Ganz dicht stehen Windräder hinter Einfamilienhäusern nahe Nauen, aufgenommen am 30.05.2016 (Quelle: Patrick Pleul/dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 03.01.2020 | Jana Wochnik - Sachtleben | Bild: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Skepsis in Brandenburg - "Windbürgergeld" soll Windräder attraktiver machen

Der Ausbau der Windkraft ist fast zum Erliegen gekommen. Als laut und hässlich gelten Windräder. Nach dem Willen Brandenburgs sollen benachbarte Kommunen an den Erträgen beteiligt werden. Die Bundes-SPD will Anwohner mit einem "Windbürgergeld" besänftigen.

Der Vorschlag direkter finanzieller Anreize an Bürger für Windräder in ihrer Umgebung stößt im Brandenburger Wirtschaftsministerium auf Skepsis. "Wir favorisieren eher das Modell, Geld an Kommunen zu geben", sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag in Potsdam. Ein sogenanntes Windbürgergeld könne eher kleinteilig sein und hohen Verwaltungsaufwand mit sich bringen.

Derzeit erzeugen mehr als 3.800 Windräder Ökostrom in Brandenburg. Doch die Genehmigungen und das Aufstellen neuer Windkraftanlagen sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Um den Windradausbau erneut anzukurbeln, bereite die SPD-Bundestagsfraktion ein "Windbürgergeld" vor, sagte Fraktionsvize Matthias Miersch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Im rbb sagte der Politiker am Donnerstag, durch das "Windbürgergeld" sollten Menschen belohnt werden, die Windkraftanlagen in ihrer Nähe akzeptieren und damit etwas für die Allgemeinheit tun.

Unterstützt werden die Pläne von den Grünen. "Die Windbranche braucht politischen Rückenwind. Es ist gut, dass die SPD sich nicht länger an kontraproduktive Ideen wie eine Grundsteuer Wind klammert und stattdessen unserem Vorschlag nach einer  Windprämie für Anwohnerinnen und Anwohner folgt", sagte  Grünen-Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter derselben Zeitung.

Die Brandenburger CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig kritisierte den Vorschlag aus der SPD als verzweifelten Versuch, "für eine veraltete Energietechnik Akzeptanz in der Bevölkerung zu erlangen". Die SPD solle lieber auf andere Systeme zur Energieerzeugung setzen wie etwa die Wasserstofftechnologie, erklärte sie.

Ausbau der Windkraft geht nicht voran

Tatsächlich ist der Ausbau der Windkraft nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland fast zum Erliegen gekommen. In den ersten neun Monaten 2019 gab es den schwächsten Zubau an Windrädern in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Zwischen Januar und September 2019 gingen nur 150 neue Anlagen ans Netz. An den Auktionen der Bundesnetzagentur für neue Windkraftanlagen beteiligen sich nur noch wenige Bieter.

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe prüft nach den Angaben Mierschs mehrere Konzepte, um die Akzeptanz von Windrädern zu erhöhen. Laut Miersch will die SPD aber auch die Möglichkeiten einschränken, Windanlagen juristisch zu verhindern.

Brandenburg will Kommunen beteiligen

Im Sommer war im Brandenburger Landtag beschlossen worden, die Kommunen mit einem "Windkraft-Euro" finanziell an neuen oder erneuerten Windrädern zu beteiligen. Begünstigt werden sollen Gemeinden, die in einem Drei-Kilometer-Umkreis um die Windanlage liegen. Sie sollen jährlich 10.000 Euro von dem verantwortlichen Windkraftunternehmen erhalten. Die
neue Kenia-Koalition hatte sich auf einen Mindestabstand der Windräder von 1.000 Metern zur nächsten Wohnbebauung geeinigt. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte gesagt, mit der Windkraft sei wie mit der Wurst: Essen wollen sie viele. Nur mit der Produktion will kaum jemand etwas zu tun haben.

Immer wieder protestieren Bürger gegen den Bau neuer Windräder. "Natürlich sind die Anlagen eine Belastung für Bürger und Kommunen im ländlichen Raum. Deshalb müssen sie Nutzen daraus ziehen können, zum Beispiel durch Einnahmen. Es darf nicht sein, dass Kapitalinvestoren eine große Rendite zu Lasten der ländlichen Bevölkerung beziehen", sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Anfang August.

Geld für die Kommunen oder aber direkt an die Bürger

Im Moment prüfen nach den Angaben Mierschs Bund und Länder mehrere Konzepte. Die finanziellen Anreize könnten demnach an die Kommunen oder direkt an die Bürger fließen. Diskutiert werden auch Genossenschaftsanteile. Miersch verlangte eine Einigung noch im ersten Quartal des Jahres 2020.

Sendung: Inforadio, 02.01.2020, 14:23 Uhr

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59 Kommentare

  1. 59.

    "Erneuerbare Energie"- ein Begriff, der mir noch nie gefallen hat. Denkt doch mal nach: Da nutzt man eine Energiequelle, die sonst einfach verpuffen würde oder besser sinnlos nicht genutzt wird. Erneuerbar ist selbst unsere Sonne nicht. Auch der Wind hat nur eine treibende Kraft: Unsere Sonne. Die macht es allerdings noch viele viele Jahre. ( Der Rest ist ja wohl bekannt ? ) Ergo: Die " Energieaufnahmegeräte " müssen wir erst mal fertigen; nicht immer CO2-frei und ewig halten die auch nicht. Es besteht Erneuerngszwang. Das alles sinnvoll so zu realisieren ist die Aufgabe von Wissenschaft und Technik. Politiker stören da nur zuoft. Wer in einer Partei die große Llippe schwingt ist eher ein Schädling. Naturwissenschaft und Technik ist angetreten noch nicht gelöste Probleme zu lösen. Wir schaffen das für die Menscheit ist Verpflichtung.

  2. 58.

    Habe nicht von der Wiederaufarbeitung geschrieben sondern von einer Weiternutzungstechnologie der bisher abgelagerten Brennstäbe. Derzeit ist die "Urannutzungsrate " so bei 3 %. Da ist mehr rauszuholen sagten sich Physiker und dachten weiter als alle Helmuts.

  3. 57.

    Damit wird das Problem nur verschoben, aber nicht gelöst. Auf Grund dessen sind die Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Gorleben (seinerzeit im so bez. Entenschnabel, von dreierlei Seiten von den DDR-Grenzanlagen umgeben) und in Wackersdorf zustandegekommen und dann folgend die Absagen an derlei Anlagen. Nichts Neues also.

  4. 56.

    Wenn Sie kein Interesse haben, sich mit den gleichfalls wichtigen Dingen zu beschäftigen, dann sagen Sie dies bitte auch. Sie betrachten die Angelegenheit als eine rein technische, ich als eine soziale UND als eine technische. Das mag den Unterschied verdeutlichen.

  5. 55.

    Windbürgergeld. Was für ein Wort. Windbürger. Himmel, wer denkt sich das bloß aus?

  6. 54.

    Wenn ich richtig informiert bin strebt die Wissenschaft- Testanlagen im Bau bzw. in Entwicklung- die Weiterverwendung ausgedienter Brennstäbe an. Was dann als Abfall anfällt ist in so 300 Jahren ungefährlich. Die Anlagen sind übrigens lange nicht so gefahrbelastet wie die heutigen AKW. Was geschieht aber auf der Pazifikinsel mit dem Betondeckel-100m Dmr-50 cm dick ? Darunter strahlt es durch erfogte Kernwaffentests der Supermacht. Irgendwann ist der Ozean verstrahlt. Ich will folgendes sagen: Es wäre ein Segen für die Menschheit würde man alle "Endlagerstätten" beseitigen können-die strahlen 10.000e von Jahren.

  7. 53.

    Aha, der Städter will Strom und der Landmensch soll deswegen neben einem Windkraftrad leben, Ziehen Sie doch aufs Land und bauen sie Dinger bei sich. Einfach ein großes Grundstück kaufen und gut ist. Aber Sie wollen wohl einfach nur Licht morgens im Bad, da tut es der Lichtschalter. Immer bei den anderen die Belastung.

  8. 52.

    Sorry, aber selten so ein Wirrwarr gelesen. Energie ist zunächst erstmal für den Einzelnen nutzlos. Was Sie benötigen Ist die Kraft aus der Energie. Ergo im Normalfall einfach Strom. Damit betreiben Sie dann Ihre Geräte. Dem Strom ist es, mal einfach ausgedrückt, egal, woraus er produziert wird. Und Speichern können Sie Strom, nicht Energie. Es sei denn fossile Rohstoffe zu lagern ist für Sie speichern. Sonne, Wind und Wasser zu speichern wurde noch nicht erfunden. Okay, Wasser können Sie anstauen;-). Und Strom in Leitungen zu speichern hatte mal eine Politikerin vorgeschlagen. Das geht auch nicht. Was wir brauchen ist Strom. Sie können ja versuchen, Ihre Heizung direkt an die Sonne zu stöpseln. Oder ein Stromkabel in den Wind zu halten. Wenn Sie da Strom bekommen, sind Sie in Genie

  9. 51.

    So erscheint das eben, wenn die Wirtschaft nicht etwa bloßes Mittel zum Zweck eines guten Lebens, sondern zum Zweck, treffender noch: zum Selbstzweck erklärt wird, dem sich alles andere gefälligst unterzuordnen hat. - Nicht der Arm ist der verlängerte und recht nützliche Teil des Menschen; Der menschliche Körper wird als Verlängerung des Armes definiert.

    Auch die Wirtschaft mit ihren Gepflogenheiten ist mithin Teil der Gesellschaft und damit ihrer tragenden Ethik. Nicht alles, was gemacht werden kann, ist geboten, zu tun. Die Atomkraft scheidet jedenfalls aus ethischen Gründen insofern aus, als 1. keine Technik unseren menschlichen Sinnen so sehr entgegensteht wie sie, denn keine unserer Sinne ist uns im Katastrophenfall sinnvoll und 2. wie der Zeithorizont der Gefährdung die Brücken der Generationen zerschneidet. Wir jedenfalls könnten nicht einmal die Schrift lesen, wenn zehntausende Generationen vor uns uns Derartiges hinterlassen hätten. Was "erlaubt" uns das, das zu tun?

  10. 50.

    Wenn Deutschland so weitermacht auf dem linksgrünsozialistischem Weg ist es bald vorbei mit Industrieland und made in Germany. Da reicht dann " Zappelstrom für alle". Ümweltsäue gibt es dann hoffentlich nicht mehr.

  11. 49.

    Informieren Sie sich mal über den Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau. Dieses war als Plusenergiegebäude geplant-wird aber nun bereits 2 Jahre "klassisch" beheizt um Bauschäden zu vermeiden. Man plant nun sogar die Außenfassade abzureißen und völlig zu erneuern. Bravo ! Wir hatten hier auf einer Hochfläche 7 Windkraftanlagen; 2 stehen noch-sind aber gesperrt; zu laut; unten angrenzende Wohngrundstücke. Ob man bei den 5 entfernten-waren auch zu dicht an Bebauungsgebiet- die riesigen Stahlbetonfundamente entfernte ist mir nicht bekannt. Hören Sie sich doch bitte mal den heutigen-4.1.-Kommentar um 6:05 Uhr im DLF an.

  12. 48.

    Das regt die Bürger nur noch an Forderungen zu stellen. Das macht es noch schlimmer. Dass durch Geld plötzlich die ganzen ach so schlimmen Nachteile nicht mehr so schlimm sind zeigt doch was die Masche ist.
    Baut endlich diese Dinger an Autobahnen und Bahntrassen entlang, zwischen Feldern und an Wälder. Und macht endlich einen Energiedachzwang bei Neubauten und Sanierung wie bei der Dämmung. Plus Energie Häuser müssen her, Flächendeckend. Fangt an.

    Und klemmt die Protestler einfach mal ein paar Monate vom Strom ab. Wer nicht will dass Strom erzeugt wird, der soll auch selbst keinen benutzen.

  13. 47.

    Naja die SPD wird es so sowieso bald nicht mehr geben. Das entspricht einer Enteignung wenn Grundstücke unverkäuflich werden, und den Bürgern die Klagemöglichkeiten nehmen. Was nützen noch so viele Windräder wenn kein Wind weht? In die Speichertechnologie muss investiert werden. Die Leute sollten endlich gegen diesen Irrsinn von rotgrünen Politikern auf die Straße gehen!

  14. 46.

    Sehe ich ähnlich. Wir werden aber auch künftig, abseits von Atomkraft und Erneuerbaren, weiter Energie importieren müssen. Ob das Strom direkt, Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe sein werden, wird die Zukunft zeigen. Autarker als heute werden wir trotz der EE ganz sicher nicht werden.

  15. 45.

    Grundlastfähig sind Atomenergie und fossile Energieformen, egal ob nun Gas aus Russland oder den USA, Öl aus Arabien oder Kohle aus Polen.
    Will man nun keine fossilen Energieformen aus Klimaschutzgründen, was ich durchaus verstehen kann, bleibt nur der Atomstrom übrig. Also frei nach der Abwandlung einer preußischen Devise "Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück".

    Die von Linksgrün und von der Regierung Merkel propagierten "erneuerbaren Energien" sind Zusatzausstattungen, sie können aber schon durch simple Beachtung der physikalischen Randbedingungen keine tragende Säule der Versorgung eines Industriestaats bilden.

  16. 44.

    Diese Fakten werden leider völlig ignoriert und wegdiskutiert. Die selben Leute beschweren sich dann noch über ständig steigende Strompreise.

  17. 43.

    Hand aufs Herz! Man schaue sich doch das Aufmacher Bild einer mit Windräder verhunzten Gemeinde bei Nauen an! Wer würde da gern, meinetwegen als Altersruhesitz, aus Berlin oder Hamburg da sich ein Haus kaufen? Ich jedenfalls nicht.

  18. 42.

    Entschuldigung, aber das ist Unsinn! Es ist völlig egal, aus welcher Form Energie in Strom gewandelt wurde, die Stromspeicherung ist immer identisch. Entweder erfolgt die Speicherung in Akkus oder der Strom muss wieder in andere Form von Energie gewandelt werden. Das kann zum Beispiel Bewegungsenergie wie im Pumpspeicher sein oder Wärmeenergie in Salzen. All das steht aber längst nicht im erforderlichen Umfang bereit und wird es auch in naher Zukunft nicht. Und wenn nicht bald mit großtechnischer Umsetzung begonnen wird, läuft die Energiewende vor die Wand und zwar mit Ansage!

  19. 41.

    Abgesehen von der "Energiewende ins Nichts" (Professor Sinn) mit u.A. auch Windkraftstrom, wird der SPD Vorschlag eher die betroffenen Bürger verärgern.
    Mit Geld will die SPD die Gesundheitsgefahren durch Infraschall, denen die Anrainer ausgesetzt sind, sowie die erheblichen Wertverluste von Häusern und Wohnungen abschütteln. Denn die werden nahezu unverkäuflich, wenn sie Windkraftanlagen als neue Nachbarn bekommen.

  20. 40.

    Jede der drei genannten Energien - Wind, Sonne und Gezeitenenergie bzw. Wasserkraft - haben ihre spezifischen Einsatzgebiete und ihre spezifischen Möglichkeiten, gespeichert oder nicht gespeichert zu werden. Solarenergie lässt sich sehr gut und mittlerweile auch baulich angepasst speichern. Im Grunde genommen geht es um einen vorhandenen und teilw. auch geschürten Gegensatz einer vom Menschenhand geplanten Energie, die damit per se nur eine künstlich erzeugte Energie sein kann oder um das Einlassen auf Schwankungen nicht künstlich erzeugter Energien.

    Mithin spielt in die Frage der Energieversorgung teilweise auch ein Kulturwandel mit hinein. (So, wie diese Gesellschaft heutzutage trotz höherem Lebensstandard weniger eingefleischt ist als noch vor fünf Jahrzehnten und heutzutage neben dem Kfz. weitere Verkehrsträger in das Sichtfeld gekommen sind. Es waren weniger technische Umstände, die das bewerkstelligten, sondern v. a. eine veränderte Sicht auf urbane Räume.)

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