Verpackungsreste von Fertigmahlzeiten (Foto: imago-images/Jochen Tack)
Bild: imago/Jochen Tack

Kampf gegen Take-away-Müll - Beknackt verpackt

Coffee to go, Pizza zum Mitnehmen: Die Deutschen essen und trinken immer öfter außer Haus – und produzieren damit riesige Müllberge. Franziska Ritter über die Schwachstellen  alternativer Verpackungen und eine Berliner Idee, mit der alles besser werden soll.

Das Leben eines Pizzakartons ist kurz und endet für gewöhnlich in der Verbrennungsanlage. Denn so viele Fettflecken wie normalerweise nach dem Essen auf der Pappe sind und Käsereste daran kleben, lässt er sich schwerlich recyceln.

Nach den Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, die im Auftrag des Naturschutzbunds Nabu das Abfallaufkommen der Deutschen unter die Lupe genommen hat, landen pro Jahr bundesweit rund 50.000 Tonnen Pizzakartons im Müll. "Das ist ein enormer Anstieg in den vergangenen zehn Jahren", mahnt Nabu-Referentin Katharina Istel.

280.000 Tonnen Take-away-Müll im Jahr

Doch beim Pizzakarton hört der Verpackungswahnsinn nicht auf: Rechnet man all die Schalen, Boxen und Beutel ein, in denen Burger, Sushi und Salate die Restaurants verlassen, wird der Müllberg noch größer. Dazu kommt Einwegbesteck. Auch die Plastik- und Pappbecher, die es beim Bäcker und in der Kantine zum Mitnehmen gibt, fallen ins Gewicht. Unterm Strich kommen laut Nabu im Jahr ungefähr 280.000 Tonnen an Take-away-Müll zusammen.  

Biokunststoff statt Plastik

In Zeiten des Internets ist das Lieblingsessen nur einen Klick entfernt, Lieferdienste bringen Pizza, Pasta und Co. direkt nach Hause und ins Büro. Lieferando – derzeit führende Bestellplattform in diesem Bereich – arbeitet in Deutschland mit über 18.000 Restaurants zusammen. Seit Dezember 2019 hat das Unternehmen alle Artikel aus Einwegplastik verbannt aus dem Sortiment seines Webshops, über den es kooperierende Restaurants mit Verpackungsmaterialien versorgt. "Das soll ein erster Schritt sein, um das Thema anzugehen", sagt Geschäftsführer Jörg Gerbig. Statt auf Plastik setzt Lieferando jetzt auf Biokunststoffe und Papier. 2019 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben beispielsweise mehr als 11,5 Millionen Papiertüten verkauft.

Doch der Nabu sieht das kritisch: "Es geht nicht nur darum, Kunststoff zu reduzieren, sondern auch Papierverpackungen", sagt Katharina Istel und stellt eine Rechnung auf: Eine Fichte liefert im Schnitt genug Holz für gut 128 Kilo Frischfaserpapier. Um eine Tonne davon herzustellen, müsste man 7,8 Bäume fällen. Und für die 190.000 Tonnen Papier, Pappe und Karton, die pro Jahr an Einweggeschirr und Take-away-Verpackungen über die Theken gehen, sind es fast 1,5 Millionen Fichten.

Warum Bioplastik nicht die Lösung ist

Vor dem Hintergrund des EU-weiten Verbots von Einwegartikeln aus Plastik und Styropor, das 2021 kommen wird, beobachtet der Nabu einen Trend zu kunststoffbeschichteten Verpackungen aus Papier. "Die sind kaum zu recyceln und bestimmt auch nicht gesundheitsfördernd", betont Katharina Istel.

Die Schwierigkeit bei Bioplastik: Viele Artikel, die jetzt auf den Markt kommen, lassen sich nur in industriellen Kompostanlagen abbauen. "Die BSR möchte nicht, dass man sein Plastikbesteck aus angeblich abbaubarem Kunststoff in die Biotonne wirft", sagt sie. Das gleiche gelte für Kunststoffe, die auf nachwachsenden Rohstoffen wie Mais basieren. Sie schnitten in der Ökobilanz kaum besser ab als Plastik aus fossilen Rohstoffen.

Mehrweg

Die Lösung kann aus Sicht der Naturschützer nur Mehrweg heißen.

2015 haben vier Berliner den Versuch gestartet, ein Pfandsystem für Behälter aus Edelstahl aufzubauen. Wer beim so genannten Tiffin-Projekt mitmachen wollte, musste sich vorab registrieren und bekam dann in teilnehmenden Lokalen sein Essen im Mehrweg-Behälter, den er später bei einem Partner zurückbringen musste.

Doch als die Initiatoren für jeden Tag, die die Box beim Kunden war, eine Leihgebühr von 50 Cent verlangten, sprangen viele Nutzer ab. "Das war der Knackpunkt", sagt Anna Behrendt aus dem Team von Tiffin rückblickend. "Die Leute hatten das Gefühl, dafür bestraft zu werden, dass sie eine umweltfreundliche Mehrweglösung nutzen."

Metallene Mehrwegverpackung fürs Essen to go (Foto: Matthias Sandmann)

Pfandsystem

2020 will das Team um Anna Behrendt mit einem veränderten Konzept noch einmal durchstarten. Gegen zehn Euro Pfand sollen Berliner in teilnehmenden Restaurants und Kantinen das Essen ihrer Wahl in einer Edelstahlbox über die Theke gereicht bekommen – ohne sich vorher bei Tiffin Loop anmelden zu müssen. Geben sie das Gefäß bei einem teilnehmenden Partner zurück, kriegen sie eine neue Box oder ihre zehn Euro zurück. Ob das besser angenommen wird, muss sich zeigen.

Auch bei Lieferando gibt es erste Überlegungen, ein Pfandsystem einzuführen. "Viele Restaurantbesitzer möchten etwas für die Umwelt tun", sagt Jörg Gerbig. "Aber meistens ist der Preis entscheidend." Mehrwegsysteme erfordern eine größere Logistik, räumt auch Katharina Istel vom Nabu ein. Es braucht passende Gefäße, Menschen die sie ausgeben und zurücknehmen, regelmäßig spülen. "Daran sieht man, dass Einweg lukrativer ist", sagt sie.

Kommentar

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32 Kommentare

  1. 32.

    Na, Wurst und Käse ist noch das geringste Problem, das kann man heute schon in manchen Supermärkten an der Frischetheke in mitgebrachte Behälter legen lassen. Joghurt ist da zugegebenermaßen schwieriger...

    Bei einmaliger Lieferung ist das mit dem Mehrweg auch noch schwieriger, aber selbst Lieferdienste, die Pflegebedürftige täglich mit Essen beliefern, nutzen großteils noch Einweg-Plastik mit Alu-Abdeckung. Da die Thermobehälter ohnehin zurück gegeben werden, könnte man doch hier problemlos Mehrweggeschirr verwenden. Offenbar ist Einweg immer noch zu günstig. Entweder muss das teurer werden oder verboten.

  2. 31.

    Ein hübscher Spruch Lara.
    Wer bestellt denn Pizza und sonstiges Essen nach Hause? Wer muss immer und überall Kaffee to Go haben?
    Wie soll Wurst, Käse, Joghurt usw im Discounter/Supermarkt ohne Verpackung verkauft werden?

  3. 30.

    Wer hier nichts im Kopf hat kann man nachlesen. Z.B. Leute, die andere verunglimpfen und beleidigen aber selbst nichts zum Thema beitragen können außer einem trotzigen "Mehrweg ist jedenfalls nicht die Lösung für ToGo."

  4. 29.

    Das überlassen sie gefälligst mir ob und wie ich mich zum Thema äußere. Zumal ich auf @Lore und ihren themenfremden Kommentar geantwortet habe, schon vergessen?

    "Die ersten vier Kommentare strotzen ja nur so vor Hass, Beleidigungen oder Verallgemeinerung. Der Umgangston ist echt nicht mehr geeignet, eine sachliche Diskussion zu führen."

    Das nahm @Lore zum Anlass verallgemeinernd auf die "heutige Jugend" herumzuhacken.

    Also, sie beide weichen vom Thema ab und ich habe darauf geantwortet. In diesem Sinne:

    Wenn Sie nichts zum Thema Verpackungsmaterial beizutragen haben, dann halten Sie sich bitte heraus und vorallem mich mit Ihrer unhöflichen Art in Ruhe. Danke

  5. 28.

    Offenbar nichts. Zum Thema hoffe ich, die Verpackungsmaterialien und die Verpackungstechnik entwickeln sich schnell genug, um den Müllberg nicht noch mehr anwachsen zu lassen. Mehrweg ist jedenfalls nicht die Lösung für ToGo.

  6. 27.

    Ich fragte nur, weshalb Sie vom Verpackungsüllthema abkommen und mir Pegida anfangen, im Übrigen verbitte ich mir jegliche Unterstellungen. Wenn Sie nichts zum Thema Verpackungsmaterial beizutragen haben, dann halten Sie sich bitte heraus und vorallem mich mit Ihrer unhöflichen Art in Ruhe. Danke

  7. 26.

    Aha. Was genau bemängeln sie denn an meinen Kommentar? Es wäre doch hilfreich Kritik anzubringen statt der sinnfreien Meckerei hier.

    Sie können gerne versuchen den Inhalt und Aussage meines Kommentars zu widerlegen aber ich befürchte das können sie nicht und belassen es deshalb lieber beim sinnfreien Meckern.

  8. 25.

    Reisende soll man nicht aufhalten!

    Sie wollen doch nicht ernsthaft bestreiten dass "Hass, Beleidigungen oder Verallgemeinerung" fester Bestandteil von Pegida Aufmärschen sind oder?

    Ich glaube es sind eher SIE, der nicht "geeignet [ist], eine sachliche Diskussion zu führen."

  9. 24.

    "Alles verbieten, was man unterwegs benutzt. Auch das Handy. Man kann ja woanders ins Internet und auch an der Strippe telefonieren. " Richtig. Ich halte das schon seit Jahren so, auch ohne Verbot, und siehe da: es geht. Wir sollten uns wieder daran gewöhnen, dass nicht alles gleich und sofort sein muss, dass nicht jedes Verlangen nach Essen oder Trinken oder Information gleich und sofort befriedigt werden muss. Notfälle nehme ich hier aus, das ist klar. Notrufe kann man auch ohne internetfähiges Handy absetzen.
    Zum Thema Verpackung: nicht jede Verpackung , nicht jeder Lieferservice kann verboten werden, ich denke da an Menschen, die z.B. aus gesundheitlichen Gründen die Wohnung nicht verlassen oder selbst kochen können. Aber der überwiegende Großteil ist einfach überflüssig.

  10. 23.

    Gefühlt hat sich an den Müllbergen in letzter Zeit so gut wie nichts geändert. Den Vogel schießt aber wirklich die Mercedes Benz Arena ab. Was sogar in der Waldbühne funktioniert, hat hier keine Chance. Im Gegenteil: die Getränke werden aus Pfandflaschen in Einweg-Becher umgefüllt, die dann am Ende des Konzerts den gesamten Boden des Innenraums bedecken. Ekelhaft und überhaupt nicht zeitgemäß.

  11. 22.

    Alles verbieten, was man unterwegs benutzt. Auch das Handy. Man kann ja woanders ins Internet und auch an der Strippe telefonieren. Oder wir verbieten einfach alles. Soll jeder sein Essen selber anbauen. Man Leute, könnt Ihr nicht beim Thema bleiben. ToGo wird nunmal nachgefragt. Mehrweg ist nicht praktisch, weiß auch jeder. Also müssen die Verpackungen eben so sein, dass sie möglichst nicht im Restmüll landen müssen. Beim Umfang der Verpackung ist bestimmt auch noch was machbar. Da kann angesetzt werden. Aber mit pauschalen Verboten oder dem „wer es nutzt ist blöd“ oder „braucht kein Mensch“ kommen wir nicht zum Ziel der Müllvermeidung.

  12. 20.

    Ja, ist ja gut!! Das haben wir ja verstanden. Ich habe nur was dagegen, wenn uns die Jugend weiß machen will, wir hätten es zu verantworten ( die " Alten "). Nein, fangt erstmal bei euch selber an, anstatt immer wieder nur zu meckern!!!!!

  13. 19.

    Ich glaube leider wird das nicht so funktionieren. Mein Nachbar meinte mal: Dass keine Verbote kommen und kein Tempolimit macht ihn ganz wütend. Man selbst soll sich überall beschränken und auch noch die 'Abgase der Umweltschweine inhalieren? Die lachen sich doch kaputt und machen munter so weiter. Das ist sehr erniedrigend.
    Die Raucherei an jeder Ecke wurde ja auch ganz einfach per Gesetz und Strafe beendet. Außer etwas Gemurre hier und da hat das doch ganz gut geklappt.

  14. 18.

    WIR SIND HIER WIR SIND LAUT WEIL IHR UNS DIE ZUKUNFT KLAUT !

    Sagt nein zu Verpackungen jeglicher Art. Wir brauchen ein Verpackungsverbot !

  15. 17.

    Aha, soviel zum aggressiven Umgangston :-) Das war wohl nichts.... aber wenn man zu recht wütend ist, darf man das wohl auch mal kundtun oder ? Und wir fabrizieren eine Menge Mist während wir unseren Alltag meistern. Aber es wird nichts passieren, wenn wir unsere Nachfrage nicht ändern denn dann werden die ganzen Einwegprodukte nicht mehr verkauft und die Industrie MUSS umdenken, da sie zum Gewinn gezwungen werden durch unser Geldsystem. Alle Macht liegt beim Verbraucher, wir wissen es nur noch nicht richtig anzuwenden: Wenn wir kein "Essen To Go" oder "Kaffee To Go" mehr kaufen würden, dann würde es auch kein Hersteller mehr produzieren - logisch oder ? Die Hersteller bedienen stets die Nachfrage und je höher diese ist, desto mehr wird verkauft und desto höher ist der Umsatz. Also: Wie kommen wir zu einem Gruppenbewusstsein ? Das gemeinsame Problem haben wir ja schon: Müll. Jetzt müssen wir nur noch gemeinsam handeln :-)

  16. 15.

    Ich bestelle seit langem nichts mehr und spare nicht nur einen Haufen Müll, sondern auch jede Menge Geld. Selbst gekocht schmeckt es sowieso besser und ich weiß, wie es zubereitet wird und was drin ist. Habe mehrere Anfragen über Hygieneberichte bei den Behörden gestellt und keine Auskunft bekommen. Man kann sich denken, warum.

  17. 14.

    Tom, möchte mal wissen was in ihrem Kopf vorgeht, wenn sie einen solchen Kommentar hier abgeben. Oh man!

  18. 13.

    Nun seit meinem letzten Kommentar ist es nicht besser hier geworden. Und es hat nicht lange gedauert, da kommt ein Tom mit dem Rechtsextremismus : „ Siehe Pegida“... Das ist so neben dem Thema.... So wird das nie etwas hier. Viel Spaß liebe Leute.

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