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Audio: Inforadio | 27.11.2019 | Dominik Lenz | Bild: rbb/Thomas Lütz

Verstärkter Ausbau - Brandenburger sollen von Windrädern finanziell profitieren

Wegen des absehbaren Endes der Braunkohle-Förderung wirbt die Brandenburger Landesregierung verstärkt für Erneuerbare Energien, vor allem Windkraft. Finanzielle Neuregelungen sollen die Akzeptanz erhöhen. Von Dominik Lenz

Lange Zeit mahnte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Erneuerbare Energien seien nicht zuverlässig. Es brauche auch weiterhin die konventionellen Energieträger. Die lautesten Töne zum Thema Energie aus Brandenburg waren diese: "Die Braunkohle ist derzeit nicht ersetzbar."

Woidke lobt Brandenburg als Erneuerbarer Energien

Das hat sich inzwischen radikal geändert, spätestens mit der Verkündung des offiziellen Endes der Braunkohleverstromung bis 2038. Inzwischen lobt der Ministerpräsident Brandenburg gern als das Bundesland mit der höchsten Produktion erneuerbaren Stroms pro Kopf. "Wir haben den Rohstoff der Zukunft: Erneuerbare Energien", meint Woidke und verweist auf Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und ein bisschen Wasserkraft. Bis zum Jahr 2030 sollen Erneuerbare Energien einen Anteil von mindestens 40 Prozent am Endenergieverbrauch betragen, und zwar mit einem Energiemix, betont SPD-Energieminister Jörg Steinbach.

Weniger Windräder dieses Jahr gebaut

"Die Photovoltaik haben wir deutlich stärker nach vorne gestellt, damit wir in der Summe der Erneuerbaren Energien definitiv einen sichtbaren Anwuchs haben", heißt es von Steinbach. "Ich glaube, es ist am Ende nicht zielführend, immer nur die Einzeltechnologie zu diskutieren."

Derzeit liefert die Braunkohle noch den meisten Strom für Brandenburg. Bei den Erneuerbaren ist es die Windkraft. Gut 3.800 Windräder stehen in der Mark. Knapp 90 wurden vergangenes Jahr neu gebaut. Wenig im Vergleich zu den Jahren davor: 2016 waren es noch mehr als das Doppelte. Der Grund sind auch massive Proteste und Klageverfahren.

Bürgerinitiative klagt erfolgreich gegen neue Windräder

Politisches Sprachrohr sind vor allem die Freien Wähler wie Christine Wernicke. Die ehemalige Bürgermeisterin von Uckerland sitzt seit Kurzem auch im Landtag und sagt: "Eine überlegtere Windkraftpolitik ist notwendig."

Auch der Diplom-Ingenieur Karl-Heinz Konrad ist gegen eine weitere "Verspargelung" der Landschaft. 2017 war er Mitbegründer der Bürgerinitiative Gegenwind. Erfolgreich protestierte er gegen neue Windräder in seinem Heimatort im Havelland, "dass auf dem Standort Ketzin weitere 17 Windenergieanlagen errichtet werden", wie er sagt.

195 Windräder stehen in direkter Umgebung im Windeignungsgebiet Nauener Platte. Die Beschwerden der Anwohner reichen von getöteten Tieren, Lärm und Sichtbelästigung bis zum Wertverlust von Grundstücken - und das sei unakzeptabel, so Konrad.

Stärkere finanzielle Beteiligung

Um trotz allem ausbauen zu können, will die Landesregierung nun die Akzeptanz für die Windkraft mit einer Abstandsregelung zu Siedlungen erhöhen, und mit dem - bundesweit einmaligen - Windkraft-Euro.

Kommunen sollen finanziell auch an neuen oder erneuerten Windrädern beteiligt werden, um so die Attraktivität der Windanlagen zu erhöhen. Denn, so Wirtschaftsminister Steinbach, mit der Windkraft sei es wie mit der Wurst: Essen wollen sie viele. Nur mit der Produktion will kaum jemand etwas zu tun haben.

Beitrag von Dominik Lenz

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11 Kommentare

  1. 11.

    Kaum gibt's Kohle, ist komischer Weise Infraschall, Schattenwurf usw nicht mehr so schlimm. Nee is klar Alta.
    Steuern sollten da bezahlt werden, wo der Umsatz erwirtschaftet wird und nicht da, wo die Verwaltung sitzt.
    Kauft einer aus McPom einen BMW landet alles in Bayern, kauft er einen VW in Wolfsburg. DAS ist das absurde.

  2. 10.

    Jau bin auch für Großwindparks in unseren Großstädten. Erstes Pilotprojekt Großwindpark flächendeckend in Berlin wäre schon mal gut. Hat entscheidende Vorteile, dann können endlich die unschönen mittelalterlichen 110KV Leitungen nach Berlin abgebaut werden. Dreckigen Kohlestrom wollen sie ja auch nicht mehr. Strom gibt es dann zwar nur noch bei Wind aber alles kann man eben nicht haben! Aber Speicher sind ja heute kein Problem mehr nur mal Paar Gedanken machen!
    Sehe nicht ein das sich wieder mal auf den Dörfern ausgemistet wird und nur die Windparkbetreiber mit ihrer Dinosauriertechnik absahnen und den Rest mit Paar Euros nach Großgrundbesitzer-Manier abspeisen.

  3. 9.

    Einfach mal die Standort-Grundstücke der WKA von den Bauern im öffentlichen Interesse enteignen und den Mietzins ich glaube so um die 50.000,- Euro p/a wären dann in erster Linie mal für Schallschutz und anderer Beeinträchtigungen der unmittelbar Betroffenen zu verwenden und erst danach sollte man über kleinbürgerliche Dorf-feste oder anderen Schwachsinn nachdenken.
    Man könnte auch die Direktzahlungen an die Bauern als Einkommenssicherung um den durch WKA erzielten Mietzins kürzen, dann hätte sich das Problem eh erledigt.

  4. 8.

    Einfach mal die Standort-Grundstücke der WKA von den Bauern im öffentlichen Interesse enteignen und den Mietzins ich glaube so um die 50.000,- Euro p/a wären dann in erster Linie mal für Schallschutz und anderer Beeinträchtigungen der unmittelbar Betroffenen zu verwenden und erst danach sollte man über kleinbürgerliche Dorf-feste oder anderen Schwachsinn nachdenken.
    Man könnte auch die Direktzahlungen an die Bauern als Einkommenssicherung um den durch WKA erzielten Mietzins kürzen, dann hätte sich das Problem eh erledigt.

  5. 7.

    Windenergie - Irrsinn mit Methode.
    Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte ist seit der Jahrtausendwende um 118 Prozent von 13,94 auf 30,43 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Hierzulande werden europaweit auch die höchsten Strompreise gezahlt.

    Ich persönlich finde die Verschandelung der Landschaft und den brachialen Eingriff verursacht durch Windräder, die inzwischen an die Höhe des Kölner Doms heranreichen, entsetzlich.
    Wer will da auf dem Lande noch Urlaub machen? Die Bodenpreise von Immobilien sacken ab und das Ärzteblatt schreibt von den völlig unerforschten gesundheitlichen Gefahren, verursacht durch Infraschall von Windrädern.

    Und, der Hauptkritikpunkt, zur Stromversorgung als Ersatz der bisherigen Energieerzeuger sind Windräder unbrauchbar. Sie sind nicht grundlastfähig.

    Im ersten Quartal zahlten die Verbraucher Hunderte Millionen Euro für Strom aus Windkraftanlagen, der nie produziert wurde. Die Rede ist von "Geisterstrom".

  6. 6.


    Wenn das wirklich so einfach wäre, dann gebe das Tempelhofer Feld einen idealen Standort ab. Viele der Befürworter dieser energieart wohnen doch im Umfeld.

  7. 5.

    @Redaktion rbb24: Nach der knackigen Überschrift gibt es nur zwei dünne Absätze am Ende des Artikels zur beabsichtigten Beteiligung - das ist deutlich zu wenig Recherche für den Artikel. Bitte etwas Butter bei die Fische, danke.

  8. 4.

    Alles schön und gut. Aber wie sieht es mit beeinträchtigungen der Gesundheit von in der Nähe wohnenden Bewohnern aus? Wie können Felder mit darauf stehenden Windrädern noch wirtschaftlich von den Bauern bearbeitet werden?

  9. 3.

    Die Bürger vor Ort müssen finanziell von den Windrädern profitieren, dann ist die die Akzeptanz auch größer.
    Man muss zudem Windräder an Autobahnen bauen, diese sind doch viel lauter als ein Windrad.

  10. 2.

    Das ist theoretisch ein Guter Vorsatz. Praktisch gibt es schon eine Erfolgsprämie für die Kommunen, die Windräder aufstellen lassen.
    Leider wird der Erfolg von den Windradbetreibern so beeinflusst, dass die Kommunen leer ausgehen, wie ein Interview des RBB mit dem Bürgermeister von Niemegk, das vor einigen Monaten geführt wurde, belegt

  11. 1.

    Absolut richtiger Vorstoß. Gebt den beteiligten Gemeinden 5% o.ä vom Umsatz und bei 5000€ pro Jahr pro Windrad will jeder die Dinger haben.

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