmals das Fliegen leisten können und dass auch nutzen.

  12. 15.

    Also ich bin auch der Meinung das man bei Strecken bis 1000 km keine Flüge bräuchte vorausgesetzt das Bahnnetz wird entsprechend ausgebaut . Aber Flüge ganz zu verbieten gerade auch bei längeren Strecken halte ich genauso unrealistisch wie Atlantiküberquerungen in Zukunft nur noch mit dem Segelboot zu machen . Um auf Ihr Beispiel China zurück zu kommen : Gerade China zeigt das nicht nur Bahnstrecken massiv ausgebaut werden sondern parallel auch massiv Flughäfen neu gebaut oder erweitert werden also hingt Ihr Vergleich meiner Meinung nach etwas .

  13. 13.

    Und ich fordere das in Flügen die VON Berlin losfliegen oder direkt in Berlin enden deutschsprachiges Personal eingesetzt wird. Die Billigaufkäufer von Air Berlin haben häufig nur englschsprachige Mitarbeiter*innen und englische Sicherheitsbelehrungen.

    Ausserdem wünsche ich mir mehr deutsche Fluggesellschaften beim BBI.

  14. 12.

    Es ist nur noch krank.
    Hauptsache Fliegen. Shiet was auf Natur, Umwelt und Klimaerwärmung. Es wird weiter geflogen, als wäre es das normalste der Welt ohne Auswirkungen auf uns alle.
    Die Lobby macht mit, ist ja nur das "Hier und Heute", alles andere ist total egal.
    Nur noch krank......

  15. 11.

    Herr Kieker von VisitBerlin übersieht leider, dass es vor allem unökologisch wäre, DICKE und LAUTE Langstreckenmaschinen über Berlin dröhnen zu lassen, in denen dann kaum jemand drin sitzt. Die können schön in Frankfurt oder Leipzig landen. Es ist wirklich absurd, nicht stattfindenden Verkehr als UNÖKOLOGISCH zu bezeichnen!

  16. 10.

    Baut lieber massiv die direkten Bahnverbindungen europaweit aus. Das ist zukunftsfähig. Mittelfristig können Kurzstreckenflüge verboten werden. Dafür ist eine gute Bahninfrastruktur notwendig, die in der Vergangenheit schonmal besser war bezüglich der Erschliessung / Streckenkilometer. Mit dem Ausbau der Flughäfen geht die Reise in die falsche Richtung. Schaut mal nach China, um zu sehen was auch an Langsttreckenverbindungen mit der Bahn möglich ist ;)

Das könnte Sie auch interessieren