Ein verendetes Huhn in einem Stall (versteckte Aufnahmen)
Video: Brandenburg aktuell | 20.01.2020 | Susett Kleine | Bild: Soko Tierschutz

Reaktion auf rbb-Recherche - Wiesenhof stellt Strafanzeige gegen Brandenburger Landwirt

Der Geflügelproduzent "Wiesenhof" wirbt mit dem Tierwohl-Label, doch ein Zulieferbetrieb aus Brandenburg hat nach rbb-Recherchen gegen die strengen Auflagen verstoßen. "Wiesenhof" hat nun Konsequenzen gezogen und Strafanzeige gegen den Landwirt erstattet.

Der Geflügelproduzent der Marke "Wiesenhof" reagiert auf Recherchen des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt mit einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus gegen einen für sie tätigen Landwirt. 

Ein verendetes Huhn in einem Stall (versteckte Aufnahmen)
Bild: Soko Tierschutz

Das Unternehmen wirbt damit, nach den Richtlinien des Tierwohl-Labels zu produzieren.  In Ställen in Königs Wusterhausen waren jedoch Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt und mit Hilfe einer versteckten Kamera dokumentiert worden. Hier lässt der Geflügelproduzent der Marke "Wiesenhof", die PHW-Gruppe aus Niedersachsen, seine Masthähnchen durch selbständige Landwirte aufziehen. Dort hat ein Mitarbeiter Hühnern das Genick gebrochen, ohne diese vorschriftsmäßig vorher betäubt zu haben.

Versteckte Aufnahmen von Tierschützern

Die Aufnahmen der Tierschützer dokumentieren auch nicht artgerechte Haltungsbedingungen wie zum Beispiel herumliegende Kadaver, an denen die Tiere picken. Ein Informant der "Soko Tierschutz" versicherte dem rbb-Verbrauchermagazin, dass es Tage gab, an denen die toten Hühner nicht eingesammelt wurden. Bis zu zwei Tage hätten diese am Boden gelegen. Tierschutzrichtlinien schreiben vor, dass Ställe in Mastbetrieben zwei Mal täglich kontrolliert und tote Tiere fachgerecht entsorgt werden müssen. Den Aufnahmen und den Recherchen nach geschah das nicht.

Das Verbrauchermagazin Super.Markt hatte die Geschäftsleitung von PHW mit den Bildern konfrontiert. Das Traditionsunternehmen erklärt gegenüber dem rbb Fernsehen: "Nach Sichtung des Videomaterials können wir Ihnen mitteilen, dass die auf dem gezeigten Betrieb durchgeführte Art und Weise der Nottötungen an selektierten, nicht lebensfähigen Tieren einen klaren Verstoß gegen das geltende Tierschutzrecht sowie gegen unsere internen Vorgaben und Schulungsinhalte darstellt." PHW bestätigt auch, dass der Landwirt verpflichtet ist, "mehrmals am Tag … die toten und nicht lebensfähigen Tiere auszusortieren." Man habe "... die zuständige Veterinärbehörde Landkreis Dahme-Spreewald informiert, den Vertrag mit dem selbständigen Landwirt gekündigt und Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus gestellt."

Ein verendetes Huhn in einem Stall (versteckte Aufnahmen)
Ein verendetes Huhn in einem Stall (versteckte Aufnahmen) | Bild: Soko Tierschutz

Landwirtschaftsminister Vogel: Aufnahmen furchtbar

Unter der Marke "Wiesenhof" erwirtschaftet die PHW Gruppe eigenen Angaben zu Folge einen Gesamtumsatz von 2,58 Milliarden Euro im Jahr, unter anderem mit der Produktion "hochwertiger Geflügelspezialitäten". Unlängst wurde ein Antrag zur Kapazitätserweiterung der Schlachtanlage in Niederlehme gestellt, dagegen richten sich auch Anwohnerproteste. Wird dem Antrag stattgegeben, könnten künftig 230.000 Tiere am Tag geschlachtet werden (bislang: 160.000).

Brandenburgs neuer Landwirtschaftsminister Axel Vogel (B90/Grüne) schätzt die Aufnahmen als furchtbar und unerträglich ein. Hier würden Haltungsbedingungen jenseits aller ethischen Grenzen deutlich. Vor dem Hintergrund der Grünen Woche betonte er, die Gesetze für Massentierhaltung müssten auf Bundesebene überarbeitet werden. 

Er fordert, dass "in Zukunft die Tiere nicht mehr an die Haltungsanlagen angepasst werden, sondern die Haltungsanlagen an die Tiere angemessen entworfen werden…". Dafür brauche man "umstellungswillige Bauern, die in dem Vorhaben auch finanziell unterstützt werden."

Sendung: Super.Markt, 20.01.2020, 20:15 Uhr

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29 Kommentare

  1. 29.

    Die Mäster sind bestenfalls unselbständige Selbständige, in finanzbehördendeutsch also Scheinselbständige.
    Ich hatte mal einen Auftrag, lebende Tiere von Niederlehme in das Veterinäramt der TU Dahlem zu transportieren.
    Ich habe mich in Grund und Boden geschämt, diese Tiere dort abzugeben, obwohl ich nur der Überbringer der wirklich schlechten Nachricht war.
    Dieses Tierleid ist einzig und allein der Geiz-ist-geil-Mentalität der Verbraucher geschuldet.
    Das Wiesenhof jetzt Anzeige erstattet hat, löst das Problem nicht. Der nächste Pächter wird wieder von Wiesenhof gegängelt und ihm bleibt garnichts anderes übrig, als genau so zu verfahren wie sein Vorgänger.
    Aber wir haben dafür billiges Fleisch in der Kühltruhe...

  2. 28.

    Mehr als kurzsichtig und ganz großer Humbug, aber glauben Sie ruhig weiter an das neoliberale Märchen. Oder um es kurz auszudrücken: OK, Boomer!

  3. 27.

    gleichzeitig wächst die Zahl der Wildschweine, Weißfische und Co. in der "Natur" ohne der Ernährung zu dienen. Weggeworfen oder kompostiert. Genau wie das tote Viehzeug. ICH aber soll meine Organe spenden. Da ist doch ein Großer Widerspruch drin.
    mit den krebsen hat es doch gut geklappt!?

  4. 25.

    Sorry Tacheles, hier ist noch gar nix erledigt. Weil Wiesenhof nun mal eine Anzeige gemacht hat, steht diese Firma nun nicht gleich auf einen Podest. Klar ist das gut, aber nicht gut genug. Wer kennt denn schon ehrliche Zulieferer? Ich nicht. Tierleid ist den meisten doch schnuppe, Hauptsache die Kohle stimmt.

  5. 24.

    Miese Betriebe unter Zulieferern gibt es leider immer wieder. Wiesenhof hat schnell und richtig reagiert. Damit ist die Sache erledigt.

  6. 23.

    Teurer wäre nicht das Problem, aber es wäre unbezahlbar! Die Bio-Lobby setzt "Bio" ein, um ein höchst Preissegment zu etablieren! Mehr nicht, reine Geldgier. Wer jetzt wieder aufschreien will, möchte sich vorher mal Umschauen, wie gut die Herrschaften betucht sind!
    Für viele ist schon Fleisch aus der Massentierhaltung kaum noch zu bezahlen. Wer nicht gerade die "Reste" essen möchte, sondern auch mal ein Steak oder eine Roulade, muss sehr tief in die Tasche greifen! Ich habe letztens bei Edeka für 6 Scheiben Roulade vom Rind 48 Euro gezahlt. Was soll denn das dann noch Kosten? 100 - 200 Euro? Warum sind wir so gesund und leben länger, als es den Politikern (besonders den Grünen) lieb ist? Weil wir seit den 60zigern nicht mehr hungern! Warum hungern wir nicht mehr? Genau,Massentierhaltung, konventionelle Agrarwirtschaft! Genau das, was wir jetzt, wo es uns gut geht, verurteilen! Jahrhunderte gab es Biolandwirtschaft.....und Hunger! Hatten wir also schon!

  7. 22.

    Die SOKO Tierschutz muss für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen werden - aber das bekamen bisher eher z.B. der Ehrenvorsitzende des Geflügelzüchterverbandes Deutschlands verliehen.

    ...DANN würde ich sie auch wieder wählen...
    Weil sich viele Tierrechtler und Tierschützer enttäuscht abgewendet haben anstatt aktiv innerhalb erfolgreich Tierschutz als Dauerthema zu aktivieren, gibt es relativ wenige von denen in dieser Partei - viel weniger als für eine effektive Tierschutzpolitik nötig wären. Sich in Splitterparteilein gegenseitig auf die Schultern zu klopfen reicht eben nicht für erfolgreiche Politik.
    Wäre ich Wiesenhof, würde ich genau solche Parteien massiv unterstützen - und zwar genau so lange, bis sie an irgendeine Grenze der politischen Wirksamkeit stoßen. Dann wird der Hahn zugedreht und der Tierschutz bleibt wie er war - kaum vorhanden und alles bleibt wie es in dem Beitrag hier beschrieben wurde.
    Also nicht nur Grün wählen, lieber noch mitmachen, beeinflussen

  8. 21.

    Diese Pauschalverurterlangen hilft Niemandem. Wenn ein Autofahrer unter Einfluss von Alkohol einen Unfall verursacht, sind es auch nicht "die Autofahrer". So lange die Verbraucher für 1 Hähnchen nur 1,99 zahlen wollen, wird sich nichts ändern. Außerdem hat die Politik die Kontrollorgane wie in vielen Bereichen kaputt gespart. Für die großen Supermärkte, die Lebensmittel "verramschen" ein Segen.

  9. 20.

    Es ist gelinde gesagt eine Schweinerei was da passiert.
    Die einzige Lösung ist, viel seltener Fleisch essen.
    Aber dann vernünftig von Biobauern.
    Auch wenn es teurer ist.

  10. 19.

    Zum Einen habe ich schon mal ein Problem mit der Bezeichnung "Geflügelproduzent" wahlweise auch "Fleischproduzent". Ich kann Käse produzieren oder ein Gemälde, ein Tier kann man nicht produzieren, in diesem Fall kann man es vermehren und bis zum Tod quälen.
    Wie auch immer: diese und schlimmere Formen der Tierquälerei findet in der Massentierhaltung 24/7 statt, wie galant von der Firma Wiesenhof die Zustände seiner Massentierhaltungstiere zu kritisieren. Als würde dieses Tierwohllabel irgendetwas daran ändern... Sollen sie von kleinen Biohöfen kaufen, da leben die Vögel im Freien, können picken, ein Sandbad nehmen und müssen sich nicht selbst oder den anderen die Federn ausreissen. Aber dann wäre das Produkt, welches von den Tieren gewonnen wird, ja teurer und der Käufer kaufts dann nicht mehr... ein Teufelskreis...

  11. 18.

    Nunja, die ganze Öko-Bewegung hängt mit der Entwicklung der Grünen zusammen, das lässt sich schlecht leugnen. Aber sie machen in der Tat zu viele Zugeständnisse, wenn es um den Machterhalt geht, deswegen wähle ich sie auch nicht mehr.

  12. 17.

    Vielleicht ist das so, aber Aufklärung sollte vor Verboten stehen, wir leben ja glücklicherweise nicht in einer Diktatur.

  13. 16.

    Nachvollziehbar, was Sie da schreiben. Aber was möglich wäre und einfach nicht stattfindet (und das gilt noch für ganz andere Bereiche): Die Leute mal mit gezielten, klugen Kampagnen aufklären darüber, was es heißt, billig zu essen, welches Tierleid, Gift und Kleinbauern in ihrer Existenz bedrohendes Preisdumping dahinter steht. In dieser Hinsicht passiert so gut wie nix. Viele wissen es wirklich nicht, da hiflt nur aufrütteln. Es gab in den 80er/90er Jahren geniale, effektive bundespolitische Aufklärungskampagnen zum Thema HIV, Ähnliches bezogen auf das Thema Massentierhaltung wünsche ich mir von den Grünen, dann würde ich die sogar wieder wählen ...

  14. 15.

    Tja, früher gab es, wenn überhaupt, nur einmal in der Woche Fleisch zu essen. Was war daran so schlecht??
    Warum muss es heutzutage jeden Tag Fleisch und Wurst sein? Um noch fetter und kränker zu werden??

  15. 14.

    RolfBerlinMontag, 20.01.2020 | 13:17 Uhr
    Antwort auf [Icke] vom 20.01.2020 um 11:19

    "Und die Mitbürger die solche Zustände offensichtlich gut finden diffamieren die Grünen gerne als Verbotspartei."

    Wobei das Problem selbst bei bestem Wollen z.B. der gerünen Politiker nur sehr schwer und mit sehr viel Geld zu verändern wäre. Eines der dicksten, stabilsten und dicksten Bretter, die es in dieser Republik zu bohren gibt!

    Das hat gar nicht sooo viel mehr mit direkter Korruption zu tun, aber sehr viel mit direkter Erpressung: "Wenn Sie uns die oder jene Anlage nicht genehmigen, opder uns mit zu hohen Auflagen und zu häufigen, unangemeldeten Kontrollen das Geschäft vermiesen gehen wir eben ins Ausland und zahlen künftige Gewerbesteuern eben da. Und Sie können sich Ihre Wiederwahl in die Tonne kloppen!"
    Gleichzeitig sind die Strukturen dahinter - wie beinahe überall in Sachen Tierschutz - seit sehr langer Zeit in dieser Form zementiert, dass Änderungen extrem schwierig sind.

  16. 13.

    Frau Klöckner ist Landwirtschaft-Agraministerin. Sie betreibt Lobbyarbeit mit Nestle und befürwortet Massentierhaltung. Nicht zu glauben, daß diese Frau noch im Amt ist. Auch beim Thema, kilometerweite Tiertransporte sagte sie nichts. Ihr ist Tierwohl egal, hauptsache ihre Taschen sind voll und wir haben wohl kaum noch nie so eine schlimme Person in diesen Amt gehabt, wie Frau Klöckner.

  17. 12.

    „Was macht Frau Klöckner eigentlich so beruflich?“

    Lobbyarbeit für Großunternehmen, was sonst? Das ist schließlich der Job einer CDU-Ministerin, in der Agrarindustrie wie überall sonst.

  18. 10.

    Guten Appetit, liebe Billigfleischesser!

    Aber wenn Wiesenhof ehrlich wäre (haha, gerade die Firma, die in Königs Wusterhausen viel mehr Hähnchen schlachtet als sie darf), würden sie sich selbst anzeigen. Dass diese Firma das Tierwohl-Label bekommen hat, zeigt deutlich, dass dieses Label nur zu einem taugt: sich den Hintern damit abzuwischen. Aber wahrscheinlich eignet es sich nicht einmal dazu.

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