Hochhausmodell für Siemensstadt
Video: Abendschau | 10.01.2020 | S. Wendling | Bild: Ortner und Ortner/Siemens

Konzept für Siemensstadt 2.0 - Spandaus neue Krone mit Zacken zum Abbrechen

Historischer Saal, LED-Wand und eine kleine Panne: Mit großer Show hat Siemens den Siegerentwurf für den neuen Campus in Spandau vorgestellt. Die Zukunft des Areals kann nun erstmals detailliert betrachtet werden. Von Ann Kristin Schenten und Sebastian Schöbel

Ausgerechnet das Hochhaus. Alles hätte aus dem großen 3D-Architekturmodell der neuen Siemensstadt 2.0 herausfallen dürfen. Aber nicht das Hochhaus. Tut es aber. Nur wenige Augenblicke, bevor die mannshohe Stadtinstallation zu elektronischer Musik und Lichtblitzen durch die aufklappbare LED-Wand gefahren kommt und sich sanft in Schräglage neigt, fällt der Turm.

Cedrik Neike von Siemens setzt den Hochhausquader ins Siemensstadtmodell
Bild: Sebastian Schöbel/rbb

Dass aus Spandaus neuer Krone gleich zu Beginn ein Zacken herausgebrochen ist, merken bei der Präsentation am Mittwochabend allerdings erstmal nur die Eingeweihten. Auf der Bühne, die in der Mosaikhalle des Siemens-Gebäudes an der Nonnendammallee aufgebaut wurde, fummelt Jury-Chef Stefan Behnisch schließlich den Holzquader ins Zentrum des Modells zurück, das zeigt, wie Berlins modernster Stadtteil einmal aussehen soll.

"Der Entwurf hat nicht wegen des Hochhauses gewonnen, sondern trotz des Hochhauses", sagt Behnisch. Denn Siemens habe den Turm eigentlich gar nicht gewollt, plaudert er freimütig aus den unter strengster Geheimhaltung geführten Jurydebatten aus. Trotzdem darf der Turm bleiben: Als neues Wahrzeichen der Siemensstadt 2.0.

"Ein Meilenstein ist erreicht"

70 Hektar historische Industriefläche sollen zu Berlins erster "Smart City in der City" werden. Voll vernetzt, klimaneutral, offen. Bisher gab es nicht mehr als blumige Marketingversprechen. Nun liegt ein konkretes Konzept vor, das man ansehen kann. Entworfen von dem Berliner Planungsbüro Ortner & Ortner.

"Es wird ein neuer, lebenswerter Stadtteil entstehen, in dem die Bürger wohnen, arbeiten, lernen und forschen können", schwärmt Siemens-Vorstand Cedrik Neike. Der gebürtige Berliner hat den Campus in seine Heimatstadt geholt. "Heute haben wir einen weiteren Meilenstein erreicht, aus der historischen Industrie-Ikone Siemens in Spandau einen Berliner Zukunftsort zu gestalten."

Für den Siegerentwurf hat die Jury aus Siemens-Managern, renommierten Architekten und Senatsmitgliedern sich einstimmig entschieden. Insgesamt 18 Architekturbüros waren im Rennen, 17 Entwürfe wurden eingereicht. Der Gewinner habe einfach überzeugt, lobt Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke). "Er hat es sehr gut vermocht, ein robustes städtebauliches Konzept zu entwickeln", sagt sie. "Mit einem neuen Boulevard beginnend am S-Bahnhof Siemensstadt, mit einem neuen Stadtplatz und einem neuen Zentrum im Neubau-Areal."

Industriegeschichte als Bühne für Innovationen

Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) war derweil wichtig, dass der 600 Millionen Euro teure Campus die Historie der alten Siemensstadt respektiert und sie gleichzeitig zum Ort für technische Innovationen und Start Ups macht. "Diese lange Tradition, diese wichtige Industriegeschichte, die Bauten, die Architektur, das Erhalten, und gleichzeitig die Chance nutzen, in die Zukunft zu schauen."

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau, Helmut Kleebank, sieht in dem geplanten Siemenscampus eine große Chance. Der SPD-Politiker sagte am Donnerstag im Inforadio, der Siegerentwurf sei ganz hervorragend. Das Ergebnis eröffne alle Möglichkeiten, dass der Standort auch in 10, 20 und 50 Jahren attraktiv ist. Allerdings müssten noch einige Details geklärt werden. Als Beispiel nannte Kleebank die Frage, wie genau die angekündigte CO2-Freiheit erreicht werden soll.

Die Siemensstadt 2.0 ist eines der größten Zukunftsprojekte in Berlin. Schon in zwei Jahren soll mit dem Bau begonnen, 2030 dann Eröffnung gefeiert werden. Dann soll man hier auch leben können, in 2.750 neuen Wohnungen. Und, so das Versprechen von Siemens, mit echtem "Kiezflair". Ein Drittel der Wohnungen soll, so sagte es der Projektmanager Stefan Kögl am Donnerstag dem rbb, mietpreisgebunden sein.

Und natürlich ohne umstürzende Hochhäuser, verspricht Siemens-Vorstand Neike. "Wir werden auf jeden Fall besser bauen, als wir das Modell aufgesetzt haben."   

Der Siemenscampus

Sendung: Inforadio, 09.01.2020, 6:00 Uhr

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