Archivbild: Dietmar Woidke vor dem Landtag (Quelle: imago-images/Sebastian Gabsch)
Audio: Inforadio | 13.11.19 | Lisa Steger | Bild: imago-images/Sebastian Gabsch

Interview | Woidke über Tesla-Pläne - "Es ist eine Riesennummer für unser Land"

Seit Monaten war Woidke in die Pläne des US-Technologiekonzerns Tesla eingebunden. Nun hat das Land tatsächlich den Zuschlag bekommen. Brandenburgs Ministerpräsident über Arbeitsplätze, Nachhaltigkeit und den entscheidenden Standortvorteil.  

rbb: Herr Woidke, Tesla soll eine neue Fabrik in Brandenburg bauen. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Dietmar Woidke (SPD): Also erstmal ist es ein Riesenerfolg, wir haben da intensiv gearbeitet. Ich möchte mich hier besonders bei Jörg Steinbach bedanken, unserem Wirtschaftsminister, aber auch dem ganzen Stab bei der Wirtschaftsförderung Berlin-Brandenburg. Bei allen, die da seit Monaten eingebunden waren und mitgeholfen haben. Am Ende ist es uns gelungen Elon Musk, Tesla insgesamt, davon zu überzeugen, dass Brandenburg der richtige Standort ist. Das hat mit einer Reihe von Vorzügen zu tun, die unser Land zu bieten hat.

Welche haben Sie da angeführt?

Erstmal hilft uns natürlich die Berliner Nähe. Der zweite Punkt ist, dass wir das Land sind, wahrscheinlich sogar das einzige in Deutschland, das garantieren kann, dass die Produktion in Zukunft mit erneuerbaren Energien stattfinden kann. Es werden also nicht nur klimafreundliche Produkte produziert, sondern diese Produkte werden auch im klimafreundlichen Produktionsprozess mit erneuerbaren Energien produziert werden können.  

Dass eine solch große Investition für unser Land ansteht, ist uns eine große Ehre, aber auch eine große Verpflichtung. Dass der Standort sich im europaweiten Vergleich durchgesetzt hat, ist schon eine Riesennummer für unser Land.

Seit wann wussten Sie das?

Ich selber bin seit circa drei, vier Monaten involviert. Eine der Grundvoraussetzungen war große Verschwiegenheit - das hat Tesla allen klargemacht, die damit zu tun hatten. Ich bin froh, dass gestern Elon Musk selber damit rausgegangen ist, weil der Druck natürlich immens war. Aber insgesamt ist das Vertrauen in unseren Standort, das Vertrauen in die Menschen hier schon groß. Wir sind wettbewerbsfähig. 

Wie viele Leute können dort Arbeit finden? Wann geht es los? Und wie groß ist das Areal, das Tesla jetzt bauen will?

Es soll so schnell wie möglich losgehen. Natürlich sind eine ganze Reihe von Fragen zu klären: Erst mal müssen die Planungsunterlagen erarbeitet und genehmigungsfähig vorgelegt werden. Es muss alles den verwaltungsrechtlichen Gang gehen. Wir hoffen, dass es sehr schnell gehen kann. Ob die Produktion dann in 2021 aufgenommen werden kann, das wird sich zeigen.

Es wird eine Taskforce geben in der Staatskanzlei. Das habe ich mit Elon Musk persönlich in einem Telefonat besprochen. Dort sollen alle Fragen direkt geklärt werden. Was die Zahl der Arbeitsplätze betrifft, wird das stufenweise nach oben gehen. Aber was Arbeitsplatzfragen betrifft, überlasse ich das lieber dem Investor. Da sind wir gut beraten uns zunächst einmal zurückzuhalten. Wir werden alles tun, um diese Investitionen zu unterstützen und es geht um deutlich mehr als ein paar hundert Arbeitsplätze.

Was Arbeitsplatzfragen betrifft, überlasse ich das lieber dem Investor. Da sind wir gut beraten uns zunächst einmal zurückzuhalten."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke

In welcher Höhe kann Tesla mit Fördermitteln rechnen oder hat sie schon erhalten?

Wir bewegen uns im beihilferechtlichen Rahmen der Europäischen Union. Das gilt für alle Länder in Europa, das ist der Rahmen den wir haben. Wir werden natürlich das Unsere tun, um da entsprechend dieser Möglichkeiten gute Bedingungen für Tesla zu schaffen.  

Eine Summe möchten Sie jetzt noch nicht nennen?

Nein.

Das Land Brandenburg hat nicht nur gute Erfahrungen mit Großprojekten gemacht. Ich erinnere an den Cargolifter, die Chipfabrik, auch das Resort Schwielowsee in Werder war keine Erfolgsgeschichte. Was wird diesmal gemacht, um solche Fehler zu verhindern?

Wir sind im wirtschaftlichen Bereich unterwegs und es ist jemand, da der investiert - noch dazu eine Investition in einem wirklichen Zukunftssegment, der Elektromobilität. Wir werden alles tun, was wir können um diese Investition zu einem Erfolg zu machen. Zu einem Erfolg für den Investor, aber zu einem Erfolg für unser Land Brandenburg.

Was glauben Sie: Werden Sie eher in Schönefeld mit dem Flugzeug abheben oder eher mit dem E-Auto losfahren - was wird schneller fertig?

Ich glaube, dass beide Projekte auf einem guten Weg sind und ich hoffe sehr, dass wir, wie von der Geschäftsführung mehrfach gesagt, im Jahr 2020 die Eröffnung des Flughafens haben werden. Es wird Zeit, die ganze Region wartet darauf. Und auch diese Investition zeigt ja, wie wichtig dieser Flughafen für die Hauptstadtregion ist.

Wo genau ist das Grundstück für die geplante Tesla-Fabrik und wie groß ist es?

Das Grundstück befindet sich auf dem Gelände der Gemeinde Grünheide, es ist ein Grundstück, das derzeit zur Verfügung steht, bei dem noch verschiedene Fragen geklärt werden müssen. Die baurechtlichen sind mit der Gemeinde geklärt und ich hoffe, das kann sehr schnell losgehen.

Grünheide Standort (Quelle: Tino Schönning/rbb)Hier sollen in Zukunft E-Autos gebaut werden: Das Areal der geplanten Tesla-Fabrik in Grünheide im Landkreis Oder-Spree (Quelle: rbb / Tino Schöning).

Die DPA meldete, dass auch Euskirchen in Nordrhein-Westfalen an der Investition interessiert war. Trotzdem hat sich Tesla für Brandenburg entschieden. War das wirklich wegen der erneuerbaren Energien?

Ich glaube, dass am Ende vieles eine Rolle gespielt hat. Die Dichte an Universitäten und Hochschulen hier in der Region, also Wissenschaft und Bildung, ist ganz klarer Investitionsvorteil. Der zweite Punkt: Berlin ist ein Magnet für die ganze Welt und auch für eine solche Investition. Und der dritte Punkt ist, dass wir Brandenburger Platz haben. Und wir haben den Rohstoff der Zukunft zur Verfügung, erneuerbare Energien. Dieses alles zusammengenommen ist eine Mischung, die glaube ich deutschlandweit einmalig ist. Wir sollten noch selbstbewusster rausgehen und diese Vorzüge, die unsere Standorte haben, hier vertreten.

Ich weiß auch schon, dass weitere Investitionen in solchen Zukunftsbranchen in Brandenburg erfolgen. Das ist heute noch Zukunftsmusik, aber ich glaube in wenigen Wochen werden wir schon mehr wissen. Tesla ist nicht der Einzige der sich für Brandenburg interessiert, sondern wir haben beste Zukunftsaussichten gerade auch aufgrund unseres hohen Ausbaustandes erneuerbarer Energien. Das muss man immer wieder sagen. Da wird ja viel gemeckert, da wird gesagt: "Naja, das ist ja nicht so schön." Aber das ist der Rohstoff der Zukunft und der Rohstoff, der offensichtlich auch Investoren aus der ganzen Welt anlockt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lisa Steger

Diese Interview ist eine verschriftliche und gekürzte Version eines Radiointerviews mit Dietmar Woidke. 

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37 Kommentare

  1. 37.

    Es gibt keine "Wirtschaftsförderung Berlin-Brandenburg"
    Es gibt die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH, WFBB, und es gibt die Berlin Partner GmbH, BP. Aber BP hatte so rein gar nichts mit der Ansiedlung zu tun. Auch wenn Berlin es sich jetzt gerne auf die Fahnen schreibt.
    Eine "Wirtschaftsförderung Berlin-Brandenburg" ist nur ein eingestaubter Traum, der besser weiter zustauben sollte.

  2. 36.

    Na dann, neue Straßen braucht das Land, die Tesla Mitarbeiter bekommen Firmenparkplätze wie bei Amazon. Wie in Amerika. ÖPNV werden sie nicht fahren.

  3. 35.

    Die Bahnverbindung von Cottbus nach Grünheide ist extrem günstig. 2-3 Stunden Fahrzeit für eine Strecke mit 2 bzw. 3 mal umsteigen je Strecke. Ideal für Pendler aus Cottbus.

  4. 34.

    Sicherlich werden es begeisterte 'Grüne Kobolde' richten, denn schon die Herstellung der Batterien mit allem drum und dran sind für jene überhaupt kein Problem. Weil so sauber wie eine Sonnenblume, äh ...?

  5. 33.

    "Von Cottbus bis nach Grünheide sind es über 100 Km mit dem PKW." Das ist nicht sonderlich weit. Aber man kann auch den Regio nehmen. Der Regio könnte auch mal schneller fahren.

  6. 32.

    Sehr guter Ansatz! Hier ist dann wieder Herr Woidke gefragt, sowie unser neuer Verkehrsminister.

    Bei der Infrastruktur muss ganz viel passieren. Ein Anruf von Herrn Musk beim MP wird da in Zukunft sehr viel bewirken. Da heißt es heute Abend noch mit der Planung für die Infrastruktur beginnen.

  7. 31.

    Elon Musk wird spätestens Ende 2020 zutiefst frustriert aufgeben - Der Behörden-Dschungel im Zusammenhang mit einem unglaublichen Genehmigungsaufwand in Deutschland wird das Projekt stoppen. Für ein Projekt dieser Größenordnung sind 4...8 Jahre "Planfeststellungsverfahren" zu berücksichtigen. Sofern dann keine weiteren Einsprüche von Anwohnern, Naturschützern usw. bestehen kann eventuell mit dem Bau begonnen werden.
    Elon Musk wird wohl seine Gigafactory in Polen, Tschechien, Frankreich... bauen

  8. 30.

    Wer weiß schon, was für Zugeständnisse das Land Brandenburg gemacht hat.
    Und ob 10.000 Arbeitsplätze, die schon Party-Kawasaki feiert, am Ende da heraus springen, bleibt abzuwarten.

  9. 29.

    Was vor allem auffällt: In Brandenburg wurde trotz des Wahlkampfes nichts an die Presse durchgestochen. Hier wäre jede Wirtschaftspolitikerin sofort zu Lokalradio gerannt und hätte sich allein für die Vorgespräche feiern lassen.

  10. 28.

    Das Model Y mit mehr Höhe und der Innenraum mit zehn Prozent mehr Platz – auch eine dritte Sitzreihe wie im Model X ist möglich.Der Kofferraum ist deutlich größer als im Model 3.
    Eindrücklich edel,ein bisschen auch iPhone-mässig,geht die Vergangenheit heute und morgen zugrunde.
    Keiner schafft es wie die Lobbyisten der deutschen Pkw-Hersteller,die Politik auf ihre Seite zu ziehen.
    Die SUVs sind nicht nur beliebt bei den Kunden,sie sind für die Autobauer auch deutlich profitabler.
    Die sichern halt Arbeitsplätze in Deutschland.Die autofreie Zone wird nun zunächst kleiner als ursprünglich geplant.Da bauen wir halt grössere Parkplätze die wir den SUVs anpassen müssen.
    Fortschritt sähe anders aus.

  11. 27.

    Genau so etwas haben die viel kritisierten Hartz4 Reformen vorgesehen...sie sind doch nicht etwa für selbige?

  12. 26.

    Wird auch die Infrastruktur, z.B. Bahnanbindung oder Zufahrtsstraßen und Parkplätze für so eine große Fabrik angepasst oder passiert das erst wieder wenn der Verkehrskollaps da ist? Ich habe es in Stuttgart bei mehreren Werken erlebt, das um den Schichtwechsel die Straßen zugestaut sind und die Bahnen voll sind, obwohl die Ticketpreise höher sind als in Berlin. Ich würde gern eine Punkteliste sehen die die Infrastrukturmaßnahmen aufgrund dieser Fabrik aufzählt.

  13. 25.

    ' "Arbeitsplätze" sind kein Argument mehr. 10.000 kommen dazu'

    Woher holen Sie denn diese Zahl? Ich gehe davon aus, dass Tesla nicht daran interessiert ist, möglichst viele Menschen einzustellen, sondern auf absehbare Zeit schwarze Zahlen zu schreiben. Entsprechend wird dort eine hochmoderne, automatisierte Produktionsanlage entstehen, und keine Fließbandfabrik aus den 1930-er Jahren. Es sollte mich doch sehr wundern, wenn dort mehr als 1000 Jobs entstehen.

  14. 23.

    So stellen wir uns die Arbeit des MP und einer starken Verwaltung vor: Verschwiegenheit und weiter im Hintergrund arbeiten. Das sehen Investoren gerne. Gerne mehr davon. Nun muss die 2. Fremdsprache als Pflichtfach zum Abi wieder eingeführt werden, dann klappt es auch mit der Bildung.

  15. 22.

    Damit dürfte die Verlängerung der SBahn/ Regionalbahn nach Grünheide geboten sein. Der Engpass am Bhf Erkner muss nun dringend verschwinden. Aber in nur 2-3 Jahren ein Unding oder?

  16. 21.

    @Kai und die ganzen kommentierenden Lausitzer: mehr als rumheulen bekommt ihr nicht auf die Reihe, oder!? Wenn ihr in der Lage seid, dann macht Home Office. Wenn nicht, verwirklicht eine eigene Geschäftsidee oder fahrt halt zu Tesla in die Gabrik. Jedenfalls wird in eurer Jammerburg namens Wohnzimmer von außen wohl kein ein Arbeitsplatz einflattern

  17. 20.

    Hoffentlich werden nicht zu viele Steuer-Milliarden verheizt!

  18. 19.

    Da ist man ja platt! Da wird investiert in einem Landstrich, wo die AfD 27,1 % bei den letzten Landtagswahlen geholt hat! Die SPD auf Platz 2 und die CDU auf Platz 3 verwiesen hat. "Das Vertrauen hier in die Menschen ist groß", waren die Worte von Herrn Woidke zu Anfangs im Interview! Welcher Wandel ist denn da plötzlich geschehen? Wehe dem, der da Schlechtes denkt!

  19. 18.

    Mir fielen so viele andere Standorte ein, die Arbeitsplätze viel nötiger hätten auch, um die Landflucht zu verhindern und den jungen Leuten dort eine Perspektive zu geben.

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