Entwurf der Siemensstadt 2.0 mit Hochhaus
Ortner & Ortner / Siemens
Video: rbb|24 | 09.01.2019 | Vanessa Klüber | Bild: Ortner & Ortner / Siemens

Gewinner des Städtebauwettbewerbs - Siegerentwurf für neuen Siemenscampus steht fest

Er bildet die Grundlage für den großen 600-Millionen-Euro-Um- und Neubau des Siemenscampus in Spandau: Der Senat hat den Siegerentwurf für das Projekt gekürt - das Planungsbüro Ortner & Ortner hat den Zuschlag erhalten.

Der Siegerentwurf für den Siemenscampus stammt vom Architekturbüro Ortner und Ortner Baukunst. Das teilte Siemens-Vorstand Cedrik Neike gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) am frühen Mittwochabend in Berlin mit. Der Plan sieht eine Mischung aus Gebäuden und Freiflächen für Wohnen, Arbeiten, Forschung und Freiflächen vor - unter Berücksichtigung der bestehenden historischen Gebäude. Herzstück des etwa 100 Fußballfelder großen Areals soll ein Hochhaus sein.

Grafische Darstellung der Siemensstadt 2.0 mit Hochhaus
Grafische Darstellung der neuen Siemensstadt. Im Zentrum: Das neue Hochhaus. | Bild: Ortner & Ortner / Siemens

Mit der Verkündung ist eine wichtige Vorentscheidung für das 70 Hektar große Gelände gefallen, auf das nicht nur der Bezirk Spandau schaut: Ganz Berlin erhofft sich vom Siemenscampus einen kräftigen Entwickungsschub in Richtung voll vernetzte, digitalisierte "Smart City", woraus sich auch der inzwischen weit verbreitete Name ableitet: "Siemensstadt 2.0".

In dieser künftig vollvernetzten Siemensstadt soll unter anderem ein neues, besseres Verkehrskonzept umgesetzt werden, sagt Projektleiterin Karina Rigby und nennt als Beispiel das Thema "e-charging", also Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Doch sie und ihre Kollegen arbeiten auch an weiteren Projekten für die Entwicklung des Verkehrs auf der Schiene und fürs Auto: "Wie können wir das Thema ÖPNV nutzbarer machen? Wie verbinden wir das mit anderen Verkehrsformen, auch mit anderen Fahrzeugarten, wie zum Beispiel den Demand-Response-Shuttles?"

2030 soll alles fertig sein

Und zu diesen Verkehrsmitteln - unter anderem auch der guten alten und dann bald wieder benutzbaren Siemensbahn - kommen in der Siemensstadt 2.0 noch 200.000 Quadratmeter Wohnraum mit rund einem Drittel davon zu erschwinglichen Preisen, 70.000 Quadratmeter Forschungseinrichtungen und 310.000 Quadratmeter urbane Produktionsstätten. Außerdem soll hier auch noch Platz für ein Hotel, ein Studentenwohnheim und soziale Infrastruktur wie Kita und Schule sein.

Wie das gehen soll, wurde seit August 2019 von 18 renommierten Architektur- und Stadtplanungsbüros ausgetüftelt. Die ersten Antworten umreißen allerdings nur das große Ganze. Wie die neuen Gebäude der Siemensstadt 2.0 konkret aussehen werden und wie etwa der Denkmalschutz respektiert werden soll, wird ab Februar in einem weiteren Wettbewerb geklärt. Wann die Bagger rollen, steht noch nicht fest, doch der Zeitpunkt, wann diese Bagger wieder weg sein sollen, schon: 2030, in zehn Jahren also.

Siemensstadt 2.0 ist ein Teil von vielen

Für den Stadtentwicklungsexperten des Senats, Jens-Holger Kirchner, ist dieser Siemenscampus nur ein spannender Fleck von vielen auf der großen Berlin-Karte: "Jungfernheide, Siemensstadt 2.0, Insel Gartenfeld, dann die Wasserstadt Spandau bis nach Hakenfelde, und Tegel muss man ja dann noch mitdenken."

Eine ganze Region wachse hier, sagt Kirchner und meint damit eine ganz neue Stadt in der Stadt - eine, in der auch der Siemens-Konzern neue Wege gehen und die Technologien der Zukunft austesten will - vom "Smart Home" bis zum autonom fahrenden Shuttle und der High-Tech-Fabrik direkt neben der Kita.

Dafür will Siemens nach eigenen Angaben 600 Millionen Euro in Spandau investieren. "Es geht darum, an unserem größten Produktionsstandort mit 11.500 Mitarbeitern die Arbeitsplätze längerfristig zu sichern", sagte Neike im vergangenen Jahr. Dazu sollen sich auch Start-ups und Institute an der Nonnendammallee ansiedeln. "Wir wollen Forschung, Leben und Produzieren zusammenbringen."

Plan der neuen Siemensstadt 2.0

Sendung: Inforadio, 08.01.2020, 7.20 Uhr

Beitrag von Sebastian Schöbel

Kommentar

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Antwort auf [Interessierte Bürgerin] vom 09.01.2020 um 12:47
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8 Kommentare

  1. 8.

    Das ist nicht richtig. Auch in diesem Bericht geht es um Abeitsplätze. Der Campus wird einen so enormen Verlust an Siemensarbeitsplätzen mit sich bringen, dass ein unfassbarer wirtschaftlicher Schaden für Berlin entstehen wird. Bedauerlicherweise wird das jedoch unter den Teppich gekehrt und statt dessen suggeriert,es würden Arbeitsplätze entstehen, was de facto nicht der Fall ist. Richtig ist, zwischen 650 bis 800 Siemensarbeitsplätze werden im Dynamowerk verloren gehen und die schon verlorenen über 400 Arbeitsplätze des Schaltwerks sind nur der Auftakt des Jobuntergangs für dieses Berliner Werk. Etwa 6000 der etwa schon nur noch 11.000 Berliner Siemensarbeitsplätze werden in Berlin zur Disposition stehen. Es wird so enden wie in München. Dort gab es 40000 Siemensarbeitsplätze. Als es nur noch 7000 waren, hab ich das nicht weiter mit ansehen können. Heute steht dort das noble Wohnviertel Isar Süd. Jobs adieu. Ein Schlag für unser Rentensystem.

  2. 7.

    Weil es in diesem Bericht nicht um diesen Punkt geht, sondern um die geplante Zukunft des Kiezes.

  3. 6.

    Der RBB hat berichtet - s. z.B. https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2019/09/siemens-weniger-stellenabbau-berlin.html
    Haben Sie damals schon in der Region gewohnt?

  4. 5.

    Warum wird hier nicht über die Entlassung der vielen, vielen Mitarbeiter und Schließung der verschiedenen Werke berichtet? Siemens-Dynamowerk ist nicht mehr handlungsfähig, weil die riesigen Maschinen bereits stillgelegt und verkauft sind. Das gleichgültig für das Schaltwerk! Wer soll dort wohnen und Miete bezahlen, wenn es keine Arbeitsplätze mehr gibt? Die Bevölkerung wird für dumm verkauft! Und keiner berichtet.Danke RRB!!!

  5. 4.

    Immer wenn etwas Neues entsteht wird es von den Postkommunisten kritisiert.....
    Danke für Investitionen in Berlin!

  6. 2.

    Ich hoffe mit "Smart City" und "Smart Home" ist nicht die völlige durch die Überwachungskapitalisten Google, Facebook, Microsoft und Co. überwachte Stadt bzw. überwachtes zu Hause gemeint?

  7. 1.

    Das Verkehrskonzept wird interessant, aber immerhin gibt es eins dank der Vorleistungen von vor knapp 100 Jahren schon einen Grundstock. Mal schauen, ob die Instandsetzung schneller geht als der ursprüngliche Bau. Beim Verkehrskonzept darf die Insel Gartenfeld und vielleicht als ferner Traum Hakenfelde nicht vergessen werden. Immerhin hatte Siemens eine Leiter mitgebracht, damit der Senat in Bezug auf den Verkehr auch einmal über den Schotterdamm des S-Bahn-Ringes schauen konnte. Die Uferböschung der Havel ist aber ungleich höher.

    "Leistbare Wohnungen" ist ein dehnbarer Begriff. In diesem Fall bedeutet dies, dass 1/3 der Wohnungen an WBS-Inhaber vergeben werden sollen. Für "Normalverdiener" sind die ebenso unerreichbar wie die 15€-Wohnungen in Charlottenburg.

    "e-charging" ist nicht nur auf dem Siemenscampus ein Thema, sondern müsste wesentlich stärker auch im Rest Berlins verstärkt angegangen werden.

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