Motorenhalle der Bombardier-Werke in Hennigsdorf (Bild: imago images / Kai Horstmann)
Video: Brandenburg aktuell | 18.02.2020 | Karsten Zummack | Bild: imago images / Kai Horstmann

Alstom-Übernahme angekündigt - IG Metall fordert Erhalt aller Bombardier-Jobs in Hennigsdorf

Nach der Ankündigung des Bahnherstellers Alstom, die Zugsparte von Bombardier zu übernehmen, fordern Gewerkschafter und Politiker den Erhalt aller Arbeitsplätze. Laut IG Metall herrscht Unsicherheit - auch am größten deutschen Standort in Hennigsdorf.

Am Montag hatte der französische Bahnhersteller Alstom mitgeteilt, er wolle die Zugsparte des Flugzeugherstellers Bombardier übernehmen. Eine Absichtserklärung wurde bereits unterschrieben, der Deal soll im ersten Halbjahr 2021 endgültig abgeschlossen werden. Reaktionen von Gewerkschaften und Politikern ließen nicht lange auf sich warten, hauptsächlich äußerten sie sich besorgt.

IG Metall: Hohe Verunsicherung

"Alle Arbeitsplätze in Hennigsdorf - dazu zählt Produktion, Entwicklung und auch die internationale Verwaltung - müssen erhalten bleiben", forderte Stefanie Jahn, Bevollmächtigte bei der Gewerkschaft IG Metall Oranienburg und Potsdam, am Dienstag. Sollten Umstrukturierungen anstehen, könnten diese nur erfolgreich gemeinsam mit den Beschäftigten, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft gelöst werden, so Jahn.

Die gegenwärtige Situation schaffe eine hohe Verunsicherung der Beschäftigten, die schnellstmöglich beendet werden müsse, sagte Olivier Höbel, IG Metall-Vertreter im Bombardier-Aufsichtsrat, in einer Erklärung vom Freitag. Der für die Bahnindustrie zuständige Vorstand Jürgen Kerner forderte die Unternehmen auf, schnellstens Stellung zu den Fusionsgerüchten zu nehmen.

Steinbach lobt Fachkräfte

Auch Politiker fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen in der Region. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hofft, dass das Bombardier-Bahnwerk in Hennigsdorf erhalten bleibt. Das Unternehmen könne in Hennigsdorf auf hoch qualifizierte Fachkräfte und jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen, so Steinbach.

CDU-Fraktionschef Jan Redmann äußerte sich ähnlich zur Übernahme. "Wir hoffen sehr, dass damit kein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sein wird", sagte er am Dienstag in Potsdam.

Mehr als 2.000 Jobs in Hennigsdorf

Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge zeigte sich optimistisch, dass die EU-Kommission die Übernahme billigen wird. Der Konzern will für die Zugsparte des kanadischen Konkurrenten etwa sechs Milliarden Euro zahlen.

Der Bombardier-Konzern ist in der Krise und schwer angeschlagen. Die Zugsparte hat ihren Sitz in Berlin. Von 40.650 Mitarbeitern, die laut Unternehmen zuletzt in 60 Ländern tätig waren, arbeiten nach Gewerkschaftsangaben rund 6.500 Stammbeschäftigte in Deutschland. Hinzu kommen etwa 1.100 Leiharbeiter. Am Standort Hennigsdorf arbeiten nach Gewerkschaftsangaben rund 2.000 Stammbeschäftigte, hinzu kommen rund 500 Leiharbeiter.

Sendung: rbb24, 18.02.2020, 16:00 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Zwischen Tesla und dem Schienenfahrzeugbauer besteht ein himmelweiter Unterschied: Die Schienenfahrzeuge werden für die Verkehrswende gebraucht. Damit die Leute genug Platz in den Zügen haben, müssen genug Züge fahren. Dagegen gibt es viel zu viele Autos. Sie stehen als verkehrshindernisse auf Busspuren, Geh+Radwegen und behindern dort den Verkehr. Nun will Tesla noch mehr Autos bauen. Selbst wenn die Autos auf regulären Parkplätzen stehen, gehen diese Flächen für Grünanlagen, breitere Geh/Radwege oder Häuser verloren. Für diese eine neue Autofabrik müßten als Ausgleich mindestens 2 andere Autofabriken geschlossen und renaturiert werden. Während die Arbeiter bei Bombardier wichtige nützliche Werte schaffen, bindet Tesla nur die Arbeiter. Sie fehlen dann als Lokführer, Busfahrer, Zugbegleiter, Auskunftserteiler, Instandhalter bei Bahn+Bus. Das har zur Folge, daß Züge und Busse wegen Personalmangel massenhaft ausfallen. Deshalb bin ich gegen Tesla. Ihr Kommentar ist total fehl am Platz.

  2. 4.

    Bei der Fusion geht es eben auch darum, mittels gesteigerter Marktmacht schlechte Qualität und Lieferverzögerungen durchzusetzen. Wenn dann Verluste kommen, ist das Unternehmen too big to fall und kann Subventionen erpressen.
    PESA in Polen hat sich auch schon so blamiert. Siehe Dieseltriebwagen.
    Statt sich mit Fusionsfantasien zu beschäftigen, sollte die Geschäftsführung von Bombardier sich über missratene Schweißnähte, Schwingungen oder langsam bootende un öfter fehlerhafte Bordcomputer einen Kopf machen.

  3. 3.

    Man kauft ja bekanntlich Unternehmen um x-fach Verwaltungsstrukturen aufzubauen und nicht weil man zusammen Kosten sparen könnte.

  4. 2.

    12000 Arbeitsplätze entstehen am anderen Ende von Berlin, wenn Grüne und AfD das zulassen. Kaputte Züge braucht niemand.

  5. 1.

    Ach, Industrie kann weg. Alles nach Frankreich verlagern. Brandenburg will Natur. Aufforsten. Arbeitsplätze sind in Brandenburg unwichtig. Schaut auf den Tesla-Streit. Bombardiergelände entsiegeln. Wer Sarkasmus findet, hat gewonnen....

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