Betrieb auf einem S-Bahn-Gleis am Bahnhof Südkreuz in Berlin-Schöneberg. Quelle: Schoening/www.imago-images.de
Audio: Inforadio | 18.12.2019 | Christoph Reinhardt | Bild: Schoening/www.imago-images.de

Berliner Senat muss warten - Brandenburgs Landesregierung verzögert S-Bahn-Ausschreibung

Rund acht Milliarden Euro will der Senat in die S-Bahn investieren. Kein Wunder, dass in Berlin hart um die Ausschreibung gerungen wird. Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit. Und gerade jetzt hat die neue Brandenburger Landesregierung um Bedenkzeit gebeten.

Die Ausschreibung der Stadtbahn, sowie der Nord-Süd-Verbindung der Berliner S-Bahn kann nicht wie geplant in diesem Jahr gestartet werden. Wie der Sprecher der Verkehrsverwaltung, Jan Thomsen am Mittwoch im rbb sagte, habe die neue Brandenburger Landesregierung noch um Bedenkzeit gebeten.

Man sei im Gespräch mit dem neuen Verkehrsminister Guido Beermann (CDU), doch der neue Kollege brauche noch Zeit. "Das Thema ist auf dem Tisch und wird jetzt schnellstmöglich geklärt. Noch sind wir in keinem Zeitverzug, der uns Probleme bringt. Noch haben wir ein bisschen Zeit - aber nicht viel", sagte Thomsen am Mittwoch im rbb. Man wolle mit Brandenburg nun schnellstmöglich zu einer Lösung kommen.

In S-Bahn-Werkstätten stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel

Das Problem: In der Berliner Koalition war die Ausschreibung hoch umstritten. Sollte Brandenburg nun auch noch Extrawünsche anmelden, würden vielleicht auch die Koalitionspartner in Berlin das Paket wieder aufschnüren. Die Linke wünscht sich zum Beispiel mehr Arbeitnehmerschutz, sagt ihr Verkehrsexperte Christian Ronneburg.

"Wir sind mit der Ausschreibung nicht komplett zufrieden, wir haben auf den Parteitagen dazu auch kritisch diskutiert. Wir sind dazu bereit, mit Brandenburg an Veränderungen an der Ausschreibung zu sprechen. Insofern sehe ich da durchaus auch Spielraum, um auf Brandenburg zuzugehen", so Ronneburg im rbb.

Für das Nachbarland dürfte es vor allem um die Arbeitsplätze in den großen S-Bahn-Werkstätten auf Brandenburger Boden gehen. Verkehrsminister Beermann könnte Sicherheiten verlangen für den Fall, dass die Bahn nach einer Niederlage bei der Ausschreibung ihre Werkstätten dicht machen müsste.

Mehrere Standorte für Werkstätten im Gespräch

Sven Heinemann von der SPD hätte keine Probleme sich auf mehrere Standorte festzulegen, schon wegen der Größe des Berliner S-Bahn-Netzes. "Es ist schlau, möglichst an verschiedenen Stellen Werkstätten zu haben und ich bin sowieso kein Freund davon, sich nur auf einen oder zwei Standorte bei so einem komplexen Netz zu konzentrieren."

So lange der Beratungsbedarf in Brandenburg in ein paar Wochen zu klären sei, sei das kein ernstes Problem für das bis 2026 angelegte Projekt, sagt Heinemann. Viele Monate dürften es aber nicht werden. Spätestens zur Spargelsaison müsse die Ausschreibung veröffentlicht sein.

Züge sollen für autonomes Fahren geeignet sein

Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin will den Kauf der neuen S-Bahn-Züge getrennt vom Betrieb ausschreiben. Ein privater Dienstleister soll für die Zeit nach 2026 neue S-Bahn-Züge beschaffen, sie instand halten und betreiben. Nach einiger Zeit sollen die Fahrzeuge ins Eigentum des Landes Berlin übergehen. Unternehmen können sich um eine Komplettlösung bewerben oder auch nur um Beschaffung und Instandhaltung oder Betrieb.

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) hatte angekündigt, bei der Ausschreibung für neue S-Bahnzüge eine Zukunftsoption für autonomes Fahren zu berücksichtigen. Die 1.300 neuen Züge sollen bei ihrer Einführung zwar noch von Fahrern bedient werden. Sie müssen aber so beschaffen sein, dass nachträglich die Technik für das autonome Fahren nachgerüstet werden kann.

Sendung:  Inforadio, 18.12.2019, 19 Uhr

Beitrag von Christoph Reinhardt

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21 Kommentare

  1. 21.

    Verstehe das alles nicht, es liegt doch an den Fahrzeugen, nicht an den Fahrern? Und das Netz bleibt weiterhin bei der Bahn. Nun kauft der Senat die Fahrzeuge und übernimmt die Fahrer. Warum kauft er nicht einfach die Fahrzeuge für die S-Bahn, so wie er es auch für die BVG tut. Ist doch sonst Marktverzerrung, Bzw zahlt der Verkehrsverbund angemessene Entgelte an die Betreiber. Obwohl das betrifft ja eher die BVG mit ihren ineffizienten Linien, die alle 20m anhalten als die S-Bahn, die Kilometer schrubbt. Davon will der Senat wohl was abhaben um die BVG zu pushen.
    So wie ich das verstehe, muss jeder Kunde der Bahn diskriminierungsfrei behandelt werden. Wenn die S-Bahn nun die "Strecken" bei der DB bestellt, muss sie genauso behandelt werden wie der Verkehrsverbund. Vor dem Hintergrund ergibt diese ganze Ausschreiberei gar keinen Sinn. Das täte es nur, wenn der Verkehrsverbund Eigentümer mit alleinigem Zugriff auf das Netz wäre. Is er aber nicht sondern die DB.

  2. 20.

    Da bin ich gespannt, wie die brandenburgische Landesregierung agieren wird. Dass mit einer Ausschreibung das System stabiler und zuverlässiger wird, ist ein großer Irrsinn. Können heute sämtliche Kollegen mehr als ein System fahren, fällt dies bei privaten Unternehmen weg. Ähnliches gilt der Baureihenlizenz. Ein Triebfahrzeugführer von einem privaten Unternehmen wird nur die Baureihen fahren können, die sein Unternehmen für den Streckeneinsatz nutzt. Auch dabei würde die Flexibilität entfallen. Spätestens bei Bauarbeiten (Nord-Süd-Linien befahren einen Teil des Systems Ring etc.) oder Umleitungen (S9 über den Südring oder nach Grünau) steht das Chaos vor der Tür. Auch ist es fraglich, ob überhaupt genügend Kolleginnen und Kollegen wechseln würden. Wenn der Großteil bei der DB bleibt und zum Fernverkehr, Regionalverkehr etc. geht, können sich die Berliner Fahrgäste wieder auf 60min Takte etc. einstellen.

  3. 19.

    Welche Millionen sparten denn die Länder? Millionen bei Gehältern und Sozialleistungen bei den Mitarbeitern? Oder bei den Firmen, die sich die lukrativen Strecken raus suchen und die DB soll die unrentablen bewirtschaften?
    Jede Firma denkt zuerst an sich und je mehr man davon hat, um so größer wird das Chaos. Wann schreibt man denn die BVG Strecken aus? Dass die pünktlicher und verlässlicher sein soll halte ich aus täglicher Erfahrung für ein Gerücht.

  4. 18.

    Das sind "nur" Instandhaltungsstützpunkte, die mit BWs kooperieren (Oranienburg mit Wannsee, Erkner mit Friedrichsfelde). Von großen Werkstätten kann hier keine Rede sein.

  5. 16.

    Welche großen Werkstätten in Brandenburg sind denn gemeint? Die Betriebswerkstätten der S-Bahn liegen in Friedrichsfelde, Grünau und Wannsee und die Hauptwerkstatt in Schöneweide.

  6. 15.

    Die vergessen nur, dass für autonomes Fahren von Zügen noch mehr Milliarden schwere Investitionen nötig sind. Schauen Sie doch mal in anderen Ländern mit autonomen Bahnen genau hin! Die Bahnsteige sind mit Zugangstüren zu den Gleisen abgesichert, es gibt Zugangskontrollen zu den Bahnsteigen durch Barrieren, die auch gleich das Ticket kontrollieren. Es ist im Hintergrund viel mehr Überwachungspersonal tätig als heute. Und die Bahnstrecken sind alle eingezäunt oder sonst wie nicht zugänglich gemacht. So mal eben total easy nen Zug ohne Lokführer und Zugpersonal fahren lassen wie auf einer Modellbahn ist autonomes Fahren auf der Schiene nicht!

  7. 14.

    Diese Ausschreibung und damit Zersplitterung der Berliner S-Bahn sollte gestoppt werden! Es ist ein Irrweg, ein in sich geschlossenes Verkehrssystem wie die Berliner S-Bahn in Einzelteile zu zerlegen mit mehreren Anbietern. Da sind mal wieder Politiker am Werk, die keine Ahnung - geschweige denn Wissen - von komplexen Bahnsystemen von Beschaffung, Fahrzeugbetrieb, Personal über Fahrweg und Sicherung bis Werkstätten und Reinigung haben. Das geht sowas von nach hinten los und wird insgesamt sowieso teurer als die gesamte S-Bahn in einem Paket auszuschreiben.

  8. 13.

    Die Lose sind sehr groß. Kleinteilige ist ist Interesse für Fakten. Andere Bundesländer sparten Millionen durch die Privatisierung. Das Geld kann sinnvoller eingesetzt werden. Es muss dringend für mehr Sicherheit auf den Bahnhöfen gesorgt werden. Um erfolgreich zu sein, muss auch die Kuscheljustiz mit Drogendealern ein Ende haben.

  9. 11.

    Autonomes Fahren funktioniert schon in vielen Städten gut und ist die beste Möglichkeit um die Taktung zu verkürzen und Kapazitäten existierender Strecken voll zu nutzen.

  10. 10.

    @berliner ich komme aus dem Unternehmen was nach deiner Meinung zerschlagen werden soll und ich freue mich auf die Zeit danach wenn die gleichen Leute wie sie wieder schreien das alles mist ist. Ein komplexes System zu zerstören ist immer dumm und die 8 Milliarden Einsatz schüttet eine reiche Stadt wie Berlin ja so einfach aus dem Ärmel. Ich hoffe die Brandenburger Regierung ist nicht so dumm wie einige Berliner Politiker. Und was mich betrifft ich bin dann so alt das ich nicht mehr so einfach abgeschoben werden kann. Das gute ist das jetzt schon schon fremde Unternehmen nicht zusammen arbeiten können aber das wird bestimmt besser....

  11. 9.

    Wieder ein gutes Beispiel für ein Bedürfniss, welches dem Markt entzogen werden muss! Vermutlich brauchen wir wieder einen grossen durch Sparmaßnahmen entstandenen Unfall, bevor ein Umdenken stattfindet.
    Stoppt die Privatisierung Öffentlichen Guts.

  12. 8.

    Die vorgebrachten Dinge die die Bahn betreffen, haben nichts mit dem Unternemen zu tun. Es ist einzig und allein der Eingriff der Politik in die Wirtschaft, ohne fachliches Wissen. Es geht um Postenverteilung für Ex-Politiker.

    Wo ist VW ein Staatskonzern? Bitte beweisen.

    Was haben die vorgebrachten Verdachtsmomente gegen die Bundesdruckerei mit der Neuausschreibung der S-Bahn zu tun?

  13. 7.

    Wer glaubt das die Alternativen besser sind, irrt sich.
    Ich habe genügend Erfahrung mit der Unfähigkeit von anderen Anbietern machen müssen, inklusive im Winter eingefrorener Sommerdiesel.
    Eine Zerschlagung der S-Bahn ist nicht im Interesse der täglichen Nutzer. Denn dann sitzt auch für jede Firma ein überbezahlter Vorstand rum. Wo ist da der Nutzen/ Vorteil, außer das die Fahrpreise noch schneller und weiter steigen und Nichtzuständigkeiten hin- und hergeschoben werden? Dieses Konzept wird natürlich Autofahrer überzeugen, ihr Auto stehen zu lassen. Wer‘s glaubt.... glaubt auch an den Weihnachtsmann.

  14. 6.

    Man kann in diesem Fall nur hoffen, dass die brandenburgische Landesregierung diesen Irrssinn des Berliner Senats noch zu Fall bringt. Die Berliner S-Bahn ist historisch gewachsen. Wenn man sie organisatorisch und betriebswirtschaftlich zerschlägt, weil man in neoliberaler Ideologie glaubt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, wird man das Gegenteil erreichen, weil jeder Einzelakteur dann nur noch seinen eigenen Profit im Kopf hat. Gefragt ist aber ein Nahverkehrsmittel für die gesamte Stadt und das Umland mit einer Unternehmensführung und Beschäftigten, die auch im Rahmen dessen denken und agieren.

  15. 5.

    Die Bahn ist "privat" organisiert aber in Staatsbesitz. Das Problem ist doch die Profitorientierung und die Ausschüttungsverpflichtung von Dividenden an den Aktienbesitzer (Bund)....

    In der Schweiz arbeitet die Bahn z.B. Kundenorientiert und legt Rücklagen an. Da geht es um den ÖVPN, nicht um die Ausschüttung von Dividenden. In Deutschland hat die Bahn zig "Tochterfirmen" um die Steuer zu "bescheissen", die alle haben Manager und die arbeiten nicht für den Mindestlohn....

    Das ist wie mit VW: Staatskonzern aber die Privatjets für die Manager sind auf den Caymen Islands zugelassen damit man in Deutschland keine Steuern zahlen muss. Das Bundesfinanzministerium hat ja auch 2 Firmen in Panama... sicher um dort Steuern zu "kassieren"... Spiegel dazu: "Mehrmals wandte sich ein Whistleblower nach SPIEGEL-Informationen an den Bundesfinanzminister. Der Insider wollte über dubiose Geschäfte der Bundesdruckerei auspacken - wurde aber abgewiesen.". Mit schwarzen Kassen kennt er sich gut aus..

  16. 4.

    Diese Entscheidung der Landesregierung kann ich nur begrüßen. Ich hoffe die neue brandenburger Landestegierung kippt dadurch die durch die berliner Verkehrssenatorin Günther geplante Ausschreibung und verhindert so eine eine Zerschlagung des S-Bahn-Betriebes. Aus einer Hand ist immer noch besser, als eine kleinteilige Zerstückelung.

  17. 3.

    Wenn die Putzfrau leise niest und die Alarmanlage anspringt im Gewerbegebiet Nürnberg-Süd, sang Heinz-Rudolf Kunze bereits zu Anfang der 1990er. - Inzwischen ist die Technik noch ausgefeilter, die Sensoren noch empfindlicher und die allergrößte Störung eines reibungslosen Ablaufes geht vom Menschen aus. Vom Fahrer sowieso und von den Fahrgästen gleichermaßen. Haltet den Menschen auf Distanz - da, wo keine Glaswand zwischen Zug und Bahnsteig existiert, kann schon ein geringfügiges Betreten der diagonal schraffierten Fläche zum Stillstand führen.

    Soweit der Mensch sich als unvollkommene Maschine definiert, soweit hat er bereits" verloren". Soweit mein Eintrag zum autonomen Fahren.

  18. 2.

    Oh je, autonom fahrende Zuege bei der S-Bahn. Dann sind wir der stoerungsanfaelligen Computertechnik ja vollends ausgeliefert.

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