Verkäufer druckt Kassenzettel mit Kasse (Quelle: imago images/Milestone Media)
Audio: 28.12.2019 | rbb|24 | O-Ton Kioskbetreiber Karsten Richter | Bild: imago images/Milestone Media

Interview | Kioskbetreiber zur Kassenbonpflicht - "Es kann doch nicht sein, dass wir Bons für den Müll drucken"

Ab 1. Januar müssen alle Einzelhändler auch für die kleinsten verkauften Posten einen Bon für den Kunden ausgeben. Auch wenn der keinen will. "Belegausgabepflicht" heißt das Ganze. Und es führt vor allem zu Kosten und Müll, sagt Kioskbetreiber Karsten Richter.

Ab 2020 gilt für Deutschlands Einzelhändler die Belegausgabepflicht. Jeder, der einen nennenswerten Umsatz macht, muss ab Januar Kunden einen Kassenbon anbieten, auch wenn diese ihn nicht annehmen müssen. So soll verhindert werden, dass in Restaurants, beim Bäcker oder Friseurläden die Löschtaste gedrückt oder Software zum Wegzappen der eingegebenen Daten verwendet wird - und so die Einnahmen am Fiskus vorbeilaufen.

rbb|24: Herr Richter, kommen in Ihren Kiosk viele Kunden, die Kleinigkeiten wie eine Zeitung, eine Packung Kaugummis und andere Kleinigkeiten erwerben?

Karsten Richter: Hierher kommen überwiegend Kunden, die Sammelbilder, Zeitschriften, Zigaretten, kleine Geschenkartikel oder andere kleine Posten kaufen.

Wie ist das bisher mit den Kassenbons - in welchen Fällen drucken Sie welche?

Kassenbons drucke ich im Moment nur auf Kundenwunsch. Denn im Augenblick müssen sie ja nicht ausgedruckt werden. Es wollen eigentlich nur Kunden den Bon mitnehmen, wenn sie noch vorhaben, in andere Geschäfte zu gehen. Um dort nachweisen zu können, dass die Ware bereits bezahlt ist. Wir führen praktisch keine Sachen, wie elektronische Artikel, wo es um Gewährleistung geht. Wenn wirklich mal ein Kunde zurückkommt, weil ein Geschenkartikel oder ähnliches eine Macke hat, dann sind wir schon kulant und tauschen den ohne Bon um.

Was genau ändert sich jetzt für Sie ab dem 1. Januar 2020?

Ab 1.1. sind wir in der Situation, dass wir für jeden Kunden – egal ob er will oder nicht – einen Kassenbon drucken müssen. Der Kunde ist nicht verpflichtet, den mitzunehmen, er kann ihn also hierlassen und ich entsorge ihn im Restmüll. Kassenbons sind aus Thermopapier, die nicht im normalen Papiermüll entsorgt werden dürfen.

Was bedeutet das für Sie?

Für mich bedeutet das ganz konkret, dass ich im Jahr Mehrkosten von etwa 220 Euro habe. Ärgerlich ist, dass diese Bons in den allermeisten Fällen ja nur für den Müll produziert werden. Das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein. Alle reden davon, Ressourcen zu schonen und einzusparen – und jetzt soll ab dem neuen Jahr im kompletten Einzelhandel deutlich mehr Müll produziert werden. Da gehen ja auch Ressourcen den Bach runter.  

Ich hoffe, das ändert sich nochmal. Bundeswirtschaftsminister Altmeier hat ja bei Bundesfinanzminister Scholz interveniert und sich dafür ausgesprochen, dass die Bonpflicht zumindest bei kleinen Posten wegfallen soll. Aber richtig zuversichtlich bin ich nicht, dass das rückgängig gemacht wird. Aber es muss einfach eine Lösung geben - es kann doch nicht sein, dass der komplette Handel die Bons für den Müll druckt.

Müssen Sie auch ihre Ladenkasse umrüsten?

Die Ladenkasse umrüsten muss ich nicht. Meine Kasse ist in der Lage, ständig einen Bon zu drucken. 2017 trat der erste Teil des jetzt greifenden Gesetzes in Kraft, da mussten alle Kassen so umgerüstet werden, dass alle Kassiervorgänge elektronisch erfasst, gespeichert und auslesbar sind.

Grund für die Neuregelung ist ja, dass es noch schwieriger werden soll, Einnahmen nicht zu versteuern - Stichwort Steuerbetrug am Ladentisch. Denken Sie, dass auf diese Weise sehr viele Steuergelder hinzukommen, die bislang unterschlagen wurden? Laut Bundesrechnungshof entgehen dem Staat so schätzungsweise zehn Milliarden Euro an Steuereinnahmen pro Jahr.

Dass es wirklich zehn Milliarden Euro sind, kann ich mir nicht vorstellen – auf welchen Schätzungen diese Zahl auch immer beruht. Die Kassen der Einzelhändler sind ja schon umgerüstet und daher relativ schlecht manipulierbar. Es muss also jeder Kassenvorgang erfasst, registriert und gespeichert werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Priess, rbb|24

Hintergrund

Dem Staat entgehen jedes Jahr hohe Steuersummen, weil Unternehmen ihre Umsätze mit manipulierten Kassen, Schummelsoftware oder fingierten Rechnungen nicht oder falsch erfassen - vor allem in der Gastronomie und in anderen Branchen mit hohem Bargeldanteil.

Ein Gesetz von Ende 2016 sieht daher die Einführung einer Bon-Pflicht vor. Diese soll zunächst sicherstellen, dass alle verkauften Waren lückenlos erfasst werden. Zudem sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden, so dass digitale Daten nachträglich nicht mehr manipuliert werden können.

Einzelhändler müssen Kunden ab Januar bei jedem Kauf einen Beleg aushändigen. Diese Kassenbon-Pflicht gilt bei allen Geschäften, sofern sie ein elektronisches Kassensystem besitzen. Um Müll zu vermeiden, ist auch eine digitale Bon-Übermittlung per App oder E-Mail vorgesehen.

Sendung: Inforadio, 02.01.2020

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33 Kommentare

  1. 33.

    Bei jedem ungewünscht gedruckten Kassenbon an meiner Tankstelle blutet mein Herz.
    Es ist (zurückhaltend ausgedrückt) eine absolute Schweinerei. Dieser ganze Papiermüll ist schrecklich.
    UND diese blöden Sprüche von anderen Kommentaren hier „man kann ja auch normale Papierrollen mit Tintenstrahldruckern verwenden“ kotzt mich auch an. Der Papiermüll bleibt, die Kartuschen für die Drucker kosten ein Schweinegeld und sind aus nicht recycelfähigen Kunststoffen und noch schlechter für die Umwelt. Eine echt tolle Idee, erst mal nachdenken und dann handeln, genau wie bei unseren Politikern, die diesen Mist auf die Beine gestellt haben.
    Daran merkt man, dass es unseren Politikern nicht einen Hauch um unsere Umwelt geht, sondern nur ums Geld, trotz Steuergeldüberschußrekorden.
    Eine weitere Idee um unsere Umwelt zu verbessern ist das Elektroauto. In den Großstädten müssen ja nur Kupferkabel mit mehreren Metern Durchmesser verlegt werden um den Strombedarf zu decken.
    Denkt erst nach!

  2. 32.

    Hierfür hätte es mal einen Volksentscheid geben sollen, es wären sicherlich 95% dagegen gewesen - ich persönlich bin absolut dagegen. Ich arbeite für eine WfbM und verkaufe im Rahmen meiner Arbeit Brennholz, Baumfackeln & co. Soll ich jetzt für jeden verkauften Sack Holz eine Quittung ausstellen? Muss dann wohl so sein, wenn es nach dem neuen Gesetz geht.

    Wenn ich mir privat eine Schachtel Zigaretten kaufe - ich weiß, Rauchen ist ungesund - oder auch eine Tafel Schokolade, brauche ich dafür bestimmt keinen Beleg!!!

    Greta Thunberg ist bestimmt not amused darüber.

    Aber weder sie noch uns Deutsche fragt die Regierung.

    Meiner Meinung sollte die Regierung für die zusätzlichen Kosten aufkommen.

    Vielleicht bis demnächst.

  3. 31.

    Ich habe einen großen Korb aufgestellt, Darin werden die Bons gesammelt. Viele Kunden werfen die hinein. Die liegen gelassenen werden auch hinein geworfen. Am Monatsende geht ein Postpäckchen an Bundesfinanzminister Scholz persönlich gesendet. Wenn das alle, oder viele machen würden, dann würde man dort auch den Mist sehen den sie verzapft haben.

  4. 30.

    Ehe man sich mit erheblichen bürokratischen Aufwand um Bonkleinigkeiten kümmert
    sollte man Cumex Geschäfte unterbinden.
    Warum traut sich der Staat da nicht ran ?
    Das wäre wesentlich lukrativer. Aber vielleicht
    tritt man damit diversen Lobbisten auf die Füße.
    Dann doch lieber diesen Blödsinn mit dem Bäcker und so. Diese angebliche Milliarden Einsparung
    sind nicht nachvollziehbar.

  5. 29.

    Erstmal erzählt man irgendwas von einer enormen Ungerechtigkeit. "Ungerecht" trifft bei den Deutschen sowieso immer einen Nerv. Also: "Alles böse Steuerbetrüger." Dann wirft man in irgendeine Zahl in den Raum. "Zehn Milliarden." Kennt man ja z. B. von den tollen Berechnungen, wie viele Menschen plötzlich an "Passivrauchen" sterben. Und dann noch darauf zählen, dass man mit Neid immer etwas ernten kann: "Der da hat neulich einen Kaugummi unversteuert verkauft und ich zahl mich ans Finanzamt dumm und dämlich." (Was vermutlich nicht stimmt, aber sich als Opfer zu fühlen ist ja sehr beliebt.)

    Wie großartig das alles zieht, sieht man nicht zuletzt in dieser Kommentarspalte. Und kaum jemand fragt, wieviele Milliarden der arme Staat erstmal einnehmen könnte, wenn er mehr Steuerprüfer einstellen würde. Oder gewisse Unternehmen überhaupt mal besteuern würde.

  6. 28.

    Kassen sind mit einem Druckwerk ausgestattet.
    Es gibt Nadeldruckwerk mit Farbband und Thermodruckwerk. Die Serien seit ca. 10 Jahren
    sind generell mit Thermodruckwerk ausgestattet. Es funktioniert nicht wechselseitig.
    Es sind unterschiedliche Prozesse. Somit ist die Aussage Quatsch , die technische Ausstattung zwingt zum Thermopapier. Man sollte sich vorher informieren ehe man solche unqualifizierte Aussagen trifft. Nur so nebenbei,
    ich vertreibe, programmiere und repariere Registrierkassen seit über 25 Jahren.

  7. 27.

    Mich erschüttert der rauhe Ton, der in den Kommentaren herrscht genauso wie die Haltung. Viele sind scheinbar plötzlich stellvertretende Finanzbeamte. Den Bäcker oder Kioskverkäufer mal so richtig massregeln, weil die Courage das große Politikum zu hinterfragen und dann zu handeln fehlt. Wirklich mies.

  8. 26.

    Werter Herr, dann nehmen Sie doch bitte kein teures Thermopapier, sondern ganz normale Papierrolle, das ist erstens umweltfreundlicher wegen weniger Chemie, zweites billiger im Vergleich und drittes hat der Kunde endlich mal einen Beleg der länger als nur ca. 3 Monate hält und deswegen nochmals vom Kunden teuer kopiert werden muß um Ihn eventuell für die Steuer viel länger aufzubewahren.

    Niemand zwingt Sie teures Thermopapier zu verwenden.... sowieso eine totale Unsitte das Zeug !

  9. 25.

    Bullshit, es regen sich die auf, die Umweltschutz in den Vordergrund stellen.
    Wer keine Ahnung hat, sollte schweigen.

  10. 23.

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Jetzt regen sich wahrscheinlich die am lautesten auf, die beim Einkauf im Supermarkt selbst die einzelne Banane noch in einen Plastikbeutel versenken. Da spielt der Müll keine Rolle. Aber wegen der Bons wird Alarm gemacht. Vielleicht sollten alle mal beobachten, wie oft die Registrierkasse gar nicht benutzt wird. Dann mal hochrechnen auf den Beschiss pro Jahr. Es ist traurig, dass man darüber überhaupt reden muss.

  11. 22.

    Als wenn es um das Papier ginge *augenroll* jedem Kammerer geht's uns betuppen. Das wird vermutlich kurzfristig umständlicher. Bis die werte Händlerschaft neue Mittel und Wege gefunden hat und alles wieder wie vorher läuft. Als erstes werden sie die elektronischen Kassen abgeschafft, damit erlischt die Bonpflicht.

    Wären wir IT-technisch und netztechnisch nicht das Tal der Doofen, könnte man ganz anders kontrollieren, aber geht ja schon mangels Empfang nicht...

  12. 21.

    Blödsinn, ich war in Polen in Breslau auf dem Weihnachtsmarkt. An jeder Bude gibt es einen Kassenzettel, egal ob Du ein Bratwurst kaufst oder ein Brötchen. Da steht nicht nur der Preis drauf, sodern auch was Du gekaufst hast. Also wo ist das Problem?

  13. 20.

    In meinen jungen Jahren habe ich mein Taschengeld mit Altpapier gut aufgebessert, heute wird gleich gejammert. Dann bringt die Bons nicht ins Finanzministerium sondern zur Wiederverwertung. Wenn sich die Einnahmen beim Finanzamt erhöhen, haben wir doch alle was davon.

  14. 19.

    Sehe ich auch so. Und ich will nicht wissen in wie vielen Fritten Buden beschissen wird. Und wegen dem Thermopapier, das gehört auch verboten und durch normales Papier ersetzt. Kann ja nicht so schwer sein, ging doch früher auch. Und das Gejammer um die Kosten ist ja wohl ein Witz. Das kann sich auch die Frittenbude leisten.

  15. 18.

    Nee, den Händlern geht es darum dass sie jetzt ihre Umsätze korrekt erfassen müssen und nicht wie so oft das Geld unregistriert einfach kassieren können und so Steuern sparen.

  16. 17.

    Unfassbar! Aber einen Vorteil hat es.. Man weiß gleich, dass man in Deutschland ist

  17. 16.

    Solange bei Steuern und Abgaben beschissen wird, finde ich jedes Mittel gut. Jeder Arbeitnehmer zahlt seine Steuern und kann daran nicht drehen.

  18. 15.

    Läuft mit dem Klimaschutz. Abgesehen davon sind Bons hochgradig giftig, aber das interessiert irgendwie auch niemanden.

  19. 14.

    Als ersten Schritt schlage ich vor, die Händler stellen Sammelbehälter für die Bons auf und senden die vollen Behälter den Finanzminister. Der kann sich dann um die fachgerechte Entsorgung kümmern!

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