Ein Start-up-Büro in Berlin. (Quelle: Jörg Carstensen/dpa)
Bild: Jörg Carstensen/dpa

Bundesweiter Vergleich - Studie: Berliner Start-ups sammeln am meisten Kapital ein

Berliner Start-ups haben auch im vergangenen Jahr bundesweit das meiste Kapital von Investoren eingesammelt. 3,7 Milliarden Euro flossen in junge Digitalunternehmen in der Hauptstadt, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft EY hervorgeht, über die die DPA am Dienstag berichtete. Das waren 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Bundesländervergleich folgt Bayern an zweiter Stelle mit 1,5 Milliarden Euro.

Insgesamt sammelten deutsche Start-ups so viel Kapital von Investoren ein wie nie zuvor und gelangten an üppige Summen für Geschäftsideen wie Mobilitätsdienste, Softwarelösungen und Finanz-Apps - insgesamt 6,2 Milliarden Euro, wie aus dem Papier hervorgeht, das der DPA vorliegt. Vor allem internationale Investoren steckten der Studie zufolge viel Geld in hiesige Start-ups.

262 Finanzierungsrunden in Berlin

Die bundesweite Finanzierungssumme stieg damit um 36 Prozent über den bisherigen Höchststand aus dem Vorjahr (4,6 Mrd). Auch die Zahl der Finanzierungsrunden stieg kräftig um 13 Prozent auf 704, davon 262 in Berlin (Vorjahr: 245) "Der Finanzierungsboom hält unvermindert an", sagte Hubert Barth, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung in Deutschland. "Es ist sehr viel Liquidität im Markt - mit weiter stark steigender Tendenz."

2019 habe es 13 Deals mit über 100 Millionen Euro gegeben, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Am meisten Geld floss demnach in die Münchner Firma Flixmobility, die für ihre Fernbusse bekannt ist und ein starkes Standbein in Berlin hat. Es folgen das Reise-Start-up GetYourGuide, die Gebrauchtwagenplattform Frontier Car Group und die Smartphone-Bank N26 - allesamt Unternehmen mit Sitz in Berlin.

Überlebenswichtige Geldspritzen

Für Start-ups sind die Geldspritzen oft überlebenswichtig: Die Firmen sind für ihre Expansion auf Investoren angewiesen, da sie in der Regel anfangs keinen Gewinn schreiben. Gerade angelsächsische Fonds stecken Wagniskapital in Start-ups in der Hoffnung, dass sich deren Geschäftsideen durchsetzen und ihnen üppige Profite bescheren.

"Hierzulande gibt es kaum Adressen, die Finanzierungen über 50 Millionen Euro anbieten", sagte Peter Barkow, Gründer des Analysehauses Barkow Consulting. Dazu zählen die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet und Konzerne wie Allianz. "Die großen Tickets kommen fast immer aus dem Ausland, vor allem den USA."

"Finanzstarke und überwiegend international tätige Investoren aus den USA, Großbritannien sowie Asien sind insbesondere an sehr großen Transaktionen interessiert", erklärt EY-Partner Peter Lennartz. Das liege auch daran, dass Start-ups in Europa niedriger bewertet seien als im Silicon Valley und der Einstieg entsprechend günstiger.

Staatlich unterstützten Wagniskapitalfonds

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Sie will die Gründerkultur mit staatlich unterstützten Wagniskapitalfonds vorantreiben. Eine neue Plattform für Gründer soll zudem Beratung und Vernetzung fördern. "Die Investorenszene für die Frühphase hat sich erfreulich gut entwickelt", meint Carsten Rudolph, Geschäftsführer der Förderagentur BayStartup in München. Die ersten ein, zwei Millionen seien kein Problem. "Schwierig wird es ab zehn Millionen Euro aufwärts, wenn es für ein Start-up darum geht, die Welt zu erobern."

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