Archivbild: Flugbegleiter der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation UFO haben sich zu einer Streik-Kundgebung vor dem Terminal am Flughafen versammelt. (Quelle: dpa/M. Balk)
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Tarifstreit bei Lufthansa - Ufo will Germanwings über Silvester drei Tage lang bestreiken

Fluggäste der Lufthansa-Tochter Germanwings müssen sich erneut auf Flugausfälle einstellen: Wie die Gewerkschaft Ufo am Freitag mitteilte, wird das Kabinenpersonal die Arbeit ab Montag für drei Tage niederlegen. Ab 2. Januar könnten weitere Streiks folgen.

Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) hat ihre Mitglieder dazu aufgerufen, die Lufthansa-Tochter Germanwings drei Tage lang, vom 30. Dezember, 0.00 Uhr, bis zum 1. Januar, 24.00 Uhr, zu bestreiken. Das gab die Gewerkschaft am Freitagnachmittag auf der Video-Plattform YouTube [youtube.de] bekannt. Zuvor hatte es nur geheißen, dass noch in diesem Jahr gestreikt werde.

Nach Angaben des Fachportals Austrianaviation [austrianaviation.net] sind an den betreffenden drei Tagen rund 229 Germanwings-Flüge in Gefahr. Bereits beim ersten Warnstreik bei allen vier Lufthansa-Töchtern im Oktober war die Streikbeteiligung bei Germanwings am höchsten. Damals waren innerhalb von 19 Stunden rund 150 Flüge ausgefallen, unter anderem in Berlin-Tegel, Köln, München, Stuttgart und Hamburg.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings, für die Germanwings fliegt, kündigte am Freitagabend an, einen Sonderflugplan zu erstellen, um die Auswirkungen des Streiks möglichst gering zu halten. 

Lufthansa und andere Töchter zunächst nicht betroffen

Als Grund für die erneuten Arbeitsniederlegungen gab die Gewerkschaft an, dass die über Weihnachten geführten Schlichtungsgespräche gescheitert seien. Den jetzt beschlossenen Streik bezeichnete der Ufo-Sprecher als "ultima ratio", als letztes Mittel.

Die anderen drei Lufthansa-Töchter Eurowings, CityLine und SunExpress sowie die Kernmarke Lufthansa seien zunächst nicht betroffen, sagte Ufo-Vizechef Daniel Flohr am Freitagnachmittag in Frankfurt am Main. Sollte Lufthansa nicht einlenken, müsse die Gewerkschaft jedoch zu weiteren Streiks aufrufen. Dies würde nach dem 2. Januar geschehen, ergänzte Flohr - aber nur wenn "nicht weiter Öl ins Feuer gegossen wird".

Dazu zähle er "weitere Falschmeldungen, unbegründete Klagen, einstweilige Verfügungen und dergleichen mehr". Dies würde den Konflikt "nur weiter verschärfen", drohte Flohr.

Aus Arbeitgeber-Sicht "absolut unangemessen"

Die Arbeitgeberseite reagierte verärgert. Lufthansa-Vorstandsmitglied Detlef Kayser verurteilte den Streikaufruf und machte dem früheren Ufo-Chef Nicoley Baublies heftige Vorwürfe: "Hier wird offensichtlich ein Arbeitskampf missbraucht, um persönliche und finanzielle Interessen des Vorstandsbeauftragten der Gewerkschaft durchzusetzen", erklärte Kayser am Freitag.

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" [spiegel.de] berichtet hatte, war Baublies, einst Kabinenchef der Lufhansa, im September nach 15-jähriger Betriebszugehörigkeit von Lufthansa fristlos gekündigt worden. Als Ufo-Chef hatte er 2015 den längsten Flugbegleiter-Streik in der Lufthansa-Geschichte organisiert. Neue Ufo-Chefin ist inzwischen Sylvia De la Cruz, vertreten durch Daniel Flohr. Baublies fungiert als Beauftragter des Ufo-Vorstandes.

"Der Streikaufruf ist absolut unangemessen", erklärte ein Lufthansa-Sprecher am Freitagnachmittag. Noch am Montag habe man der Ufo eine Moderation angeboten, was abgelehnt worden sei. Der entsprechende Tarifvertrag liege unterschriftsreif vor. Allerdings hatte auch Germanwings wie der Mutterkonzern die Vertretungsberechtigung der Ufo-Funktionäre bezweifelt.

Neuer Schlichtungstermin: Ufo spricht von "Falschmeldung"

Germanwings ist noch mit etwa 30 Flugzeugen und 1.400 Mitarbeitern, davon 800 in der Kabine, für die für die Marke Eurowings unterwegs, soll aber perspektivisch mit dem Eurowings-Flugbetrieb verschmolzen werden.

Das Management gebe den Mitarbeitern keine klare Perspektive für die Zukunft ihres Flugbetriebs, erklärte Flohr. Diese Perspektivlosigkeit zeige sich auch in den Tarifthemen am Verhandlungstisch. Schwierig seien die Verhandlungen auch für die Kernmarke Lufthansa. Dabei bringe der Konzern Themen ein, für die er formal gar nicht zuständig sei. Als Beispiel nannte Flohr eine halbjährige Friedenspflicht bei Germanwings.

Dass es bereits einen neuen Schlichtungstermin im Januar gebe, nannte der Ufo-Sprecher eine "Falschmeldung". Zwar hätten die Schlichter alles versucht, um einen solchen Termin zu erreichen - es sei aber nicht dazu gekommen.

Lob für die Arbeit von Weise und Platzeck

Zugleich lobte die Gewerkschaft die Arbeit der beiden designierten Schlichter, des früheren Chefs der Arbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, und des ehemaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD). Die Arbeitgeberseite sei aber auf die Vorschläge der Gewerkschaft nicht eingegangen.

Noch am Donnerstag hatte ein Lufthansa-Sprecher gesagt, dass der Konzern "an einer großen Schlichtung interessiert" sei. "Streiks sind aus unserer Sicht keine Lösung." Die Lufthansa schaue nun auf die vorgeschlagenen Schlichtungstermine im Januar, ergänzte der Sprecher.

Bereits im November 1.500 Flüge ausgefallen

In dem Tarifkonflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren im November rund 1.500 Flüge mit rund 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen. Am Flughafen Tegel waren mehrere Dutzend Verbindungen gestrichen worden.

Vor Weihnachten hatten die beiden Schlichter die seit Monaten zerstrittenen Tarifparteien zu einem weiteren Schlichtungsvorgespräch eingeladen. Dabei sollte der genaue Umfang der Themen festgelegt werden.

Ufo verlangt unter anderem Rücknahme von Kündigungen

Beide Seiten betonen immer wieder, eine möglichst umfassende Einigung mit einer Vielzahl tariflicher Themen anzustreben. Auf Grundzüge hatte man sich bereits im November bilateral geeinigt, war dann aber im gegenseitigen Misstrauen doch nicht zueinander gekommen.

In der Zwischenzeit wurde Lufthansas Personalvorständin Bettina Volkens abberufen, die für einen moderateren Kurs mit der Ufo stand. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem eine Rücknahme von Kündigungen und Klagen gegen frühere und aktuelle Vorstandsmitglieder.

Sendung: Inforadio, 26.12.2019, 18:40 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Bei diesem Streik geht es um die kleine Frau und den kleinen Mann.Alle die jetzt jammern können ja zu diesen Bedingungen an Bord arbeiten. Zitat: ein paar entspannte Tage verbringen. Das ist ja super. Und auf wessen kosten will der Forist ein paar entspannte Tage verbringen ? Richtig auf Kosten des Personals,auf Kosten der Umwelt und der Menschen die davon betroffen sind. Solche Leute meinen das sind ihre Recgte, und was ist mit den Rechten der Geschädigten ? Die zählen wohl nicht in dem Weltbild.

  2. 7.

    Ich finde den Aufruf der Gewerkschaft als völlig unangemessen und unverschämt. Wieder werden die Leute getroffen die über den Jahreswechsel ein paar gemütliche Tage verleben wollen. Aber nur mit solchen Attacken können ja die Gewerkschaften gern Sinn und Zweck nachweisen. Ich hoffe nur das die Bosse ein gemütliches und erholsames Silvester feiern werden. Der angerichtete wirtschaftliche Schaden ist den Leuten ja egal.

  3. 6.

    Das ist glaube ich das aktuelle Grundproblem unserer Gesellschaft. Geiz ist eben nicht geil und das betrifft nicht nur Flugtickets, sondern auch den Nahrungsmittelsektor inkl. Bauern und auch den Einzelhandel. Dieser Dominoeffekt von Billigprodukten, die eigentlich keine sind sondern dazu gemacht werden,indem man u.A. dem Personal wenig zahlt und damit auch Altersarmut hervorruft, muss irgendwie gestoppt werden. Aber nicht mit einer Gesellschaft, die immer mehr will und immer weniger bereit ist,einen angemedsenen Preis dafür zu zahlen.

  4. 5.

    Ist leider wie bei allen Behinderungen so,wenn man von A nach B kommen will/ muss.
    Egal ob Flieger bestreikt werden, Bahnstreik, durch Demos besetzte Straßen. All das ist nicht Schiksal, versucht durch einen Unfall oder eine Naturkatasthrophe.
    Es geht den anderen um Durchsetzung der eigenen Intetessen auf Kosten der Allgemeinheit, die gar keinen Einfluss auf das Geschehen haben. Die Allgemeinheit ist " nur" das Druckmittel.
    Diese Erkenntnis hilft nur nicht unbedingt, wenn man grad selbst von solchen Behinderungen betroffen ist.

  5. 3.

    Jeder nicht stattfindende Flug ist ein guter Flug......gut für die Umwelt allemal - also streikt.
    Ausserdem ist es in Ordnung, nicht nur Vorstände die Taschen zu stopfen, alle müssen partizipieren dürfen.
    Und an alle, die meinen, die Streikenden sollten entlassen werden: Euer Egoismus führt dazu, Geiz ist nicht mehr geil, Geiz zeigt sich den Charakter der Ausbeuterbilligheimer.

  6. 2.

    Der Streik Trift nicht Lufthansa sonder den kleinen Mann,der nur mit seiner Familie irgendwo
    Silvester feiern möchte.

  7. 1.

    Um was es da jetzt geht bei diesem Streik ist völlig daneben. Alle entlassen , es gibt genug Arbeitskräfte die diesen Job machen würden.
    Langsam spinnen die doch.

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