Berlin: Zahlreiche Wohnungen sind in Sichtweite des Fernsehturms zu sehen. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
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Immobilien für 150 Millionen Euro - Samwer-Brüder kaufen immer mehr Wohnungen in Berlin

Über ein kompliziertes Firmengeflecht kaufen die Gründer des Internetkaufhauses Zalando in Berlin immer mehr Wohnungen und Grundstücke. Die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer besitzen mittlerweile Immobilien im Wert von mindestens 150 Millionen Euro. 

Die Gründungsinvestoren des Internetkaufhauses Zalando und der Start-up-Schmiede Rocket Internet kaufen in Berlin immer mehr Wohnungen. Die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer besitzen über ein kompliziertes Firmengeflecht allein im Zentrum der Bundeshauptstadt Immobilien im Wert von mindestens 150 Millionen Euro. Dazu kommen laut Grundbuchakten Grundstücke, Häuser und Gewerbeflächen in fast jedem Berliner Bezirk. Das ergeben gemeinsame Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" und des Spiegel.

Neben Gründerzeit-Mietshäusern in Prenzlauer Berg sowie Gewerbeflächen in Reinickendorf und Neukölln sind auch spektakuläre Gebäude darunter. Im Portfolio sind beispielsweise der Admiralspalast, eine glamouröse Vergnügungsstätte vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die frühere Zentrale des Bayer-Konzerns am Kurfürstendamm und das Ullsteinhaus.

Alexander Kudlich (l-r), Group Managing Director der Rocket Internet SE, Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender der Rocket Internet SE, und Peter Kimpel, Finanzvorstand der Rocket Internet SE, kommen zur Hauptversammlung seines Unternehmens. Quelle: dpa/Jörg Carstensen
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Immobilienwirtschaft stabiler als Internetwirtschaft

"Die Samwer-Brüder sind dabei, mit ihrem Geschäftsmodell das Gesicht Berlins zu verändern", sagte der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel "Frontal 21" und dem Spiegel. "Die innovativen Kräfte, die Kreativen, die gehen verloren. Oder auch der einfache Mieter, der Handwerksbetrieb von nebenan."

Dass Geld aus der New Economy in Werte der Old Economy wie Immobilien investiert wird, ist nach Hickels Ansicht nicht nur eine Entwicklung in Deutschland. "Das beobachten wir auch in den USA", sagte der Wirtschaftsprofessor. Geld, das Digitalkonzerne erwirtschafteten, wandere immer seltener in die eigene Entwicklung, "weil sie nicht mehr interessiert, weil sie weniger profitabel ist". Im Gegensatz zum Internetgeschäft sei die Immobilienwirtschaft weniger "flatterhaft und krisenanfällig".

Der Regensburger Volkswirt und Immobilienexperte Tobias Just sieht diese Entwicklung kritisch. Wenn IT-Unternehmen nicht mehr in ihr Kerngeschäft, sondern in Immobilien investierten, "dann ist das ein Warnzeichen sowohl für die Unternehmen als auch für den Immobilienmarkt", sagte Just "Frontal 21" und dem Spiegel. Die Folge sei eine "beschleunigende Preisdynamik".

Anmerkung in eigener Sache: In einer früheren Version dieses Beitrags hatten wir die Samwer-Brüder in der Überschrift zugespitzt als "Zalando-Brüder" bezeichnet. Da das Unternehmen Zalando mit den Immobilien-Käufen der drei Brüder nichts zu tun hat, haben wir die Überschrift geändert.

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44 Kommentare

  1. 44.

    Warum soll das ein Warnzeichen für den Immobilienmarkt sein? Die stichhaltige Begründung fehlt mir hier.
    In den Berliner Immobilienmarkt würde ich bei der gegenwärtigen politischen Situation keinen Euro investieren.
    Na, ich hoffe, die investieren nicht in Mietwohnungen, sondern in Gewerbe.

  2. 42.

    Winfried, tatsächlich habe ich noch nie bei zalando und co gekauft, ich kaufe in Steglitz in "Läden" ein, ganz analog, nix digital. Ich habe nicht mal paypal. Nix. Ich bin also nicht nur ein Heuschrecken-Gegner, sondern auch einer, der sie nicht bezahlt.

    Wer sich also über Kapitalisten und deren Firmen aufregt, der muss als erstes seine Strategie beim Einkaufen ändern. Es könnte funktionieren, wenn es viele täten...

  3. 41.

    Ich finde es schon lustig, wie sich hier einige erregen, aber selbst Kunden von Zalando &Co. sind und somit indirekt den Reichtum der Brüder häuften.
    Aber, ich höre schon den Chor der Empörten "ich nicht" aufschreien.
    Verlogene Doppelmoral.

  4. 40.

    Ich bin der falsche Adressat. Sagen sie das denen, die hier immer wieder die gleichen Märchen erzählen wollen.

  5. 39.

    Dann fangen sie doch endlich mal an ihre wilden Behauptungen mit Zahlen zu belegen.

    Sie haben ja nicht einmal ganz unrecht, man tatsächlich damals unter der cDU und FDP Regierung angefangen den sozialen Wohnungsbau nachhaltig zu zerstören. Nochmal, cDU UND FDP.

  6. 38.

    Schnee von Gestern. Immer wieder die Missstände aufzuwärmen bringt Berlin nicht weiter. Nach vorne blicken und anpacken.

  7. 37.

    Und Sie unterschlagen mal wieder, dass der Verkauf des Tafelsilbers lange vor dem Bankenskandal begonnen hat. Da war nämlich rein gar nichts mehr Silber sondern nur noch rostiges Blech. Die Wohnungen befanden sich in einem miserablen Zustand und den Kommunen (nicht nur Berlin) war es schlicht zu teuer, den Bestand zu modernisieren, da man die Kosten über die Mieten nicht schnell genug zurück bekommen hätte. Daher begann man, diese Subventionierung von Wohnen zu reduzieren, was sich heute bitter rächt.

  8. 36.

    Sie unterschlagen mal wieder und ich unterstelle ihnen dabei volle Absicht, WARUM das Tafelsilber verramscht werden mußte.

    Fragen sie doch mal die Herren Diepgen und Landowsky.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal

  9. 35.

    Nö, ist keine Frechheit, sondern die Wahrheit. Der normale Durschnittsverdienst reicht aus. Für Leute, die sozial schwächer sind, gibt es eben die soziale Hängematte. Da zahlt der Staat eh die Miete und vorallem die Betriebskosten... Die Eigenheimquote ist in Berlin geringer als im bundesweiten Vergleich. Scheint Berliner Mentalität zu sein, eher nach dem Staat zu rufen als Eigenverantwortung zu übernehmen. Und gleichzeitig werden unternehmerisch veranlagte Menschen angeranzt.

  10. 34.

    Wie gut für diese Brüder, dass sie keine Steuerprüfung fürchten müssen. Bei so einem Firmengeflecht haben Finanzämter keine Chance.

  11. 33.

    Guter Beitrag heute bei Frontal 21 im ZDF. Das ganze Firmengeflecht, wo alle Fäden immer wieder bei den drei Gebrüdern zusammenlaufen (das Geld selbstredend auch...) wurde gut dargestellt, Waldemar aus dem Schillerkiez kam zu Wort, Dr. Müller aus dem Ärztehaus, und sogar die fadenscheinige Familienstiftung, die einzig dem Unterhalt des Familieneinkommens dient, wurde erwähnt. Somit dürfte es sich dank größerer Verbreitung jetzt um "Allgemeinwissen" handeln und nicht mehr der Zensur unterliegen. Oder gibt es schon Unterlassungsklagen der Gebrüder?

  12. 32.

    Wenn Müller die Wohnungen zurückkaufen will, die er, respektive seine Partei, vorher verramscht hat, wird das finanziell nicht klappen. Denn er müsste zu aktuellem Preis kaufen.
    Berlin hatte die GSW mit 65.000 Wohnungen im Jahr 2004 an private Investoren für 450 Millionen € verkauft, der Marktwert dieser Wohnungen liegt nach Fachleuten bei einem zweistelligen Milliardenbetrag.

  13. 31.

    warum nur stehe so viele Immobilien zum Verkauf, wenn es doch zugleich eine gute Geldanlage ist? Selbst die kriminellen Clans kaufen ständig Immobilien. Warum nur kaufen die Städte nicht selber diese Immobilien für bezahlbaren Wohnraum?

    M.f.G.
    Lang

  14. 30.

    Erzählen sie doch mal ihren geballten Unsinn dem Aufstocker, dem prekär Beschäftigten oder dem Niedriglöhner. Dann auch noch von "sozialer Hängematte" zu faseln ist eine bodenlose Frechheit.

  15. 29.

    @Anita #21; Vielleicht weil die Samwer-Brüder und Rocket Internet die ersten Risikokapitalgeber waren und bis zu 40% von Zalando besaßen. Natürlich verschiebt sich das nach einem Börsengang, zumal, wenn sich die Copycat-Geldgeber ihre Anteile versilbern und in Betongeld investieren.

  16. 28.

    Neenee, es geht um Gentrifizierung durch die Immobilienwirtschaft. Das hat nichts mit mit Neid zu tun. Ich kenne Hauseigentümer, die ihren Mieter eben nicht die Möglichkeiten, die die Gesetze ermöglichen, aufbürden sondern ihre Kieze erhalten, dies zu normaler Mieten und das Haus nebst Struktur sind top erhalten.
    Es geht auch sozial und nicht nur mit Gewinnmaximierung.
    Oder hat der Bericht Sie tief ins Mark getroffen, weil Sie vielleicht auch so ein Mensch sind, dem seine Mieter oder Mitarbeiter völlig gleichgültig sein könnten?

  17. 27.

    Wenn man nicht möchte, dass jemand anderes seine Wohnung kauft, dann sollte und hätte man sie längst selbst kaufen sollen. Und überhaupt, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Dazu gibt es auch teilweise Vorkaufsrechte für Mieter.
    Die soziale Hängematte, in der man nichts tun muss um für 200 kalt in einer 150 qm Wohnung im Szenebezirk zu leben, ist aber bequemer. Genauso, wie sich einfach das rechtmäßig erwirtschaftete Geld oder damit gekaufte "Gegenstände" anderer anzueignen.
    Ihr kauft doch alle bei Amazon, weil es da so toll und so günstig und der Käuferschutz so super ist. Warum sollten die mit dem rechtmäßig verdienten Geld nicht Wohnungen kaufen. Wenn nicht die, dann hätte es jemand anderes gekauft.

  18. 26.

    Ich las gerade einige Artikel bei heise, die sich mit dem Thema Internet beschäftigen. Wenn man da die Probleme mal geballt sieht, welche die Politik im Internet schafft, da wundert es einen nicht, das dort immer mehr aussteigen. Das Internet ist quasi tot. Überwachung bis ins kleinste und horrende Strafen für kleinste Vergehen (welche die Politik erst zu Vergehen macht) Selbstzenzur/ Uploadfilter aus Angst vor Millionenstrafen, unterwandern von Verschlüsselungstechnologien, Bankgeheimnis abgeschafft, Bargeld ist auch bald dran. Man kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass manche Meinungen aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden sollen um eine Blase zu bilden.
    Ansonsten verstehe ich das Gejammer nicht. Die Wohnungen standen zum Verkauf und jemand hat sie gekauft. Fertig.
    Wenn ich den Artikel lese, dann komme ich mir irgendwie aufgewiegelt vor. Es ist doch auch nicht ihre Pflicht nur ins Kerngeschäft zu investieren. Was soll uns denn da von Experten eingeredet werden.

  19. 25.

    Endlich spricht ihr das Thema mal an. Das machen viele, viele Firmen, wie z.B. VW, Rewe, Samsung und co. Der Senat merkt das nicht und die Nullzinspolitik der EZB ist auch daran schuld.

    Irgendwann platzt die Blase. Aber solange alle nach Berlin wollen, kaufen Alle schön weiter.

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