An der Postbankfiliale im Berliner Mühlenberg-Center ist ein Schild mit dem Schließdatum angebracht
Bild: rbb

Berlin-Pankow - Postbank und Post schließen Filiale im Mühlenberg-Center

Und wieder wird an der Kostenschraube gedreht: Im Pankower Mühlenberg-Center schließt eine weitere Postbank-Filiale in Berlin. An der gleichen Stelle soll ein privater Unternehmer Postleistungen anbieten. Von Oliver Noffke

Die Postbank wird ihre Filiale im Mühlenberg-Center in Berlin-Pankow zum 7. Dezember schließen. Auch die Deutsche Post wird sich damit aus dem Kiez zurückziehen. Derzeit sind die Öffnungszeiten bereits stark eingeschränkt. Durch Schilder an der Tür werden die Kunden auf einen privaten Post-Shop verwiesen, der Ende vergangener Woche an der nahegelegenen Heinrich-Böll-Bibliothek eröffnet hat.

Der Schritt war erwartet worden. Beide Konzerne hatten bereits vor Monaten angekündigt, das gemeinsame Geschäft zu schließen, sobald sich ein privater Unternehmer findet, der Postdienstleistungen in dem Viertel anbietet; rbb|24 hatte berichtet.

Nach der Übernahme durch die Deutsche Bank im vergangenen Jahr hatte die Postbank angekündigt bundesweit 100 Filialen zu schließen. Die Deutsche Post, 1995 privatisiert, überträgt Dienstleistungen immer stärker an private Unternehmer - die in den allermeisten Fällen weitaus niedrigere Löhne zahlen.

Übergangslösung für Komplettaustausch

"Die Schließung wird auch den Postbank-Geldautomaten und das Service-Terminal in der Filiale betreffen", teilte eine Postbank-Sprecherin auf Anfrage mit. In einem bis anderthalb Kilometer Entfernung vom jetzigen Standort stünden Geldautomanten, die weiterhin kostenlos von Postbankkunden genutzt werden könnten. Außerdem wurde zur Geldausgabe an Supermärkte verwiesen. Einige Märkte bieten dies ihren Kunden an, wenn für einen bestimmten Wert eingekauft wird.

Bei dem neuen Geschäft ist für Post-Kunden auf den ersten Blick nicht erkenntlich, dass es sich nicht um eine Zweigstelle der Deutschen Post handelt - sondern um ein privates Unternehmen, das lediglich Postdienstleistungen anbietet und in dem keine ausgebildeten Postmitarbeiter beschäftigt sind. Auf der Außenwerbung wird das Geschäft als Postfiliale bezeichnet, lediglich ein kleines Schild in Bodennähe neben der Eingangstür weißt darauf hin, dass ein privater Inhaber verantwortlich ist.

Und diese neue Filiale sei auch nur eine Übergangslösung, teilt die Deutsche Post auf Anfrage mit. "Der bisherige Standort in der Greifswalder Straße 90 wird umgebaut und der Partner, der derzeit die Filiale in der Greifswalder Straße 87 betreibt, wird im März 2020 in diesen Standort umziehen", so eine Sprecherin des Konzerns. "Dann erhalten die Kunden neben den Postdienstleistungen auch wieder Finanzdienstleistungen."

Mit anderen Worten: Im Frühjahr wird in dem Einkaufscenter wieder das Posthorn leuchten, bedient werden die Kunden dann aber Mitarbeitern, die weitaus weniger verdienen. Verdi hat bereits im August gegenüber rbb|24 diese Praxis kritisiert. "Umfragen zufolge ist die Resonanz bei den Kunden durchweg positiv", behauptet die Post in ihrer Antwort auf Fragen der Redaktion, ohne weitere Details zu diesen Umfragen zu nennen.

Anhaltender Trend bei Deutscher Post und Postbank

Die Postbank im Mühlenberg-Center ist nicht die einzige Filiale des Konzerns, die in diesem Jahr in der Region zugemacht wurde. So schloss die Bank im April Zweigstellen in Alt-Lichtenberg und Friedenau, im Juni wurde die Postbank in Forst (Spree-Neiße) geschlossen.

Auch andere Geldinstitute dünnen ihr Netz an Filialen und Geldautomaten in Deutschland aus, während andere Anbieter das Feld übernehmen: Im August konnte rbb|24 aufzeigen, dass es in den vergangenen Jahren in Berlin und Brandenburg eine deutliche Zunahme an Geldautomaten von unabhängigen Anbietern gegeben hat. Mittlerweile betreibt der größte Anbieter, Euronet, in der Hauptstadt an mehr Standorten Geldautomaten, als die Sparkasse, die größte klassische Bank in der Stadt.

Beitrag von Oliver Noffke

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Antwort auf [Schwester Constructa ] vom 06.12.2019 um 08:43
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18 Kommentare

  1. 18.

    Trotz traurigem Anlass köstliche Kommunikation. Da fällt der frühe Start in die neue Woche gleich weniger schwer. Vielen Dank.

  2. 16.

    Sie haben explizit auf die Gebühren am fremden Geldautomaten in der Umgebung hingewiesen und auch deshalb die Postbank für die Schließung kritisiert. Nur weil ich mich besser mit täglichen Geldgeschäften auskenne, muss ich noch lange kein Aktionär der Postbank sein.

  3. 15.

    "Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"

  4. 14.

    Auch im Supermarkt muß ein Mindestbetrag gelöhnt werden durch Einkauf, um sich dann an der Kasse Bargeld zu besorgen. Und alle hinten an stehende können zuschauen dabei. Schöne Strategie. Besonders für ältere Personen.

  5. 13.

    Nee, nee, nee. Was für eine Ausrede. Wieso wurmt es Sie, wenn ich darauf verweise, dass nicht alles palettie ist mit diesen Institutionen Bank und Dienstleister? Sind doch wohl nicht Anteilseigner einiger Aktien von der DPAG. Wäre nicht überrascht. Zudem gibt es mehr dazu zu sagen, als sich vehement nur an diesen Artikel zu orientieren.

  6. 11.

    Außer bei der Commerzbank fallen bei allen anderen, die von Ihnen hier genannten Banken für Postbank Kunden nicht unerhebliche Gebühren an am Geldautomat. Auch dies sollten Sie bei Ihrer Ausführungen nicht vergessen.

  7. 10.

    Niemand zwingt Ihre Mutter, für die Übergangszeit bei der Postbank zu bleiben. Die nächste Filiale ist laut Google Maps fast gleich um die Ecke und bucht erst am Alex.

  8. 9.

    Also wirklich Herr Neumann. Sind Sie immer noch gut zu Fuß? Schön für Sie. Dieses sehr Oberflächliche Verhalten und ja, mit welch Rücksichtslosigkeit hier die beiden Institutionen eine solch gute Serviceleistungen einfach damit abtun, als könne ja jede Person ihren Aufruf brav Folge leisten. Immer geht es an die Schwächeren und Behinderten Menschen vorbei. Hauptsache den Aktionären freut es und die Dividende stimmen. Vor allem die Post sollte auch weiterhin den Ruf als GUTER SERVICE ANBIETER nicht weiter in Frage stellen. Da genügen auch Ihre gut gemeinten Links hier nicht.

  9. 8.

    @ Alfed manchmal schreibst Du aber auch ein Mist zusammen.

    Meine Mutter wohnt dort und die ist nun mal bei der Postbank und keiner anderen Bank. Die paar Schritte zum Mühlencenter hat sie immer noch geschafft trotz Gehbehinderung. Jetzt müsste sie zum Alex, die Stassenbahn die da lang fährt ist immer!! übervoll egal zu welcher Tageszeit. Wie sollen das nun die älteren Menschen schaffen, es steht heute keiner mehr auf und macht ein Platz frei in der Strassenbahn.
    @Alfred
    ab und an mal etwas übern Tellerrand schauen

  10. 7.

    Im Neuland kann man sich informieren, wo die nächste Postbank (und andere Geldinstitute) wäre:
    https://www.google.com/maps/search/postbank/@52.5444639,13.4248254,14.22z
    Dann ist der "Skandal" schon viel kleiner.

  11. 6.

    Die Briefpost-Kunden haben bereits mit den Füßen abgestimmt und versenden immer weniger Briefe. Für Postbank-Kunden gibt es im Umkreis eine Sparkasse, eine Spada, eine Volksbank, eine Commerzbank, eine Targobank, ... und eine Haltestelle weiter sogar eine Postbank.

  12. 5.

    Dummer und respektloser Kommentar. Für die Anwohner dort wird es schwer sein zur nächsten Postfiliale zu kommen. Gerade das Mühlencenter war da immer sehr wichtig. Tja, so ist das heute sparen, sparen

  13. 4.

    Ausgerechnet dort wo es dringend erforderlich ist, diesen wichtigen Service beizubehalten, werden Filialen geschlossen und an Private vermietet zum Niedriglohnpreis. Die DPAG sollte sich was schämen. Von der Deutschen Bank erwarte ich schon gar keine Mitmenschlichen Gefühle.

  14. 2.

    Das ist nunmal ein wichtiges Problem, die nächsten Filialen der Cashgroup sind am Alex, in Weißensee oder in der Schönhauser Alle, also 2-3 Kilometer entfernt und der Winter kommt.....was meinen Sie wie komisch und uninteressant alte Leute die Entfernungen finden...

  15. 1.

    Genauso interessant,ob in China ein Sack Reis umgefallen ist.Kümmert Euch um die wichtigen Probleme in dieser Stadt.

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