19.11.2019, Brandenburg, Freienbrink: Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin. In dem riesigen Waldgebiet im Hintergrund plant Tesla den Bau einer Gigafactory. (Quelle: dpa/Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 22.11.2019 | Andreas Hewel, Andreas Oppermann | Bild: dpa/Pleul

Erstes Treffen in Potsdam - Brandenburger Tesla-Taskforce hat die Arbeit aufgenommen

Der Zeitplan für das angekündigte Tesla-Werk in Grünheide ist ehrgeizig: Bereits 2021 soll die Produktion in der Gigafactory starten. Damit das gelingen kann, wollen Politiker von Land und Kommune in einer Taskforce eng mit Tesla zusammenarbeiten. 

Die neu gegründete Taskforce zum geplanten Bau des Tesla-Werks in Grünheide (Oder-Spree) ist am Freitag zum ersten Mal zusammengekommen. Zu ihr gehören Vertreter des US-E-Autobauers, die Ressortchefs von Ministerien sowie Vertreter von Kommune und Landkreis. Unter Leitung von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wird die Gruppe Planung, Bau und Inbetriebnahme der Fabrik unterstützen. Dafür sind regelmäßige Treffen geplant.

Genehmigungsverfahren wird gebündelt

Eine Prüfung zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen, soll nach Angaben von Wirtschaftsminsiter Jörg Steinbach (SPD) möglichst schnell durchgeführt werden. Es würden alle betroffenen Ressorts mit eingeschlossen, sagte der Minister dem rbb, um mit einem einzigen Verfahren die Gesamtgenehmigung zu erreichen. "Wir hoffen, dass bis zum Januar alles über die Bühne ist", sagte Steinbach. 

Ob das Land des Tesla-Werks mit Subventionen unterstützen wird, ist noch unklar. "So weit sind wir noch nicht", sagte Steinbachs Parteigenossin und Finanzministerin, Kathrin Lange, am Freitagabend Brandenburg aktuell. Auch sie ist Teil der Taskforce. Erst einmal gehe es darum, das Projekt zur Baureife zu bringen, so Lange.

Grünheides Bürgermeister hofft auf bessere Verkehrsanbindung

Dass für das Tesla-Werk etwa 70 Hektar Kiefernwald gerodet werden müssen, ist für den neuen Umweltminister Axel Vogel (Grüne) kein Problem, weil für jeden gefällten Baum drei neue gepflanzt werden sollen. Das Areal für das künftige Tesla-Werk sei ein ausgewiesenes Industriegebiet, so Vogel: "Dort ist Wald, dort stehen Bäume. Und wenn wir das Industriegebiet in Anspruch nehmen wollen, müssen die Bäume gerodet werden."

Unterdessen hofft der Bügermeister von Grünheide, Arne Christiani (parteilos), auf eine bessere Verkehrsanbindung für den Ort. Er schlägt zum Beispiel vor, die S-Bahnstrecke von Erkner bis mindestens in das Gewerbegebiet zu verlängern. Für die künftigen Beschäftigten könnte in Grünheide ein neues Wohngebiet entstehen. Dafür müsste aber der Landesentwicklungsplan erweitert werden.

Opposition und Umweltschützer skeptisch

Neben viel Begeisterung über die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk hatte es zuletzt auch kritische Stimmen zur geplanten Gigafactory gegeben: So warnt die Brandenburger Linke davor, dass der Autobauer das niedrigere Lohnniveau im Vergleich zu westdeutschen Bundesländern ausnutzen könnte. Tariflöhne müssten eine feste Vorgabe bei der Ansiedlung sein, forderte Linken-Fraktionschef Sebastian Walter.

Die Freien Wähler verlangen zudem Transparenz bei der Vergabe von Fördergeldern. Sie wollen darauf drängen, dass entsprechende Zusagen des Landes unter anderem an die Zahl der tatsächlich geschaffenen Arbeitsplätze geknüpft werden.

Auch Umweltschützer sind skeptisch - trotz der Ankündigung von Tesla, in Grünheide CO2-neutral produzieren zu wollen. So kritisierte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), in der Gigafactory sollten nur SUV gebaut werden, Luxusautos allein würden bei der Verkehrswende aber nicht helfen. Der Naturschutzbund (Nabu) sorgt sich um den Artenschutz auf dem für das Werk vorgesehenen Areal.

Wirtschaftsminister hofft auf weitere Ansiedlungen

Neben Steinbach, Lange, Vogel und Christiani waren zum ersten Treffen auch Staatskanzleichefin Kathrin Schneider und Rolf Lindemann (SPD), der Landrat des Kreises Oder-Spree, eingeladen.

Tesla-Chef Musk hatte jüngst überraschend angekündigt, vier Milliarden Euro in eine Gigafactory nahe der Autobahn A10 in Grünheide zu investieren. Über 3.000 Arbeitsplätze sollen in der ersten Ausbaustufe entstehen, am Ende könnten es bis zu 8.000 sein. In Grünheide sollen neben dem SUV "Model Y" auch Batterien produziert werden. Wirtschaftsminister Steinbach hofft, dass bei einer erfolgreichen Tesla-Ansiedlung weitere Unternehmen angezogen werden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.11.2019, 19:30 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Es ist leider sehr irreführend, dass in der Berichterstattung nahezu ausnahmslos die freie Fläche des GVZ Freienbrink Süd gezeigt wird. Das Tesla-Werk ist bedeutend größer geplant und soll auf der Fläche von 300ha Wald nördlich dieses GVZ entstehen. Man kann ihn im Bildhintergrund sehen.
    Keine Ahnung, warum heute noch so viel Wald geopfert wird für eine Autofabrik. Es gäbe sicher andere freie Flächen, wo der ökologische Verlust geringer wäre. Es ist zwar Wald mit hohem Kieferanteil, aber auch dieser befindet sich im Umbau und hat schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel - in Sachen Natur- und Umweltschutz wertlos, wie oft geäußert, ist das keineswegs.

  2. 14.

    Markt-liberales Geschwurbel hat uns genau dahin gebracht, wo wir jetzt stehen. Es ist leider zu verorten, dass der Mensch sich unvernünftig verhält und solange nicht die wahren Kosten in motorisierte Individualmobilität eingepreist werden, wird sich das nicht ändern: Nicht-Autofahrer dürfen Autofahrer aushalten. Mit Geld, Nerven und manchmal der eigenen Gesundheit oder sogar dem eigenen Leben. Wenn wir das nicht ändern, wird das weiter eine ungerechte und umweltfeindliche Konstruktion bleiben.

  3. 13.

    Gemach.

    Demokratie ist nicht für die Wirtschaft da, die Wirtschaft wäre als Teil der demokratischen Gesellschaft anzusehen. Ansonsten sollte sich dieses Staatswesen ehrlicherweise anders benennen.

  4. 12.

    Nur mit dem Unterschied bei Tesla: Hier baut ein privater Unternehmer mit einem privaten leistungs- und zeilorientierten Projektsteuerer und Generalunternehmer und nicht wie beim BER aus der politischen Keine-Ahnung-von... Ecke. Wichtig ist nur, dass die organisatorischen Verwaltungsgremien für die Erschließung, Genehmigungen usw. sich einmal sputen müssen. Privatwirtschaftliche Investitionen müssen so schnell als möglich wieder Geld einspielen, solange diese Fortbewegungs-Technologie noch nachgefragt ist. Wer weiß, was in 10 Jahren aktuell ist...

  5. 10.

    Was hat das mit Brandenburg zu tun? Tesla wird eine Firma mit dem Bau beauftragen. Wenn sie ein glückliches Händchen haben finden sie jemanden der das kann. Ist am Ende auch eine Frage des Preises. Beim BER, auf den Sie sicher ansprechen, war doch der erste Fehltritt daß Politiker der Meinung waren, sie könnten einen Flughafen besser und billiger bauen als ein Generalunternehmer. Dann alles in kleine Lose aufzuteilen und die vielen Firmen ohne Gesamtaufsicht drauflosbauen lassen war der Anfang vom Ende. Zahlreiche Änderungen während des Baus besiegelten den Untergang.
    Schauen Sie sich an in welcher Geschwindigkeit Amazon sein Logistikzentrum hinstellt.

  6. 7.

    Die Frage wer am Desaster BER mehr Anteil hat ist noch nicht beantwortet.
    Es könnte auch Berlin sein.

  7. 6.

    Brandenburg und Großbaustelle - auweia !
    Ich befürchte, das wird ein Riesendesaster.....

  8. 5.

    ----" ZITAT "------
    Der Zeitplan für das angekündigte Tesla-Werk in Grünheide ist ehrgeizig: Bereits 2021 soll die Produktion in der Gigafactory starten. Damit das gelingen kann, wollen Politiker von Land und Kommune in einer Taskforce eng mit Tesla zusammenarbeiten.
    FRAGE:
    so etwas war beim BER wohl nicht möglich : ZEITPLAN

  9. 4.

    Klasse Grundidee mit großem/r Schwachsinnsfaktor/y:
    An der Idee des Elektroautos scheiden sich eh die Geister, z.Bsp. wegen des Herstellungsprozesses, der Energieart, welche den Antrieb aufläd, der umwelt- und menschenrechtsschädlichen Rohstoffgewinnung für die Akkus und und und. Aber der Knüller ist ja, eine CO-2-neutrale Produktionsstätte für ein veraltetes und bald aus der Mode kommendes Fahrzeugsegment bauen zu wollen, welches schon in sich ein Oxymoron darstellt, denn umweltfreundliches Elektro-SUV ist ungefähr so sinnvoll und unmöglich wie flüssiger Klostein. Gerade bei E-Autos wäre ja der Ansatz zielführend, ein kleines, leichtes, ressourcenschonendes, recycelfähiges und für die Mehrheit der Mobilitätsteilnehmer*Innen auch erschwingliches Auto anzubieten. Manche Hersteller gehen eher diesen Weg - nur am UVP hapert es noch.

  10. 3.

    Der Umweltschutz ist mir eigentlich egal, zumal viele Teile beim Tesla Sondermüll nach einem Unfall sind. Interessant ist jedoch die Antriebsart die durch weniger bewegter Teile theoretisch wartungsärmer ist. Aber das wird noch sicher mindestens 10 Jahre dauern bis man sich das leisten kann. Warum wird eigentlich nicht der Umbau eines alten Verbrenners gefördert? Das sollte wohl jegliche Interessen der Politik aufzeigen.

  11. 2.

    Die Konsumenten und Verkehrsteilnehmer werden entscheiden wie sich zukünftig fortbewegen möchten.

  12. 1.

    Es gibt ja nahezu immer irgendwelche Eigendynamiken, die in Rechnung gestellt werden müssen. Die Ergebnisse dieser Eigendynamiken sehen dann oft genug ganz anders aus als die Beteiligten es vorher beteuerten.

    Das Elektro-Auto ist besser als ein durch fossile Kraftstoffe angetriebenes Auto, umweltfreundlicher in allen Aspekten ist es jedoch keineswegs. Das Belegen wertvoller städtischer Flächen ist beim E-Auto nicht geringer, die Fahrkultur in Widerspiegelung der Modellpalette wird keine bessere sein.

    Es wird zwar leiser, aber nicht friedlicher auf den Straßen zugehen und leerer wird es auch nicht - solange nicht Elektromobilität als umfassender Ansatz verstanden wird. Über 100 Jahre existiert sie schon auf der (stätischen) Schiene, ZUSÄTZLICH jetzt auch noch als Kfz. So kann ein "Schuh" draus werden.

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