Ramona Pop (Bündnis 90/ Die Grünen) Wirtschaftsministerin, lacht in Zustimmung von Klaus Lederer ( Die Linke, l ), Kultursenator und Michael Müller (SPD)
Bild: Annette Riedl/dpa

Interview | Wirtschaftssenatorin Pop - "Jeder konnte die Begeisterung Musks für Berlin spüren"

Wer hat Tesla nach Berlin und Brandenburg gelockt? Mitten in der Euphorie über den wohl größten Wirtschaftscoup des Jahres wird in beiden Hauptstädten darüber gestritten, wer den Ruhm einstreichen kann.

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellte am Mittwoch klar: "Das ist ein rein Brandenburger Projekt. Punkt. Es sind aussschließlich Brandenburger Institutionen an den Verhandlungen beteilgt gewesen, es sind ausschliesslich mit Brandenburgern die Verhandlungen geführt worden." In der Lokalpresse heißt es bereits, es sei gut, dass Berlin außen vor gelassen wurde.

Gleichzeitig räumte Woidke allerdings auch ein: Ohne Berlin wäre die Entscheidung von Tesla nicht auf Brandenburg gefallen - was Tesla-Gründer Elon Musk auf Twitter auch angedeutet hat. Dort schrieb er schlicht: "Giga Berlin".

Auf allen Ebenen hat es da viele Gespräche gegeben in den letzten Jahren, auch über Berlin Partner, über unser Wirtschaftsmarketing. Ich habe im Sommer einmal mit Elon Musk telefoniert.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

rbb: Frau Pop, stimmt es, was Dietmar Woidke sagt, dass nur Brandenburg, nicht Berlin, mit Tesla verhandelt hat?

Ramona Pop (Grüne): Dass Tesla zu uns kommt, sind erst mal sehr gute Nachrichten für Brandenburg und Berlin. Ich freue mich, habe sofort mit Herrn Steinbach [Anm. d. Red.: dem brandenburgischen Wirtschaftsminister, SPD] telefoniert und zu dem tollen Erfolg gratuliert. Berlin und Brandenburg ergänzen sich mit ihren Stärken. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass Unternehmensansiedlungen in unserer Region bleiben und nicht abwandern. Bei Ansiedlungen kann Brandenburg Flächen bieten, Berlin die Dynamik einer Metropole. Eine gemeinsame Metropolregion ist gut für beide Länder. Hieran sollten wir gemeinsam weiterarbeiten, um weitere Erfolge möglich zu machen.

Ich habe, als es klarer wurde, dass das Designzentrum geplant ist und Berlin ins Auge gefasst wird, den Regierenden Bürgermeister informiert.

Dietmar Woidke, Ministerpräsident von Brandenburg

Welchen Anteil hatte Berlin an den bis zuletzt geführten Gesprächen? Hatten Sie direkten Kontakt mit Elon Musk?

Natürlich sind und waren wir auf verschiedenen Ebenen aktiv, wie immer, wenn es um Unternehmensansiedlungen geht. Es gab Schreiben, Gespräche auf allen Ebenen, auf der politischen Ebene und unsere Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner war und ist in intensivem Austausch mit Tesla und Brandenburg. Details werde ich aus Gründen der Vertraulichkeit nicht nennen, aber seien Sie versichert: Wir haben stark für unseren Standort geworben. Berlin steht für die Entwicklung der Elektromobilität mit rund 500 Firmen und Institutionen aus der Branche. Berlin und seine digitale Industrie ziehen Talente und SpezialistInnen aus der ganzen Welt an. Ich glaube, jeder konnte die Begeisterung Musks für Berlin spüren. Aber jetzt interessiert uns vor allem der Blick nach vorn: Die Arbeit fängt nun erst an. Wir stehen Brandenburg natürlich zur Seite und unterstützen, wo wir können, um schnell voran zu kommen.

Wann wussten Sie, dass die in Ihrem Brief angeboten Flächen in Berlin für Tesla nicht ausreichen? Sprich, wann wurde der Pitch zu einem regionalen Projekt, keinem getrennten?

Als die Größenordnung des Projektes klar wurde, dass Tesla auch Erweiterungspotenzial und damit über 100 Hektar Flächen benötigt. Herr Steinbach und ich haben bereits letztes Jahr eine Vereinbarung geschlossen. Diese fußt auf dem gemeinsamen Verständnis, die deutsche Hauptstadtregion attraktiv für Ansiedlungen auszurichten und diese gemeinsam und koordiniert zu betreuen. Ich möchte hier auch unsere beiden Wirtschaftsfördergesellschaften ausdrücklich loben. Sie haben bei Tesla Großartiges erreicht. Und Tesla hat uns auch gezeigt, dass wir zukünftig noch mehr gemeinsam pitchen werden.

In Brandenburg ist die Gefahr auch deutlich geringer, dass die Ansiedlung durch kleingeistige und wirtschaftsfeindliche Lokalpolitiker, wie in Berlin, konterkariert werden könnte.

Florian Swyter, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP Berlin

Wie kam das Innovationszentrum von Tesla dann nach Berlin? War das Ihr Angebot oder eine Idee von Tesla?

Wie Sie wissen, war Vertraulichkeit der Schlüssel zum Erfolg. Wir freuen uns über das Commitment von Tesla für Berlin. Es zeigt deutlich das Vertrauen der Investoren und die Attraktivität unseres Standortes für die großen Zukunftsbranchen. Tesla findet bei uns das richtige Umfeld mit Wissenschaft, Technologie und die passenden Talente.

Die Fragen stellte Sebastian Schöbel.

13 Kommentare

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  1. 13.

    Beim lesen kam mir die Frage auf, was aus dem unentschuldigten Fehlen bei nicht genehmigten Urlaub wurde von Frau Pop?

  2. 12.

    Fr. Pop schmückt sich wieder einmal mit fremden Federn.

  3. 11.

    Dafür lernen Journalisten kaum noch, wie man mit den Antworten umgehen müsste. Es ist einfach nur peinlich, wie Frau Pop sich hier in den Vordergrund drängt.

  4. 10.

    Sie hätte wegen den unerlaubten Urlaubs zurücktreten müssen!

  5. 9.

    Ja leider zeigt es sich dass die Konkurrenz sehr stark noch ist , wobei ich jetzt Frau Popp nicht so schlecht fand mit ihrem Auftritt, und auch zurückhaltend sich in ihren Äußerungen gezeigt hat. was richtig peinlich ist ist das Auftreten vom Brandenburger Ministerpräsidenten woidke, gerade noch mit der Neuwahl beschäftigt klingt es doch sehr klein kariert und also nicht nach Aufbruchstimmung. Er hat auch nach der Thüringen Wahl ich sag mal vorsichtig saublöd kommentiert es sieht so aus als versteht er seine in " Bevölkerung " nicht und den Blick, einen großen entspannten Blick in die Zukunft bringt er mit seiner Gestikulierung die ich vor allem in letzter Zeit verstärkt feststelle bei seinen Äußerungen, jedenfalls nicht rüber absolut nicht. Was sagt ELON ... Berlin rocks

  6. 8.

    Herrlich auf den Punkt gebracht ! Ich glaube, das ist das Erste, was einem als Politiker beigebracht wird: Fragen auszuweichen. Für mich ist jeder Politiker, der Fragen nicht klar und umgehend beantwortet, unten durch. Dieser Standesdünkel ist unerträglich.

  7. 7.

    Und alle liegen einem neuen angeblichen Heilsbringer zu Füßen - lächerlich.
    Fehlt nur noch, dass ihm ein Schrein errichtet und dort gehuldigt wird.

  8. 6.

    Überhaupt hat sie Glück, Stellung nehmen zu können, da sie gerade nicht im unangemeldeten Urlaub verweilt.

  9. 5.

    ...Wenn Elon Frau Popp kennen würde, wäre der Deal ja nicht zu Stande gekommen !

  10. 4.

    pitchen... Commitment ... da blamiert sich jemand auf ganzer Linie!

  11. 3.

    Ich finde es einfach nur noch zum verrückt werden, warum kann den auf eine klare Frage keine klare Antwort gegeben werden?
    Ist Frau Pop nicht in der Lage einfach mal zuzugeben, ja Brandenburg hat die Gespräche geführt und hat den Deal gesichert und uns in Berlin damit ebenfalls ein großes Projekt gesichert?‘ das und nur das wäre korrekt gewesen. So sieht es einfach nur nach Neid aus.

  12. 2.

    "Stimmt es, was Dietmar Woidke sagt, dass nur Brandenburg, nicht Berlin, mit Tesla verhandelt hat?"
    Ja!
    "Hatten Sie direkten Kontakt mit Elon Musk?"
    Nein!
    "Wie kam das Innovationszentrum von Tesla dann nach Berlin? War das Ihr Angebot oder eine Idee von Tesla?"
    Tesla!

  13. 1.

    Der Fall zeigt eines ganz deutlich: Eine FUSION von Berlin und Brandenburg braucht in dieser Generation kein Politiker mehr zu versuchen, da prallen einfach zwei Welten aufeinander.
    Vielleicht klappt es ja in Berlin wenigstens mit der IAA, diesbezüglich könnte Berlin ja noch ein bisschen Kompetenz aufbauen...

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