Collage: Eine Aneinanderreihung von 10 Orten an denen Berlin zu lange und zu teuer gebaut hat (Bild: dpa/imago images)
dpa/imago images
Video: rbb|24 | 11.12.2019 | Bild: dpa/imago images

Großbaustellen in Berlin - An diesen zehn Orten wird zu teuer und zu lange gebaut

BND-Zentrale, Humboldt-Forum, ZOB oder Pergamonmuseum: Große Bauvorhaben in Berlin dauern oft länger als geplant und werden dann auch deutlich teurer. Ein Überblick für alle, die den Überblick verloren haben.

Am Freitag wurden neue Zahlen für den Umbau des Pergamonmuseums auf der Berliner Museumsinsel bekannt: Rund 800 Millionen Euro könnte laut einem Bericht der "Tagesspiegel" der jahrelange Umbau bei laufendem Betrieb am Ende kosten - statt der geplanten 430 Millionen Euro. 

Die Kostenexplosion ist in Berlin keine Ausnahme. Aus aktuellem Anlass eine Übersicht:

Das Dokumentationszentrum zu Flucht und Vertreibung (Bild: dpa/Wolfgang Kumm)
| Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Dokumentations- und Informationszentrum zu Flucht und Vertreibung – 22,5 Millionen teurer, fünf Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 37,6 Millionen Euro
  • mittlerweile veranschlagt: 60 Millionen Euro
  • geplante Eröffnung: 2016
  • bauliche Fertigstellung: 2019
  • neuer Eröffnungstermin: 2021
  • Bauherr: Bund
Die Baustelle des Zentralen Omnibusbahnhofs in Berlin (Bild: dpa/Arne Bänsch)
| Bild: dpa/Arne Bänsch

Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB)  – 26 Millionen teurer, zwei Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 14 Millionen Euro
  • mittlerweile veranschlagt: 40 Millionen Euro
  • geplante Fertigstellung: Mitte 2020
  • voraussichtliche Fertigstellung: 2022
  • Bauherr: Berlin
Das Humboldt-Forum in Berlin (Bild: imago images/Christian Thiel)
| Bild: imago images/Christian Thiel

Humboldt-Forum – 44 Millionen Euro teurer, ein Jahr Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: rund 600 Millionen Euro
  • mittlerweile veranschlagt: 644 Millionen Euro
  • ursprünglicher Eröffnungstermin: ab Ende 2019
  • Eröffnung jetzt etappenweise geplant: ab Ende 2020
  • Bauherr: Bund
Die Simon Galerie in Berlin (Bild:imago images/Reiner Zensen)
| Bild: imago images/Reiner Zensen

James-Simon-Galerie – 63 Millionen teurer, fünf Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 71 Millionen Euro
  • tatsächliche Kosten: 134 Millionen Euro
  • geplante Fertigstellung: 2013
  • tatsächliche Eröffnung: Juli 2019
  • Bauherr: Bund
Die Staatsbibliothek unter den Linden (Bild: dpa/Soeder)
| Bild: dpa/Soeder

Staatsbibliothek Unter den Linden – 144 Millionen teurer, sieben Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 326 Millionen Euro
  • tatsächliche Kosten: 470 Millionen Euro
  • geplante Fertigstellung: 2012
  • Schlüsselübergabe: November 2019
  • Eröffnung: Frühjahr 2020
  • Bauherr: Bund
Ein Restaurateur arbeitet während den Bauarbeiten am Staatstheater unter den Linden (Bild: dpa/Maurizio Gambarini)
| Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Staatsoper Unter den Linden – 161 Millionen teurer, vier Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 239 Millionen Euro
  • tatsächliche Kosten: rund 400 Millionen Euro
  • geplante Fertigstellung: 3. Oktober 2013
  • tatsächliche Wiedereröffnung: 3. Oktober 2017
  • Bauherr: Bund
Der Eingang zum Pergamonmuseum während der Bauzeit (Bild: dpa/Britta Pedersen)
| Bild: dpa/Britta Pedersen

Pergamonmuseum - (erster Bauabschnitt) 216 Millionen Euro teurer, bis zu sechs Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 261 Millionen Euro
  • mittlerweile geschätzt: 477 Millionen Euro
  • ursprünglich geplante Wiedereröffnung des Pergamonaltars: 2019
  • jetzt anvisiert: 2023, Verlängerung bis 2025 "nicht auszuschließen"
  • Zweiter Bauabschnitt: noch keine Kostenplanung, Dauer unklar
  • Bauherr: Bund
Ein Modellbau des Museums der Moderne (Bild: dpa/Jens Kalaene)
| Bild: dpa/Jens Kalaene

Museum der Moderne  – 250 Millionen teurer, fünf Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 200 Millionen Euro
  • mittlerweile veranschlagt: 450 Millionen Euro
  • ursprünglich geplante Fertigstellung: 2021
  • erster Spatenstich: 3.12.2019
  • voraussichtliche Fertigstellung: 2026
  • Bauherr: Bund
Das Gebäude des Bundesnachrichtendienstes in Berlin (Bild: dpa/Kay Nietfeld)
| Bild: dpa/Kay Nietfeld

BND-Zentrale – 290 Millionen teurer, sieben Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 720 Millionen Euro
  • tatsächliche Kosten: knapp 1,1 Milliarden Euro
  • geplante Fertigstellung: 2012
  • Einweihung: 8. Februar 2019
  • Bauherr: Bund
Absperrungsgitter stehen in den Gängen des Bauprojektes BER (Bild: dpa/Patrick Pleul)
| Bild: dpa/Patrick Pleul

Flughafen BER – 4,5 Milliarden teurer, neun Jahre Verspätung

  • ursprünglich geplante Kosten: 2 Milliarden Euro
  • mittlerweile veranschlagt: mehr als 6,5 Milliarden Euro
  • ursprünglicher Eröffnungstermin: 30. Oktober 2011
  • aktueller Eröffnungstermin: 31. Oktober 2020
  • Bauherr: Bund

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

17 Kommentare

  1. 17.

    Na wenigstens ist bei allen ausser einem ( und dem BER ) der Bund der Bauherr. Da hat Berlin also nicht versagt.

  2. 16.

    Das ist wohl der Grund, warum der Senat keine Wohnungen baut/ saniert. Und private das viel effizienter erledigen. Deswegen würde ich, wenn ich schlau wäre, die privaten alle vergraulen.
    Zum Beispiel den ZOB auf dem Bild verstehe ich nicht. Die Busse haben Türen auf nur einer Seite oder? Warum hat die Seite ein Dach, wo niemand zusteigt? Man hätte die Hälfte der Dächer sparen können.
    Die Staatsbibliothek: Warum diese Deckenhöhe, hallo Heizkosten und in der Mitte keine Etagen/ Regale. Ich hätte da mindestens 4 Zwischendecken eingezogen oder zumindest die umlaufenden "Balkone" drastisch um das 3 Fache erweitert.

  3. 15.


    Dem Gedanken möchte ich mich anschließen und aus eigener Anschauung den Bahnhof Grenzallee beisteuern. Das ist ein denkmalgeschützter Grenander-Bahnhof, bei dem aus Gründen der Gefahrenabwehr flugs sämtliche Kacheln abgestemmt worden sind. Bis 2019 galt die Denkmalschutzfrist, das alles wieder zu erneuern. Passiert ist derweil nichts.

    Was nicht irgendwo in einem Förderprogramm verankert ist, hat offenbar keine Chance, finanziert zu werden. Überschreitet die tatsächliche Investition das Volumen eines Förderprogramms, ist eine abgebrochene Baustelle die Folge. Das scheint mir bspw. im U-Bhf. Lipschitzallee der Grund zu sein.

    In der Tat: Auf Fahrgäste, die erst gewonnen werden sollen, macht so etwas keinen positiven Eindruck, eher einen abschreckenden. Da hilft auch die pfiffigste Werbeidee nichts. Diese Bahnhöfe können nicht geliebt werden.

  4. 14.

    Die Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Ich bin kein Bausachverständiger, habe aber durch persönliche Kontakte einen gewissen Einblick von außen in die Materie. Insofern habe ich mir einfach die Einschätzung eines Nicht-Verstrickten darin erlaubt.

    Meine Einschätzung ist zudem diejenige, dass das zwar Viele wissen, aber niemand sich vorwagt, das zu ändern. Der würde im Handumdrehen in die Tretmühle und zwischen die Fronten geraten.

  5. 13.

    Überall wo Bund als Bauherr drunter steht, hat das nix mit rot-rot-grüner Strategie zu tun.
    Wer lesen kann, ist im Vorteil, war schon immer so...

  6. 12.

    Überall wo Bund als Bauherr drunter steht, hat das nix mit rot-rot-grüner Strategie zu tun.
    Wer lesen kann, ist im Vorteil, war schon immer so...

  7. 11.

    und @ SarkastoBerlinDienstag, 10.12.2019 | 00:22 Uhr

    Und was bitte hat der RRG Senat und der Regierende Bürgermeister von Berlin damit zu tun, wenn bis auf den ZOB alle Projekte der Bund der Bauherr ist? Mal richtig bis zum Ende lesen und Fakten erfassen! Das hilft gegen unqualifizierte Kommentare.

  8. 10.

    Soweit ich weiß war in den letzten Jahren auch die CDU mit an der Macht und um nur beim Museum der Moderne zu bleiben ist das ja ebenfalls eher ein Produkt von Monika Grütters ( CDU ) und weniger von rot rot . Von anderen Dingen wie den Bankenskandal u.ä. möchte ich gar nicht erst anfangen denn auch das sind alles Produkte der Berliner CDU wo es um Milliarden geht .

  9. 9.

    Das Bild sollte man als Poster verkaufen.

  10. 8.

    Machen Sie doch mal was über die vielen U-Bahnhöfe, die sich seit Jahren als Baustellen präsentieren: Rathaus Steglitz, Schloßstraße, Walther-Schreiber-Platz, Bismarckstraße, Yorckstraße ... die Liste ist lang. Teils ist nach Jahren ein leicher Fortschritt erkennbar, teils seit Jahren NICHT. Ich stelle mir vor, wie solche Stationen auf Autofahrer wirken müssen, die mal die U-Bahn ausprobieren wollen. Ganz zu schweigen von deren zunehmender genereller Verwahrlosung.

  11. 6.

    Interessanter, erschreckender und zornig machender Ueberblick vom rbb - plausible Erklaerungsansaetze v Hrn Krueger, danke! Eine Frage aber: Bei 9 der 10 Projekte wird als Bauherr der Bund genannt. Hat dort dann trotzdem die Berliner Verwaltung den Hut auf, was die Durchfuehrung betrifft?

  12. 5.

    Ich wüsste gerne mal, wieso solche Bauten immer gleich HUNDERTE MILLIONEN kosten(müssen)? Wenn man mal vergleicht, was man für eine einzelne Million schon für eine Villa bauen könnte, fehlt mir da doch irgendwie die Verhältnismäßigkeit... Eine einzige Galerie für 164 Millionen Euro - geht's noch? Aber es sind ja "nur" unsere Steuergelder, die da verschleudert werden, obwohl sie an anderer Stelle dringend gebraucht und nicht ausgegeben werden (z.B. für marode Schulen). Derart unfähige Planer, die sich um zig Millionen verrechnen, sollten allesamt auf Lebenszeit Berufsverbot bekommen.

  13. 4.

    Hauptsache der Regierende Bürgermeister hat ein großes schwarzes Auto.

  14. 3.

    Genau so ist es.

    Schade, dass nur Probleme gezeigt werden und nie Lösungen oder Ursachen gesucht. Erst ein gewisser Herr Krüger kommt auf solche Gedanken.

  15. 2.

    ist das vielleicht Rot-Rot-Grüne Strategie?

  16. 1.

    Ich sehe drei wesentliche Ursachen für derlei Dinge, unabhängig von Berlin, auch unabhängig davon, welche "Farbe" jeweils das Sagen hat:

    1. Die Kalkulation von Großprojekten wird beständig zu niedrig angesetzt - dies nicht aus Unwissenheit, sondern weil es leichter ist, sie so in den jeweiligen Haushalten unterzubringen, als von vornherein "reinen Wein" einzuschenken. Die tatsächlichen Kosten summieren sich dann in Form von Nachforderungen für so bez. Nebenleistungen auf.

    2. Während des Baus kommt es zu wesentlichen Planänderungen. Dies nicht deshalb, weil bspw. der Baugrund dafür Anlass gäbe, sondern die geänderten Vorstellungen des Bauherrn. Dies wirft die bisherigen Planungen quasi über den Haufen.

    3. Vor allem vglw. kleinere Baubetriebe werden finanziell bei den Zahlungszielen hingehalten. Um ihre Liquidität zu sichern, nehmen die Betriebe Parallelaufträge an, die sie auch noch bedienen müssen. Deshalb wird auf vielen Baustellen anschaulich oft nicht gearbeitet.

Das könnte Sie auch interessieren