Gähnende Leere in den Potsdamer Platz Arkaden (Quelle: rbb/Sabine Priess)
Video: Abendschau | 19.01.2020 | Ulli Zelle | Bild: rbb/Sabine Priess

Berliner Shopping-Meile - Tote Hose in den Potsdamer Platz Arkaden

Wer derzeit durch die Potsdamer Platz Arkaden schlendert, wird sie kaum wiedererkennen: Verrammelte Läden, kaum Licht, von Kunden keine Spur. Doch die Shopping-Meile soll umfänglich saniert werden. Von Sabine Prieß

Verrammelte Läden, trübes Licht, kaum Menschen. Die Arkaden am Potsdamer Platz, einst lebendige Shoppingmeile, werden umgebaut und daher sind bis auf einige wenige die meisten Ladengeschäfte zugebaut oder –geklebt. Auf einigen stehen Hinweise wie "Wir haben geschlossen". Auch "A Place for Change" ist zu lesen. Und Change – also ein Wechsel - ist offensichtlich auch nötig. Denn neben einigen Imbissartigen Restaurants haben derzeit nur noch etwa eine handvoll Geschäfte wie TK Maxx, Tommy Hilfiger und Camper geöffnet.

Dass die Shopping-Mall weitgehend verwaist ist, liegt vor allen Dingen daran, dass die Potsdamer Platz Arkaden bis 2021 umfassend modernisiert werden sollen. Dass das schon nötig ist, hat auch mit der Mall of Berlin – gegenüber am Leipziger Platz – zu tun, die den Arkaden bei einer fußläufigen Nähe von drei Gehminuten die Kunden abspenstig macht. Dabei waren die im Oktober 1998 eröffneten Potsdamer Platz Arkaden bis vor wenigen Jahren stets belebt, beleuchtet und rege besucht. Zigtausend Besucher sollen täglich in die Shopping-Mall gekommen sein.

Es gibt große Pläne für die Arkaden

Doch auch wenn es so aussehen mag: Aufgegeben hat man die Arkaden angeblich noch nicht. Nach der Sanierung sollen nach rbb-Informationen 90 Shops und mehrere Themenwelten – von Fashion über Technologie bis Entertainment - entstehen. Markthallen sollen darunter sein, gehobene Gastronomie und Premiumgeschäfte sollen geplant sein.

Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg sagte im rbb, es gehöre zu einer Großstadt dazu, dass sich "Plätze und Lagen regelmäßig neu definieren". Es könne dann Phasen geben, "die sehen trübe aus", räumte Busch-Petersen ein. Das sage aber nichts über die längere Perspektive des Ortes aus.

Im vergangenen Sommer hatte der für die Vermarktung der für die Arkaden zuständige Manager des Einkaufszentrumsentwicklers ECE, Sebastian Beck, im Berliner "Tagesspiegel" gesagt, man stehe mit den Potsdamer Platz Arkaden mitten in der Erneuerung, sei erfolgreich "wild am Vermieten und natürlich auch wild am Entmieten". Er gab sich zudem grundsätzlich zuversichtlich, dass die Gegend zwei Shoppingmalls vertrage. Denn man setze künftig in den Arkaden auf ein anderes Konzept als die Mall of Berlin. Während diese eine klassische Shopping-Mall sei, wo alles, was Rang und Namen habe, vertreten sei, wolle man in den Arkaden die Arbeitswelt mit Interessen der Touristen verbinden, so Beck.

Es gibt noch mehr Abgänge am Potsdamer Platz

Seit Ende Dezember 2019 hat auch die andere Seite des Potsdamer Platzes einen bedeutenden Abgang zu beklagen: Die Kinos Cinestar und Imax im Sony Center wurden nach 20 Jahren geschlossen. Hier waren die Mietverträge ausgelaufen.

Das Cinestar war bislang auch ein wichtiger Spielort der Berlinale. Die Filmfestspiele sind vom – vorübergehenden – Niedergang des Potsdamer Platzes also gleich mehrfach betroffen. Einer der zentralen Ticketschalter der Berlinale befindet sich in den nun annähernd ausgestorbenen Potsdamer Platz Arkaden. Zudem befinden sich sowohl der Berlinale-Palast als auch die Kinos Cinemaxx und Arsenal, in denen Berlinale-Filme gezeigt werden, am Potsdamer Platz. Da derzeit nicht einmal mehr alle Fast-Food-Ketten dort geöffnet haben, wird die Versorgungslage für Berlinale-Besucher dort vermutlich erheblich trostloser als in den Jahren zuvor.

Sendung: rbb 88,8, 09.01.2020, 13 Uhr

Beitrag von Sabine Prieß

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ich wüsste nicht, warum ich da einkaufen soll. Und überhaupt ist da gar nichts außer nervende Touris. Ich fahre lieber raus zum A10 Center. Da kann ich in Ruhe parken und bekomme das Gleiche und viel weniger Idioten.
    Friedrichstraße, Potsdamer Platz, Wilmersdorfer, Ku'Damm.. alles tote Hose. Bürofriedhöfe.

  2. 4.

    in den wilmersdorfer strasse akaden sieht es im übrigen ganz genau so aus: leerstand, geschlossen, verrammelt, ende bei mindestens 75 prozent der läden.

  3. 3.

    Mal sehen, ob die geldgeilen Herren von solchen super duper Einkaufszentren irgendwann mal mitbekommen, dass man jeden verdienten Euro nur EINMAL ausgeben kann...
    Fürchterlich diese Einstellung zur Gewinnmaximierung!

  4. 2.

    Das Ende wurde mit dem Center am Leipziger Platz eingeläutet. Die Reklame in der U2 ist da bezeichnend für. Beide Center werben um Kunden in engengesetzte Richtungen.
    Als Kunde gehe ich dann da hin wo es mehr Auswahl gibt. Also zum größeren Center. Das wussten auch schon die ehemaligen Ankermieter aus den Arkaden und zogen um.
    Lächerlich, wenn man nun erstaunt ist, dass die Arkaden sterben.
    Nun zeigt sich, dass der Platz ohne Kosum keine Funktion für Anreisende hat.
    Wenn man in der ganzen Stadt Multiplexkinos und Shopping Center baut,braucht man das im Niemalsland eben nicht mehr.

  5. 1.

    Wie, die tote Hose Campino macht eine Autogrammstunde und keiner geht hin?

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