Symbolbild: Wohnhäuser im Berliner Bezirk Spandau (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: rbb | 13.12.2019 | Jan Menzel | Bild: dpa-Symbolbild/Schoening

Von Deutsche Wohnen - Berlin kauft mehr als 2.000 Wohnungen zurück

2.142 Wohnungen in Spandau, Lichterfelde und Schöneberg kauft das Land Berlin von der Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen zurück. Der Preis: knapp 360 Millionen Euro. Die landeseigene Degewo stemmt den Kauf - und zwar ohne Landesmittel, wie betont wurde.

Das Land Berlin kauft erneut drei Wohnquartiere von der Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen zurück. Die 2.142 Wohnungen und 33 Gewerbeeinheiten in Lichterfelde, Spandau und Schöneberg werden von der Degewo übernommen, wie die kommunale Wohnungsgesellschaft am Freitag mitteilte. Der Kaufpreis beträgt dem Vernehmen nach 358 Millionen Euro.

Die drei Quartiere haben nach Angaben der Degewo zwischen 564 bis 930 Wohnungen, die in den Jahren 1975 bis 1993 errichtet worden. Etwa 80 Prozent davon sind geförderter Wohnungsbau. Die im Durchschnitt erzielte Miete liegt laut Deutscher Wohnen bei knapp 6,70 Euro pro Quadratmeter.

Müller: Keine Landesmittel für Rückkauf

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von einer guten Nachricht für die Mieterinnen und Mieter. Er betonte zugleich, dass keine Landesmittel fließen und die Degewo den Rückkauf finanziell alleine stemmt. Zugleich kündigte Müller an, dass die von ihm verfolgte Rückkaufstrategie fortgesetzt werde.

"Mit dem Kauf bieten wir über 3.500 Berlinerinnen und Berlinern langfristig bezahlbaren Wohnraum in beliebten Lagen", sagte Degewo-Vorstand Christoph Beck. Der neueste Ankauf sei eine strategische Ergänzung des Bestands, die in die Zukunft weise. "Als landeseigenes Unternehmen bieten wir so langfristig für weitere über 3.500 Berlinerinnen und Berlinern bezahlbaren Wohnraum in beliebten Wohnlagen. Gleichzeitig setzen wir unser Wachstum fort, das wir mit dem Senat vereinbart haben", so Beck.

Die Degewo soll die drei Wohnquartiere ab Herbst 2020 bis Anfang 2021 schrittweise übernehmen. Der Eigentümerwechsel soll keine Auswirkungen auf die Mietverhältnisse haben, hieß es von der kommunalen Wohnungsgesellschaft. Perfekt ist der Kauf aber noch nicht, unter anderem muss laut Deutsche Wohnen noch die kartellrechtliche Freigabe abgewartet werden.

FDP spricht von "unverantwortlichem" Schritt

Kritik an dem Rückkauf kommt von der oppositionellen FDP-Fraktion. Deren haushaltspolitische Sprecherin Sibylle Meister teilte mit, der Kauf sei "der vollkommen falsche Weg und bei der derzeitigen Höhe der Immobilienpreise komplett unverantwortlich." Und weiter: "Wenn man den Ehrgeiz des Aufkaufens in den Neubau stecken würde, hätten wir die Wohnungskrise vermutlich schon längst hinter uns gelassen und günstige Mieten für alle gesichert“, so die FDP-Politikerin.

Frühere GSW-Bestände

Bei den Wohnungen handelt es sich um Bestände der alten Wohnungsbaugesellschaft GSW. Diese wurde privatisiert und später von der Deutsche Wohnen übernommen.

Bereits im September hatte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag 6.000 Wohnungen in Spandau und Reinickendorf von einem luxemburgischen Unternehmen zurückgekauft. Der Kaufpreis lag damals 920 Millionen Euro.

Seit Anfang 2017 kauften städtische Unternehmen mehr als 10.000 Wohnungen auf, die größtenteils in den 1990er Jahren oder später vom Land Berlin zur Schuldentilgung verkauft wurden.

Die börsennotierte Deutsche Wohnen ist mit rund 110.000 Wohnungen in und um Berlin größer privater Vermieter in der Hauptstadtregion. Von den sechs städtischen Wohnungsgesellschaften ist die Degewo mit etwa 75.000 Einheiten das größte Unternehmen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

55 Kommentare

  1. 55.

    Sie haben ja so richtig Ahnung von Finanzwirtschaft... Himmel. Wenn Sie 1000 Euro zur Verfügung haben, dann können Sie mir diesen 1000 Euro entweder ein Fahrrad kaufen oder eine Jahreskarte der BVG. Beides geht nicht. Sie entscheiden was Sie machen. Berlin hat sich entschieden, Bestand zu kaufen. Das Geld kann auch in den Neubau gehen. Aber egal. Sie merken nix.

  2. 54.

    "Die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen dem Land und den landeseigenen Töchtern verleugnen Sie ja ohnehin."

    sie meinen so wie sie die unterschiedlichen Zielsetzungen von Wohnungsankauf und Wohnungsneubau?

    "Bauen gehe nicht in 2 Monaten ist eine Ausrede"

    worin genau besteht denn ihrer Meinung nach hier die Ausrede?

    "Berlin muss mal richtig anfangen mit dem Bauen"

    richtig- aber das hat gar nichts mit dem Artikel und den Wohnungsankäufen zu tun.Die Hindernisse fürs Bauen sind bekanntlich vielfältig und ich kann auch einige davon schlichtweg nicht nachvollziehen- aber die Wohnungsankäufe und das damit von ihnen kolportierten fehlende Kapital (weil andersweitig bereits ausgegeben) gehört da nicht dazu.

  3. 53.

    Auch hier nur Beleidigungen. Was ist Ihr Problem? Der Kommentator hat es auf den Punkt gebracht. Ihr Hinweis, Bauen gehe nicht in 2 Monaten ist eine Ausrede. Berlin muss mal richtig anfangen mit dem Bauen. Und dafür braucht es das Geld, das es jetzt in den Wohnungsankauf steckt. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen dem Land und den landeseigenen Töchtern verleugnen Sie ja ohnehin.

  4. 52.

    Beleidigungen können Sie sich sparen. Sie verstehen es nicht. Die Degewo hätte mit dem Geld neuen Wohnraum schaffen können. Ihre Abschlussworte sind unsachlich.

  5. 51.

    Mal hierzu ein Vergleich mit Hamnburg, sehr lesenswert

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/hamburgs-bausenatorin-im-interview-ich-halte-den-mietendeckel-fuer-keine-gute-idee/25344366.html

  6. 50.

    "Und wer es noch immer nicht kapiert hat oder kapieren will"

    völlig richtig ihr Beitrag- allerdings helfen Fakten leider nicht gegen Menschen. die nicht verstehen wollen. Tun tun sie das schon (sind ja nicht blöd, die Spekulanten, Zocker und alle Profiteuren von immer weiter steigenden Immobilienpreisen und Mieteinnahmen).

    Ich hoffe, die städtischen Wohnungsbauunternehmen bleiben am Ball und kaufen (zu Verkehrswerten) weiterhin Wohnungen auf. Letztendlich tun sie damit auch nichts anderes, als andere Immobilienkäufer. Und die stehen ja nun nicht gerade im Verdacht, damit Geld zu verbrennen, sondern im Gegenteil verdienen damit sogar welches. Wenn man das ohne Ausbeutung der Mieter betreibt, verdient man halt nur etwas weniger damit und es dauert länger, bis es sich amortisiert und ist damit ein Gewinn für den Steuerzahler- und kein Verlustgeschäft wie hier oft schwadroniert.

  7. 49.

    Und wer es noch immer nicht kapiert hat oder kapieren will:

    Der Ankauf der Wohnungen dient der Entlastung der BESTEHENDEN Mieter!

    Der Neubau dient der Entlastung der ZUKÜNFTIGEN Mieter! So schwer ist das doch nicht zu verstehen oder?

  8. 48.

    Aufkauf von Wohnungen soll auch nicht die Wohnungsnot lindern, sondern die horrenden Mieten. Das sind zwei verschiedene Baustellen.

    "Sie verstehen die Zusammenhänge schlicht weg nicht und spulen sich dennoch als Besserwisser auf."

    Fassen sie sich mal ganz schnell an die eigene Nase! Ankauf von Wohnungen senkt nicht, besser bremst nicht nur den Mietenspiegel, sondern ist eine Sofortmaßnahme. Berlin baut. Aber das geht eben nicht in 2 Monaten.

    Sie spielen sich hier als neunmalkluger Besserwisser auf, der meint alles genauer zu wissen wie Experten der Senatverwaltung. Wie man solche Leute nennt wissen sie oder? Fängt mit Klug... an.

  9. 47.

    Lesen ist nicht ihre Stärke oder?

    "Geld kann immer nur einmal ausgeben werden."

    "Die landeseigene Degewo stemmt den Kauf - und zwar ohne Landesmittel, wie betont wurde."

    Ohne Worte

  10. 46.

    Sie scheinen in einem anderen Berlin zu leben als ich. Die Schulden hatten SPD und Linke von der CDU Regierung unter Diepgen und Landowski übernommen.

  11. 45.
    Antwort auf [Max] vom 15.12.2019 um 13:25

    und Sie kapieren es nicht. Geld kann immer nur einmal ausgeben werden. Ich kann bestehenden Wohnraum dafür kaufen oder neuen durch Bauen schaffen. Das Geld, das in den Kauf geht, fehlt beim Neubau. Für den Wohnungsbestand soll ja der Mietendeckel die Preise regulieren. Ein Kaufen ist daher dann unsinnig. Und da der Mietendeckel nicht beim Neubau greifen soll, wäre es sinnvoller, wenn der Staat mir seinem Geld sozialen Neubau schafft.

  12. 44.
    Antwort auf [Max] vom 15.12.2019 um 13:25

    Das ist keine andere Baustelle, Sie verstehen die Zusammenhänge schlicht weg nicht und spulen sich dennoch als Besserwisser auf. Zusammen genommen wurden dieses Jahr mehr als 1 Milliarde € nicht in den Neubau sondern in alte, überteuerte Immobilien gesteckt. Hätte man für über 1 Milliarde Euro neue Wohnungen gebaut, dann wäre der Druck auf die Bestandsimmobilien gemildert worden und fast ALLE hätten davon nicht nur profitiert, sondern mehr noch, es hätte ein PAAR 1000 neue, zusätzliche Wohnungen/ Zuhauses gegeben. Irgendwas um die 10.000 Stück +/-
    Für 10.000 Wohnungen kaufen, kann man bei den Preisen auch mindestens 10.000 zusätzliche bauen. Dann würde man nicht solche Berichte lesen, dass sich 1749 Bewerber auf eine Wohnung bewerben.
    Ich frage mich außerdem, woher hat die Degewo diese rund 1,3 Milliarden Euro (+78 Mio {6%] Grunderwerbssteuer + Notar + Grundbucheintr.) Sind wohl Miethaie. Alleine mit der Grunderwerbssteuer könnte man schon ca 600 neue Wohnungen bauen.

  13. 43.

    Wenn man die Mieten reguliert lohnt es sich nicht mehr für andere zu bauen. Dies erkennt man bereits bei der Mietpreisbremse, die Baukosten sind heutzutage bereits zu hoch für die diese Regulierung.

    Der Mietendeckel ist wesentlich schärfer, so dass sich bauen und modernisieren überhaupt nicht mehr rentieren.

    Somit wird der Baubereich nur noch für Selbstnutzer vorangetrieben. Kein Neubau bedeutet Stillstand. Mieter die gerne in eine schöne Wohnung auch zu höheren Preisen einziehen würden, müssen in Ihren Wohnungen bleiben. Die Fluktationsrate wird weiter sinken und umziehen wird noch weniger möglich.

    Zur gleichen Zeit drängen durch die günstigen Mieten noch mehr Menschen nach Berlin.

    Der Zustand der Häuser wird schlechter, da kein Vermieter die Mühe und Kosten für Modernisierungen aufbringen wird.

    Das alles verschärft nur die Wohnungspolitik anstatt Lösungen zu erzielen.

  14. 42.

    Lieber Heiko,
    darauf möchte ich ganz entschieden entgegenen: leider, ist es nicht ganz so simpel. "bauen, bauen, bauen" - ihr Motto greift viel zu kurz, denn es nimmt in Kauf, dass geringer Verdienende aus den inneren Stadtbezirken verdrängt werden. Ein schönes Beispiel ist zB. mein Kiez im Prenzlauer Berg. Wenig überraschend, hier wird seit Jahren per Mietpreisspirale verdrängt. Etliche Senioren hier mussten ihre Heimatkieze verlassen (zumeist wohl Richtung Hellersdorf, Lichtenberg), weil zB die Deutsche Wohnen kontinuierlich an der Modernisierungspreisschraube gedreht hat. Es ist eben nicht egal, wie sich die Mietpreise von Bestandswohnungen entwickeln. Ansonsten nehmen wir in Kauf, dass die Innenstadt eben nur für Besserverdiener erschwinglich ist. Bauen ist das eine. Mietpreise regulieren, das andere. Hinzukommt, dass insbesondere das Bauen erst mittelfristig entlasten kann. Was passiert ihrer Meinung nach bis dahin? Däumchen drehen und nichts tun?

  15. 41.

    In Berlin fehlen mehr als 100.000 Wohnungen. Die Lösung ist zu bauen, nicht zu kaufen.

  16. 40.

    Ja zu Rolf Kranz, und noch genauer: Das Mietkaufmodell bei 30.000,00 € pro Wohnung - ein Schnäppchen für monatlich weniger als die Miete, das jede Bank gerne jedem Mieter finanziert hätte oder auch das Land Berlin durch eine etwa 8 bis 16 jährige Abzahlung direkt vom Wohnungsbesitzer erhalten konnte -- dieses Mietkaufmodell haben die gleichen Leute verhindert, die jetzt zu weit höheren Kosten einen Bruchteil der verkauften Wohnungen zurückholen.
    Bilanz: Keine einzige Wohnung haben wir mehr, aber nun pro Wohnung mindestens doppelt so hohe Ausgaben als das Land beim Mietkauf längst als Einnahmen zum Neubau zur Verfügung hätte.

  17. 39.

    Bei Enteignungen muss bekanntlich eine Entschädigung in der Nähe des Verkehrswertes gezahlt werden. Dies können Sie gerne im von den Klassenkämpfern viel bejubelten "Vergesellschaftungsgutachten" nachlesen - falls es Sie interessiert. Besser also gleich zum Verkehrswert kaufen und die Kosten auf die Profiteure des Kaufs umlegen als jahrelang zu prozessieren.

  18. 38.

    Es wird immer deutlicher, dass die Regierenden damals nicht die Verantwortung für nötige moderate Mietsteigerungen übernehmen wollten. Stattdessen haben sie den "Investoren" zulasten der Mieter und jetzt auch der Steuerzahler radikale Mietsteigerungen und Spekulationsgewinne ermöglicht.
    Aktuell ist Enteignen dann vielleicht doch die günstigere Strategie.

  19. 37.

    Seit Anfang 2017 kaufte Müller über städtische Unternehmen mehr als 10 000 Wohnungen auf, die größtenteils in den 1990er Jahren oder später vom Land Berlin zur Schuldentilgung regelrecht verschleudert wurden. Fachleute rechnen vor, das Geld wäre für den Wohnungsneubau besser investiert.

    Wie es geht, wenn mal so ein Berliner Staats- "Betrieb" in Schieflage gerät, ist zur Zeit bei der BVG zu beobachten. Die Ex-BVG Chefin seilt sich ins Staatsunternehmen DB ab, produzierte bei der BVG einen Schuldenberg von 75 Millionen €, für die nun Müller sich erstmal windet und wendet, aus Steuermitteln auszugleichen.

Das könnte Sie auch interessieren