Das Tesla-Werk Gigafactory 3 in Shanghai wurde innerhalb von 6 Monaten gebaut. (Quelle: imago-images/VCG)
Video: Brandenburg Aktuell | 13.11.2019 | Christoph Hölscher, Gespräch mit Dietmar Woidke | Bild: imago-images/VCG

Politik hofft auf Tausende Jobs - Erstes Tesla-Auto in Brandenburg soll 2021 vom Band laufen

Die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, in Brandenburg ein Werk für Elektroautos und Batterien zu errichten, ist im Land positiv aufgenommen worden. Mehrere Tausend Arbeitsplätze sollen entstehen. Allerdings gibt es auch mahnende Worte.

Die Bauarbeiten für das angekündigte Tesla-Werk in Brandenburg sollen zügig beginnen, der Baustart ist laut Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach für das erste Quartal 2020 geplant. Produktionsstart solle dann 2021 sein. "Wenn wir das wirklich schaffen, dass im ersten Halbjahr 2021 das erste Auto vom Band rollt, dann ist das auch ein Beweis für die Flexibilität der Brandenburger Verwaltung. Und ich glaube, das könnte auch ein Signal für weitere Ansiedlungen sein", hofft Steinbach.

Am Dienstag hatte der Tesla-Gründer Elon Musk überraschend bekanntgegeben, in Brandenburg seine vierte sogenannte "Gigafactory" bauen zu wollen. So bezeichnet das Unternehmen Fabriken in denen sowohl Autos als auch Batterien gebaut werden. In Grünheide sollen zunächst der künftige Kompakt-Sportgeländewagen Model Y sowie auch Batterien und Antriebe produziert werden.

Brandenburg spricht von bis zu 8.000 Arbeitsplätzen

In der ersten Stufe solle die Tesla-Fabrik über 3.000 Arbeitsplätze bringen, sagte Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach. Wenn das so realisiert werde, sei es die größte Industrieansiedlung in Brandenburg seit 1990 – also seit Gründung des Bundeslandes. Orientiert an der Planung für die Tesla-Fabrik in Schanghai sagte er, dann "wären wir vermutlich bei 7.000 bis 8.000 Arbeitsplätzen". Die Investitionen lägen in mehrfacher Milliardenhöhe.

Die Fabrik soll nach Angaben von Steinbach auf eine ausgewiesene Industriefläche in Grünheide-Freienbrink (Kreis Oder-Spree) kommen, wo auch mal eine BMW-Ansiedlung geplant war. Der Autokonzern hatte sich damals dann allerdings für Leipzig entschieden.

Tesla wählte Grünheide aus mehreren Standort-Angeboten

"Dass der Standort sich im europaweiten Vergleich durchgesetzt hat, ist schon eine Riesennummer für unser Land", sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke am Mittwoch dem rbb. Nach seiner Ansicht war neben der Nähe zu Berlin auch der hohe Anteil Erneuerbarer Energien in Brandenburg entscheidend für die Standortwahl. 

Brandenburg hat nach Angaben des Regierungschefs seit fünf bis sechs Monaten mit Tesla verhandelt. "Wir haben verschiedene Standorte angeboten, und die Standortauswahl hat dann Tesla getroffen", sagte Woidke. "Deutsches Genehmigungsrecht und alles, was damit zu tun hat, hat für Amerikaner schon eine gewisse Erfahrung. Und das hat es und sicherlich in dem Prozess nicht einfacher gemacht", sagte Wirtschaftsminister Steinbach über die Verhandlungen.

Steinbach betonte, ausschlaggebend für die Entscheidung Teslas sei der gute Standort in Grünheide gewesen. Hier gebe es ein 300 Hektar großes Grundstück mit einer Eisenbahnlinie und einem Bahnhof. Dazu komme die Anbindung an die A10 sowie die Nähe zum künftigen Flughafen BER. 

"Vorgezogenes Weihnachtsfest"

Neben dem Werk in Brandenburg will Tesla in Berlin ein Entwicklungszentrum gründen.  Die Pläne hierfür sind allerdings noch unkonkret. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bot das Gelände des Flughafens Tegel nach dessen Stilllegung als Standort an.

Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, beurteilte die "großartige Nachricht" für die Hauptstadtregion als "ein vorgezogenes  Weihnachtsfest". "Brandenburg und Berlin müssen nun die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Investition von Tesla zügig umgesetzt werden kann."

Linke und Grüne fordern gute Arbeitsbedingungen

Dagegen mahnte Brandenburgs Grünen-Landeschef Clemens Rostock, Tesla solle "nicht nur geografisch, sondern auch bei den tariflichen Arbeitsbedingungen in Brandenburg" ankommen. Deutlicher wurde der Vorsitzende der Linke-Fraktion, Sebastian Walter: "Leider ist Herr Musk in den USA nicht nur durch positive Visionen aufgefallen, sondern auch durch schlechte Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsfeindlichkeit." Er forderte, Tesla müsse sich und das Betriebsverfassungsrecht und an die Tarifbindung halten.

Und der Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam, Peter Heydenbluth, gab zu bedenken, dass nun noch einmal zusätzlich der Druck wachse, den BER fertigzustellen. Der künftige Hauptstadtflughafen ist etwa 25 Autominuten vom geplanten Standort für das Tesla-Werk entfernt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.11.2019. 19:30 Uhr

Kommentar

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48 Kommentare

  1. 48.

    "Erstes Tesla-Auto in Brandenburg soll 2021 vom Band laufen"
    Glaube ich nicht, wohl eher:
    "Erstes Tesla-Auto in Polen soll 2021 vom Band laufen"

  2. 47.

    E-Mobilität wird die Umweltzerstörung verschärfen. Giftige Batteriechemikalien in einem Schutzgebiet und intakten Waldgebiet zu bearbeiten zerstört die Umwelt. Ein intakter Wald kompensiert CO2, nicht Neupflanzung.
    Die Politik läßt sich von einem Hochstapler unter Druck setzen und betrügen: Steuergeldsubventionen werden von Tesla abkassiert. Die einzige Autobahnabfahrt am Berliner Ring ist für ein Industriegelände ein Nadelöhr, das Gelände liegt inmitten eines dichten Seengebietes und nahe dem geschützten Spreeuferbereich: künftige Spreehochwasser werden durch die Batterieproduktionshallen schwerste Umweltschäden, Grundwasservergiftung bringen. Das Verkehrschaos ist vorprogrammiert; volkswirtschaftlicher Schaden durch irreale und schädliche Arbeitsplatzversprechen wie z.B. am BER auch die seit Jahrzehnten fehlenden Arbeitsplätze!

  3. 46.

    Zuerst einmal danke für die Antwort auf einen meiner mittlerweile sehr wenigen Kommentare hier im Forum. Ich bin auch nicht gerade begeistert darüber, wenn soviel an Wald ( Monokulturen ) für die Tesla Fabrik wegfallen soll. Andererseits hoffe ich darauf, das für die Brandenburger endlich auch mal Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird. Deshalb versuche ich auch alles positiv zu sehen. Ich wünsche Ihnen ein schönes stressfreies Wochenende.

  4. 44.

    Ja , sorry, Fehler erkannt. Hilft aber dem Wald auch nicht.
    Wenn sogar Wald wegen Windräder (anderes Thema )gefällt wird(Pläne?), ist es mir egal welche Partei dafür ist, ich finde es nicht gut.

  5. 43.

    Naja , es war die vier Buchstaben Zeitung. In einem vorherigen Kommentar hatte ich ja geschrieben, das erst eine Absichtserklärung unterzeichnet wurde. Und , nein, 300 ha gefällter Wald ist für mich keine gute Nachricht. Positiv bin ich schon mein ganzes Leben lang , weil ,es geht immer irgendwie weiter. Das ist doch bei ihnen auch so, wenn ich immer ihre Kommentare lese. Bei mir ruft gleich die Arbeit,deshalb, ihnen einen schönen Tag noch.

  6. 42.

    Träumen kann man ja! Geträumt haben die Menschen auch, als die große Halle von Cargolifter gebaut wurde und man schon überall Zeppeline hat fliegen sehen! Nun ist es ein Spaßbad geworden, besser bekannt unter Tropical Island, mit Millionen Steuergeldern subventioniert, damit überhaupt noch etwas daraus wurde! Geträumt wurde von der Formel 1 in Brandenburg, mit dem Bau des Lausitzring und was fährt da jetzt? Jedenfalls nicht die Formel 1 und jetzt träumt man in Brandenburg von einem riesigen Autowerk mit 7000 Angestellten, ohne Bahntrasse, mit einer Landstraße, mit Rehakliniken und Altenheimen!
    Sachsen Anhalt ist das Land der Frühaufsteher und Brandenburg das Land der Träumer!

  7. 41.

    Wie sagt Frau Pop doch gleich: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich glaube mehr muß zu diesem Thema nicht gesagt werden.

  8. 40.

    Prinzipiell eine gute Nachricht. Da die Angestellten in Grünheide in Berlin wohnen können, werden sich Menschen aus der ganzen Welt bewerben. Dass da alle oder auch nur die meisten Arbeitsplätze mit Menschen aus der Region besetzt werden, bezweifle ich. Aber wir werden sehen.

  9. 39.

    Welch Zeitung? Und überhaupt. Noch ist gar nichts in trockene Tücher. Und wieso können nicht auch Sie sich mal über solch eine gute Nachricht freuen? Immer schön positiv bleiben.

  10. 38.

    Schön wenn das was wird, aber ich befürchte das wird wieder eine Nullnummer wie Cargolifer oder die Solarfabriken. "Grünheide liegt an einer Bahnlinie". Dann hoffe ich mal das der seit Jahren brachliegenden Güterbahnhof Freienbrink, welche von den ansässigen Firmen ignoriert wird, endlich genutzt wird und nicht noch mehr Dieseldreck-LKWs die Straßen verstopfen.

  11. 35.

    Also meine Computer laufen alle ohne 5G. Liegt vielleicht daran, daß die ein richtiges OS haben ;-).
    Tesla wird mit brandenburgischen Fördermillionen bestimmt bekommen, worauf Brandenburger Bürger noch Jahrzehnte warten dürfen: z.B. ein Gigabit-Glasfasernetz. Passt ja auch besser zu einer Giga-Factory als zu einem Dörfler.

  12. 34.

    Sollten da wirklich Menschen (!) arbeiten (Digitalisierung?), dann frage ich mich, wo die wohnen sollen. Sollten da welche wohnen, dürfen es nur Singles sein. Schulen? Busse? Infrastruktur? Sollten da nur Berliner arbeiten, bin ich auf das Verkehrschaos gespannt. Aber warum sollten Berliner da arbeiten? Und die, die arbeitslos sind, sind es, weil sie eine mangelnde Quali haben, auch für Tesla. Nur der Versandhandel wird wie immer profitieren - die Leute müssen ja von irgendwas leben... womit wir wieder beim Anfang wären - Menschen?

  13. 33.

    Kennen wir doch längst. Herumgemosert wird doch in Berlin ständig. Ich freue mich über diese Nachricht und hoffe insbesonders für die Brandenburger, das Herr Musk seinen Worten Taten folgen läßt.

  14. 32.

    Und so holen wir uns die Konkurrenz für die deutschen Elektroautobauer ins Land und freuen uns auch noch darüber ?

  15. 31.

    Volle Zustimmung. Hier bin ich voll und ganz auf Seiten der Brandenburger. Freue mich ebenso über solch eine positive Nachricht. Denn Zeit wird es. Bleibt nur zu wünschen, das es auch dabei bleibt. Habe gerade über Elon Musk die Tagesschau Nachrichten gelesen und er scheint ein Tausendsassa zu sein. Ich drücke fest die Daumen das dieser Mann auch zu seinem Wort steht.

  16. 30.

    Gerade in der Zeitung gelesen ,300 ha Wald sollen fallen ! Und das soll grüne Politik sein? Mir fehlen die Worte.

  17. 29.

    Ich meine eher den Fakt, dass Brandenburg nicht den selben Fehler wie bei der Solarenergie macht, wo ,, Foerdergelder " am Ende durch Blauaeugigkeit verbrannt wurde.
    Brandenburger Politiker haben da so ihre Erfahrung, wenn Sie das Zauberwort Arbeitsplätze hören.
    Sorry

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