Digos-Laser (Quelle: Digos/Stefan Walter)
Video: Abendschau | 30.11.2019 | Marcel Trocoli Castro | Bild: Digos/Stefan Walter

Innovationspreis Berlin Brandenburg - Eine Satelliten-Laser-Station zum Mitnehmen, bitte!

Mehr als 200 Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen und Startups haben sich in diesem Jahr für den Innovationspreis Berlin Brandenburg beworben – so viele wie noch nie. Franziska Ritter stellt die Gewinner und ihre Geschäftsideen vor.

Langsam öffnet sich die Kuppel der Satelliten-Laser-Station des Geoforschungszentrums auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Zwei Teleskope recken sich gen Himmel. Das eine sendet einen grünen Laserstrahl ins All, den von Satelliten reflektiert wird. Das andere versucht die Photonen, die aus dem Weltraum zurückkommen, einzufangen. Auf diese Weise können Forscher messen, wie weit ein Satellit von der Erde entfernt ist – und zwar bis auf wenige Millimeter genau.

André Kloth hat vor 18 Jahren als Informatikstudent begonnen im Geoforschungszentrum zu arbeiten, später modernisierte er das Steuerungssystem der Satelliten-Laser-Station. 2014 hat er ein Unternehmen gegründet, das Anlagen wie die in Potsdam konzipiert, baut und wartet. "Man kann so etwas nicht einfach nachbauen. Da stecken viele Jahrzehnte an Entwicklungsarbeit drin und wir sind die einzige Firma in Europa, die solche schlüsselfertigen Systeme anbietet."

Andre Kloth (Quelle:rbb/Franziska Ritter)
André Kloth | Bild: rbb/Franziska Ritter

Eine Laser-Station auf fast 2.400 Metern Höhe

Digos Potsdam heißt das Unternehmen, das aus dem Geoforschungszentrum ausgegründet wurde. Vor kurzem hat es einen Großauftrag an Land gezogen: André Kloth und seine zehn Mitarbeiter entwickeln für die Europäische Raumfahrtagentur ESA eine Laser-Station, die im kommenden Jahr auf Teneriffa errichtet werden soll. Für die japanische Weltraumagentur Jaxa plant Digos eine weitere Anlage.

Jetzt sind die Potsdamer mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg ausgezeichnet worden, denn ihre Technologie ist auch für andere Anwendungszwecke interessant: Neben Satelliten können sie per Laser auch Weltraumschrott sehr genau orten.

Sebastian Schroer (Quelle: rbb/Franziska Ritter)
Sebastian Schröer hat Perto gegründet | Bild: rbb/Franziska Ritter

Strom und Geld mit einer neuen Pumpe sparen

Sebastian Schröer, der von der Insel Rügen stammt, konnte ebenfalls einen der begehrten Preise mit nach Hause nehmen. Er hat in Berlin das Start up Perto gegründet, das alte Heizungspumpen gegen Neue austauscht. Bislang sind gerade einmal zwei von zehn Heizungsanlagen umgerüstet, rechnet er vor: "Wenn man die Ineffizienten austauschen würde, könnte man drei Kohlekraftwerke stilllegen. Das ist ein enormes Potenzial.“

Um herauszufinden, wie viel Hauseigentümer mit einer Hocheffizienzpumpe sparen, schicken sie Perto ein Foto vom Typenschild ihrer Heizungsanlage. Dann bekommen sie einen Effizienzbericht, in dem steht, welches Gerät die Profis empfehlen und was der Einbau kostet. Willigt man ein, schickt Perto einen Handwerker, der die Heizungspumpe tauscht. Zusätzlicher Anreiz: Der Bund fördert den Pumpentausch und übernimmt 30 Prozent der Netto-Kosten. Um den Förderantrag kümmert sich das Team von Perto, am Ende kassiert das Start up für seine Dienste eine Marge.

Jacek Zawisza (Quelle: rbb/ Franziska Ritter)
Jacek Zawisza kämpft gegen leere LKW | Bild: rbb/Franziska Ritter

Weniger Leerfahrten mit LKW

Die Geschäftsidee von Jacek Zawisza ist ein Start up, das die Logistik auf Baustellen optimieren soll. Es heißt Kamioni - in Anlehnung an das italienische Wort für LKW. Nur 50 bis 60 Prozent aller LKW-Fahrten sind produktiv, sagt der Wirtschaftsingenieur. Den Rest der Zeit fahren die Schwergewichte ohne Ladung durch die Gegend oder warten darauf, dass sie Material laden oder abladen können.

Um das zu ändern, haben der gebürtige Pole und sein Team eine Software entwickelt, die Baustoffe blitzschnell vermitteln und koordinieren soll. Über eine App können Poliere die Materialien bestellen, die sie auf ihren Baustellen benötigen. Ein Disponent verteilt die Ladung digital auf den Fuhrpark. LKW-Fahrer bekommen die Aufträge samt Routenführung aufs Smartphone geschickt.

Wenn Algorithmen die Baulogistik übernehmen

Seit anderthalb Jahren entwickelt das Start up aus Berlin seine Plattform. Es testet die Anwendung derzeit mit einem Dutzend Bauunternehmen aus der Hauptstadtregion. „Wir denken, dass wir über 20 Prozent aus den Fuhrparks herausholen können“, sagt der Unternehmer und verweist auf einen Prototyp mit künstlicher Intelligenz, den er ab 2020 testen will. Bevor es in der Baulogistik eng wird, sollen Computeralgorithmen automatisch warnen und vorschlagen, wo sich wahrscheinlich Lücken auftun.

Zehn Geschäftsideen waren in diesem Jahr für den Innovationspreis nominiert, sechs davon kommen aus Brandenburg. ThinkSono – ein junges Potsdamer Unternehmen, dem es gelungen ist, eine tiefe Venenthrombose zu erkennen – nahm einen Preis mit nach Hause. Auch AkoTec aus Angermünde durfte sich über die Auszeichnung und ein Preisgeld von 10.000 Euro freuen. Die Firma aus der Uckermark hat einen Großkollektor entwickelt, der Solarwärme ins Fernwärmenetz einspeist.

Sendung: Inforadio, 30.11.2019, 09:45 Uhr

Beitrag von Franziska Ritter

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1 Kommentar

  1. 1.

    Toll wenn man was kann und zur Schule gegangen ist!

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